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Alt 07.10.2012, 18:57
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AW: URLAUB ist…. (Bericht aus den Französischen Alpen)

Tierwelt

Trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit – zweite Septemberhälfte – gab es noch ein recht reiches Tierleben. Allen voran waren Heuschrecken bis in Höhen über 2200 m häufig, sowohl Caelifera (Feldheuschrecken) als auch Ensifera (Langfühlerschrecken).

Die Bilder 1 und 2 zeigen zwei Beispiele für Caelifera. In Bild 2 ist es die Schnarrschrecke (Psophus stridulus), die sich hier oberhalb des Col de Montgenèvre auf dem Wanderweg vergnügt.

Langfühlerschrecken (Bild 3) finden sich gerne auf feuchten Wiesen, hier das Weibchen einer flügellosen Art direkt auf einem Stein im Bach am Col de Granon in ca. 2400 m.

Wo viele Individuen einer Art oder Artengruppe zusammen vorkommen, sind auch deren Parasiten nicht weit. Beim Blick in einen Bach (Bild 4) fallen weiß-gelbliche, sich langsam ringelnde Würmer auf, dünn wie ein Rosshaar, aber 30 – 50 cm lang (Bilder 5 und 6).
Es ist die Gattung Gordius, Wasserkalb, Pferdehaarwürmer, die einem eigenen Tierstamm, den Saitenwürmern (Nematomorpha) angehören! Als Larven leben sie in Insekten, Heuschrecken, Käfern usw., die sie bei Erreichen des Imaginalstadiums so steuern, dass sie ein Gewässer aufsuchen. Dort schlüpfen die adulten Würmer, die keinen Darm haben und entsprechend keine Nahrung aufnehmen. Sie paaren sich und legen im Wasser ihre Eier ab. Die Wirtstiere sterben. Solche Saitenwürmer gibt es auch bei uns; in der Rhön konnte ich sie regelmäßig meinen Studenten auf Exkursion vorführen. Die Tiere sind außerordentlich zäh: Man kann so einen Wurm auch mit heftigem Ziehen kaum entzwei reißen!

In der Region gibt es inzwischen wieder Bartgeier, und auf dem Weg vom Col d’Izoard (2360 m) zu einem Lac de Souliers (Bild 7) sahen wir etwa ein Dutzend davon über uns kreisen. Leider waren sie zu hoch um Fotos zu schießen.
Dann aber überholte uns eine Gruppe merkwürdiger Lebewesen. Sie waren anscheinend mit einer Art „Königinnenbuckel“ ausgestattet und krabbelten teils auf zwei, auf drei oder vier Beinen seitlich vom Weg ab den Hang hinauf. Später sahen wir sie auf einer Anhöhe, wo sie anscheinend die Adulthäutung vollzogen. Jedenfalls entfalteten sie Flügel, und bald sah man diese eigenartigen Flugobjekte über dem Abgrund schweben (Bilder 8 und 9). Anscheinend schwärmen sogar verschiedene Arten gemeinsam, denn wir konnten zumindest Textilopteryx viridiflavus n.sp. (Gelbgrüner Textilflügler) und T. ruber n. sp. (Roter Textilflügler) unterscheiden. Vermutlich paaren sie sich jedoch nicht im Flug, sondern suchen dafür den Boden auf, wo sie sich auch der Flügel entledigen. Darin könnten sie den ja ebenfalls ursprünglich organisierten Termiten ähneln.

Es sind auf jeden Fall Zweiflügler (oder gar „Einflügler“?). Da sie die Flügel nicht bewegen, gehören sie der sehr ursprünglichen Insektengruppe der Starrflügler an. Eine evolutive Sonderentwicklung dürfte die grazile Aufhängung der Flügel weit oberhalb des Mesosomas darstellen. Vielleicht sind sie noch nicht wissenschaftlich beschrieben. So nenne ich die Ordnung mal provisorisch „Textiloptera“, denn die Flügel weisen außer ein paar eigenartigen Queradern bei näherer Betrachtung eine Struktur auf, die an gewisse Textilien erinnert.

Bild 10 schließlich zeigt ein Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum), das in einem Bergdorf auf rund 1800 m Höhe unermüdlich von Blüte zu Blüte schwirrte. Trotz sehr guter Lichtverhältnisse konnte ich allerdings die Flügel nicht scharf bekommen; der Flügelschlag ist wirklich rasant!

Fortsetzung folgt; schließlich stehen die Ameisen noch aus!

MfG,
Merkur
Angehängte Grafiken
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Dieser Text wurde nicht vom und nicht für den Foreninhaber bereit gestellt. (30.03.2014)

Geändert von Merkur (07.10.2012 um 19:02 Uhr).
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