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JungerPadawan: Camponotus ligniperdus hyperaktiv -> Arena zu klein? (18. Mai 2012, 16:37)

Hallo,

ich war bisher immer stiller Mitleser, muss nun aber mal eine Frage loswerden.

Ich halte seit ca. 3 Jahren eine Camponotus ligniperdus Kolonie in einer Farmarena: 20x20x30 (HxBXL in cm), der Plattenabstand für die Farm beträgt 1,3cm.

Angefangen habe ich vor ca. 3 Jahren mit einer selbst gefangenen Königin, die auf meiner Autoscheibe rumkletterte. Die Kolonie hat sich (gefühlt?) sehr langsam entwickelt. Nach den 3 Jahren stehe ich bei ca. 125 Ameisen (die genaue Zahl + Brutgröße lässt sich leider nicht mehr ermitteln). Wobei die Kolonie besonders über den letzten Winter sehr stark zugenommen hat.


Bisher war es eigentlich immer sehr still in der Arena. Die Ameisen haben futter geholt, die anderen damit versorgt, und haben sich wieder verkrochen (bzw. sind erstarrt). Aber in diesem Jahr hat sich das komplett verändert. Es sind immer ca. 15 Ameisen (in allen Größen) in der Arena am Herumrennen bzw. am suchen. Ich würde nicht sagen, dass sie hektisch sind (also im Stress), aber sie rennen eben pausenlos umher. Sie graben die Ecken der Arena aus und versuchen ständig über das Paraffinöl zu kommen.

Ein Futtermangel kann ich zweifellos ausschließen. Sie bekommen reichlich Wasser, Honig und andere Tiere/Insekten. Erst letzte Woche haben sie über die Nacht drei Maikäfer "ausgehüllt".


Warum sind sie also in der Arena ständig auf der "Suche" bzw. nach was genau suchen sie? Ist die Arena oder das Nest zu klein (bzw. ist der Plattenabstand zu gering?). Habt Ihr Ideen, an was es liegen könnte?


Gruß

Boro: AW: Camponotus ligniperdus hyperaktiv -> Arena zu klein? (18. Mai 2012, 16:57)

Hallo JungerPadawan!
Herzlich willkommen in unserem Forum!
Also, ich hätte sofort eine Idee: Für ca. 125 C. ligniperdus ist deine Nestanlage viel zu klein. Das sind ja große Ameisen, die brauchen entsprechend Auslauf! Ich würde sagen, die doppelte Größe deiner Anlage wäre nach meinem Ermessen nach noch zu klein.
L.G.Boro

Anonymous: AW: Camponotus ligniperdus hyperaktiv -> Arena zu klein? (18. Mai 2012, 17:20)

Hallo JungerPadawan!

Boro stimme ich zu.

Denke aber das Problem liegt vorrangig an der Nestgröße, kann das sein?

Nach meinen Erfahrung nach, sorgt Camponotus ligneperdus vor, was den Platzbedarf des Nestes angeht. Obwohl noch ein wenig Platz vorhanden ist, machen sie sich auf die Suche nach neuen Nestmöglichkeiten.

LG Imago

JungerPadawan: AW: Camponotus ligniperdus hyperaktiv -> Arena zu klein? (18. Mai 2012, 17:32)

Hi,

das wäre nun meine nächste Frage gewesen. Ist die Farm zu klein (der Plattenabstand) oder die Arena? Oder ist das Problem, dass die Farm direkt an die Arena angrenzt bzw. in der Arena steht?

Bei der Farm bin ich mir eigentlich nur bezüglich des Plattenabstands von 1,3cm unsicher. Von der Größe an sich sollte die Farm in Ordnung sein, da die Ameisen bisher nur ca. 50% ausgegraben haben.

Ich hatte dieses Jahr ohnehin vor mir ein Ytong-Nest zu bauen (evtl. auch aus Kork, da es sich leichter verarbeiten lässt), da das jetzige stellenweise nicht sauber ausgegraben wurde und ich dadurch fast keinen Einblick habe.

Die Frage die sich mir nun stellt ist, ob ein neues Nest ausreichend ist, oder ob ich auch eine neue Arena brauche?

Anonymous: AW: Camponotus ligniperdus hyperaktiv -> Arena zu klein? (18. Mai 2012, 17:46)

Hallo!

Ja wie Boro schon schrieb, ist eine neue Arena absolut notwendig. Ich denke aber nicht, das der stark vertretene Außendienst mit der Arenagröße zu tun hat.

Wenn genügend Kohlenhydrate und Proteine wie auch Wasser angeboten werden, dass Nest noch weit ausreichend Platz bietet kann ich von hier auch nicht ersehen was das Problem ist.

Ist die Farm evtl. zu feucht?

Camponotus ligniperdus benötigt nur eine sehr geringe Nestfeuchtigkeit bis gar keine, wenn immer eine Wasserquelle in der Arena vorhanden ist.

LG Imago

JungerPadawan: AW: Camponotus ligniperdus hyperaktiv -> Arena zu klein? (18. Mai 2012, 19:07)

Hi,

ja, ich befeuchte die Farm doch recht stark. Habe zwar hier oft gelesen, dass diese Art es eben sehr trocken mag, musste aber irgendwie genau das Gegenteil beobachten.

Immer wenn ich Wasser dazugebe, verlagert sich die Traube (inkl. der Königin) genau in diesen Bereich. In den trockenen Bereichen verweilen nur sehr wenige Ameisen.

Was würde Ihr mir für eine Arena-Größe empfehlen? Sagen wir mal, ich möchte sie so groß wählen, dass ich nach dem Wechsel für ~3Jahre meine "Ruhe" habe... Sollten es evtl. auch zwei Becken sein, oder ist das unnötig?

Anonymous: AW: Camponotus ligniperdus hyperaktiv -> Arena zu klein? (18. Mai 2012, 20:52)

Hallo JungerPadawan,
Startpost:

"Wobei die Kolonie besonders über den letzten Winter sehr stark zugenommen hat."

Dann hat die Kolonie also keine Winterruhe gehabt?
Natürlich haben die Tiere Platzmangel und versuchen, mehr Lebensraum zu finden. Das wurde bereits deutlich gesagt.
Aber mich würden die Haltungsbedingungen, v. a. der Jahreszyklus, interessieren.
Ist doch immer wieder erstaunlich, dass Tiere, die in der Natur einen markanten Jahreszyklus haben, anscheinend so problemlos ohne Winter auskommen. Warum leben sie dann in unseren unwirtlichen Breiten und nicht nicht längst in den Tropen?
Oder habe ich Dich missverstanden?

MfG,
Merkur

JungerPadawan: AW: Camponotus ligniperdus hyperaktiv -> Arena zu klein? (18. Mai 2012, 22:14)

Hi,

ja das mit der Arena habe ich verstanden, war ja auch meine Vermutung. War mir nur nicht sicher, ob sie mehr Platz allgemein benötigen oder ob sie ein anderes Nest suchen. Mittlerweile knabbern sie auch an den Dichtungen und sind besonders kreativ geworden: Eine paar Ameisen bauen sich mit Sandkörnern eine Straße auf dem Paraffinöl.

Könntet Ihr mir bitte eine Abschätzung geben, für wie viele Ameisen (ganz grob) eine 40x30 Arena und für wie viele eine 60x30 Arena reichen würde?


Ach ja, die Geschichte mit der Winterruhe...ich wollte es eigentlich verschweigen, damit mir hier niemand auf die Finger klopft :angst: Aber ja, Du hast es richtig herausgelesen, ich schicke sie nicht in die Winterruhe.

Ich bin, wie angedeutet, nur zufällig zum Ameisen-Halter geworden. Ich habe nie richtig über die Haltung recherchiert, sondern habe nur nach bestem Wissen gehandelt. Nachdem ich hier das Forum gefunden habe, hatten sie bereits zwei Mal bei Zimmertemperatur überwintert, weshalb ich sie auch beim dritten Winter (2011/12) im Zimmer gelassen habe. Ich dachte mir nach zweimal Zimmertemperatur würde eine richtige Winterruhe mehr schaden als nützen.
In diesem Winter haben sie sich dann auch nur für ~1 Monat zurückgezogen und haben anschließend weiter gearbeitet, sodass die Kolonie plötzlich unerwartet schnell zugelegt hat. Den Rest der Geschichte kennt Ihr ja...sie wollen nun unbedingt raus...

DermitderMeise: AW: Camponotus ligniperdus hyperaktiv -> Arena zu klein? (19. Mai 2012, 02:36)

Hallo Lernwilliger! (wenn ich deinen Namen nicht missverstehe...)
ich wollte es eigentlich verschweigen, damit mir hier niemand auf die Finger klopft :angst:
Tsts! Gut dass wir Merkur haben, ich hab's überlesen und andere anscheinend auch. Als Nichtleser von Psychologie Heute versuche ich mich trotzdem im Psychologisieren: Dein Unterbewusstsein war sich der großen Schuld* bewusst und hat ein verstecktes Geständnis eingebaut. Der erste Weg zur Besserung! (;)*)

Ich dachte mir nach zweimal Zimmertemperatur würde eine richtige Winterruhe mehr schaden als nützen.
Sieh es von der Seite der Ameisen: Diese Art und ihre Vorläufer hält wahrscheinlich seit vielen Jahrtausenden Winterruhe. Meinst du solche Angewohnheiten werden durch zwei warme Winter ausgehebelt? Ein bisschen anmaßend. ;)
Trotzdem denke ich dass deine Haltungsbedingungen ansonsten für s/dich sprechen, denn die meisten schlagen hier auf, nachdem oder weil die ersten Kolonien verschlissen sind oder gerade akuter Verschleiß zu beklagen ist - und auch nach einigen Jahren Ameisenhaltung passieren noch einfach nur richtig dumme Fehler (mir zumindest, anderen anscheinend nicht?). Dafür also Respekt!

In diesem Winter haben sie sich dann auch nur für ~1 Monat zurückgezogen und haben anschließend weiter gearbeitet, sodass die Kolonie plötzlich unerwartet schnell zugelegt hat. Den Rest der Geschichte kennt Ihr ja...sie wollen nun unbedingt raus...
Das mag einige Male klappen - wenn du langfristig etwas von ihnen haben möchtest (können wahrscheinlich deutlich über 10 Jahre alt werden !) solltest du trotzdem für die Winterruhe sorgen. Wie sie bzw. ihr Fehlen sich auswirkt ist nicht so ganz sicher, vor allen Dingen da von Art zu Art sicherlich verschieden; dass sie sich auswirkt ist aber sicher, und zwar zumindest als schleichender Energieverlust ohne dass Nachschub getankt wird, die Tiere starten also geschwächt in die nächste Saison.
Mich wundert ein wenig, dass die Kolonie ihren eigenen (endogenen) Rhythmus für deine "Maßnahme" über Bord geworfen hat, normalerweise sollten sie das nicht tun. Wurde auch der Brutbetrieb gleich wieder aufgenommen?

Auf deine hervorgehobene Frage kann ich leider keine Antwort geben, denn Kolonien verhalten sich individuell tw. unterschiedlich und ich habe keine Erfahrung mit einer größeren (>100 Arbeiterinnen) Camponotus-Kolonie. Eine Kolonie mit > 50 A. hielt ich in einer (der größtmöglichen) Auflaufform aus Glas mit einem ordentlichen Wurzelholzstück darin (Oberflächenvergrößerung auf ca. das Doppelte), dort gab es keine (sichtbaren) Beschwerden.

*wenn bis hier noch nicht bemerkt meinetwegen auch die auffällige Version: :ironie:

doch noch ein edit: Wenn es sich einrichten lässt versuche einmal die Laufstrecke von Nest zu Arena zu verändern (Schlauch) bevor du etwas anderes tust - es wäre sehr interessant zu wissen, ob die längere Laufstrecke den Ausbruchdrang oder allgemein die Arena-Aktivität verringert.

Toblin: AW: Camponotus ligniperdus hyperaktiv -> Arena zu klein? (19. Mai 2012, 07:41)

Hallo JungerPadawan,

Zum Thema Winterruhe, endogener Rythmus und "warm durchpflegen" zitiere ich hier mal ein fünf Tage alten Beitrag von Merkur, zu Camponotus ligniperdus und herculeanus, der hoffentlich nochmal etwas Klarheit in die die Sache bringt:

[quote="Merkur"] Im Übrigen wurden "Anzeichen" endogen jahresrhythmischer Erscheinungen bei diesen beiden Camponotus-Arten beschrieben.
Hierzu wuchert die Fantasie unter den Ameisenhaltern. Man kann die Ergebnisse selbstverständlich nicht auf weitere oder gar alle Camponotus-Arten übertragen. Man kann von diesem „]
Das deckt sich in jeden Fall mit meinen Beobachtungen für Camponotus ligniperdus. Ohne kühle Temperaturen keine adäquate Winterruhe, trotz endogenem Rhythmus! Ob das der Grund für die hohe Aktivität deiner Ameisen ist möchte ich aber bezweifeln. Diese müsste doch eher geringer werden.

Nach deiner Beschreibung tippe ich, wie meine Vorredner, eher auf die Platzverhältnisse. Unsere Artbeschreibung hier im Forum empfiehlt für Camponotus ligniperdus eine Formikariengröße von mindestens 60x30 ab der ersten Arbeiterin! Für die Folgejahre würde ich den Platzbedarf grob auf ein zusätzliches 30x40 Becken alle 2 Jahre schätzen. Der Plattenabstand einer Farm sollte laut AF-Artbeschreibung über 20mm liegen! Ein hochaktives Verhaltensmuster, wie du es beschreibst, habe ich letztes Jahr selbst beobachtet. 2011 konnte ich meine Camponotus leider nur in zwei 40x30 Becken halten. Damals gab massive und ausdauernde Angriffe auf den Ölstreifen! In meinem Haltungsbericht vom 04.06.2011 gehe ich kurz darauf ein. Während du demnächst also anbaust (da wirst du mittelfristig nicht drum herum kommen), kannst du ja zusätzlich mal andere Nahrung ausprobieren. Anderen Honig, Zuckerwasser, andere Futtertiere. Vielleicht gibt es auch hier eine Unzufriedenheit mit dem Angebot.

Viel Erfolg! :)


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