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Andi1506: Camponotus vagus neu eingezogen und jetzt kommen die Fragen (25. August 2018, 13:50)

Hallo zusammen,

mein Name ist Andreas und ich bin ein ziemlicher Anfänger, was das Thema Ameisen und deren Haltung betrifft. Bisher hatte ich jedoch über mehrere Jahre bereits Gottesanbeterinnen und Vogelspinnen. Ich bin also kein kompletter Terraristikneuling.

Gestern ist nun meine kleine Kolonie Camponotus vagus (1 Gyne + 5 Arbeiterinnen + 2 Larven) vom Antstore angekommen und direkt in die ebenfalls gelieferte Arena (30x20x20 cm) eingezogen. Nachdem ich mich davon überzeugt habe, das es ihnen gut geht, habe ich das RG erstmal mit Alu-Folie umwickelt, damit sie es etwas dunkler haben. Es hat auch keine 2 Minuten gedauert, bis 4 der Arbeiterinnen sich am bereit gestellten verdünnten Honig gütlich getan haben (das Zuckerwasser und die Tränke wurden komplett ignoriert). Seitdem ist allerdings nicht mehr viel passiert. Eine der Kleinen ist zwar mal ein wenig auf Erkundungstour gegangen, aber das auch nur kurz und seitdem sitzen alle nur im RG und lassen sich nicht blicken.

Und hier kommen dann auch mal meine Fragen:

- Das in der kleinen Kolonie erstmal nicht viel los ist, halte ich erstmal für normal. Solange ich Honig, Wasser und Proteine anbiete, werden sie es sich ja sicherlich nehmen, wenn sie es brauchen oder wollen. Und das Interesse an der neuen Umgebung wird sicherlich auch noch einsetzen. Oder sehe ich da irgendwas falsch bzw. könnte ich es ihnen irgendwie attraktiver machen? Und sollte ich bis es soweit ist vielleicht eine kleine Heizmatte unter das RG anbringen (außerhalb des Formicariums), damit sie es schön mollig warm haben oder sollte ich die Heizmatte direkt hinters Nest machen, damit sie schneller umziehen?

- Meine hauptsächliche Frage betrifft das Nest selbst, welches ich ihnen zur Verfügung gestellt habe. Habe ein Korknest mitbestellt, welches ich mit ner Platte Hobbyglas verschlossen habe und jetzt an einer Seitenwand in der Arena steht (siehe Foto). 3 untere Kammern des Nestes habe ich frei gelassen und ein 10 mm Loch in die Scheibe gebohrt, den Rest habe ich mit den im Shop verfügbaren Sand-Lehm-Bodengrund aufgefüllt, damit sie es sich selbständig weitere Kammern freigraben können, wenn sie Bedarf dafür haben. Allerdings bin ich mir bei der hohen Feinheit des Gemisches unschlüssig, ob das für die Ameisen so gut machbar ist oder ob ich nicht lieber reinen Sand oder feinen Kies (so ca. 2 mm Körnung) hätte nehmen sollen?! Kann mir da jemand nen Rat geben, was geeignet ist oder ob das für die Tiere egal bzw. trotzdem kein Problem ist? Bei Sand oder Kies habe ich halt wieder die Befürchtung, das es im Nest abrutscht, da sie es ja von unten nach oben weggraben müssten und sie dann verschüttet werden könnten...

- Als Bodengrund habe ich zwecks der sonst natürlichen Umgebung ausgebackene Walderde verwendet und die gesamte Arena mit ca. 2 cm aufgeschüttet. Von der Körnung her ist es ziemlich unregelmäßig und von der Farbe her ziemlich dunkel. Habe mir nun überlegt, das man schwarze Ameisen auf hellem Grund natürlich besser sehen würde. Wäre als Bodengrund normaler Spielsand in Ordnung und annehmbar oder würde auch feinerer Garnelenkies aus dem Zooshop gehen (0,7 bis 1 mm Körnung)?

So, das waren erstmal meine Fragen und ich hoffe, jemand kann mir diese beantworten bzw. den ein oder anderen guten Ratschlag geben. Ich bedanke mich auf jeden Fall schon mal im Voraus...

Andreas

Oleg: Re: Camponotus vagus neu eingezogen und jetzt kommen die Fra (28. August 2018, 09:53)

Hallo Andreas,

Ich halte seit einer Weile Camponotus herculeanus, das ist eine recht ähnliche Art und auch eine in Deutschland natürlich vorkommende Art mit Winterruhe etc. Diese Arten haben große Sozialmägen. Sie hauen sich auf gut Deutsch den Bauch voll, füttern ihre Larven, belecken sie und kümmern sich um die Königin und sich selbst. Solange siehst du sie nicht außerhalb des Nestes, vor allem bei kleinen Völkern. Es gibt keinen Grund für sie, Wächter aufzustellen oder durch die Arena zu fouragieren. Erst im dritten Jahr, wenn ihre Zahl deutlich gestiegen ist, kommt Leben in die Bude.

Du kannst ihnen aber Fichtennadeln (lange, einzelne Nadeln, abgekocht), Fichtenharz (kleine Brocken, nicht klebrig) und kleine Kieselsteinchen geben, damit dekorieren sie gerne ihren Nesteingang (sprich: sie bauen ihn zu bis auf ein kleines winziges Loch) und können sich stundenlang damit beschäftigen, Fichtennadeln durch die Gegend zu zerren.

Wenn ihnen das Reagenzglas gefällt, werden sie freiwillig nicht umziehen. Da du ihnen die Arena so schön natürlich eingerichtet hast, würde ich auch das lassen - sieht doch gut aus? Als Nest wird bei den Camponotus Ytong oder Holz empfohlen - und Ameisen mögen es dunkel! Nicht nur rote Folie, sondern wirklich krabbennacht. Wenn du einen Sichtschutz davor stellst und nur selten nachschaust, sollte das aber gehen. Mit Sand das fertige Nest füllen... da bin ich unsicher. Als Ameise würde ich den Halter verfluchen, wenn ich Sand schleppen müsste, Körnchen für Körnchen... das macht zwar Lasius niger liebend gerne und baut auch mit Sand/Lehm, aber Camponotus nagt statt dessen lieber am Holz. Mit Wasser wird Sand/Lehm eine steinharte Masse, da würde ich das Nest lieber leer lassen. Aber zum Nest für Camponotus vagus bin ich kein Experte!

Heizung - davon wird eigentlich abgeraten. Diese Arten sind unser Klima gewöhnt.

Noch etwas: Bald ist Winterruhe angesagt. Spätestens Ende Oktober wird Camponotus das Essen einstellen, ihr Nest verschließen und sich bis nächstes Jahr im März verabschieden. Sie erwarten dann kühle Temperaturen (Keller, Kühlschrank) und Ruhe.

Du kannst auch (sehr zu empfehlen) in den Artenbeschreibungen unter den diversen Haltungsberichten nachlesen, oder unter der Suchfunktion nachschauen - da hast du dann tonnenweise Literatur aus der Praxis.

Als Beispiel wie ich das gemacht habe, habe ich dir ein Bild angehängt. Auch Arena von Antstore mit Waldboden von Antstore, Steine, Fichtennadeln und Kieselchen. Dieses Bauwerk mit den Fichtennadeln ist made by Camponotus herculeanus.

WP_20180824_21_24_16_Pro_s.jpg

Oleg

Andi1506: Re: Camponotus vagus neu eingezogen und jetzt kommen die Fra (4. September 2018, 11:29)

Danke für die ausführliche Antwort.

Die Heizmatte lasse ich erstmal weg, das die Temperaturen eigentlich auch ohne ausreichend sein sollten. Auch wenn es in den letzten Tagen ja deutlich abgekühlt hat. Das Nest werde ich nochmal leer machen und mir was anderes einfallen lassen. Vielleicht lasse ich es auch einfach offen und hoffe, das sie die freien Kammern nicht gleich als Müllhalde missbrauchen. Den Bodengrund und die Einrichtung werde ich auch erstmal so belassen. Außer ein paar Tannennadeln werde ich noch einstreuen. Die Idee gefällt mir sehr gut. Vielleicht wird nach der Winterpause nochmal umdekoriert.
Und da kommt auch schon meine aktuelle Frage: Die Ameisen haben in den letzten Tagen den Eingang des Reagenzglases nahezu komplett mit Erdkügelchen zugebaut und zumindest erkennbar keine oder kaum Nahrung zu sich genommen (stelle permanent Honig, Honigwasser oder Zuckerwasser und abgekochtes Heimchen oder eine Fliegenmade zur Verfügung). Wollen die jetzt schon in die Winterruhe gehen? Eigentlich ja wohl nicht, da ich gelesen hatte, das C. vagus die Winterruhe nicht temperaturabhängig einleiten. Und wenn die Temperatur im Terrarium nachts mal unter 20 Grad abfällt, tagsüber aber um die 24 Grad pendelt, sollte doch erst recht kein Grund zur Winterruhe vorliegen, oder? Allerdings konnte ich beim kurzen Entfernen der Alufolie vom RG auch nur noch eine Larve entdecken, welche sich aber nicht bewegt und keine neuen Eier bzw. überhaupt Eier (obwohl die ja vielleicht (hoffentlich) in die Watte eingearbeitet sind). Der Königin und den 5 Arbeitern scheint es aber gut zu gehen. Bin da im Moment ein wenig überfragt, auf was das alles schließen lässt. Winterruhe: ja? nein? Alles ok: ja? nein? Als Neuling einfach zu ungeduldig: sicher ja!

Falls noch jemand einen Tipp oder Ratschlag hat,wäre ich wieder sehr dankbar.

Oleg: Re: Camponotus vagus neu eingezogen und jetzt kommen die Fra (4. September 2018, 12:27)

Hallo,

Im Ameisenwiki steht: "Die Art hat möglicherweise, so wie Camponotus ligniperdus und Camponotus herculeanus, einen endogenen Winterruhe- Rhythmus."

Das würde bedeuten, C. vagus hat einen inneren Kalender. Wenn darin steht: Winterruhe! dann ist Winterruhe angesagt. Egal, auch wenn es noch 20°C hat. Das bedeutet, sie verschließen ihr Nest und lassen sich nicht mehr sehen, fressen nicht mehr und trinken nicht mehr, entleeren ihren Darm und ihren Kropf und dann kann es kalt werden! Überwintert wird übrigens mit Larven.

Ich würde dir das Ameisenwiki empfehlen - dort findest du Tonnen an Informationen zum Thema Winterruhe.

Oleg

Ruginodis: Re: Camponotus vagus neu eingezogen und jetzt kommen die Fra (4. September 2018, 17:55)

Hallo Andreas,

noch zur Ergänzung zu Oleg´s Beitrag: für meine C.vagus Gründerkolonie habe ich eine Handvoll grobe Sägespähne aus dem Sägewerk (Forst) in die Arena gegeben. Diese benutzen sie sehr gern zum Verschließen des Nestzuganges. Lassen sich leicht transportieren, sind natürlich und schimmelt nicht da sie trocken sind. Man kann sie auch leicht wieder herausangeln um die Ameisen mal zu animieren in die Arena zu kommen, zB wenn es mal Futter gibt.
Dieses Material würde sich bestimmt auch eignen zunächst überflüssige Nestkammern zu füllen. Der Abtransport stellt für die Camponotus kein Problem dar.
Doch Vorsicht bei Tischlereien die Spanplatten verarbeiten, diese sind nicht geeignet da mit Chemikalien belastet.

Viel Glück