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Knollnase: Heimchenzucht (oder längere Aufbewahrung) (11. März 2006, 09:46)

Hallo Ihrs.
Ich hab mir nun ein paar Heimchen gekauft, doch meine "winzigen" Ameisenkolonieen vertilgen die natürlich nicht alle auf einmal. Nun habe ich ein bisserl im Netz gegoogelt und schwupp: Suchseite 1 war ein voller Treffer. Ich setz hier mal den Link hin:
http://www.wildvogelhilfe.org/sonderbeitraege/futtertierzucht/heimchenzucht.html

Scheint mit ziemlichem Aufwand verbunden zu sein. Mehrere Becken, täglich Futter, etc. pp. Hat jemand von Euch schon Erfahrungen gemacht? Oder gibts von Euch ein paar Tips wie man die länger am Leben erhalten kann? Ich habe keine Lust, die wieder einzufrieren, da ich einerseits Momentan keinen Kühlschrank hab, andererseits meine Myrmica sabuleti die nicht so gut im aufgetauten Zustand annehmen.

Zudem hab ich noch folgendes Problem. Meine Myrmica s. (2 Königinnen + 2 Arbeiterinnen) bzw. Lasius p. (1 Königin, ~15 Arbeiterinnen) nehmen momentan kein Eiweisfutter auf. Die ignorieren die Heimchen derzeit völlig (OkOk, ich hab die Heimchen erst gestern morgen angeboten, und bis jetzt (~24 h später) sind die noch nicht drüber hergefallen). Nur das Honigwasser nehmen die Arten derzeit mit Erfolg an, kann das noch eine Nachwirkung der Winterruhe sein? Immerhin sind die Arten ja erst ~1 Woche aus dem Winterschlaf raus... (ich berichtete: Mein Kühlschrank ist kaputt, und die Arten wurden aktiv, und saßen in den Reagenzgläsern am Wattepfropfen, und wollten raus :-) )

Also über Tips "nach der Winterruhe" und v.a. der Heimchenversorgung würd ich mich freuen...

Boro: (11. März 2006, 10:01)

Hallo Knollnase!
Ich steh vor ähnlichen Problemen! Allerdings halte ich meine Heimchen ohne weiteres 3-4 Wochen am Leben. Sie sind in einem Kübel mit einigen Unterschlupfmöglichkeiten untergebracht und werden nur mit Karotten (ich glaub in D: Moorrüben) gefüttert. Das Problem ist aber, dass meine Ameisen die Heimchen nur 2-3mal als Nahrung annehmen, dann haben sie kein Interesse mehr! Ich denke, es ist so wie bei den Menschen: Wer will schon immer das gleiche essen?
Kleine Spinnen nehmen fast alle gern, aber wo find ich die, überall liegt noch Schnee.....
Gruß Boro

Knollnase: (11. März 2006, 10:26)

Original von Boro Karotten (ich glaub in D: Moorrüben)
Moorrüben, ui, das ist wirklich ein ungebräuchliches Wort. Karotten oder Möhren, das versteht hier jeder! Aber ist eine gute Sache. Ich denk ich werd ma ein paar" Daucus carota ssp. sativus" ;) zu meinen Heimchen geben. Sollte ich die in einen größeren Behälter packen? Im Moment sind die halt in so einem Plastik-Schälchen (10x10x4 cm)...

Original von Boro Das Problem ist aber, dass meine Ameisen die Heimchen nur 2-3mal als Nahrung annehmen, dann haben sie kein Interesse mehr!

2-3 mal ...pro Leben? ...pro Woche? ...pro Jahr? ...hintereinander? Ich hatte ähnliche Probleme letztes Jahr. Die haben ungern Heimchen gefressen (anfangs ja, hinterher selten) und auch Fliegen waren den Myrmica r. nicht gut genug, nach anfänglicher Skepsis.

Sollte man die Heimchen (sind ja schon recht groß) vielleicht lieber zerteilen, oder am Stück lassen?!?

Janis: (11. März 2006, 10:35)

Hallo.
Ich habe mit meinen Messor barbarus das gleiche Problem, eine Zeit lang habe ich sie immer mit aufgetauten Mehlwürmern gefüttert, nach einer Zeit nahmen sie die nicht mehr an.
Ich weiß nicht woran das lag, ob sie schon zu lange eingefroren waren, oder ob sie einfach mal Abwechslung benötigten. Im Moment füttere ich gefrorene Mittelmeergrillen, die nehmen sie wieder an.

Bei Jungkolonien habe ich aber allgemein beobachtet, dass diese lieber kleine Tiere annehmen. Daher füttere ich sie meist mit kleinen Fliegen. Wenn man diese nicht im Freiland bekommen kann, so züchte ich Drosophila, was nicht wirklich viel Aufwand ist, allerdings ein bisschen stinken kann.

Die Zucht von Grillen hingegen ist aufwändig und ausserdem wird man nicht vermeiden können, dass einem die eine oder andere junge (kleine) Grille auskommt. Dann halten sie sich meist in der Nähe von Wärmequellen auf, z.B. Heizungen oder beim Kühlschrank. Man sagt zwar, dass sie sich dort nicht fortpflanzen können, mir ist es trotzdem nicht geheuer.

Gruß
Janis

Knollnase: (11. März 2006, 10:42)

Original von Janis
Die Zucht von Grillen hingegen ist aufwändig und ausserdem wird man nicht vermeiden können, dass einem die eine oder andere junge (kleine) Grille auskommt. Dann halten sie sich meist in der Nähe von Wärmequellen auf, z.B. Heizungen oder beim Kühlschrank. Man sagt zwar, dass sie sich dort nicht fortpflanzen können, mir ist es trotzdem nicht geheuer.

Wenn ich das richtig verstanden hab, brauchen die ~28-30°C um sich "richtig" wohl zu fühlen. Eier brauchen aber eine hohe bis sehr hohe Luftfeuchtigkeit, genauso wie die ausgewachsenen Tiere regelmäßig Feuchtigkeit brauchen. Daher sollte eine Vermehrung (sieht man von "immer-nassen" Räumen ab) eher unwahrscheinlich sein. Zudem hat man ja nicht das Futter für die Tiere offen rumliegen (Gemüse ist ja meist im Kühlschrank und Essensreste sollten ja bei keinem der sich mit Krabbeltieren beschäftigt zu lange unbeobachtet rumliegen...

Das mit den Fliegen ist richtig, aber mein Futter-Dealer ( ;) ) hat momentan keine Fliegen, und kommt da auch schwerlich dran. Wie kann man die "sauber" und problemlos züchten?

EDIT: Wow, die Heimchen fallen ja über die Möhren her, wie ausgehungerte Wölfe über die Lämmchen 8o

fab: (11. März 2006, 12:46)

hab mir eben mal die fliegenzucht durchgelesen und mich an meine damaligen maden erinnert, die ich als kleiner junge in einem angegeschäft kaufte. nach einer gewissen zeit war der gestank dermaßen heftig, dass man es kaum noch ausgehalten hat.
aber zurück zum thema: wenn eure kolonien grade aus dem winterschlaf kommen, was haben sie denn an brut? oft ( ausser bei ponerinen und einigen anderen arten ) wird proteinreiche nahrung nur eingetragen, wenn brut - larven - vorhanden sind.
bei mir werden grillen eigentlich immer sehr gerne genommen, aber ein besonderes leckerli sind vor allem mehlwurmpuppen. wenn diese noch im weichen weißen zustand abgekockt und eingefroren werden, haben selbst kleinste arten keine probleme mit der verarbeitung. man könnte hier auch über eine zucht nachdenken, aber bei den geringen preisen in meinen augen in keinster weise lohnenswert.

Knollnase: (11. März 2006, 12:56)

Original von fab
aber zurück zum thema: wenn eure kolonien grade aus dem winterschlaf kommen, was haben sie denn an brut? oft ( ausser bei ponerinen und einigen anderen arten ) wird proteinreiche nahrung nur eingetragen, wenn brut - larven - vorhanden sind.

Lasius platythorax (L.n. Zwillingsart). Brut: keine gesehen.
Myrmica sabuleti. Brut: auch keine gesehen.

M. sabuleti benötigt Eiweis zur Eiablage...

fab: (11. März 2006, 13:25)

jau, dazu kommt noch, dass die kolonien wirklich recht klein sind. da sind die mit ner fliege schon gut bedient, auch über ein paar tage hinweg.

Janis: (11. März 2006, 14:24)

Original von Knollnase
Wenn ich das richtig verstanden hab, brauchen die ~28-30°C um sich "richtig" wohl zu fühlen. Eier brauchen aber eine hohe bis sehr hohe Luftfeuchtigkeit, genauso wie die ausgewachsenen Tiere regelmäßig Feuchtigkeit brauchen. Daher sollte eine Vermehrung (sieht man von "immer-nassen" Räumen ab) eher unwahrscheinlich sein. Zudem hat man ja nicht das Futter für die Tiere offen rumliegen (Gemüse ist ja meist im Kühlschrank und Essensreste sollten ja bei keinem der sich mit Krabbeltieren beschäftigt zu lange unbeobachtet rumliegen...

Mit der Vermehrung hast du sicherlich recht. Nur in den aller ungünstigsten Fällen wird es dazu kommen. Aber zumindest die Kurzflügelgrillen werden in deiner Wohnung überleben, wie mir schon von verschiedenen Bekannten bestätigt wurde. Meist leben die Grillen dann in der Küche, dort haben sie Feuchtigkeit, Wärme und zumindest in den meisten Küchen doch irgendwie die Möglichkeit an Essen zu gelangen. Aber probier es doch einfach aus, zur dauerhaften Plage wird es schon nicht werden.

Die Zucht von Drosophila ist sehr einfach. Grundprinzip ist immer Zuchtbrei in ein Glas, etwas "Laufmaterial" dazu, Ansatz Fliegen drauf, luftdurchlässiger Verschluss drauf und abwarten.
Für Zuchtbrei gibt es im Internet die verschiedensten Rezepte.
Die einfachste Variante ist ein Zuchtsubstrat, dem man nur noch Wasser beifügen muss. Vorteile dieses Breis sind, dass die Geruchsentwicklung minimal ist, der Arbeitsaufwand gering und die Ausbeute hoch. Für das Laufmaterial gibt es ebenfalls wieder verschiedene Möglichkeiten. Man kann z.B. einfach Küchenrolle nehmen, muss aber aufpassen, dass diese sich nicht zu nass saugt. Eine bessere Variante ist Holzwolle. Für genauere und verschiedene Anleitungen einfach mal Google bemühen.

Bezugsadresse für Drosophila und Zuchtsubstrat:
http://www.terrarientechnik.de