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zx6: Direktumzug aus Reagenzglas in Ytong? (5. Januar 2008, 16:52)

Hallo,

mich würde interessieren, ob einer von euch alten Hasen schon mal folgendes versucht hat oder eine Meinung dazu hat:

Ist es möglich/sinnvoll/anzuraten/Kokolores, bei Erhalt einer begatteten Myrmica rubra Königin (im Reagenzglas) dieser direkt den Einzug in ein Ytong-Nest schmackhaft zu machen?

Jenachdem, wie kurz sie erst im Reagenzglas drin ist (also insb. wenn sie noch keine Eier reingelegt hat), hat sie dieses evtl. noch nicht hundertprozentig als ihre Klaustralkammer akzeptiert und würde noch in ein direkt gegenüber liegendes (Öffnung an Öffnung) Ytong-Nest umziehen.

Dieses Ytong-Nest könnte man so präparieren (und somit vorteilshaft erscheinen lassen), daß es
natürlich viel, viel dunkler ist,
bereits sauber befeuchtet ist (hinten mehr als vorne, um zwei unterschiedliche Ablageplätze für Puppen vs. Eier/Larven anzubieten),
zu Anfang nur eine kleine Kammer verfügbar ist (es also nicht zu groß ist)
andere Kammern zwar vorhanden sind, aber noch mit Sand oder Erde ausgefüllt sind (vermutlich trägt Myrmica rubra lieber Erde als Sand durch die Gegend, oder?)
ein wenig Verschlußmaterial für den Eingang zur Verfügung steht (womit bastelt Myrmica rubra am liebsten? Erde und Lehm nehm' ich mal an?) Der Sinn hinter so einer Aktion wäre aus meiner Sicht, den kompletten Stress eines Wohnens-im-Glashaus zu sparen und der Kolonie selbst die Entscheidung zu überlassen, wann die Klaustralkammer erweitert und zur Außenwelt geöffnet wird.

Über Meinungen - insbesondere zur Frage, ob die Königin selbst ihre Sauerstoffversorgung sicherstellt (im Grunde ist Ytong ja atmungsaktiv) und ob die Feuchtigkeitszufuhr auf diese Art und Weise ausreichend ist - würde ich mich freuen.

Gruß,
zx6

swagman: AW: Direktumzug aus Reagenzglas in Ytong? (5. Januar 2008, 18:22)

Möglich ist es schon, aber meiner Meinung nach nicht nötig sondern eher unpraktisch.

Ein Reagenzglas bietet der Königin alles was sie braucht.
Natürlich sollte das Glas komplett abgedunkelt werden. So, dass kein/kaum Licht mehr einfallen kann.
Der Wassertank bietet genug Feuchtigkeit, so dass weder Königin noch Brut austrocknen. Die Art liebt es eher feuchter als trocken, deshalb ist es auch kein Problem. Sie kann sich dann, denn besten Platz im Reagenzglas aussuchen mit ihrer Brut.
Es bildet eine geschlossene Kammer, wobei Myrmica rubra semiclaustral Gründet, also das Nest verlässt um Futter zu suchen.

Erde wird deshalb nicht in der Haltung benutzt, weil die organischen Bestandteile schell zu Schimmeln beginnen. Gerade in einem Ytong-Nest.

Toblin: AW: Direktumzug aus Reagenzglas in Ytong? (5. Januar 2008, 18:57)

Eine einzelne Königin zum Umzug zu bewegen ist sehr schwierig. Man kann es so versuchen wie Du es vorhast. Einfach das RG ohne Umwege an den Ytong anschließen. So besteht die Möglichkeit einer Verlagerung "innerhalb des Nestes ". Doch Vorsicht: Im neuen Nest optimalere Bedingungen anzubieten, kann auch schnell bedeuten, dass die Bedingungen im bisherigen Nest nicht optimal sind. Im schlimmsten Fall bedeutet dies wochenlanger Dauerstress durch zu viel Licht, Wärme, Trockenheit, oder ähnlichem. Versuch also nicht die Gyne rauszuekeln . Wenn diese Methode nicht funktioniert würde sie behutsam aus dem RG ins den Ytong schütteln. Das bedeutet zwar auch Stress, jedoch nur kurz. Sehr interessant und lesenswert ist auch der Artikel zum Thema im Ameisenwiki: Nestumzug!


Über die Sauerstoffversorgung brauchst Du dir keine Sorgen machen, es sei denn Du versiegelst das Nest komplett mit Silikon ;). "Ob die Feuchtigkeitzufuhr auf diese Art und Weise ausreichend ist" kann ich von hier aus schlecht beurteilen. Aus Erfahrung kann ich jedoch sagen, das Myrmica rubra es "fast lieber nass als feucht" mögen. Also mit der Feuchtigkeit nicht geizen!

Gruß
Tobi

zx6: AW: Direktumzug aus Reagenzglas in Ytong? (5. Januar 2008, 19:39)

Hallo,

danke euch erstmal für die Antworten!

Was ich nicht (mehr) wußte, war, daß Myrmica rubra semiklaustral gründen - damit wäre dem Halter zumindest die Entscheidung, wann die Klaustralkammer zu öffnen ist, abgenommen.

Der Ameisenwiki-Artikel zum Nestumzug ist interessant - danke für den Link.

Ich würde auch nicht versuchen, die Königin zum Umzug zu zwingen, sondern weiterhin nach bestem Wissen und Gewissen das Reagenzglas als brauchbares Nest versorgen und es einfach Ausgang an Ausgang zum Ytong-Nest legen. Und einfach sehen, was passiert.

Sobald Eier vorhanden sind, wird die Königin vermutlich eh nicht mehr umziehen. Oder sind Halter-Erfahrungen zu einem Nestumzug ohne Arbeiterinnen aber mit Brut vorhanden?

Gruß,
zx6

chrizzy: AW: Direktumzug aus Reagenzglas in Ytong? (5. Januar 2008, 21:07)

Hallo,

nach Lehrbuchmeinung ziehen gründende Königinnen, sobald sie ein Nest als solches akzeptieren (was mWn noch vor der Eiablage passiert), nicht mehr um - wenn sie in der Natur ein falsches Nest wählen, sterben sie meist - das bezieht sich wohl auch auf claustral gründende Arten.

Zitat aus dem von Toblin verlinkten Artikel:

Weder die junge Königin allein, noch das nach Schlüpfen der Pygmäen vorhandene kleine Volk haben Tendenzen zum Nestumzug! Ein solcher ist in der Natur allenfalls eine Notreaktion. Eine Gründerkönigin mit den ersten Arbeiterinnen, oder gar die Königin allein, zwingen zu wollen, dass sie in ein Ytongnest etc. umziehen, ist falsch, weil völlig unnatürlich! Hat sie "falsch gewählt" bei der Anlage der Gründungskammer, so wird sie zumeist im Winter sterben. In der aufgezwungenen, nicht selbst ausgewählten, Gründungskammer "Reagenzglas" geschieht das ja leider oft genug. Dann stellt sich das Umzugsproblem jedenfalls nicht mehr.

Eine Königin wird also nicht umziehen, wenn du sie nicht zum Umzug zwingst - das ist natürlich auf jeden Fall zu unterlassen.

PS: Ein Rg ist für die Ameisen eigentlich ein eher nachteiliges Nest (wer einen Vorteil gegenüber anderen Nestern hat: Immer her damit), nur für den Halter bietet es Vorteile. Es ist anders geformt als Kammern in der Natur, zu groß, zu großer Eingang, die Bedingungen sind schwerer zu verändern, die Brut wird durch die runde Form in der Mitte zusammengequetscht, was vor allem bei Kondenswasserbildung zu Problemen führen kann, wenn es in der Mitte des Rg's zusammenläuft, und nicht zuletzt erspart man den Ameisen einen stressigen Umzug, wenn man die Königin gleich im Ytong (oder einem anderen, geeigneten Nest) gründen lässt (ich kann diese Liste noch fortsetzen ;))

Wenn man also im Schwarmflug eine Königin fängt, rate ich auf jeden Fall zu einem Ytongnest, einem Gipsnest, einer Ameisenfarm etc. als erstem Nest.

lg, chrizzy

swagman: AW: Direktumzug aus Reagenzglas in Ytong? (6. Januar 2008, 14:20)

PS: Ein Rg ist für die Ameisen eigentlich ein eher nachteiliges Nest (wer einen Vorteil gegenüber anderen Nestern hat: Immer her damit), nur für den Halter bietet es Vorteile.

Ich stimme dir zu, für die Ameisen ist es nicht ideal.
Aber eben für uns Halter.
Es hängt wohl auch von jedem Halter ab, wie er das beurteilt. Ich finde es Praktischer mit Reagenzglas. Auch, oder gerade am Anfang wenn die Kolonie noch klein ist. Ich lasse meine Ameisen meist erst umziehen wenn das Glas zu klein wird, kommt ganz auf die Art an. Bei einigen Arten währe sogar eine Dauerhaltung in Reagenzgläsern möglich.

Wenn man also im Schwarmflug eine Königin fängt, rate ich auf jeden Fall zu einem Ytongnest, einem Gipsnest, einer Ameisenfarm etc. als erstem Nest.

Als ich angefangen habe mit der Ameisenhaltung, gab es noch kein Internet und auch sonst kaum Bücher oder etwas ähnliches, dass sich mit diesem Thema beschäftigt hat.
Also musste ich selber einiges Experimentieren und herausfinden. Das hat leider so mancher Kolonie oder Königin das Leben gekostet.
Aber mir einiges an Erfahrung gebracht. Im Nachhinein, wenn ich mich so im Forum umsehe, bin ich jetzt froh darüber wie ich angefangen habe mit diesem Hobby. (so hat sich nie die Frage nach Exoten gestellt.;) )
Aber, ich bin mir sehr sicher, dass so mache Königin oder Jungkolonie überlebt hätte, hätte ich damals schon dass mit den Reagenzgläsern gewusst.
Ich finde daher die Aufzucht im Reagenzglas als vorteilhafter für mich.
Es wird wohl jeder für sich rausfinden müssen was er als besser erachtet und mit welcher Methode er gute Ergebnisse erzielt.