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Adrus: Winterruhe verlegen? (9. September 2005, 15:54)

Liebe Freunde mit Meisen *GG* (2-deutig)

Ich denke man kann sich 2 Kolonien anschaffen ( einheimische ) und diese so richten, damit man bei jeder immer genug zu sehen kriegt und zwar:

Die eine Kolonie (die aus Jungköniginnen besteht d.h. neuaufbau) lässt ihr ab jetzt im Zimmer d.h. warme Temperatur die andere gebt ihr in die Winterruhe (keller usw...) Wenn die Kolonie, die in der Winterruhe war wieder Frühling hat, so bringt ihr die nicht überwinterte Kolonie jetzt in den Keller für die gleichen Monaten d.h. meistens 3 Monate ...

So habt ihr den Ameisen ihren Winterruhe gegönnt. Nun halt ist das Jahr einwenig verschoben (doch man merke sich Ameisen haben die Dinosaurier überlebt!) also werden sie eine verspätete Ruhe akzeptieren und sich schon nach dem ersten mal daran gewöhnt haben!

Im nächsten Jahr wieder dasselbe während die eine Winterruhe hat, könnt ihr die andere seelenruhig weiterbeobachten... und wenn diese schlafen muss wieder die andere, d.h. dauer Ameisenspass mit einheimischen Tieren! :)


Ps: Dies ist nur eine These von mir und beruht nicht Erfahrung...

Werde dies aber genauso handhaben mit meinen jetzigen! mfg Adrus

mitschi: RE: Winterruhe verlegen? (9. September 2005, 16:09)

Ich glaube das hat Toblin oder Toby schon vorgeschlagen ;) .
Mich würde interesieren ob das wirklich möglich ist.
mfg

beckZ: (9. September 2005, 16:20)

es wird in allen Kellern die ich so kenne im sommer wärmer als 14 grad.
Also klappt dass mit dem "überwinterm" im sommer nich so toll.
Im Kühlschrank geht es zwar ne weile, aber wenn die Kolos größer sind macht auch das schwierigkeiten.

DerUntergraber: (9. September 2005, 16:24)

die idee hatte ich auch schonmal, aber ich denke das es gerade für neugegründete kolonien besonders schlecht ist wenn sie so lange auf ihren Winterruhe verzichten müssen

Toblin: (9. September 2005, 17:16)

Ja richtig. Ich hatte es vor ein paar Tagen mal im Winterruhe Thread geschreiben.
Allerding mit einer langsamen Phasenverschiebung von 1-2 Monaten pro Jahr,
damit die Kolonie sich langsam an die neue Zeit der Winterruhe gewöhnen kann.

Ob es die Meisen wirklich nicht stört hängt wohl davon ab ob sie einen eigenen Biorythmus haben,
von dem sie sich auch nicht nicht abbringen lassen oder ob sie einfach anhand der fallenden Temperaturen merken das es Winter wird.
Soweit ich weis gibt es in der Biologie auch Fachwörter für diese beiden Rhytmusarten, die ich aber leider nicht kenne.

Witzman: (9. September 2005, 18:20)

Endogener Rhytmus ist das Zauberwort.

Es ist definitiv nicht bei allen Arten moeglich
Auszug von A.Buschinger aus dem Ameisenwiki:

Der Zeitpunkt, wann ein Volk in die Winterruhe verfällt, wird durch exogene und endogene Faktoren bestimmt. Die Ameisen haben also sozusagen zwei "Uhren", an denen sie ablesen, wann Winterruhe-Zeit ist: eine "innere Uhr" und eine äußere (Wetter und Temperatur).
Einige Arten vertrauen mehr der einen, andere mehr der anderen Uhr. So ist es bei einigen Arten möglich durch verkürzte Temperaturzyklen mehrere "Jahresläufe" innerhalb von 12 Monaten vorzutäuschen. Andere Arten verlassen sich mehr auf die "endoge Uhr" und verhalten sich unabhängiger von der Außentemperatur. Fast alle Arten verzichten jedoch (sehr zu ihrem Schaden) auf eine Winterruhe, wenn diese nicht durch Temperatursenkung von außen mit angezeigt wird.
Einzige Ausnahme scheinen hier die Camponotus-Arten zu sein, die auch bei konstanter Temperatur Winterruhe halten. Doch sind dem Verfasser keine Untersuchungen bekannt, die die Fertilität von Camponotus-Völkern in Abhängigkeit zur Temperatur vergleichen. D.h. eine Absenkung der Temperatur schadet sicher nicht, während dem Verfasser nicht bekannt ist, ob und wenn ja in welchem Maße eine erhöhte Temperatur während der selbstständig eingeläuteten Winterruhe den Tieren vielleicht doch schadet.
Generell kann gesagt werden:
In der freien Natur ist die Lebensweise der Ameise eher als Kampf gegen die Kälte zu verstehen.
Bei Innenraum-Formicarien dagegen muss der Halter / die Halterin vielmehr darauf achten, dass die Tiere nicht zu lange und zu hohen Temperaturen ausgesetzt sind.
Über Monate hinweg in ständiger Raumtemperatur leben zu müssen - ohne Tag- / Nacht-Wechsel und ohne Schlechtwetterperioden vor allem aber ohne Winterruhe - darauf sind die einheimischen Ameisen in ihrer Evolution nicht vorbereitet worden. Sie reagieren mit Larvensterben, Arbeiterinnensterben, geminderter oder vollkommen eingestellter Fortpflanzungstätigkeit. Sprich: Früher oder später wird das Volk aussterben.

ciao
Witzman

Frame: (9. September 2005, 18:21)

Das hatte schonmal jemand im alten Forum angesprochen.
Buschinger antwortete damals folgendes:
Es geht NICHT, Ameisen zu einem beliebigen Zeitpunkt aus ihrem Jahresrhythmus heraus zu reißen, also z.B. aus dem Sommer (Hochzeitsflug) in den Winter zu katapultieren.
Es gelingt aber, z.B. mit Lasius niger -Königinnen, sie bis zum Herbst im Reagenzglas bei Zimmertemperatur zu halten (pflegeleicht, brauchen kein Futter, nur hinreichend feucht muss es sein) und dann ins Kühle zu stellen. Die Überwinterung sollte ca. 5 Monate nicht unterschreiten, kann aber auf 7-8 Monate ausgedehnt werden. So hätte man nach Auswintern einiger Königinnen eben noch weitere "in Reserve", falls mit den ersten was schiefgeht.

Oft ist die Zimmertemperatur so gleichmäßig hoch, dass die Entwicklung der Völker viel rascher abläuft als im Freiland, wo ja (leider!) immer mal wieder die wirklich schönen Tage durch eine Schlechtwetter-Periode mit niedrigen Temperaturen unterbrochen werden. Als Folge entstehen früher junge Arbeiterinnen (bzw. Geschlechtstiere), und auch die für die nächste Überwinterung "programmierten" Larven sind bereits im Juli/ August im Nest. Solche Völker (Kennzeichen: Immer weniger Larven verpuppen sich, wartet man zu lange, sterben auch schon welche) sind bereit zum Einwintern, und dann hilft wirklich nichts als der Kühlschrank. Entsprechend ist ein im August eingewintertes Volk bereits im Januar wieder in "Frühjahrs-Stimmung" und kann ausgewintert werden. Über 2-3 Jahre fortgesetzt kann man so gleichzeitig Völker im Winter und andere im Hochsommer haben, der Jahreszyklus wird auf ca. 9 Monate verkürzt.

Wenige Arten (z.B. Leptothorax acervorum, NICHT aber L. nylanderi !) kommen mit einem "kurzen" Winter von nur 6 Wochen zurecht. Nur mit diesen ist es möglich, den Jahreszyklus auf 4 Monate zu reduzieren und, wie oben beschrieben, dann dreimal in einem Jahr Geschlechtstiere zu produzieren.

mfG., A. Buschinger

Toblin: (9. September 2005, 18:28)

Ja wenn das nicht mal zwei klasse Antworten sind! Vielen Dank!

Irgendwie kommt mir das jetzt auch wieder alles bekannt vor. Das habe ich wohl schonmal im Ameisenforum oder im Wiki gelesen....