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Das Haustier: Probleme bei der Überwinterung (17. Oktober 2008, 16:05)

Erstmal:

Hallo zusammen,

ich bin zwar nicht ganz neu, da ich hier einige Zeit als Gast, oder Voyeur, unterwegs war und mich auf diesem Wege über die Suchfunktion informiert habe, aber jetzt ist da irgendwie nichts bei rumgekommen, also heißt es wohl selbst ist der Ameisenhalter. Zu meinem Problem:

Eine meiner Kolonien (allesamt heimisch in Reagenzgläsern), die ich diesen Sommer gefangen habe (Lasius sp.) hat einen recht leeren Wassertank, weshalb ich um das Austrocknen zu vermeiden ein zweites kleineres Reagenzglas ind das größere Nest RG geschoben habe. Das kleinere RG ist randvoll mit Wasser und somit ein reiner Tank. Das Konstrukt steht noch in einem unbeheizten Raum mit offenem Fenster, zur Aklimatisierung. Jedoch fiel mir beim heutigen Kontrollblick auf, dass sich nun Kondenswasser in dem Nest gebildet hat. Ist das aufgrund der Kälte, die in dem Raum herrscht normal (ähnlich dem Wasser, welches sich im Kühlschrank ablagert) oder muss ich davon ausgehen, dass das Nest insgesamt nun zu feucht ist und die Gefahr des Ertrinkens besteht?

Danke für eure Mühen im Vorraus,

das Haustier

Nuptial: AW: Probleme bei der Überwinterung (17. Oktober 2008, 16:28)

Hallo Haustier!
In dem Reagenzglas war die Situation ja vorher die: auf der einen Seite der Wassertank, auf der anderen Seite ein Wattestopfen, durch den Luft bzw. Wasserdampf (gasförmiges Wasser) ausgetauscht werden konnte. So ist ja dann auch Dein Tank leergeworden: Das Wasser im Tank hat stetig die Luft im RG angefeuchtet und ist entwichen.

Jetzt hast Du ja mit einem zweiten RG die Öffnung verschlossen. Daher kann der Wasserdampf nicht mehr entweichen und kondensiert am Glas. Das geschieht auch bei etwas höheren Raumtemperaturen. Eine Dauerlösung ist das in meinen Augen nicht. Ich habe stattdessen dann lieber das alte und das neue Reagenzglas (unverbunden) in eine kleine Plastikdose gelegt.

Eine weitere Möglichkeit ist, die Gläser durch einen Schlauch oder Ähnliches zu verbinden und in diesen Schlauch kleine Löcher (z.B. mit einer heissen Nadel) zu machen, so dass die Ameisen ans Wasser können und nach Belieben umziehen, und aber auch der Wasserdampf entweichen kann.

Hoffe, das hat Dir geholfen! Ameisen ersaufen schneller in Kondenswasser, als man glaubt!

Grüße
Nuptial

Boro: AW: Probleme bei der Überwinterung (18. Oktober 2008, 09:27)

Hallo Das Haustier!
Nuptial hat vollkommen Recht! Die Luftfeuchtigkeit wird jetzt zu hoch!
Zusätzlich noch ein Tipp von mir: Die Gefahr des Ertrinkens der Tiere muss in jedem Fall vermieden werden.
Bei mir liegen Rgs stets etwas schräg, sodass Wasser aus dem Wassertank auch im schlimmsten Fall nie bis zu den Ameisen vordringen kann. Feuchtigkeit gibts trotzdem genug....
Beste Grüße Boro

Nuptial: AW: Probleme bei der Überwinterung (18. Oktober 2008, 10:14)


Bei mir liegen Rgs stets etwas schräg, sodass Wasser aus dem Wassertank auch im schlimmsten Fall nie bis zu den Ameisen vordringen kann.

Seit ich diesen Tipp von Boro gelesen habe, wende ich ihn auch an. Er ist einfach und genial! Das ist einer dieser kleinen Kniffe, die eine große Wirkung haben. Zum Unterlegen am offenen Endes des RG reicht bereits ein Streifen Pappkarton, ein Essstäbchen oder Ähnliches.
Aber Vorsicht! Wie alle Dinge im Leben hat dieser Kniff auch Nachteile.

Wenn das Wasser von oben kommt (wie bei dem von Dir erwähnten Kondenswasser!), dann sammelt es sich so noch schneller dort, wo die Königin mitsamt der ganzen Brut sitzt. Der Tod durch Ertrinken droht so noch viel schneller! Daher sagte ich auch in der ersten Antwort: Mit Kondenswasser ist nicht zu spassen - denn meine RG liegen meist ein wenig schräg.

Die zweite Gefahr: Wenn Du unvorsichtig bist und Honig/Zuckerwasser/Honigwasser im RG anbietest, kann es am Glas runterlaufen und die Brut und Arbeiterinnen unten verkleben und töten. Dieser Prozess wird durch Kondenswasser im Glas zusätzlich begünstigt.

Um Deine gesamte Brut zu vernichten und viele Arbeiterinnen zu töten, kann es ausreichen, dass das Glas angeschrägt für 15-20 Minuten direktes Sonnenlicht abbekommt. Ein Tropfen Honig, der völlig fest aussieht, löst sich in minutenschnelle auf und läuft im Glas durch Kondenswasser verdünnt hinab.

Ein Gang zum Zeitungskiosk kann ausreichen, dass das direkte Sonnenlicht nicht nur das Mikroklima im RG unerträglich aufheizt (dies allein kann Ameisen töten), die Kombination von Kondenswasser, Schräglage und/oder Honig bedeutet den sicheren Tod für die Brut.

Daher lasse ich Reagenzgläser nie offen draussen liegen, selbst wenn der Himmel morgens beim Blick aus dem Fenster bedeckt ist und es nicht nach Sonnenschein aussieht. Es klärt schnell auf, und im Winter steht die Sonne tief und kommt in vielen Häusern fast in jeden Winkel!

Vielleicht wurde diese Gefahr hier im Forum schon erwähnt? Falls nicht, hoffe ich, dass diese Beschreibung dem ein oder anderen Neuling ein unangenehmes Erlebnis ersparen kann.

Viel Glück mit der Überwinterung Euch allen,
Nuptial

Das Haustier: AW: Probleme bei der Überwinterung (18. Oktober 2008, 15:04)

Hallo zusammen,

danke für die Antworten, das Kondenswasser ist wieder verschwunden, als ich den Extratank aus dem RG geholt habe, somit dürfte erstmal niemand mehr ertrinken. Verluste durch das Kondenswasser gab es dem Augenschen nach nicht, zumindest nicht unter Arbeitern, beim durchzählen alle vollständig anwesend. Ob Brut ertrunken ist kann ich leider nicht sagen.

Auch die übrigen Tipps nimmt man gern zur Kenntnis, sehr ausführliche Darstellung.

Ein schönes Wochenende wünscht

das Haustier