Camponotus brasiliensis Haltungsbericht von Ameisenstarter

Unterfamilie: Formicinae

Camponotus brasiliensis Haltungsbericht von Ameisenstarter

Beitragvon Ameisenstarter » 25. August 2018, 21:40

Camponotus brasiliensis
Diese Art ist mattschwarz mit orangenen Beinen, größenmäßig vergleichbar mit der einheimischen Camponotus herculeanus.

Diese Art aus Südamerika, war, seit ich sie kannte, ein kleiner Traum.
Nachdem ich dieses Jahr noch eine zweite (und vorerst letzte) exotische Ameisenkolonie wollte, habe ich etwas nach dieser Art gesucht und letztendlich ein Privatangebot gefunden.


Im Laufe der nächsten Woche kommt die Kolonie mit ca. 11 Arbeiterinnen an. Die Temperaturen haben sich ja wieder entspannt, am Montag werden sie versandt.
Die Kolonie stammt aus Brasilien, genauer gesagt dem Bundesstaat Bahia.
Die Landschaft dort zeigt zum einen etwas lichteren Regenwald, zum anderen auch trockener Ebenen mit wenigen Bäumen.

Da ich das Becken bereits fertig habe, wollte ich dieses kurz vorstellen.

Ich habe mich beim Becken nach ihrer Heimat gerichtet.

Als Arena dient ein 30x20x20 Becken von der Ameisen-Boutique, als Nest wird erstmal ein RG benutzt (welches direkt am Schlauch-Becken-Binder befestigt werden soll), später wird das ganze mit einem Ytong-Nest oder ähnlichem ergänzt.

Zur Gestaltung:
Die Arena ist in 2 "Regionen" geteilt. Die eine ist mit Humus als Bodengrund, etwas feuchter gehalten mit Moos. Zur Dekoration ist dort ein Stück Kork mit aufgeklebter Tillandsie (Tillandsia multiflorum).
DSC_1321-4055x2281.JPG
Als Schutz vor Schimmel, sind dort tropische Springschwänze (Collembola sp.) beheimatet, die sich im feuchteren Boden wohl fühlen müssten. Die Springschwänze haben sich bereits größtenteils in den Boden verzogen, viele unter das Korkstück.
DSC_1314-4055x2281.JPG


Als Abgrenzung zur zweiten Zone sind zwei Steine platziert, auf einem ist eine Tillandsie der Art Tillandsia brachycaulos abdita geklebt.

Der zweite Bereich spiegelt die etwas trockenere Landschaft wider. Sand-Lehm als Untergrund, mit Stücken eines Palmwedels zur Deko, sowie einem Stück Kork.
DSC_1312-4055x2281.JPG


Was nun noch fehlt ist das Thermo-Hygrometer, welches noch festgeklebt wird. Die Luftfeuchtigkeit im Terrarium beträgt momentan ca. 85%. Ich habe eine Heizmatte, welche hauptsächlich später das Nest beheizen soll, diese wird die Arena wohl partiell mit beheizen.




Ich freue mich über Tipps, es handelt sich um mein erstes Terrarium mit tropischeren Parametern, zuvor habe ich (für Mantiden sowie für meine Camponotus nicobarensis) Terrarien bei ca. 50-60% LF gestaltet.


Diskussion: diskussion-zu-camponotus-brasiliensis-von-ameisenstarter-t58856.html

Ich werde berichten, wenn die Kolonie ankommt.

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Re: Camponotus brasiliensis Haltungsbericht von Ameisenstart

Beitragvon Ameisenstarter » 29. August 2018, 19:07

Es ist soweit!
DSC_1445.JPG

Heute Mittag ist die Kolonie angekommen!
Eine Königin, 12 Arbeiterinnen, 3 Puppen und einige Larven und Eier!
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Die Kolonie ist gut angekommen, keine Transportopfer.


Die Gyne ist 15-16mm groß, vergleichbar mit einer Camponotus herculeanus Königin, nur ein wenig massiver.
DSC_1510.JPG
DSC_1492.JPG


Die Arbeiterinnen sind 6-8mm groß. Es handelt sich noch um einige Pygmäen, die Camponotus ligniperda Pygmäen ähnlich sind, ein klein wenig stämmiger. Die Größe ist schon beachtlich.
2018-08-29-18-25-34.jpg
2018-08-29-18-26-24.jpg


Als ich sie in die Arena gelassen habe, kamen erst einmal 6 Arbeiterinnen raus, um alles zu erkunden. Die Springschwänze wurden weitestgehend ignoriert, haben die ein oder andere Arbeiterin aber auch mal aus dem Konzept gebracht.
Ein wenig Honig gab es in die Arena:



Auffällig ist die relativ starke Behaarung der Ameisen, sowie ihre mattschwarze Färbung.
DSC_1400.JPG

2018-08-29-18-22-19.jpg




Das soziales Verhalten ist teilweise besonders stark ausgeprägt. So konnte ich äußerst viel Körperpflege unter den Ameisen beobachten. Mit den Labial- und Maxillartastern, haben sie sich untereinander sehr viel "gepflegt".


Eine ebenso stark ausgeprägte Verhaltensweise ist die Trophallaxis. Ich konnte sie beinahe dauerhaft dabei beobachten. Teilweise 6 Arbeiterinnen gleichzeitig.
DSC_1496.JPG


Trophallaxis mit der Königin.



DSC_1420.JPG


DSC_1448.JPG

Trophallaxis zwischen Arbeiterinnen.



Die Kolonie hat recht schnell mit dem Umzug begonnen, auch wenn ich das gar nicht erwartet hatte. Am Becken ist ein RG als Tränke angeschlossen, welches ich abgedunkelt hatte, falls sie dort einziehen wollen.
Nun sind sie nach ein paar Stunden in den Verbinder zwischen Becken und RG gezogen... :rolleyes:

Vorhin haben sie begonnen, Humus und Moos ins Reagenzglas zu bringen, ich hoffe sie machen es sich so, wie sie es brachen und ziehen dann hinein.


Das Treiben in der Kolonie:



Die Feuchtigkeit in der Arena lässt sich momentan nicht messen, das Hygrometer funktioniert nicht...
Der Boden wird durch eine Heizmatte beheizt. Ganz unten wird er so auf 35-36°C erwärmt, an der Oberfläche sind es 30°C. Die Lufttemperatur im Terrarium liegt etwas geringer.

Die Heizmatte läuft von 8-13 Uhr und von 14-20 Uhr. Bis in die Nacht bleibt der Boden etwas wärmer als der Raum.


Ich bin wirklich begeistert von dieser wunderschönen Art!

Mein erster Eindruck: Große, recht aktive Camponotus mit sehr ausgeprägtem Sozialverhalten. Mal sehen, ob sich dieser noch ändert.
2018-08-29-18-24-09.jpg


Ich hoffe der erste Bericht zur Kolonie hat euch gefallen. Wie findet ihr diese Art?

Diskussion: diskussion-zu-camponotus-brasiliensis-von-ameisenstarter-t58856.html

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Re: Camponotus brasiliensis Haltungsbericht von Ameisenstart

Beitragvon Ameisenstarter » 23. Oktober 2018, 14:43

Das letzte Update war Ende August, es ist einiges passiert.
2018-10-20-20-50-35.jpg


Eigentlich wollte ich bereits vor ein paar Tagen einen neuen Beitrag verfassen, doch musste ich noch etwas an den Parametern schrauben und wollte warten, bis ich es passend hinbekommen habe.
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Die erste Media, die sich mir zeigte



Wie ich seit August vorgegangen bin. Die Heizmatte habe ich unter der Arena hervorgeholt nachdem die Erdoberfläche auf über 30°C erhitzt war (was mir vor allem bezüglich des Arenenbodens Sorgen bereitet, Stichwort Hitzestau). Die Heizmatte läuft seitdem neben der Arena, erhitzt mit ca. 1cm Abstand das Trink-RG (falls sie dort einziehen wollen). Die Heizmatte erhitzt auch minimal die Scheibe, an der das Korkstück liegt, in dem sie nisten, was den Ameisen gut gefällt, die gesamte Brut wird an der Scheibe gelagert.


Bis vor ca. einer Woche habe ich es täglich "regnen" lassen, um eine Feuchtigkeit in der Arena zu erreichen. Vor einer Woche haben die Ameisen dann begonnen die Brut auf der Tillandsie über dem Nest zu lagern, auch die Königin kam mit auf die Tillandsie (wobei es natürlich toll war, diese Schönheit nach 1 1/2 Monaten wieder zu sehen)!
Meine Schlussfolgerung aus diesem Verhalten war, dass es zu feucht im Nest ist. Befeuchtung will ich nun auf 2 mal die Woche reduzieren, seit 3 Tagen sind sie nicht wieder auf die Tillandsie gezogen.
IMG_20181015_135620.jpg
Hier auf der Tillandsie sieht man sogar den Thorax der Gyne



Ich werde nun so weiter machen und beobachten, ob es den Ameisen passt.


2018-10-20-20-46-08.jpg

Gefüttert wird mit Honig und Fliegen/maden. Honig wird in sehr sehr großen Mengen aufgenommen, der Energiebedarf der großen aktiven Arbeiterinnen ist scheinbar sehr hoch.


Maden und Fliegen erjagen sie selbstständig und gut. Die Beute wird fixiert und dann von weiteren Arbeiterinnen "bearbeitet", teilweise auch halbtot ins Nest getragen.
Ameisen sind nunmal schon irgendwie brutal.



Was mich besonders freut, sind die ersten 3-4 Medias.
Bereits letzte Woche, konnte ich zwei größere Arbeiterinnen von ca. 1cm beobachten. Eine noch größere Media mit einer Größe von ca. 12mm konnte ich auch schon beobachten.
Einfach wunderschön.
2018-10-20-20-47-12.jpg



Puppen sind fast dauerhaft um die 10 vorhanden, Larven auch ca. 15. Die Eier sowie sehr kleine Larven werden mit Fütterung deutlich mehr. Nachdem es in dem letzten Tagen 3 Maden gab, hat die Gyne gleich ca. 40 neue Eier gelegt.
IMG_20181019_182003.jpg


Die Kolonie umfasst bereits ca. 35 Arbeiterinnen. Auf Luftzug reagieren sie sehr sehr empfindlich. Wenn sie etwas stört, dann kommen auch mal 15 Arbeiterinnen aus dem Nest.
Bei Fütterung sind auch mal 20 Arbeiterinnen unterwegs.


Eine enorme Aktivität. Stört sie nichts, dann sind besonders abends 5-10 Arbeiterinnen in der Arena.




Es läuft jetzt wieder alles gut soweit, die Parameter passen, die Kolonie wächst und ist sehr aktiv. Es gibt jedoch etwas, was mich etwas beunruhigt. Vor ein paar Tagen konnte ich eine Arbeiterin beobachten, die etwas rotes an ihrem Bein hatte, eine Woche vorher eine rote Milbe in der Arena (habe das Tier natürlich abgesammelt), die so wie eine dieser roten Spinnmilben aussah, die wohl jeder schon einmal draußen in gesehen hat.
Ich dachte mir nichts dabei, bis ich eben am Bein der einen Arbeiterinnen diesen roten Knubbel fand.
2018-10-20-20-48-36.jpg

Was meint ihr, kann das eine Milbe sein? Ich kann nicht in Worte fassen was, aber irgendetwas sieht daran für mich merkwürdig aus.




Zum Abschluss noch etwas, was ich ebenfalls noch probiert habe. Die Kolonie hat mal ein Stückchen Apfel bekommen, dass vor allem eigentlich für die Springschwänze gedacht war. Ungefähr 10 Arbeiterinnen haben sich auf den Apfel gestürzt, kurz darauf wurde er ins Nest eingetragen. Schön, wie die sich auch gesund ernähren, meine Camponotus nicobarensis Kolonie mag Obst nicht :D.



Werde zukünftig vielleicht noch ein paar weitere Obstsorten testen.



Ich hoffe euch hat das Update, die Bilder und Videos gefallen.
2018-10-20-20-43-11.jpg


Diskussion: diskussion-zu-camponotus-brasiliensis-von-ameisenstarter-t58856.html


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Re: Camponotus brasiliensis Haltungsbericht von Ameisenstart

Beitragvon Ameisenstarter » 24. Dezember 2018, 14:23

2 Monate, es ist viel passiert.

Die Kolonie entwickelt sich sehr gut.

IMG_20181222_163020.jpg

Nachdem zwischenzeitlich gut 100 Eier vorhanden waren, ist die Kolonie nun auf 60-80 Arbeiterinnen angewachsen.Das entspricht, wie schon von August - Oktober, ungefähr einer Verdopplung in 2 Monaten. Wenn das weiter so läuft, dann sind sie Ende Januar schon ungefähr 100, tendenziell mehr.


Mindestens 4 Majore gibt es mittlerweile sogar, bis zu 1,2cm groß. :D
IMG_20181224_133031.jpg
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Viele große Ameisen und Brut, das braucht Futter. Und sie fressen wie als wäre es ihr letzes Mahl. Bis zu 100 Drosophila hydei werden wöchentlich verspeist, hin und wieder gibt es mal einen Mehlwurm oder eine gefrorene Fliege.

Zuletzt sind mir leider auch zwei Mantiden verstorben (natürlicher Tod und Mord mit Kannibalismus, aber nur halb, durch die Gattin), die dann verfüttert wurden. Natürlich etwas traurig, aber die Camponotus brasiliensis freuen sich. Erstaunlich ist, dass selbst Flügel der Beutetiere komplett verspeist werden. Futterreste gibt es kaum.

Besonders die Fruchtfliegenfütterung ist spanned anzusehen. Die Ameisen jagen mittlerweile vermehrt mit Einsatz ihrer Ameisensäure. Trotzdem sind die Mandibeln ihre gefährlichste Waffe. Einmal nach der Fruchtfliege geschnappt, ist es vorbei.



Noch erstaunlicher ist für mich der Honigbedarf. Gut 5ml wöchentlich werden jetzt seit kurzem aufgenommen (klingt nicht viel, ist aber vielleicht das Fünffache von dem, was meine ca. 200 Ameisen starke Camponotus nicobarensis benötigt), wenn es zu wenig gibt versuchen sie über die Formicarienwände zu fliehen.
IMG_20181220_091357.jpg



Eine Flucht ist zuletzt auch gelungen. Nachdem ein Fliegenbecher einen Milbenbefall aufwies (vermutlich "Futtermilben"), haben sich einige davon versucht einen Weg in das Formicarium zu bahnen, was in hunderten toten Milben im Paraffinöl endete.
Eines Abends hab ich nach der Fütterung dann den Deckel etwas schief aufgesetzt. In Kombination mit der schmutzigen Barriere, sind 3 Ameisen entkommen, konnte aber alle wieder einfangen.

IMG_20181224_133120.jpg

Als Nest dient weiterhin das Korkstück und nun dazu noch ein RG. Den Kork haben sie tatsächlich bearbeiten können und schon einen Gang durchgearbeitet und einen zweiten angefangen.
Die Gyne reckt hin und wieder ihr Hinterteil unter dem Kork hervor.


Der trockenere, sandige Teil wurde fast ganz mit Erde bedeckt, aber die Ameisen sollen sich ihren Lebensraum auch etwas gestalten können.
Zudem ist der vordere Erdteil des Formicariums scheinbar untergraben, ich konnte gut 5 Löcher finden, durch die Ameisen verschwinden und erscheinen (wobei sich dort scheinbar keine Ameisen aufhalten, noch Brut gelagert wird).
Hier mal alle Löcher im vorderen Bereich rot markiert:
sketch-1545654601752.png

Befeuchtet wird ungefähr alle 3 Tage.

Seit vorgestern beginnen sie, Bodengrund auf eine Tillandsie zu bringen und formen mit Moos stabilisierte Erdstrukturen zwischen den Blättern.
IMG-20181223-WA0024.jpeg



Ein Nest gibt es demnächst als nachträgliches Weihnachtsgeschenk. Ich plane einen externen Ytong-Stein und ein kleineres internes Korknest. Über die Haltung gibt es wenig Informationen und da sie scheinbar Kork bearbeiten können, möchte ich überprüfen, ob Korknester eventuell gut angenommen werden.



Soviel zu der Kolonie, ist wirklich spanned zu halten. Die dubiosen "roten Milben" sind scheinbar verschwunden.


IMG_20181224_133436.jpg

Zu Weihnachten gab es für diese Kolonie einen kleinen Weihnachtsbaum aus Holz-Schaschlikspießen, fixiert mit Heißkleber, und dekoriert mit Honig, Fleischfliegen, Drosophila, Goldfliegen und Stubenfliegen (wenn man über ein paar Monate den Rest an Futtertieren, der immer mal bleibt, wenn zu viel hat, einfriert, sammelt sich da einiges).
In ungefähr 40 Minuten waren auch alle Fliegen abgeräumt, den Honig haben sie über die Nacht beseitigt.

Ganz schön fand ich es zu beobachten, dass in den ersten 10 Minuten alle Ameisen den selben Schaschlikspieß benutzt haben, um nach oben zu kommen (Markierung des Weges mit Pheromonen). Lustig, fast schon niedlich, wird es, wenn zwei Ameisen eine Fliege tragen, sich jedoch auf unterschiedlichen Spießen befinden. Nach einiger Zeit herumtesten, wurde die eine von der anderen einfach samt Fliege zu sich rüber gehoben.

Hier eine Zeitrafferaufnahme, das Original ist ca. 23min lang:



Diskussion: diskussion-zu-camponotus-brasiliensis-von-ameisenstarter-t58856.html


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Re: Camponotus brasiliensis Haltungsbericht von Ameisenstart

Beitragvon Ameisenstarter » 5. Januar 2019, 17:40

Hallo alle zusammen...


Das Jahr beginnt sowohl gut, als auch schlecht für die Camponotus brasiliensis.

Zunächst das Schlechte... Heute die gefürchtete Sicherheit, es sind und waren Milben. So wie bei den Camponotus nicobarensis, so bleibe ich auch hier nicht verschont.

Als ich heute einen Blick in die Arena warf, fiel mir diese eine Arbeiterin auf, ihr Bein war merkwürdig. Nach kurzer Betrachtung kam mir der Gedanke, dass es sich wieder um das selbe handeln könnte, wie im Oktober. Hastig ergriff ich die Arbeiterin mit der Federstahlpinzette und tunkte sie in Essigäther (korrekterweise Essigsäureethylester genannt, ein beliebtes Tötungsmittel in der Entomologie für Präparation und Mikroskopie).

Milbe und Ameisen starben sofort, der Parasit löste sich, zusammen mit einem zweiten Exemplar, das ich zuvor nicht gesehen habe, ab.

Ich habe beide unter dem Mikroskop betrachtet, keine Frage, das sind Milben.

IMG_20190105_162624.jpg
IMG_20190105_162354.jpg



Damit ihr eine Vorstellung von der Größe habt, ein Bild des kleineren Exemplars neben der Spitze eines Zahnstochers.
IMG_20190105_163229.jpg



Wie gehe ich nun vor? Ich habe schon einmal einen Milbenbefall besiegt, aber in diesem Fall kann ich nicht auf die selbe Weise vorgehen.

Bei meiner Camponotus nicobarensis Kolonie habe ich Ende 2017 ebenfalls einen Befall entdecken müssen und diesen dann eingedämmt und schließlich wohl auch komplett besiegt (scheinbar, ich weiß natürlich nicht, ob es nicht doch noch irgendwo eine Milbe in der Kolonie gibt).
Damals verwendete ich eine Kombination aus
Trockenheit, verringerter Nestwärme und Zitronen (ob die Zitronen wirklich wirken möchte ich nicht garantieren), die ich hier leider nicht anwenden kann. Trockenheit geht absolut nicht, Wärme kann ich kaum reduzieren, da ich momentan nicht einmal beheize und die Anwendung von Zitronen bliebe dann, wobei ich mir dabei wie gesagt nicht sicher über die tatsächliche Wirkung bin.


Was also soll ich tun? Ich habe mich entschlossen, das ganze erstmal entspannter anzugehen. Ich gehe davon aus, dass es bereits im August einen Befall gab, seit Entdeckung im Oktober haben sich die Milben kaum vermehrt und ich hatte bisher keinen Todesfall. Die Kolonie wächst enorm, das Wachstum der Milben hält dem nicht mit.

Ich werde es beobachten, befallene Arbeiterinnen, sollte ich den überhaupt noch welche entdecken, entfernen und warten.


Ich weiß natürlich nicht, ob ihr das nachvollziehen könnt, aber für mich ist die Situation noch nicht zu krass.

Eventuell versuche ich es einmal nur mit den Zitronen, sollte ich noch mehr entdecken.



Ansonsten nur kurz was zu der Kolonie.
In Bilder des Tages hatte ich kurz etwas eingestellt.

Die Kolonie umfasst gut 80-100 Arbeiterinnen zusammen mit an die 100 Puppen und HUNDERTEN von Eiern und (vor allem kleinen) Larven.
IMG_20190105_132101.jpg



Das wird ein Jahr mit einem krassen Wachstum, ein Nest baue ich ihnen demnächst.


Ansonsten macht sich die Kolonie die Umgebung momentan wie sie ihnen gefällt, Sand und Erde werden gemischt, einiges an Substrat in den Farben und linken, sandigen Teil des Formicariums gebracht, auch die größere der beiden Tillandsie haben sie von ihrem Stein gelöst.
IMG_20190105_173627.jpg
IMG_20190105_173632.jpg


Müll gibt es wenig, alte Futterstücke werden teilweise sogar noch verarbeitet, der Rest von den Springschwänzen beseitigt.

Diskussion: diskussion-zu-camponotus-brasiliensis-von-ameisenstarter-t58856.html

Liebe Grüße und an dieser Stelle noch ein frohes neues Jahr :)

Nachtrag: Ich habe noch eine Arbeiterin mit Milbe gefunden, welche ich vorsichtig mechanisch entfernt habe. Das ging zwar, ein bisschen Widerstand war jedoch klar, vergleichbar mit einer Zecke. Nun habe ich das Tier, in der Annahme es würde leben, unter dem Mikroskop. Kein einziges Lebenszeichen. Ist das normal oder ist es möglich, dass dieses Tier tatsächlich schon tot an der Ameise hing?

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Re: Camponotus brasiliensis Haltungsbericht von Ameisenstart

Beitragvon Ameisenstarter » 17. Februar 2019, 17:29

Es ist mal wieder Zeit für ein Update geworden.

Zunächst einmal gute Nachrichten, die Milben habe ich bis auf drei Stück nicht mehr gesehen. Zwei habe ich von den Ameisen gelöst, sie waren aber scheinbar nicht mehr am Leben.
Kontrolliere Arbeiterinnen hin und wieder, seit zwei Wochen kein "Treffer" mehr, bin positiv gestimmt.
Eine einzige fand ich freilaufend in der Arena.


Ansonsten wächst die Kolonie weiter sehr gut und schnell. Denke 120-140 Arbeiterinnen sind gut geschätzt, zumal es immernoch einige Puppen und auch wieder neue kleine Larven gibt.
In der Arena ist immer viel los:


Während der Zeitraffer Aufnahme hatten sich einige Arbeiterinnen an der Scheibe versammelt, da das schwarze Handy durch die Sonne stark erwärmt wurde.
IMG_20190204_144253.jpg


Schön zu beobachten ist, dass große Morphe an Zahl aber auch an der Größe der einzelnen Arbeiterinnen zunehmen. Während die größten Arbeiterinnen beim letzen Update noch 1,2cm groß waren, hat mir die Kolonie nun gezeigt: Es geht noch größer und die "Majore" vom vorletzten Update sind wohl eher noch Medias.

Hier einmal zwei große Medias:

IMG_20190206_194439.jpg


Letztens hatte ich mal eine riesige Puppe gefunden. Mit 1cm Länge und einem halben Zentimeter Breite war ich gespannt, was da denn rausschlüpfen wird. Gehe davon aus, dass es die größte Arbeiterin ist, die ich bisher gesehen habe. 15mm groß mit einem massiven Kopf, das würde ich auf jeden Fall als Major bezeichnen.
IMG_20190217_170546.jpg
Ein paar Morphe ähnlicher Größe (und vor allem Kopfgröße gibt es bereits), es werden sicher mehr.

Hier sieht man eine schlüfende Arbeiterin, die von vielen anderen umsorgt wird:


Ich befeuchte die Arena weiterhin mehrfach pro Woche, zugunsten der Springschwanzkolonie.


Mit dem Futter hatte ich zuletzt auch experimentiert.

IMG-20190211-WA0004.jpeg

Zunächst hatte ich einmal versucht, wie sie denn auf Birne reagieren.
Ein bisschen Interesse bestand, nach 2 Tagen wurde sie dann plötzlich schnell gefressen, was wohl daran liegt, dass ich in der Zeit kein anderes zuckerhaltiges Futter angeboten habe:


Während der Zeitraffer Aufnahme hatten sich einige Arbeiterinnen an der Scheibe versammelt, da das schwarze Handy durch die Sonne stark erwärmt wurde.


Außerdem habe ich ein bisschen rohes Schweinefleisch angeboten (Achtung mit rohem Fleisch! Wenn überhaupt, dann nur winzige Stücke, der entstehende Geruch bei der Verwesung ist nicht schön). Das kleine Stück wurde sofort eingetragen, die Majore haben es dann weiter verkleinert, was ich leider nicht weiter filmen konnte.



Ein größeres Experiment zu Kohlenhydratquellen habe ich ebenfalls gemacht. Angeboten wurde (von links nach rechts) Honig, ein Stück Weintraube, Agavendicksaft und Zuckerwasser.
IMG_20190217_171946.jpg


Beginn:

Die ersten 10 Minuten (Zeitraffer):

10.-20. Minute (Zeitraffer):


Die meisten Arbeiterinnen waren am Agavendicksaft und dem Honig zugange, die wenigsten am Zuckerwasser. Zuerst leer war aber trotzdem das Zuckerwasser, da dieses am dünnflüssigsten war.
Als zweites war der Agavendicksaft aufgebraucht, dann der Honig und zuletzt die Weintraube.

Das Weintraubenstück wurde zerkleinert und eingetragen.

Mein Fazit ist aber nicht, dass eine der Kohlenhydratquellen besser ist, sondern dass eine Abwechslung wohl sinnvoll ist.



Vor ein paar Tagen fand ich eine silberne Arbeiterin! Es handelte sich um einen Schlupffehler.
IMG_20190217_170151.jpg

Die Puppenhaut (Exuvie) wurde nicht komplett entfernt, es war quasi eine zweite Haut, die eben silbern schimmerte, auf der Ameise. Daraus folgend ergaben sich ein paar weitere Deformationen, die Arbeiterin war sehr verlangsamt. Ich habe sie erlöst.
IMG_20190211_225804.jpg
(Präpariert)

Ich hatte hierzu Merkur aus dem AP konsultiert. Grund dafür könnten Umgebungsparameter sein, wie zum Beispiel schnelle Temperaturabfälle aber auch ein zu langsamer Schlupf.



Mit dem Nest warte ich noch etwas. Momentan denke ich werde ich eine Kombination aus Kork- und Ytongnest anbieten. Die Kolonie war in der Lage über zwei Tage ein Loch in den Kork zu arbeiten, wo vorher keines war (natürlich haben sie wohl vorher schon begonnen, aber ein paar Millimeter müssten das auf jeden Fall schon gewesen sein in den zwei Tagen).
IMG_20190131_133418.jpg

Ein Korknest, als auch ein Holznest sollten angenommen werden. Da sie sich aber wahrscheinlich durch alles fressen könnten, muss Acrylglas oder ähnliches um das Nest.


Anosnten machen sie sich weiterhin die Arena wie sie ihnen gefällt, so stapeln sie weiterhin Sand und Erde.
IMG_20190212_004230.jpg

Diskussionsthread: diskussion-zu-camponotus-brasiliensis-von-ameisenstarter-t58856.html


Soviel erstmal meiner Kolonie, ich freue mich über Fragen, Anregungen und Kritik.



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