Camponotus vagus - Maddio's Haltungserfahrungen

Unterfamilie: Formicinae

Camponotus vagus - Maddio's Haltungserfahrungen

Beitragvon Maddio » 22. April 2017, 11:33

In diesem Thema möchte ich über meine Haltungserfahrungen mit Camponotus vagus berichten, im zugehörigen Diskussionsthread seid ihr alle eingeladen, gemeinsam über diese wunderschöne Rossameisenart zu diskutieren.

An dieser Stelle direkt der Hinweis, dass ich die Haltung dieser Kolonie im Mai 2015 begonnen habe, der erste Teil des Berichts ist also rückwirkend. Bei den großen einheimischen Camponotus-Arten dauert die Entwicklung zu Beginn besonders lange, und es gibt nicht viel zu berichten, daher habe ich mich entschieden, erst nach erfolgreich verlaufener Gründung einen Bericht zu verfassen, und die Gründungsphase zusammenfassend darzustellen, was auch der Übersichtlichkeit zuträglich sein soll.

Hier geht es zur Artbeschreibung:
Artbeschreibung von Camponotus vagus

Major_himself.jpg
Eine Majorarbeiterin meiner Kolonie


Warum Camponotus vagus?


Nachdem ich von 2007-2012 eine große Kolonie von Camponotus ligniperdus gehalten habe, war 2015 mein Interesse wieder groß, mir noch einmal eine Camponotus-Kolonie heranzuziehen. Bei der Fülle von Arten war die Auswahl dabei nicht leicht, und ich habe eine Liste mit Eigenschaften zusammengestellt, welche mir besonders wichtig sind.

Das ist jetzt zwei Jahre her, und ich kann die Liste nicht mehr im Detail wiedergeben. Sicher dabei waren Eigenschaften wie ausgeprägte Aktivität (besonders im Hinblick auf tagaktives Verhalten), hohe Aggressivität, eine gewisse Grenze beim Koloniewachstum und eine ansprechende Größe der Ameisen.

Wie man nun unschwer erraten kann, fiel meine Wahl dabei auf Camponotus vagus, da diese viele meiner Punkte erfüllen können. Vorteilhaft habe ich die Berichte gefunden, wonach sie gerne in Holz oder Kork nisten, es sehr warm mögen und vor allem trocken.

Im Mai 2015 war ich dann mit meinem Entscheidungsprozess so weit gekommen, dass ich mir beim Antstore eine Camponotus vagus-Königin bestellt habe :).

Ich muss an dieser Stelle aber auch etwas Selbstkritik üben. Ich habe mich zwar über die Haltungsbedingungen umfassend informiert, nicht aber weit genug was die Häufigkeit der Art betrifft. Mir war bewusst, dass die Art in Deutschland vom Aussterben bedroht ist, was im wesentlich auf die klimatischen Bedingungen zurückzuführen ist. Unbewusst bin ich davon ausgegangen, dass Camponotus vagus in wärmeren Ländern in Europa aber sehr häufig ist.

Erst nach der Bestellung bin ich auf Hinweise gestoßen, dass dem nicht zwingend so ist. So rät z.B. Boro davon ab diese Art zu halten, um den Bestand nicht zu gefährden, und auch im Ameisencafé darf die Art nicht gehandelt werden.

Meine Königin stammt aus Südfrankreich, wo die Bestände noch zufriedenstellend sein sollen, trotzdem möchte ich die Gelegenheit nutzen und darauf hinweisen, dass man sich bei der Artenwahl gut überlegen sollte, ob es wirklich unbedingt Camponotus vagus sein muss, oder eine verwandte, häufigere Rossameisenart auch in Frage kommt.

Ich muss gleichzeitig ehrlich zugeben, dass jetzt wo ich diese Art kennengelernt habe, mir diese Entscheidung nicht leicht fallen würde, und ich mich womöglich trotz besseren Wissens wieder für Camponotus vagus entscheiden würde, denn sie sind einfach großartig.

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Re: Camponotus vagus - Maddio's Haltungserfahrungen

Beitragvon Maddio » 22. April 2017, 11:57

Was bisher geschah...(2015)


Wer meine Beiträge liest, der weiß das ich Anfängern häufig den Rat gebe, direkt mit Kolonien zu beginnen, welche die Gründungsphase überstanden haben. Meine Haltung von Camponotus vagus illustriert diesen Punkt ganz gut, wie ich finde.

Im Mai 2015 ist die Königin bei mir angekommen, ich war sofort von ihrer Größe und ihrem kräfigen Aussehen begeistert! Zu meinem Glück war auch schon eine Pygmäe dabei, und ein reichlicher Bruthaufen ließen einen guten Start möglich erscheinen.

Im gesamten Jahr 2015 habe ich die Kolonie in einer kleinen Plastikbox als Gründungsbehälter gehalten. Alles sollte übersichtlich sein und die Ausstattung war auf das notwendigste beschränkt:

Gründungsbehälter.jpg


Oben sieht man eine kleine Tränke, sollte ihnen das Wasser im RG einmal nicht ausreichen. Den Nesteingang habe ich mit Alufolie verkleinert, sie haben mein Werk vervollständigt:

NesteingangRG.jpg


Auf dem Bild sieht man auch, dass eine Mehlkäferlarve bearbeitet wird. Schon früh in der Haltung hat sich abgezeichnet, was sich heute sehr deutlich bemerkbar macht, Camponotus vagus ist sehr ausgeprägt zoophag. Große Mengen Insekten müssen bereitgestellt werden.

Ich habe dann für die Kolonie ein Holznest angefertigt, dafür habe ich unbehandeltes Bastelholz aus dem Baumarkt verwendet:

Holznest1.jpg

Holznest2.jpg


Es hat einige Monate gedauert bis sie dort eingezogen sind, aber ich habe den Moment nicht verpasst (die Steine haben sie selbst hochgeschleppt, um den Eingang zu verkleinern):

Umzug1.jpg

Umzug2.jpg

Umzug3.jpg


Ja, und das war das ganze Jahr 2015 :D. Soweit ich mich erinnern kann, ist jeweils nur eine einzelne Ameise am fouragieren gewesen (und das auch nicht immer). Um die Ameisen in der empfindlichen Gründungsphase nicht zu stören, war das Nest (sowohl RG-Nest als auch Holznest) stets mir einer dicken Pappe abgedeckt.

Um es auf den Punkt zu bringen: Es war langweilig. Für Anfänger kann sowas sehr demotivierend sein, vielleicht kann man jetzt besser nachvollziehen, warum ich immer zu größeren Starterkolonien rate.

Überwintert habe ich die Kolonie im Keller bei ca. 8-12 °C, und damit deutlicher wärmer als meine anderen einheimischen Kolonien. Da das Holznest nicht befeuchtet wird, hatten sie stets Zugang zur Wassertränke, und ab und zu habe ich bei meinen Kontrollblicken sehen können, das eine Arbeiterin Wasser für die anderen geholt hat.

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Re: Camponotus vagus - Maddio's Haltungserfahrungen

Beitragvon Maddio » 23. April 2017, 11:15

Blick in den Rückspiegel (2016)


Die Überwinterung war soweit gut verlaufen, und mit einer Koloniegröße von 15-25 Arbeiterinnen ging es in die zweite Saison. In dieser zweiten Saison hat es schon etwas mehr Aussenaktivität gegeben, doch der Löwenanteil der Kolonie hat es sich im Holznest gemütlich gemacht und sich so wenig wie möglich bewegt ;).

Die nicht sehr ansehnliche Plastikbox haben sie zugunsten eines dekorativen Glasbeckens eingetauscht:

Becken_frontal.jpg


Becken_Seitenansicht1.jpg


Becken_Seitenansicht2.jpg


Wie in der letzten Saison auch, mussten sie ohne Heizmatte auskommen, dafür haben sie im wärmsten Raum des Hauses ihren Platz gefunden. Im Dachgeschoss neben dem Heizungsraum ist es grade im Sommer bei uns sehr warm, sogar so warm, dass ich das Becken an ausgesprochenen Hitzetagen in einen der kühleren Räume gestellt habe. Ohne Ausweichmöglichkeiten kann sowas sonst auch zum Nachteil der Kolonie ausgehen.

Das Interesse an Honig war nach wie vor gering, Insekten wurden dagegen meist begeistert angenommen, zu meiner Freude nun in Gruppenarbeit:

Schwebeflige_Fütterung.jpg


Wie die meisten anderen großen Camponotus-Arten, sind auch Camponotus vagus ausnehmend gut darin, eine beeindruckende Menge an Nahrung zu speichern. Hier ein Nesteinblick zum Ende der Saison 2016 hin, als der obere Nestteil sich langsam aber sicher mit Arbeiterinnen gefüllt hat, man beachte die Dehnungsringe an den Gastern:

Nesteinblick.jpg


Alles in allem gab es im Jahr 2016 schon etwas mehr von ihnen zu sehen, das ist aber auch nicht schwer, weil es 2015 abgesehen vom Umzug so ziemlich nichts zu sehen gab :D.

Aber gut Ding will Weile haben, und das Koloniewachstum hat sich erneut im erhofften Rahmen bewegt, so dass ich sie mit einer Koloniegröße von 60-80 Arbeiterinnen einwintern konnte. Wie bereits den Winter zuvor, habe ich sie wieder im Keller überwintert, im Gegensatz zu meinen anderen (streng) einheimischen Arten, die in der Garage überwintern.

Für mich war klar, dass die Kolonie nun einen Punkt erreicht hatte, an dem sie im Stande ist, einen deutlichen Entwicklungssprung nach vorne machen. Das Holznest war etwa zur Hälfte mit Bewohnern gefüllt, darunter auch schon eine Handvoll Majorarbeiterinnen. Bei dem exponentiellen Wachstum musste bald ein neues Nest her. Und auch der Standort des Beckens sollte nicht dauerhaft im Dachgeschoss sein. Dann musste ich aber eine Möglichkeit finden, den Tieren die nötige Wärme zukommen zu lassen, um die Haltungsbedingungen weiter zu optimieren und ihnen die bevorstehende Bevölkerungsexplosion zu ermöglichen. Ich hatte also über den Winter genügend Zeit mir etwas einfallen zu lassen...

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Re: Camponotus vagus - Maddio's Haltungserfahrungen

Beitragvon Maddio » 26. Mai 2017, 17:35

Saisonstart 2017 (März+April)

So langsam geht es von der Vergangenheit in die Gegenwart. Immerhin sind wir nun schon im aktuellen Jahr (2017), aber noch nicht im aktuellen Monat. Es ist ähnlich wie bei einer Filmvorführung, bei der manche schon wissen was kommt. Ich kann euch als jemand der den Film schon gesehen hat versichern, es wird spannend. Und es gibt Gerüchte, dass weitere Fortsetzungen bereits in Produktion sind, die selbst ich noch nicht zu Gesicht bekommen habe :D.

Bereits Anfang März habe ich die Kolonie Camponotus vagus ausgewintert, als erste meiner Kolonien. Wieder habe ich sie im Keller bei moderaten Temperaturen überwintert und sie haben sich selbst über eine Wassertränke mit Flüssigkeit versorgt. Es gab tatsächlich nur eine Wintertote zu vermelden.

Wie im letzten Update angesprochen, meinte ich zu spüren, dass die Kolonie nun an einer Schwelle sei, an der sie einen großen Entwicklungssprung nach vorne machen kann. Diesen in die Wege zu leiten war mein Antrieb. Ich hatte bereits lange überlegt wie ich ich die Kolonie unterbringen will wenn sie größer wird, und ich habe mich für eine Ameisenfarm mit Korkeinsatz entschieden. Schließlich treten Camponotus vagus in Südfrankreich mitunter als Kork-Schädlinge zutage. Für mich Beweis genug, dass sie Kork sehr mögen.

Die zweite große Neuerung war eine Heizmatte. Diese ist an der Ameisenfarm angebracht. Ursprünglich wollte ich sie mit einer Zeitschaltuhr betreiben, aber bisher betreibe ich sie je nach Lust und Laune bis zu mehreren Stunden am Tag, oder auch schon mal gar nicht.

Der Umzug hat nach wenigen Tagen stattgefunden, die Heizmatte hat diesen Prozess mit Sicherheit sehr beschleunigt, denn sie hingen sehr am alten Nest, und haben es noch bis in den Mai hinein als Stützpunkt in der Arena genutzt.

So sah es Ende März aus:

Arena.jpg

Ein Teil der Ameisen verweilte stur im alten Holznest:

AltesNest.jpg

Der finale Umzug lief geordnet und zügig ab:

FrauenUndKinderzuerst.jpg

Ein typisches Verhalten bei Umzügen ist das Transportieren von Nestgenossen, welche den Weg zum neuen Nest noch nicht kennen - sie rollen sich zusammen und lassen sich bereitwillig transportieren. Gemütlicher geht es nicht ;) (unten links im Bild):

Tragen ins Nest.jpg

Bei so einem Umzug bekommt man auch mal Arbeiterinnen zu Gesicht, die sich sonst eher als Repleten im Nestinneren aufhalten:

MajorOnTheMove.jpg


Zwischenzeitlich herrschte reger Verkehr:

Umzugsandrang1.jpg


Umzugsandrang.jpg

An dieser Stelle soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Königin sich noch ein paar weitere Tage Zeit gelassen hat. Hier heißt es Ruhe bewahren und die Heizmatte für sich sprechen lassen. Irgendwann hat sich auch ihre Majestät auf den Weg gemacht (habe leider kein Foto davon).

Im folgenden zwei Fotos von der Ameisenfarm (bei eingeschalteter Heizmatte ist von den Ameisen nicht viel zu sehen):

AmeisenfarmRoteFolie.jpg

Die rote Folie ist nur angelegt, und lässt sich leicht abnehmen. Zwischen Heizmatte und roter Folie ist auch etwas Raum, so dass die warme Luft abziehen kann. Generell reagieren sie nicht heftig auf Lichteinfall, es ist eher ein genervt sein als eine panische Flucht.

AmeisenfarmOhneFolie.jpg


Die Kolonie hat von Anfang an einen gesunden Appetit entwickelt, hier gibt es eine große Wanderheuschrecke als Futter:

Heuschrecke.jpg

Stets gerne genommen wurden auch Heimchen. Hier sieht man die Reste davon in der Brutkammer, zusammen mit vielen Larven:

Larven+Heimchen.jpg

Es hat nicht lange gedauert und die ersten Larven waren bereit sich zu verpuppen:

Puppen+Larven.jpg


Etwa zwei Wochen später sah es dann schon so aus (wem die folgenden Bilder bekannt vorkommen, ich hatte sie seinerzeit bereits in Fotos und Videos des Tages veröffentlicht):

Brutkammer1.jpg

Brutkammer2.jpg


Brutkammer3.jpg

Wie man sehen kann war ordentlich Nachwuchs in den Startlöchern. Ein Anblick der auf eine fantastische Saison hoffen lässt.


Ein großer Anreiz für die Haltung von Camponotus-Arten sind die majestätischen Majorarbeiterinnen. Bereits letzte Saison sind einige dieser wundervollen Geschöpfe meiner Kolonie beigetreten. Sie waren allerdings höchst selten außerhalb des Nests zu sehen, vermutlich sind sie in ihrer geringen Anzahl bei einer kleinen Kolonie einfach noch zu kostbar um sich außerhalb des Nests in Gefahr zu begeben. Stattdessen verbleiben sie als Repleten und Wächter im Nest. Dies soll sich hoffentlich mit wachsender Koloniegröße und dabei größerem Anteil von Majorarbeiterinnen noch ändern.

Jedenfalls ging ich eines Morgens am Formikarium vorbei, und ich konnte eine Majorarbeiterin erblicken, die sich in einer der Nestkammern perfekt für einen Fototermin präsentiert hat. Ich hatte es eilig, da ich zur Arbeit musste, aber das konnte ich mir dann doch nicht entgehen lassen, und belastete mein Gleitzeitkonto für diese tollen Aufnahmen:

major1.jpg

major+media.jpg


Auf dem zweiten Bild kann man besonders toll erkennen, warum (u. a.) bei Camponotus vagus der Begriff Polymorphismus verwendet wird. Die beiden Arbeiterinnen unterscheiden sich nämlich nicht nur in der Körpergröße, sondern auch in den Proportionen. Besonders deutlich wird es an dem vergleichsweise riesigen Kopf der Majorarbeiterin. Im Falle einer Auseinandersetzung mit feindlichen Ameisen werden die Antennen nach oben und hinten zurückgezogen. Ein Widersacher sieht sich dann nur noch dem massiven und gut gepanzertem Kopfschild gegenüber, der nahezu unüberwindbar ist im Kampf 1vs1. Auch gut zu sehen sind die großen Mandibeln, die zum Zerstückeln von Feinden perfekt geeignet sind, oder aber um die Schale gepanzerter Beutetiere zu knacken. Ich gehe davon aus, dass es auch die Majorarbeiterinnen sind, die Gänge in die härteren Holzsorten beißen, der Kork ist allerdings so weich, dass auch die kleineren Arbeiterinnen ihn gut bearbeiten können.

Ich hoffe euch gefällt mein Bericht und die Fotos, gerne könnt Ihr mir im Diskussionsthread Eure Gedanken mitteilen:
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Re: Camponotus vagus - Maddio's Haltungserfahrungen

Beitragvon Maddio » 28. Mai 2017, 11:47

Endlich ist es soweit, dieser Bericht ist in der Gegenwart angekommen. Ich glaube schon, dass es sinnvoll war, diesen Bericht zunächst rückwirkend zu führen, und Fotos und Infos gesammelt zu präsentieren. Aber nun bin ich froh, dass ich zeitnah über Geschehnisse berichten kann. Und es passiert eine ganze Menge!


Abteilung, Marsch!

Mit dem ersten Schub ist direkt eine ganze Gruppe von kräftigen Majorarbeiterinnen geschlüpft. Sie sind einfach nur schön anzusehen. Ich hatte mein möglichstes getan, um der Kolonie die Vorraussetzungen zu bieten, diese Krieger aufzuziehen. Dafür habe ich so viel Insekten wie möglich verfüttert und auch die Heizmatte regelmäßig in Betrieb genommen. Im Nachhinein natürlich schwer zu beurteilen, inwieweit diese Faktoren tatsächlich Einfluss auf die Brutentwicklung nehmen, dass Ergebnis kann sich jedoch sehen lassen.

Hier ein großer Teil der Gruppe in der Übersicht:

GruppeMajorArbeiterinnen.jpg

In der Nahansicht:

gruppeMajorsCloseUp.jpg

Eine weitere Majorarbeiterin ist geschlüpft:

Majorfrischgeschlüpft.jpg


Selbst unter den Majorarbeiterinnen gibt es noch Größenunterschiede. Diese hier ist mir besonders aufgefallen, ein wirklich imposantes Insekt:

MajorBoss.jpg

Was mich ganz besonders freut, gelegentlich zeigen sich auch erste Majorarbeiterinnen in der Arena, und beteiligen sich aktiv an der Futtersuche:

MajorArena.jpg

Im Gegensatz dazu werden einige der älteren Majorarbeiterinnen lediglich als Repleten genutzt:

Trophallaxis.jpg

Dieses Foto hat bei einer sehr guten Freundin die Frage aufgeworfen, wie lange der gespeicherte Futterbrei gespeichert werden kann. Die Diskussion dazu ist hier zu finden: https://www.ameisenforum.de/topic56217.html


Blick in die Brutkammern

Offensichtlich haben sie noch nicht genug für diese Saison. Es ist noch reichlich Brut vorhanden, insbesondere Puppenkokons. Jetzt sind auch viele kleinere Kokons dabei, sieht so aus als haben sie erhöhten Bedarf an Minor- und Mediaarbeiterinnen um die steigenden Brutmengen versorgen zu können. Viele der Kokons sind bereits dunkel gefärbt und es kann nicht mehr lange dauern, bis nocheinmal ganze Wellen von neuen Arbeiterinnen schlüpfen :division:.

Hier ein paar Eindrücke aus den Brutkammern:

großeMengenBrut.jpg

closeUp.jpg


Puppenkammer.jpg

Puppenkammer+Major.jpg



von Jägern und Sammlern

Das Koloniewachstum macht sich auch in der Arena bemerkbar. Vor wenigen Tagen ist es mir gelungen, dass alte Holznest aus der Arena zu entfernen, und so haben sie jetzt noch mehr Fläche zum Fouragieren. Die Aktivität ist üblicherweise hoch, so sieht es momentan in der Arena aus:

ArenaFouragieren.jpg


Ich füttere sie mit unverdünntem Honig und tiefgefrorenen Futterinsekten. Die Tendenz geht klar zur zoophagen Ernährung, doch wenn sie mal ein paar Tage am Stück keinen Honig bekommen haben, gibt es auch dort einen großen Auflauf. An Insekten verfüttere ich Heimchen, Wanderheuschrecken und zunehmend Mehlkäferlarven und -puppen.

Hier könnt ihr sehen, wie sehr sie letztere mögen:

CvagusMehlwürmer.jpg


Jetzt muss ich sie aber auch mal wieder füttern, ich glaube sie haben großen Hunger :drink:, bis zum nächsten Mal!

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Re: Camponotus vagus - Maddio's Haltungserfahrungen

Beitragvon Maddio » 2. September 2017, 16:35

Saisonende


In großen Schritten geht es in Richtung Saisonende. Die Kolonie gibt bereits seit einigen Wochen Zeichen von sich, die auf eine Vorbereitung der Winterruhe hindeuten. So haben sie angefangen den Verbindungsschlauch mit Kies zu verschließen und sitzen schon dicht gedrängt im Nest. Aber ein guter Teil der Kolonie ist nach wie vor sehr aktiv, in der Arena ist immer etwas los.

Zwischenzeitlich hatte ich die Anlage neu aufgestellt, hier ein Überblick über die Anlage (die Boxen unter dem Regalbrett sind nicht in Betrieb solange die Kolonie auf dem Regal steht):

Übersicht_Anlage.jpg


In der Draufsicht auf die Ameisenfarm zeigt sich, dass die Kolonie sich prächtig entwickelt hat. Innerhalb einer Saison haben sie fast alle vorgegebenen Kammern des Korknests bezogen (die verbliebenen zwei nutzen sie als Toilette :huh: ):

NestÜbersicht.jpg


Folgen wir den Arbeiterinnen nun durch den Nesteingang ins Nest:

Nesteingang.jpg


Die Bewohner sitzen wohlgenährt und dicht gedrängt beisammen:

Gedränge.jpg


Sie begegnen sich auf ihren Verkehrswegen:

Bewohner1.jpg


Eine Majorarbeiterin hat sich zum Fototermin aufgestellt:

Major1.jpg

Major2.jpg


Die Camponotus vagus haben an vielen Stellen den Kork angenagt, an manchen Stellen haben sie aber auch richtige Gänge und kleine Kammern angelegt:

Gänge.jpg


Ich bin gespannt, wie viel von dem Kork nächste Saison noch übrig bleibt. Das heisst, solange sie keine Erweiterung bekommen. Da bin ich schon am überlegen wie ich eine solche gestalte, könnte mir damit aber auch bis zur Mitte der nächsten Saison Zeit lassen.



Ein gefundenes Fressen


In der Regel füttere ich die Kolonie mit gekauften bzw. gezüchteten Futtertieren. Darunter Heimchen, Wanderheuschrecken und die verschiedenen Stadien des Mehlkäfers. Gelegentlich verfüttere ich aber auch aufdringliche Insekten, welche sich in meine Wohnung verirrt haben.

Im folgenden seht ihr eine Bilderserie zur Verfütterung eines Nachtfalters:

Motte1.jpg

Motte2.jpg


Motte3.jpg


Zum Ende des Monats hin werde ich die Kolonie in ihr Winterlager verfrachten. Ich hoffe die Winterruhe verläuft ohne Zwischenfälle, bisher haben sie sich als sehr robust erwiesen; die Zahl der Toten seit Beginn der Haltung kann ich an einer Hand abzählen. Unter diese Saison kann ich voller Zufriedenheit einen Schlussstrich ziehen, und ich bin sehr gespannt, was mich nächste Saison erwartet!

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Re: Camponotus vagus - Maddio's Haltungserfahrungen

Beitragvon Maddio » 4. Mai 2018, 19:36

Saisonbeginn 2018

Lange hat es gedauert, aber nun ist die Kolonie endlich wieder voll am Start. Ich habe sie erst letzte Woche auswintern können, da ich beruflich so eingebunden gewesen bin. Dies scheint aber kein Problem für die Ameisen gewesen zu sein. Es hat jedenfalls kaum Verluste in der Winterruhe gegeben, nur ein paar vereinzelte Arbeiterinnen haben es leider nicht geschafft.

Ich habe die Anlage radikal verändert. Das Becken, indem sie jetzt lange gehaust haben, habe ich komplett gereinigt. Dabei musste ich die Ameisen die noch in der Arena waren in ein anderes Becken umsetzen. Alleine bei dieser Aktion habe ich ca. 50 Tiere von Hand umgesetzt. Da die Masse an Ameisen aber im Nest verblieben ist, gehe ich von einer Koloniegröße von 300-500 Arbeiterinnen aus, mit denen ich in diese Saison starte :).


Wer im Glashaus sitzt...

Was hat sich also verändert? Ich habe mich entschlossen, die Arena ohne extra Bodengrund oder Einrichtung zu verwenden. Also im puren Glasstil. Zum Einen wollte ich dies immer mal probieren, zum Anderen verspreche ich mir davon, die Anlage gut sauber halten zu können. Es hat auch einen ganz praktischen Grund: Möglicherweise werde ich die Anlage in den nächsten Monaten mehrmals transportieren müssen, das ist aber noch nicht sicher. So ein Becken ohne Bodengrund ist erheblich leichter und es kann nichts hin- und herfliegen.

Wer jetzt sagt, Hey, C. vagus sind doch Xylobionten, was denkst du dir dabei? Ihr habt völlig recht. Aber sie haben ja das Korknest. Mit Heizmatte. Also sie haben einen tollen Rückzugsraum und leben nicht ausschließlich auf Glas.

Sie haben mir auch schon gezeigt was sie davon halten: Die Arena haben sie einfach in Eigenregie mit Substrat versehen, und zwar mit Korkpartikeln aus dem Nest :D werd mal sehen ob ich die entferne oder drin lasse.

Nun aber genug der Worte, es wird Zeit was fürs Auge zu bieten.

AnlageMitAbdeckung.JPG
Die Anlage mit Zweifach-Abdeckung (Lichtschutz + rote Folie).


AnlageOhneAbdeckung.JPG
Die Anlage ohne Abdeckung.


Farm.JPG
Die Farm mit Korknest und Bewohnern.


AnlageSchlauch.JPG
Über einen Schlauch führt der Weg in die Arena.


Arena.JPG
Die Arena im gläsernen Glanz.


RG.JPG
In der Arena haben sie ein großes RG mit Trinkwasser zur Verfügung.



Hier und dort ist im Nest schon Brut vorhanden. Gut zu sehen sind auch die Größenunterschiede zwischen den Arbeiterinnen.

AmeisenMitBrut.JPG


AmeisenMitBrut2.JPG



Jagd auf Fliegenmaden

Als kleine Entschuldigung bei meinen Schützlingen für die unfreiwillig lange Winterruhe und als besonderes Schmankerl für Euch habe ich heute einige Fliegenmaden lebendig verfüttert. Ich muss dazu sagen, dass ich wenige Stunden zuvor die Heizmatte fürs erste Mal dieses Jahr ins Betrieb genommen habe und recht wenige Ameisen in der Arena waren zum Zeitpunkt der Verfütterung. Fast die gesamte Kolonie hatte sich dich gedrängt hinter der Heizmatte aufgehalten.

Trotzdem gab es einige tolle Jagdszenen zu beobachten, und ich habe auch ein Video für Euch gemacht. Besonders toll sieht man auch den Einsatz von Ameisensäure, die sie mit vorgebeugtem Abdomen auf die Beute spritzen. Viel Spaß dabei und bis zum nächsten Update!!







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Re: Camponotus vagus - Maddio's Haltungserfahrungen

Beitragvon Maddio » 5. Mai 2018, 13:10

Heute habe ich die Camponotus vagus erneut jagen lassen. Diesmal hatte ich jedoch die Heizmatte ca. eine Stunde vor der Fütterung abgeschaltet, so dass die Ameisen statt sich zu wärmen eher auf Nahrungssuche gehen. Ich habe diesmal auch viel mehr Fliegenmaden ins Becken gegeben.

Das Ergebnis war eine riesige Schlacht :starwars:



Der Ablauf lässt sich grob in drei Phasen gliedern:


Phase 1: Allgemeine Verwirrung





Phase 2: Die Fliegenmaden werden Richtung Nest getrieben / Mobilmachung





Phase 3: Immer mehr Arbeiterinnen mischen mit / Abtransport der Beute




Es war wirklich ein ziemliches Spektakel :D. Interessant aus meiner Sicht, dass sich ausschließlich Minor- und Mediaarbeiterinnen an der fröhlichen Jagd beteiligt haben. Von den inzwischen zahlreich vorhandenen Majoren hat sich kein Einziger sehen lassen.

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