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2.11.1 Sehen
Ameisen sehen mit Hilfe der Komplexaugen (Facettenaugen) mit je nach Art 3 - 1.300 Ommatidien bzw. Facetten, die seitlich auf dem Caput gelegen sind und mit den drei Stirnaugen (Ozellen), die man an der Vorderseite des Caput findet.
Jede Art sieht unterschiedlich gut:
W├Ąhrend zum Beispiel Lasius flavus fast g├Ąnzlich blind ist, da durch ihre vorwiegend unterirdische Lebensweise die Augen r├╝ckgebildet sind, k├Ânnen z. B. Arten der Gattung Cataglyphis (nach Ameisenma├čstab) ausgezeichnet sehen und verlassen sich bei der Orientierung haupts├Ąchlich auf die Methoden der optischen Orientierung.

Die Komplexaugen (Facettenaugen)

Die beiden Komplexaugen bestehen aus 3 - 1.300 weitestgehend gleich gebauten Ommatidien (Facetten), von denen jedes einzelne ein eigenes Bild in Form eines mehr oder minder hellen oder dunklen Lichtpunktes erzeugt.
Das Gesamtbild setzt sich also aus so vielen Lichtpunkten zusammen, wie die Augen Ommatidien enthalten.


Harpegnathos saltator Arbeiterinnen sind gute J├Ąger mit ausgezeichneten, sehr gro├čen Augen.

Wie viele Ommatidien das Auge besitzt, h├Ąngt von der Art, dem Geschlecht und der Kaste ab.
Arbeiterinnen haben innerhalb einer Art oft die wenigsten, M├Ąnnchen (aufgrund der notwendigen Orientierung w├Ąhrend des Schwarmfluges, die das gezielte Anfliegen von Weibchen erm├Âglichen muss) die meisten Facetten (laut Kirchner: Die Ameisen).

Zitat:
Das von den Komplexaugen entworfene Rasterbild erm├Âglicht aufgrund der geringen Zahl an Lichtpunkten zwar das Wahrnehmen von Bewegungen aber sicher nicht das pr├Ązise Erkennen von Formen.
Trotzdem d├╝rfte das Sehverm├Âgen von Ameisen nicht so schlecht sein, wie die geringe Ommatidienzahl erwarten l├Ąsst.
Eine Ameise sieht ja normalerweise kein ruhendes, sondern ein bewegtes Rasterbild.
W├Ąhrend sie l├Ąuft oder den Kopf hin und her dreht, "tastet" sie mit ihren Augen fortw├Ąhrend ihre Umgebung ab und nimmt dabei eine rasch wechselnde Folge von Rasterbildern auf.
Durch Aneinanderreihen der vielen dabei gewonnenen Einzelbildern d├╝rfte es einer Ameise sehr wohl m├Âglich sein, bestimmte Umgebungsstrukturen zu erfassen.
Das hohe zeitliche Aufl├Âsungsverm├Âgen des Insektenauges (d.h. die F├Ąhigkeit, selbst sehr rasch aufeinanderfolgende Bildeindr├╝cke zu verarbeiten) ist dabei sicher sehr n├╝tzlich.

Auch wenn das optische abtasten der Umgebung die Wahrnehmung von Details im Sehfeld einer Ameise deutlich verbessert:
Aus physikalischer Sicht sind die Komplexaugen keineswegs "technisch" ausgereifte Sehapparte.
Sie sind unf├Ąhig, sich auf wechselnde Gegenstandsweiten einzustellen.
Eine Ameise d├╝rfte aus diesem Grunde gro├če Teile ihrer Umgebung nur schemenhaft und ziemlich verschwommen sehen.
(Quelle: Walter Kirchner, Die Ameisen, 2001).

Zus├Ątzlich k├Ânnen viele Ameisenarten auch Farben (kein rotes Licht, daf├╝r jedoch Ultraviolett) erkennen.

Des Weiteren sind Ameisen in der Lage, die Schwingungsrichtung des Lichtes in den einzelnen "Himmelspunkten" zu erkennen.

b) Die Stirnaugen (Ozellen, Punktaugen)

Die drei Stirnaugen (wie der Name sagt, liegen sie in der Stirnregion des Kopfes) sind deutlich kleiner als die Facettenaugen.
Es sind au├čerdem Einzelaugen, die nicht aus vielen Ommatidien aufgebaut sind.
Sie dienen nicht dem Wahrnehmen von Bildern, sondern vermutlich dem Erkennen von Helligkeitsunterschieden (einschlie├člich dem Polarisationsmuster), Farben sowie der Richtung, aus der das Licht kommt.


Bei Ameisenarten der Gattung Cataglyphis spielen sie vermutlich eine Rolle bei der Orientierung mithilfe des Sonnenstandes und des Polarisationsmusters,
aber auch hier sind sie scheinbar nicht unbedingt notwendig, da in Versuchen auch Ameisen mit abgedeckten Stirnaugen nicht orientierungslos durch die Gegend getorkelt sind.

Weitere Informationen: Orientierung - Wie Ameisen sich zurechtfinden


2.11.2 H├Âren
Ameisen h├Âren T├Âne nicht wie wir Menschen (haben also keine Geh├Ârorgane), sie sind aber in der Lage, Vibrationen/Schall ├╝ber Sensillen (=best. Sinnesorgane) wahrzunehmen.

a) Campaniforme Sensillen

Sie liegen, wie die meisten Sensillen, an den F├╝hlern der Ameisen. Bei Atta findet man sie zus├Ątzlich an den Beinen. Dies ist bisher scheinbar nur bei wenigen Arten untersucht worden.

b) Subgenualorgan

Eine Struktur an den Beinen von vielen Arten, die ebenfalls dem Wahrnehmen von Vibrationen dient.

Es ist (Zitat von Sahal) eine Sensille, die zwischen Cuticula und Nervenstrang aufgeh├Ąngt ist.

c) Johnstonsches Organ

Auch das im n├Ąchsten Punkt n├Ąher erkl├Ąrte Johnstonsche Organ dient evtl. dem H├Âren (erkennen von Luftbewegungen).

2.11.3 Riechen
Ameisen k├Ânnen Ger├╝che ├╝ber Sensillen, die an den F├╝hlern liegen, wahrnehmen.
Die verschiedenen mit dem Riechen in Zusammenhang stehenden Sensillen werden unter dem Begriff "Chemorezeptoren" zusammengefasst.
Sie dienen dem Wahrnehmen von Duftstoffen, aber auch dem Unterschieden verschiedener Kohlendioxid- und Wasserdampf-Konzentrationen (laut Kirchner: Die Ameisen).

Zitat:
Der Wahrnehmung von Duftstoffen dienen haar- oder kegelf├Ârmige Ausst├╝lpungen der Antennenwand oder auch Einsenkungen derselben.
All diesen Gebilden ist gemeinsam, dass sie f├╝r Duftstoffmolek├╝le leicht durchl├Ąssig sind, die so zu den Riechsinneszellen im Inneren der F├╝hlergei├čel gelangen und diese in Erregung versetzen.
Offensichtlich gibt es bei den Riechsinneszellen auch Spezialisten, die nur auf bestimmte chemische Stoffgruppen oder Substanzen (z.B. Alarmstoffe) ansprechen.

F├╝r die Wahrnehmung von Kohlendioxid besitzen die Ameisen gesonderte Sensillen, welche die Form eines d├╝nnen, langen und gegabelten Schlauches haben; dieser beginnt mit einem Porus in der Antennenwand und f├╝hrt ins Innere des F├╝hlers.
(Quelle: Walter Kirchner, Die Ameisen, 2001).

├ťber die, laut Kirchner, mit Sicherheit vorhandenen Feuchtigkeitssinnesorgane ist kaum etwas bekannt, vermutlich liegen aber auch diese an den F├╝hlern.

Um bei bewegter Luft die Richtung festzustellen, aus der Ger├╝che kommen, besitzen die Ameisen das vermutlich auch zu diesen Zweck eingesetzte "Johnstonsche Organ", auch als J-Organ abgek├╝rzt.

Zitat:<
Das J-Organ ist kein einzelner Sensor, sondern eine Gruppe von Sinnesorganen und Hilfsstrukturen im Inneren des Pedicellus (2. Glied der Fuehler, 1. Gei├čelglied) bei Insekten.
Die Scolopidien oder stiftf├╝hrenden Sensillen, die zu den mechanoreceptorische Sensoren gez├Ąhlt werden, durch Bewegung, Biegung, Schwingungen und Beschleunigung erregt.
Bei Ameisen sind die Scolopidien so angeordnet, dass sie ein Abbiegen der F├╝hlergei├čel gegenueber dem Pedicellus registrieren k├Ânnen.
Entgegen fr├╝herer Deutung dient das Johnstonsche Organ aber nicht zur Schwerkraftorientierung (FOWLER 1954), vielmehr k├Ânnen die Ameisen so kleinste Luftbewegungen wahrnehmen, durch die ihre F├╝hlergei├čeln leicht gebogen werden.

Quelle: AmeisenWiki, entnommen im September 2009.
Eine Liste der Versionen/Autoren ist hier einsehbar.

2.11.4 Schmecken
Ameisen schmecken nicht in dem Sinne, wie wir Menschen es tun.
Sie riechen ├╝ber Rezeptoren an den F├╝hlern an der Nahrung und k├Ânnen so auf die nat├╝rlichen Inhaltsstoffe (Proteine/Kohlehydrate) schlie├čen, siehe Punkt 3.

Die vielgliedrigen F├╝hler (=Antennen) - Vielzweckwerkzeuge der Ameisen.


2.11.5 F├╝hlen
Ameisen sind in der Lage mit beispielsweise an den F├╝hlern gelegenen Tasthaaren zu kommunizieren und sich zu orientieren.
Es sind bewegliche Haare, an deren Basis Sinneszellen liegen. Wenn diese H├Ąrchen bewegt werden, stimulieren sie die Sinneszellen - die Ameise "f├╝hlt" ihre Umgebung.

Zitat:
Bei gr├Â├čeren Ameisenarten k├Ânnen mehr als 1000-2000 Tasthaare auf jeder Antennengei├čel stehen. Da sie ├╝ber die F├╝hleroberfl├Ąche verteilt sind,
liefern Zahl und Ort der gereizten Haare recht differenzierte Informationen, z.B. ├╝ber die Gr├Â├če und Form eines betasteten Objektes.
Und das umso besser, als eine Ameise ja zwei F├╝hler besitzt, mit denen sie kleinere Objekte auch umgreifen kann.
(Quelle: Walter Kirchner, die Ameisen, 2001)

Weitere Informationen zu diesem Thema finden sich hier: Orientierung - Wie Ameisen sich zurechtfinden


Quellenangabe: Die Informationen zu diesem Thema stammen gro├čteils aus Walter Kirchners: "Die Ameisen", Bernhard Seiferts: "Die Ameisen Mittel- und Nordeuropas", Fernsehdokumentationen sowie http://www.ameisenwiki.de.

Autor: chrizzy
Fotos: Alex Wild, Necturus

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