Myrmecina graminicola (LATREILLE, 1829) - Fotos

Fotos von einheimischen und europäischen Ameisenarten.

Myrmecina graminicola (LATREILLE, 1829) - Fotos

Beitragvon Boro » 29. Oktober 2010, 21:41

Vor vielen Jahren hatte ich einmal zufällig Myrmecina graminicola in meinem Garten entdeckt, ohne damals zu wissen, um welche Art es sich handelt.
Vor 14 Tagen bin ich endlich wieder fündig geworden: In meinem Steingarten habe ich zufällig eine einzelne Arbeiterin unter einem großen Stein gefunden.
Wegen ihrer kryptischen Lebensweise und der individuenarmen Nestpopulationen ist die Art wenig bekannt. Sie gilt als gemäßigt thermophil und ernährt sich vorwiegend von Kleinstlebewesen (Springschwänze, Milben). Bekannt wurde sie vor allem durch ihren Königinnenpolymorphismus.
Prof. Buschinger hat sich mit ihrer interessanten Biologie auseinandergesetzt
. Hier ein paar Links:
http://www.ameisenwiki.de/index.php/Myrmecina_graminicola
http://www.ameisenwiki.de/index.php/F%C3%BCr_Arbeiterinnen_t%C3%B6dliche_Paarungen_bei_Myrmecina_graminicola
http://antbase.org/ants/publications/14627/14627.pdf

Die Bilder sind nicht optimal, weil die starke Behaarung des Körpers etliche kleine Sankörnchen aufgenommen hat (vor allem an der Gaster):
1. Für ein paar Fotos kurz in die Box ausgeliehen:
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2. Die Kleine bewegt sich recht langsam, keinerlei Aggressivität!
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3. Keine Möglichkeit sich zu verstecken.....
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4. Dieser Erdkrümel weckte ihr Interesse, er stammt unmittelbar aus dem Nest:
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Beitragvon Sukram007 » 1. April 2011, 20:10

Herzlichen Glückwunsch zu deinem tollen Fund!

Eine sehr interessante Art, ich finde sie sieht wie eine haarige Mischung zwischen Lasius niger und Myrmica rubra aus, irgendwie so urtümlich ...
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Beitragvon Boro » 13. August 2011, 09:43

Schwärmen v. Myrmecina graminicola

Gestern nachmittag konnte ich rein durch Zufall das Schwärmen dieser Art erstmals beoachten. Zuerst fielen mir nur etliche glänzend-schwarze Männchen auf, die bei guter Flugfähigkeit einen Stein in meinem Steingarten ansteuerten, worauf sich ein Knäuel schwarzer Insektenkörper bildete. Weibchen konnte ich zu diesem Zeitpunkt keines sehen, auch die Männchen konnte ich voerst keiner bekannten Art zuordnen, obwohl sie mir in den Jahren zuvor mitunter aufgefallen waren.
1. Nur mit Hilfe der Vergrößerung am PC konnte ich dann in dem allgemeinen Tumult den Kopf eines Weibchens erkennen (rechts). Damit konnte ich die Art zuordnen:
Bild

2. Jetzt kann man den Kopf des Weibchens besser erkennen. Dieses Weibchen ist ungeflügelt, also eine Intermorphe. Sie setzt einen Tropfen eines Sexualpheromons auf dem Begattungsplatz ab und lockt damit die Männchen an (gut erklärt bei SEIFERT, S. 220).
Bild

3. Nach 2, 3 Min. konnte sich das Weibchen aus dem Chaos lösen, nachdem es vermutlich von mehreren Männchen begattet wurde.
Bild

4. Ein Männchen probiert es noch einmal....
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5. Das wilde Gerangel der Männchen ging unvermindert weiter....
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6. Genau 10 min. konnte ich das beobachten. Inzwischen konnte ich mir nicht vorstellen, dass die Begattung eines weiteren Weibchens so lange anhält. Mit einem Grashalm versuchte ich das Knäuel zu entwirren u. musste erstaunt feststellen, dass gar kein 2. Weibchen vorhanden war. Durch das anhaftende Sexualpheromon total in Bann gezogen, sind die Männchen übereinander hergefallen..... Durch weiteres Betasten mit dem Grashalm löste sich der Wirbel endlich auf. Ein Männchen versuchte bei einem Kollegen noch einmal sein Glück....
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7. Nach einer kurzen Verschnaufpause sind dann alle Männchen recht munter weitergeflogen!
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Beitragvon Gast » 13. August 2011, 10:11

[font=Times New Roman]Hallo Boro,[/font]

[font=Times New Roman]Vielen Dank für den Bericht. Es dürfte das erste Mal sein, dass Paarungsverhalten dieser Art im Freiland beobachtet wurde! [/font][font=Times New Roman]Im Labor habe ich es ja viele Male gesehen, aber die Bestätigung im Freiland hat bisher gefehlt. Eine kurze Publikation wäre lohnend![/font]

[font=Times New Roman]Die Männchen sind leicht an der rauchbraunen Farbe der Flügel zu erkennen; so etwas gibt es bei uns sonst nicht. Sie wurden schon wiederholt um diese Zeit gefangen, und auch ich habe mehrfach solche fliegenden Männchen gesehen.[/font]
[font=Times New Roman]Begattung eines Weibchens durch mehrere Männchen dürfte allerdings nicht erfolgen; in dem „Trubel“ kommt wohl doch nur einer zum Zuge.[/font]

[font=Times New Roman]Meine Kreuzungsversuche von Intermorphen und Gynomorphen mit Söhnen jeweils der beiden Morphen haben gezeigt, dass der Nachwuchs immer den Erwartungen entsprach. Wäre eine Gynomorphe von mehreren Männchen, z. B. einem Träger des „int“- Allels und des „gyn“- Allels begattet worden, hätten ich irgendwann mal eine gynomorphe Königin finden müssen, die zweierlei Töchter produziert hätte: Die Gynomorphe kann nur Eier mit dem gyn-Allel produzieren, für das sie homozygot ist (Genotyp gyn/gyn). Ist sie mit einem gyn-Männchen verpaart, hat sie ausschließlich gynomorphe, geflügelte, Töchter; natürlich neben Arbeiterinnen (Männchen sind ja haploid, haben also nur eines der beiden Allele, entweder gyn oder int. Äußerlich lassen sie sich aber nicht unterscheiden). [/font]
[font=Times New Roman]Ist die Königin mit einem Träger des int-Allels verpaart, kann sie nur mischerbige Töchter haben, die wegen der Dominanz des int-Allels intermorph sind (genetisch gyn/int). [/font]
[font=Times New Roman]Es gibt heterozygote Intermorphe (gyn/int), die nach Verpaarung mit einem int-Männchen nur Intermorphe produzieren, allerdings zwei genetisch verschiedene Typen: int/int und gyn/int; ist so eine gyn/int-Intermorphe jedoch von einem gyn-Männchen begattet, erzeugt sie zwei Morphen von Töchtern: Gynomorphe (gyn/gyn) und heterozygote Intermorphe (gyn/int), beide ungefähr im Zahlenverhältnis 1:1. [/font]
[font=Times New Roman]Homozygote (int/int) Intermorphe erzeugen nach Verpaarung mit dem Sohn einer Gynomorphen (gyn) nur heterozygote Intermorphe (gyn/int). Die konnte ich wieder [/font]
[font=Times New Roman]mit Söhnen von Gynomorphen verpaaren und erhielt wiederum sowohl gynomorphen als auch intermorphen Nachwuchs. [/font]

[font=Times New Roman]So zeigt sich immer wieder, dass die Kombination von Freilandbeobachtungen und Laborexperimenten der Realität doch am nächsten kommt![/font]

[font=Times New Roman]MfG,[/font]
[font=Times New Roman]Merkur[/font]
[font=Times New Roman][/font]
[font=Times New Roman]PS: Bildbericht und Literaturhinweise finden sich hier: http://www.ameisenwiki.de/index.php/Myrmecina_graminicola[/font]
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Beitragvon Boro » 13. August 2011, 14:25

Danke für die zusätzlichen (komplizierten) Erläuterungen. Ich wusste seit langem, dass ich diese Art in meinem Steingarten habe, aber erst letztes Jahr fand ich unter einem großen Kalk-Tuffstein eine Arbeiterin. Die Bilder davon sind oben!
Heuer wurde die Unter-Stein-Landschaft von aggressiven Formica fusca beschlagnahmt. Ich habe diese (ehrlich gesagt) vertrieben, weil ich mir um die kleinen Myrmicina Sorgen machte; sie waren dann auch den ganzen Sommer über nicht zu finden. Bis gestern! Auf einem Stein (ca. 15 x 10cm) in einer Entfernung zu dem oben erwähnten Kalk-Tuff von ca 40cm saß dann plötzlich (wohl aus dem dort darunter befindlichen Nest kommend) diese einsame Gyne, die dann die unwahrscheinlich gierigen Männchen angelockt hat. Kurzfristig konnte ich einmal 7 Stück zählen, zwischendurch waren es aber mehr.
Auch erstaunlich: so langsam u. unauffällig sich Gyne u. die Arbeiterinnen bewegen, so schnell und äußerst aktiv waren die Männchen.
Erstaunlich wozu die "Liebe" befähigt......
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