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opitzs: Aller Einstieg ist schwer (13. März 2017, 00:27)

Hallo,

immer wieder trage ich mich mit dem Gedanken mir eine Ameisenfarm zuzulegen. Die Masse an verfügbarem Wissen ist dabei Fluch und Segen zugleich. :D

Fangen wir mit der Temperatur an:
Kann ich Ameisen ohne Heizmatte in einem unbeheiztem Raum halten?
Natürlich bleiben dann nur einheimische Arten, das ist klar, aber muss bei der Überwinterung etwas gemacht werden, damit man nicht morgens reinschaut und alle Ameisen sind gefroren? (ich habe nie geprüft, wie kalt es in so einem Raum im Winter bei offenem Fenster werden kann...).

Größe:
Gibt es Arten, deren Kolonien nicht unendlich wachsen? Nehmen wir an, ich stelle fest, dass Ameisen nichts für mich sind, kann ich sie ja nicht dafür zum Tode verurteilen, dann muss ich sie weiter pflegen. Da wäre eine Kolonie mit (halbwegs) fester Obergröße schon schön, statt einer Kolonie die jährlich "explodiert" ;)
Auch die Größe des Formicariums ist wichtig, da ich das zu den Einstiegskosten rechnen muss...

Helligkeit:
In dem anvisiertem Raum ist es nie wirklich hell, er ist den ganzen Tag im Schatten, stört das die Ameisen?

Schön wäre es auch, wenn die Ameisen nicht ihr ganzes Leben unterirdisch verbringen, ich möchte auch ein bisschen Gewusel sehen, wenn die Kolonie etwas größer ist, sprich (wenn ich das richtig verstehe) ist z.B. Lasius Flavus da nicht so ideal (auch wenn die gelbe Farbe genial aussieht!).

Es gibt viele Informationen und ich lese mir auch viel durch, aber irgendwann fange ich dann an die Informationen durcheinander zu werfen, da es selbst innerhalb einer Gattung (?) große Unterschiede geben kann.

Ich bin für jede Hilfe dankbar!
Ob, ich glaube es versteht sich von selbst, aber sicherheitshalber: Die Art sollte auch noch für Anfänger geeignet sein. ;)

Vielen Dank
Sven

Harry4ANT: Re: Aller Einstieg ist schwer (13. März 2017, 01:10)

Hi,
schön das du dich für die Ameisenhaltung interessierst.

Prinzipiell kannst du einheimische Arten in einem unbeheizten Raum ohne Heizmatte halten, musst dann in bestimmten Phasen eventuell verlangsamte Brutentwicklung ect. hinnehmen.
Wenig Licht ist kein Problem - ist sogar gut da es sich im Hochsommer auf keinen Fall aufheizen (direkte Sonnenstrahlung) sollte.
Auch Winter im unbeheizten Raum ist kein Thema - die heimischen Arten sind recht robust was kalte Temperaturen angeht und innerhalb vom Haus ist es immer wärmer als draußen.

Der Klassiker wäre (hast du sicher schon drüber gelesen) natürlich Lasius Niger, da günstig in der Anschaffung und sehr robust (verzeiht Fehler) und einfach zu halten. Auch hast du (wie gewünscht) eine schöne Aktivität in der Arena.
Diese Art würde aber später, wenn alles gut klappt, schon auch eine größere Kolonie bilden. Wobei der Platzbedarf dieser Art einigermaßen überschaubar ist.
Du kannst ja mal nach Haltungsberichten dieser und anderer Arten stöbern und die durch die Ameisenshops klicken:
http://www.ameisenportal.eu/viewtopic.php?f=13&t=1222

Du musst auch für diese Art nicht unbedingt zu einem Starter Set oder anderem kostspieligen Formicarium greifen sondern könntest mit etwas handwerklicher Arbeit auch was basteln und nach und nach erweitern.

Hier gibt's auch viel zu lesen :) :
https://www.ameisenforum.de/vbseiten.php?id=12

opitzs: Re: Aller Einstieg ist schwer (13. März 2017, 01:56)

Hallo Harry4ANT,

vielen Dank! Ich war mir nicht sicher, ob Lasius Niger mit den klimatischen Bedingungen zurechtkommt und ich hatte Sorge, dass ich irgendwann eine Million davon hier rumflirren habe ;)
Wenn die aber mit den klimatischen Bedingungen zurechtkommen, dann stimme ich Dir zu, dann sind das vermutlich die besten (und best-dokumentierten) Einsteigerameisen schlechthin.

Vielen Dank!
Sven

Harry4ANT: Re: Aller Einstieg ist schwer (13. März 2017, 02:37)

Und wenn dir, wieder erwarten, die Kolonie irgendwann doch über den Kopf wächst oder du keine Lust mehr drauf hast kannst du sie immer noch an einen anderen Halter abgeben / verkaufen oder sogar in die Natur entlassen ;)

Aber ich sage mal für die ersten 2 Jahre reicht ein überschaubares Becken und ein kompaktes Nest für diese Art gut aus. Und dann siehst du ja ob es dir weiter Spaß macht und ob du noch etwas Platz investieren möchtest oder nicht. Und natürlich ob auch alles gut geht bis dahin.

Serafine: Re: Aller Einstieg ist schwer (13. März 2017, 03:07)

Lasius niger sind sehr genügsam und ziemlich unkaputtbar. Solange sie Wasser haben ist die Überlebenswahrscheinlichkeit selbst bei kleinen Kolonien sehr hoch, auch bei kleineren Haltungsfehlern. Ein Bekannter mal eine Tube Lasius niger für knapp drei Monate vergessen (die Plastikröhre fiel unbemerkt in das Loch eines Billardtischs, fragt nicht :rolleyes:) und sie erst durch Zufall wiedergefunden als das Wasser schon fast zur Neige ging. Die Kolonie hatte ihre Arbeiterzahl verdreifacht (von ~15 auf 40-50), die Arbeiter waren zwar sehr klein (quasi Mini-Pygmäen) aber schienen gesund, ernährt hat sich die Kolonie wahrscheinlich vom Schimmel der auf dem nassen Wattepfropf der Wasserkammer wuchs.
Das einzige was nicht passieren darf ist dass sie austrocknen, einfrieren (also Frost im Formicarium) oder plötzlich starker Kälte ausgesetzt werden (sie benötigen ein paar Wochen um sich auf sinkende Temperaturen einzustellen und ihr körpereigenes Frostschtzmittel Glycerol herzustellen), ansonsten sind sie ziemlich hart im nehmen.

Harry4ANT: Re: Aller Einstieg ist schwer (13. März 2017, 03:14)

Ein Bekannter mal eine Tube Lasius niger für knapp drei Monate vergessen (die Plastikröhre fiel unbemerkt in das Loch eines Billardtischs, fragt nicht :rolleyes:) und sie erst durch Zufall wiedergefunden als das Wasser schon fast zur Neige ging. Die Kolonie hatte ihre Arbeiterzahl verdreifacht (von ~15 auf 40-50), die Arbeiter waren zwar sehr klein (quasi Mini-Pygmäen) aber schienen gesund, ernährt hat sich die Kolonie wahrscheinlich vom Schimmel der auf dem nassen Wattepfropf der Wasserkammer wuchs.

Wow das ist schon erstaunlich. :eek:
Und wenn man dann wieder liest wie sich manche Halter Sorgen machen, wenn sie mal 4 1/2 Minuten in Urlaub fahren ^^

opitzs: Re: Aller Einstieg ist schwer (13. März 2017, 08:23)

Hallo Serafine und Harry4ANT,

vielen Dank für die beruhigenden Worte. Es wird Lasius niger, die "Unkaputtbare" :D
Und mit dem Platz habe ich überlegt, ich kann ja problemlos vertikal anbauen, wenn ich den Ameisen ein Treppchen baue. So groß muss das erst mal werden, dass das nicht mehr reicht ;)

Vielen Dank
Sven

Serafine: Re: Aller Einstieg ist schwer (13. März 2017, 09:01)

Würde empfehlen eine Königin mit Arbeitern zu kaufen, so 5-10 wenn's möglichst günstig sein soll oder wenn du von Beginn an Action haben möchtest gleich 20-30 (Ameisenkolonien brauchen in der Regel eine Weile bis sie ins rollen kommen und gerade am Anfang wenn man nur 5 Arbeiter hat und Brut die einen Monat vom Ei zur Ameise braucht passiert da recht wenig, besonders bei genügsamen Arten). Auch ist die Überlebenschance einer kleinen Kolonie sehr hoch, bei einer einzelnen Königin kann man sich da nie so wirklich sicher sein.

opitzs: Re: Aller Einstieg ist schwer (13. März 2017, 23:46)

Hallo Serafine,

Ich rechne sowieso damit, dass es zwei oder mehr Jahre dauert, bis es richtig wuselt :)

Vielen Dank
Sven

Und auch noch einmal ein großes Danke Schön An Harry4ANT für seine Hilfe!
Ich lese mir gerade Infos zu Formicarien und Pflege von (speziell) Saliens Niger Lasius niger durch. Es ist einfacher, wenn man zielgerichtet recherchieren kann :)

Danke
Sven

Serafine: Re: Aller Einstieg ist schwer (13. März 2017, 23:59)

Och, Lasius niger vermehrt sich eigentlich doch schon recht zügig wenn man sie gut füttert und das Nest angenehm warm (und feucht genug) ist.

So richtig lahm sind eigentlich nur große Ameisen wie viele Camponotus-Spezies (die legen aber so ab Jahr drei dafür richtig los, außerdem gibt es Ausnahmen wie C. nicobarensis die sich ziemlich fix vermehren) oder Exoten wie die "Dinosaurierameisen" Harpeganthos und Myrmecia, deren Kolonien aber auch oft sehr klein bleiben und die kein ausgeprägtes Schwarmjagdverhalten zeigen.