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Debalator: Ameisen für den Anfang (2. Februar 2017, 12:59)

Hi,
Ich will mir demnächst eine kleine Startkolonie kaufen da ich das Gefühl habe das ich mich mit der Ameisenhaltung in der Theorie nun recht gut auskenne.
Nun aber stellt sich für mich die F rage was es für eine Art sein darf, ich weiß das Lasius n iger die Anfängerkolonie schlecht hin ist, allerdings würd ich gerne wenn sie schwärmen mir eine eigene Lasius n iger Königin fangen.
Daher nun meine Frage, welche Ameisenart ist für den Anfang gut außer Lasius n iger? Es wäre super nett, wenn ihr auch dazusagen würdet wann ich sie aus der Winterruhe raus holen kann.
LG Luca

Raffi1204: Re: Ameisen für den Anfang (2. Februar 2017, 13:10)

Hallo Luca!
Ich würde dir zum Anfang Messor b arbarus empfehlen, da diese nur eine kleine Winterruhe (ich glaube November bis Februar) brauchen und auch nur minimal veränderte Temperaturen im Nest/Formicarium benötigen. Messor Arten brauchen halt noch zusätzlich Körnerfutter, aber das kann man sich ja ganz leicht im Garten besorgen :D
Lasius n iger sind natürlich die beste Wahl, aber Messor sind auch recht einsteigerfreundlich.
MfG Raphael

Kalinova: Re: Ameisen für den Anfang (2. Februar 2017, 13:15)

Hallo Luca und willkommen. :)

Du solltest die Art nicht unbedingt danach auswählen, was einfach zu halten ist sondern vor allem ob sie dir gefällt. Sprich es gibt einige Fragen die du beantworten solltest damit gezielte Vorschläge kommen können.

Dabei geht es um die Winterruhe, Größe der Tiere, Größe der Kolonie, bevorzugte Verhaltensweisen, Nahrung, mögliche Haltungsparameter usw.

Ich hatte mich anfangs auch eher auf einheimische Arten eingefahren weil die ja "leichter" sein sollten. Jedoch empfinde ich das Thema Winterruhe gar nicht als so leicht. Daher kommen aus meiner Sicht prinzipiell auch exotische Arten für Anfänger in Frage.

trailandstreet: Re: Ameisen für den Anfang (2. Februar 2017, 13:51)

Willkommen im Forum Luca.

Da kann ich Kalinova Recht geben. Die Winterruhe ist die Phase, bei der oft die Ersten Völker der Anfänger eingehen.
Da ist eine südländische Art, die man bei verringerter Raumtemperatur überwintern kann, schon einfacher über den Winter zu bringen. Messor barbarus ist da eine gute Wahl.

Wenn man mal die Möglichkeit hat, die Gründung mitzuverfolgen, ist das auch immer wieder spannend. Da solltest Du tatsächlich die Schwarmflüge abwarten. Bis die L niger so weit sind, kann man sie ja noch locker in einer kleinen Box halten.

Übrigens, das Artepithet schreibt man klein ;)

Debalator: Re: Ameisen für den Anfang (2. Februar 2017, 16:59)

Danke für die bisherigen Tipps.
Um die "Fragen" von Kalinova zu beantworten, Winterruhe wäre eine kurze oder sogar gar keine sehr gut da ich gerne die Ameisen das ganze Jahr über beobachten würde und sie sich nicht 6 Monate verkriechen sollten.
Die Größe der Tiere ist mir erstmal egal. Die Kolonie darf ruhig groß werden, sollte jetzt aber nicht mein ganzes Zimmer an Platz brauchen.
Bei den Verhaltensweisen kenne ich mich nicht wirklich aus, hätte aber gerne aktive Ameisen.
Bei der Nahrung ist denk ich auch vieles machbar, nur Blatschneiderameisen eher nicht, da für diese irgendwie das Grünzeugs bekommen müsste.
Haltungsparameter, da wäre es super wenn ich sie bei Raumtemperatur halten könnte und sie nicht sofort eingehen, wenns mal etwas kälter oder wärmer wird.

benai: Re: Ameisen für den Anfang (2. Februar 2017, 21:26)

Hallo,

du gibst uns zwar einiges, aber auch nicht so wirklich was um daraus eine Art zu folgern.

Bei Exoten sprich Ameisen ohne Winterruhe wirst du nicht umhin kommen dort eine Wärmequelle zu benutzen. (24 - 28°C)
Bei südeuropäischen wäre es auch von Vorteil etwas zusätzliche Wärme zu liefern.

Wie Kalinova schon sagte müsstest du Grundfragen zu den Arten beantworten, das mit der Winterruhe ist der wichtigste Punkt bei der Ameisenhaltung, da sich danach alle anderen Punkte richten müssen.

Winterruhe:
keine (Exoten), 4 Monate bei 10-15°C (südeuropäische und bestimmte asiatische Arten) oder 6 Monate bei 0 - 10°C z. B. im Kühlschrank, im Keller oder oder (heimische Arten)
Dies muss von dir vorab geklärt sein, ob du eine Winterruhe bewerkstelligen kannst.
Anwort: Damit würden einheimische Arten wegfallen.

Platzbedarf:
Wie groß darf die Kolonie denn werden? Wie viel Platz hast du zur Verfügung?
Eine Kolonie kann von wenigen 100 Tieren was vielleicht ein 90x45x30 Terrarium ist bis 500.000 Tiere umfassen die 25.000 Liter an Aquarien und PVC Schläuchen oder Acrylglasrohren benötigen. Wenn man Atta noch mit einbezieht geht die Zahl auf mehrere Millionen hoch. Allerdings in einem Privathaushalt äußerst schwer zu bewerkstelligen allein von der Futtermenge schon nicht. Diese Menge dauert jedoch selbst bei den entwicklungsfreudigsten Arten schon mehrere Jahre, also erstmal keine Panik.
Viele Kolonien halten sich bei 1.000 bis 20.000 Tiere auf je nach Gattung und Art.
In der Haltung werden Kolonien immer größer als in der Natur, da es hier keine Räuber, Verluste oder Nahrungsengpässe gibt.

Koloniewachstum:
Es gibt Arten die brauchen ewig bis sich die Kolonie vergrößert, andere bilden in wenigen Monaten das wofür andere 2-3 Jahre benötigen.

Körpergröße:
Soll die Art eher winzig 1 mm - 4 mm, klein 5 mm - 8 mm , mittel 8 mm - 20 mm oder groß 20 mm bis 35 mm sein?
Deine Antwort: egal

Farbton:
Ist irgendein bestimmter Farbton gewünscht von schwarz, über gelb, rot bis hin zu gepunktet gibt es nahezu alles?

Nahrung:
Was sollen deine Ameisen fressen? Insekten und Kohlehydrate oder Sämerein oder Blätter, Früchte, Gräser?
Antwort: Die Mehrheit der Ameisen ernährt sich von Insekten und Kohlehydrate. Andere Ernährungsweisen sind eher Spezialiserungen wie Messor die Körner fressen und Blattschneiderameisen die sich von Blättern, Früchten und je nach Art von Gräsern ernähren.

Kannst du erklären was du mit aktiv meinst?

Die Ameisen werden dir nicht sofort eingehen wenn es etwas kälter oder wärmer wird, allerdings musst du den Temperaturbereich der Tiere die du hälst auch generieren. Dies lässt sich recht gut mit einer Heizmatte oder anderen Wärmequellen erzielen.

gruß
benai

Debalator: Re: Ameisen für den Anfang (2. Februar 2017, 22:36)

Danke Benai für den ausführlichen Beitrag.
Ich versuch dann das ganze mal etwas genauer zu beschreiben.

Zur Winterruhe sagte ich ja bereits das sie am liebsten keine halten sollten da ich so das ganze Jahr was von den Ameisen habe und mich nicht extra um ein Platz für die Winterruhe kümmern muss.

Bei der Größe hab ich an einen Bereich von mindestens 1000 bis ca 5000 Ameisen gedacht da ich denke das ich den Platz den sie brauchen ihnen auch zur Verfügung stellen kann.

Die Kolonie darf ruhig recht schnell wachsen da ich Spaß dran haben werde ihnen neue Unterkünfte und Schlauchanbindungen zu bauen.

Bei der Körpergröße kenne ich mich nicht so aus was das für einen Unterschied macht ob die groß oder klein sind außer das man sie besser beobachten kann, daher ungern winzige und auch keine großen.

Beim Farbton wäre nicht Schwarz schön ist aber kein muss, da ich kein besonders großen Wert auf Aussehen lege.

Zur Nahrung könnte ich Insekten anbienten für die Ameisen, außerdem sollten Körner auch noch machbar sein. Blätter oder Gräser stelle ich mir schwerer vor da ich diese schwer lager kann.

Mit aktiv meinte ich das sie sich zeigen lassen und nicht nur alle im dunklen Nest sitzen, meinte da mal was gehört zu haben das es aktive und weniger aktive gibt.

Mal hoffen das diesmal meine Angaben besser sind.

LG Luca

benai: Re: Ameisen für den Anfang (3. Februar 2017, 17:59)

Hallo,

das ist etwas knifflig.

Würde jetzt spontan bei Ameisen ohne Winterruhe Camponotus vittatus, Camponotus silvicola, eine Art der Gattung Aphaenogaster evtl noch Polyrhachis dives, Polyrhachis illaudata oder Polyrhachis rastellata vorschlagen. Polyrhachis kann etwas schwieriger sein. Ist wenn du es mal raushast aber recht simpel in der Haltung. Da von den gennanten außer P. illaudata alle ihr Nest selber bauen und du nur Futter, Wasser und Baumaterial zur Verfügung stellen musst. Polyrhachis ist aufgrund ihrer hohen Polygynie sehr zahlreich, aber wenn du dir nur eine Kolonie mit einer Königin holst wird die Menge der Arbeiterinnen bei 1000 +- 200 Tieren bleiben. Mehr fällt mir aktuell nicht ein bei Ameisen ohne Winterruhe.
Mit 6 monatiger Winterruhe gäb es da alle Formica die man halten darf.
Mit 4 monatiger Winterruhe gäb es da so spontan nur Iberoformica subrufa.

Diese fressen bis auf die Aphaenogaster, wobei hier zu klären wär ob es sich um Körnerfresser oder Elaiosomfresser handelt, alle nur Insekten und Kohlehydrate.

Ernteameise bilden im Allgemeinen eher größere Kolonien. (ab 10.000 aufwärts)

gruß
benai

Debalator: Re: Ameisen für den Anfang (3. Februar 2017, 21:45)

Super vielen dank für die Vorschläge, ich hab die Koloniegröße auf 1000- 5000 gesetzt da ich davon ausgehe das ich diesem Platz gut zur Verfügung stellen kann, wie viel Platz brauchen denn Kolonien einer größe von 10000+ ?

Bedeutet das wenn die Ameisen ihre Nester selber bauen ich nur Außenwelten für sie bereitstellen muss und garkeine nester bastel kann ?

benai: Re: Ameisen für den Anfang (3. Februar 2017, 21:58)

Hallo,

das ist pauschal nicht zu sagen.


Super vielen dank für die Vorschläge, ich hab die Koloniegröße auf 1000- 5000 gesetzt da ich davon ausgehe das ich diesem Platz gut zur Verfügung stellen kann, wie viel Platz brauchen denn Kolonien einer größe von 10000+ ?
Es kommt da immer auf die Art und die damit verbundene Größe der Tiere an.

Ich tippe aktuell bei meiner S. geminata (Arbeiterinnen: 3 - 5 mm - sollen 15.000 - 20.000 oder mehrere 100.000 Tiere haben) auf 2 Ebenen entweder 90x60 oder 150x60 cm.
Die jeweils mit 3 - 6 Becken und etwa 30 Meter Plexiglasrohren versehen werden sollen. Zusätzlich dazu muss man noch die Nester berücksichtigen.
Bei meinen Camponotus nicobarensis (Arbeiterinnen: 6 - 12 mm) oder Camponotus maculatus (Arbeiterinnen: 8 - 16 mm) die etwa 3 - 6 x bzw. 4 - 8 x so groß sind wie S. geminata rechne ich eher mit 3 Ebenen, dickeren Schläuchen und mehr Wegstrecke je Ebene.

Allerdings hab ich aktuell nur noch Gründerkolonien, daher ist das ganze eher Zukunftsmusik. Schau dir am besten mal Ernes Internetseite an http://www.ameiseninfos.de/index.html . Ist der einzige der mir so spontan einfällt der Langzeithaltungsberichte führt von exotischen Ameisen.


Bedeutet das wenn die Ameisen ihre Nester selber bauen ich nur Außenwelten für sie bereitstellen muss und garkeine nester bastel kann ?
Ja das heißt es. Polyrhachis dives und Polyrhachis rastellata gehören zu den "unechten" Weberameisen die die Seide ihrer Larven nutzen um damit ihr Nest zu bauen. Polyrhachis illaudata gehört eben so zu den "unechten" Weberameisen, allerdings ist diese Art größer als die beiden oberen Arten und nutzt eher Höhlen, Korkröhren oder sonst was. Da sie bei mir nie gespinnt haben. P. dives und P. rastellata tuen dies wie man es von ihnen erwartet.

gruß
benai