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Fry3199: Hilfe beim Einstieg (21. Februar 2010, 22:52)

Hallo zusammen,

ich bin vor ein paar Monaten auf dieses Forum und die Berichte über die Ameisennester gestolpert und war von Anfang an fasziniert! Da jedoch damals der Winter vor der Tür stand und ich von der Winterruhe gelesen habe, möchte ich jetzt mit der Gründung einer eigenen Kolonie beginnen.

Ich habe ich zwar schon ganz gut informiert, habe aber wahrscheinlich doch noch keine Ahnung - ich möchte in diesem Beitrag mit eurer Hilfe die für mich besten Entscheidungen zum Start der Kolonie treffen.

1. Ameisenart:
Oft wird hier Lasius n iger empfohlen. Mich interessiere aber auch Camponotus ligniperda (größer, Kasten). Sind diese für einen Einsteiger zu empfehlen? Gibt es noch weitere für mich interessante Arten? Ist es ratsam, gleich größere Kolonien >25 Ameisen zu kaufen?

2. Nest:
Am Anfang wollte ich ein Starter Set mit Farm und Arena kaufen: z.B. diese
Jetzt bin ich aber auch auf Kork und Ytong Nester gestoßen. Sind die von Apocrita Angebotenen Nester zu empfehlen?
Oder sollte gerade beim Ytong Nest über einen Selbstbau nachgedacht werden? Kennt hier jemand einen gut verständlichen Baubericht bzw. Nachbauanleitung?

3. Sonstiges
Was sollte ich beim Kauf in einem Antstore denn gleich mitbestellen? Welches Futter, Zubehör usw.

Vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen!

Grüße,
Stefan

Hawksfire: AW: Hilfe zur Koloniegründung (22. Februar 2010, 08:06)

Guten Morgen !

Also, zu deiner Ameisenart kann man sagen, dass du das im Endeffekt selber wissen musst.
Camponotus ligniperda ist eine wirklich hübsche Ameisenart, groß und schön zu beobachten. Allerdings entwickelt sich die Kolonie anfangs wirklich sehr sehr langsam - auch aufgrund ihrer Größe. Mich hat das damals absolut nicht befriedigt. Dazu kommt die endogene Winterruhe, d.h. dass sie selbstständig in Winterruhe gehen, solbald sie denke die Zeit ist dafür reif.
Wenn man Pech hat, sind die Ameisen dann nur 4-5 Monate aktiv im Jahr ... und das ist gerade zu Beginn der Ameisenhaltung doch sehr frustrierend wie ich finde.

Und ja, Lasius niger wird oft empfohlen ... ich halte meine Anfangskolonie von dieser Art noch immer. Es sind wiklich kleine lustige Krabbler die viel Spaß machen ... und nur weil sie jeder hat, sind sie noch lange nicht schlecht ! Es hat einen Grund, dass sie jeder hält ;)

Und für interessante Arten - das musst du selbst abchecken - da kann man so aus dem Stehgreif nicht viel dazu sagen ... jeder hat seine persönlichen Vorlieben.

Ich für meinen Teil würde mir nicht wieder eine größere Kolonie zulegen. Das ist zwar anfangs "toller" weil es schneller geht, allerdings konnte ich zu einer gekauften großen Kolonie nie solch eine Bindung aufbauen, wie zu welchen, die ich selbst herangezogen habe ... aber auch hier muss man das individuell entscheiden.

Bei YTong-nestern sollte man mMn unbedingt selber bauen.
Es ist wirklich kostengünstig und bringt jede Menge Spaß ! Hierzu findest du im Forum über die Suchfunktion - oder wenn du gleich im "Technik & Basteln" Unterforum schaust - viele Anregungen und Anleitungen.

Was du noch mitbestellen sollst? Keine Ahnung :)
Hängt auch wieder alles individuell von deinen Vorhaben und deiner Planung ab.
Eine Dose Heimchen o.Ä. kann aber nie schaden ...

lg Hawki

bettwurst: AW: Hilfe zur Koloniegründung (22. Februar 2010, 10:50)

Dinge, die man meines erachtens nach braucht, aber nicht wirklich dran denkt:

- Pipette für Futtergabe
- Pinzette (nicht ganz so wichtig, hab bis heute keine, aber schon oft eine gewünscht)
- ganz wichtig: Ameisensauger, wenn dir mal ameisen abhauen sollten. Den kannste aber selbst basteln. Anleitung gibts hier: http://www.formicaria.de/html/rg-sauber.html
Für Camponotus die Größe anpassen, sofern man sie überhaupt einsaugen kann. Hab bei manchen Lasius niger schon Probleme die einzusaugen, so fest können die sich auf dem richtigen Untergrund festhalten.

christian: AW: Hilfe zur Koloniegründung (22. Februar 2010, 13:37)

Für Camponotus die Größe anpassen, sofern man sie überhaupt einsaugen kann. Hab bei manchen Lasius niger schon Probleme die einzusaugen, so fest können die sich auf dem richtigen Untergrund festhalten.

Äh... Wieso nimmst du sie nicht einfach mit den Fingern? Wenn man's nicht gerade drauf anlegt, kann man sie damit auch nicht so leicht zerquetschen. Beißen können sie einen auch nicht, wenn man sie erst mal zwischen den Fingern hat, sind sie vollkommen bewegungsunfähig. Allerdings wäre das nicht für Arten mit einem Stachel zu empfehlen, den kann man ja nicht festhalten und man wird gestochen ;).
Der Sauger ist ja ganz patent, aber ich glaube ein wenig umständlich wenn die Ameisen z.B. gerade dabei sind sich unters Rgal zu verkrümmeln ;).
Und noch ein kleiner Tipp für Bettwurst: Ich könnte mir vorstellen, dass du die Watte etwas zu fest geknüllt hast, bzw. dein Saugrohr etwas zu lang ist. Als Alternative zu einem Rg würde ich noch einen Schlauch empfehlen, den kannst du so lang machen, wie du willst. Ebenso wäre damit auch das Problem mit der Schlauchdicke gelöst.

mfG

christian

swagman: AW: Hilfe zur Koloniegründung (22. Februar 2010, 16:04)

Allerdings wäre das nicht für Arten mit einem Stachel zu empfehlen, den kann man ja nicht festhalten und man wird gestochen ;).
Ja genau, aber da kommt die Pinzette zum Einsatz. Ausser man steht steht darauf gestochen zu werden... soll es wohl auch geben.
Ansonsten geht es wirklich schneller, wenn man die Ameisen mit der Hand einfängt. Aber auch wieder nichts für Grobmotoriger.^^
Pipette oder eine kleine Spritze sind auch nicht verkehrt, da kann man gut das Honig- oder Zuckerwasser verteilen.

Ytong-Nest selber machen ist sehr viel spaßiger als so ein unpersönliches Ding zu kaufen. Wenn nur der Dreck nicht wäre.

Ach und noch ein Tipp, ich benutze immer Kaffeemilch in so kleinen Glasfläschchen. Die sind nicht nur besser für die Umwelt, sondern nach dem entleeren und reinigen sehr gut geeignet um damit die Wassertanks von den Ytong-Nestern aufzufüllen. Die haben so einen Deckel damit nichts Tropfen kann und es sieht recht schick aus mit so einem Glasfläschchen die Nester zu befeuchten.

Fry3199: AW: Hilfe zur Koloniegründung (27. Februar 2010, 20:22)

Hallo zusammen,

Ich bin begeistert!

Aber erstmal der Reihe nach:
Am Donnerstag habe ich meine Bestellung vom Apocrita Webshop bekommen (Extrem schnelle Lieferung in 1,5 Tagen, wirklich zu empfehlen)

Da ich mich nicht zwischen Farm und Ytong entscheiden konnte, hab ich das Starterset mit Arena und Farm kombinier bestellt und außerdem noch einen kleinen Ytongblock mit seperater Scheibe. Die Ameisen sollen sich einfach selbst aussuchen, ob sie selber buddeln wollen oder in die Schlüsselfertige Hotelanlage aus Gasbeton ;-)

Am Donnerstag nachmittag hab ich mich an die Arbeit gemacht, erst den Ytong zu einer natürlicher wirkenden Form geschnitzt und dann verschiedene Kammern in den Block gedremmelt. Anschließend die kleine Glasscheibe noch passend geschnitten und mit lebensmittelneutralen Silikon befestigt und befeuchtet. Oben drauf ist eine kleine Wasserkammer mit Seramis ausgelegt.

Der weiße Sand war schon dabei, außerdem roter Wüstensand. Dazu Rindenstücke, Moos und eine kleine Pflanze "Lebender Fels" (aus dem Apocrita Shop, ich nehm mal an ungespritzt). Die Farm habe ich mit Seramis und Lehm/Sand aufgefüllt und befeuchtet.

Ich hab eine Lasius n iger Kolonie mit 9 Ameisen und Königin bekommen, dazu noch viele Eier. Das Reagenzglas hab ich einfach geöffnet und in die Arena gelegt, ein kleines Dach aus Roter Folie darüber. Dazu noch ein bisschen Honig angeboten, Wasserspender reingestellt.
Die Ameisen haben sich zu einer Traube zusammengekullert und erstmal gar nichts gemacht - auch am nächsten Morgen war nichts los.

Als ich heute, 36 Stunden später wieder heimgekommen, hab ich nicht wenig gestaunt: Der ganze Eingangsbereich des Reagenzglases war voll mit Moos, Sand und was die Ameisen sonst noch gefunden haben - die haben ganze Arbeit geleistet. Außerdem war der Wasserspender und Teile vom Honig mit Moos ausgelegt (Warum das?)

3 Ameisen waren immer noch damit beschäftigt, den Eingang zu versperren.

OK, Fütterungszeit:
Ich hab mir eine Box mit lebenden Heimchen mitbestellt (Frage: Was geb ich dennen den zum Fressen/Saufen?) und hab eins davon im kochenden Wasser human getötet, in zwei Stücke geschnitten. Mit frischem Honig garniert in die Arena. Erstmal ist nicht viel passiert, zwei Ameisen haben sich am Honig sattgegessen.
Dann ist die kleinste an die Heimchenstücke gekommen - und sofort gings mächtig los: Die kleine ist zurück ins Nest in einem Affenzahn, hat 8 weitere Ameisen mitgebracht und im direkten Weg zu den Heimchen gebracht (erstaunliche Kommunikation). Diese haben die Heimchenstücke dann mit vereinten Kräften ins Nest geschleppt, die Königin hat sich auf die Watte gesetzt und das Festmahl ging los (Frage: Frisst die Königin selbst, oder wird sie von den Arbeiterinnen bedient?)

Jetzt sitzen alle faul im Nest - ich muss sagen, es ging wirklich sehr interessant mit der Ameisenhaltung los - ich bin schon gespannt, wie´s weitergeht.

Anbei hab ich euch noch ein paar Foto´s meines Formicarium hingestellt (ich hab noch kein Macroobjektiv für meine DSLR, deswegen nicht die besten Bilder)

DAnke übrigens noch für alle Tipps!
Stefan

Fry3199: AW: Hilfe beim Einstieg (16. März 2010, 22:13)

Hallo zusammen,

mittlerweile hab ich meine kleine Ameisenkolonie 19 Tage. Was ist die letzte Zeit alles passiert?

Eine Ameise ist leider bei der Futtersuche im Honig ertrunken - seit dem gibt es kleinere Portionen und es ist nichts passiert. Es verbleiben 12 Arbeiterinnen und die Königin

Die Brut hat sich hervorragend entwickelt - die Arbeiter haben sehr gut Jagd auf die angebotenen zerteilten Heimchen und Mehlwürmer gemacht und Teile davon ins Nest geschleppt. Aus den Eiern haben sich Larven entwickelt, die gut gemästet wurden - am 10.03 (Foto1) hatten sich bereits 3 verpuppt, heute (Foto2) habe ich neben den 18 Puppen ein neues Eierpaket mit geschätzen 50 Eier entdeckt.

Mir ist aufgefallen: Seit die Larven sich verpuppt haben, hat die Aussenaktivität abgenommen. Es wird immer noch eine Menge Sand ins Nest geschleppt, aber die Lust auf Insekten hat merklich abgenommen - Proteine werden halt im Moment nicht gebraucht.

Ich habe gelesen, dass das Puppenstadium bei Lasius niger ungefähr 10 Tage dauert- damit sollten Mitte/Ender nächster Woche sich die Population um 150% steigern - falls auch aus jeder Puppe eine Arbeiterin schlüpft.

Es macht großen Spaß der Entwicklung zuzusehen, ich werde weiter berichten.

Stefan

giftmischer: AW: Hilfe beim Einstieg (17. März 2010, 10:45)

Hi Stefan,

es sieht so aus als würdest du aus diesem Thread einen Haltungsbericht machen wollen. Dafür gibt es ein eigenes Unterforum in dem das sicherlich mehr gewürdigt wird :)

Schön zu lesen dass es bei dir gleich von Anfang an soviel action gibt :) Bei mir hat sich zunächst solange nichts getan dass ich schon dachte ich hätte es versaut ^^

Viel Spaß weiterhin. Gruß,

Jeremy