Kolonie - aber warum?

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Kolonie - aber warum?

Beitragvon Octicto » 18. Januar 2011, 18:07

Schönen guten Tag, euch allen!

Ich habe mir vor kurzem eine Frage gestellt, auf die ich einfach keine logische/perfekte Antwort fand. Die Frage lautet wie folgt:
Warum leben die meisten Ameisenarten in so riesigen Kolonien?
Ich meine, was ist der nutzen daraus, eine Kolonie mit tausenden von Arbeiterinnen zu gründen?
Die Frage danach, warum die Königin überhaupt Arbeiterinnen und nicht nur Jungköniginnen/Männchen produziert, habe ich gleich verworfen, da es meines Erachtens nach blödsinn ist, sich das zu fragen. Diese Frage könnte man sich dann bei jedem Lebewesen. Warum werden nicht einfach nachkommen pruduziert und kurze Zeit darauf, stirbt dann das Lebewesen? Das ist blödsinn, auch wenn ich nicht beschrieben kann, warum.
Zurück zu den Ameisen.
Ist es nicht viel umständlicher, tausende von Arbeiterinnen durchzufüttern und geeignete Nester zu graben, als nur ein paar Arbeiterinnen (~15 stück) zu produzieren, die dann die Königin und die Larven durchfüttern? Wer jetzt denkt: Naja, es gibt doch so viele Larven, da müssen es doch viel mehr Arbeiterinnen sein...Ja, eigentlich schon, aber dann würde die Kolonie ja wieder riesig werden, und davon gehen wir ja jetzt einfach mal nicht aus. Es werden also nur ab und an Eier gelegt, um tote Arbeiterinnen zu ersetzen.

Wenn die Ameisen nach diesem Schema leben würden, dann wäre ihr Leben doch viel einfacher. Keine hektik, ein "ruhiges" leben und am Ende, wenn der Schwarmflug bevorsteht werden halt ein paar Eier mehr gelegt, die dann zu Jungköniginnen und Männchen herangezogen werden.

Vielleicht versteht ihr jetzt meine Frage und möglicherweise kann mir jemand eine Antwort geben. Oder aber ich werde von allen hören: Da gibt es kein wieso. Es ist einfach so.


Gruß, Octicto
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AW: Kolonie- aber warum?

Beitragvon kev » 18. Januar 2011, 18:34

Hi,

naja, der Fortbestand der Kolonie ist doch mit 15.000 Arbeiterinnen besser gesichert als mit 15. Wenn von den 15 mal 14 auf irgendeine tragische Art umkommen wird es schon gefährlich für die Kolonie, wenn von 15.000 eben 14.000 umkommen gibt es immer noch 1000 die Nahrung heranschaffen, sich um die Brut kümmern usw.

Ist es nicht viel umständlicher, tausende von Arbeiterinnen durchzufüttern und geeignete Nester zu graben


Das Nest graben ja gerade diese Ameisen. Jede Ameise hilft ja praktisch mit, also ist es für große Kolonien auch nicht schwer große Nester anzulegen;-)

Genauso bei der Nahrungsbeschaffung: mehr Ameisen in der Kolonie heist dass auch mehr Ameisen auf Futtersuche gehen.

Noch dazu können große Völker evtl geeignetere Nester bauen, (zb Hügel der Waldameisen) in denen dann bessere klimatische Bedingungen für die Brut herrschen.

Viele 1000 Ameisen können auf die Luftfeuchtigkeit, den Kohlendioxidgehalt, die Temperatur usw in einem Ameisenhügel natürlich auch mehr Einfluss nehmen als das einige wenige Ameisen in ihrem Nest tun könnten.

Es erschließen sich durch mehr Arbeiterinnen auch noch ganz andere Nahrungsmöglichkeiten. zB ist eine Blattlauszucht die von vielen Ameisen betreut wird auch viel ergiebiger.

.....

Da gäbs jetzt noch unzählige Beispiele warum es für eine Kolonie besser ist zumindest ein paar Hundert Individuen zu zählen, aber ich beende es hier einmal:-)



lg,

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AW: Kolonie- aber warum?

Beitragvon Gaster » 18. Januar 2011, 18:38

Hi Octicto,

die unterschiedlichen Überlebens- und Fortpflanzungsstrategien werden in einige Klassen eingeteilt.
Zunächst einmal kannst du zwischen r- und K-Strategen unterscheiden. Während die r-Strategen auf eine hohe Reproduktionsrate setzen, konzentrieren sich K-Strategen darauf, wenige Nachkommen mit guten Überlebenschancen zu produzieren.
"Ameisen" sehr allgemein ausgedruckt sind ein Zwischending aus r- und K-Strategen. Sie produzieren zwar sehr viele Nachkommen (r-Strategen), kümmern sich aber bis zum adulten Alter um sie (K-Strategen).
Auch wenn ich dazu keine expliziten Beispiele aus wissenschaftlichen Arbeiten kenne, so kann bei Ameisen eine weitere Unterteilung vorgenommen werden:
Zum einen Arten, die ihren Königinnen viele Reserven mit auf den Weg geben (claustrale Gründung) und Arten, die weniger mit auf den Weg geben (semiclaustrale, parasitische Gründung etc). Aber das ist noch mal ein Thema für sich.
Weshalb Ameisen nun Kolonien bilden, sich also in Gemeinschaften zusammen schließen, in denen sie ihre direkten Verwandten unterstützen, liegt in der Verwandtschaftsselektion begründet.
J.B.S. Haldane hat geschrieben:I'd lay down my life for two brothers or eight cousins.


Die Individuen einer Kolonie sind ja bekannter Maßen meist sehr eng miteinander verwandt.
Interessant ist in Bezug darauf auch folgender Artikel von Alex Wild: Myrmecos.net


LG Jan
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AW: Kolonie- aber warum?

Beitragvon Ossein » 18. Januar 2011, 18:38

Darf ich mal jedwede Quellen und wissenschaftliche Quellen außeracht lassen?

Ich stelle mir das so vor: Die Wespenartige, aus denen später die Ameisen hervor gegangen sind, hat ein Problem.
Wenn sie auch nur eines der ihr zum Fortbestand ihrer Art notwendigen Schritte nicht ordnungsgemäß ausführt, dann war´s das. Eine Bruthöhle anlegen, das Ei, oder die Eier, ablegen, sauber halten, jagen um die Larve zu ernähren, etc.. Dabei setzt sie sich natürlich riesigen Gefahren aus und gefährdet sich und damit ihre Brut.
Es ist also klug Helfer zu haben, die einen großen Teil des Risikos tragen, ohne allerdings für den Fortbestand der Art notwendig zu sein. Wenn ich einmal diesen Pfad also evolutionär beschritten habe, versuche ich natürlich diesen Aspekt immer sicherer zu gestalten, die Jagdgründe zu sichern, das Territorium also, und die Königin immer sicherer zu beherbergen und zu schützen. Auch für die Verteidigung ist eine große Menge an Arbeiterinnen nicht schlecht, oder?
Das ermöglicht den großen Staaten Myriaden an geschlechtsfähigen Tieren hervor zu bringen und damit das Überleben der Art wahrscheinlicher zu machen.
Eine andere Seite der Medaille ist die Art der ameisischen Öko-Nische. Hier geht es um relativ stabile und größere Lokalitäten, als es z.B. die Wespenartigen haben. Die sozialen Insekten haben einen sehr viel größeren Raum, den sie zur jagen und sammeln benutzen. Die solitär lebenden Wespen sind eher an den Rand gedrängt und haben sich eher rasch wechselnden Verhältnissen angepasst.

So viel vielleicht erst mal, einfach mal frei referiert, evtl. etwas "unscharf" formuliert; wenn nicht jemand früher damit kommt, werde ich heute Abend mal nach der Hypothese von Hölldobler/Wilson gucken - ich weiß genau wo sie steht, habe sie aber auf der Arbeit leider nicht zur Hand ;-))

LG, Ossein.
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AW: Kolonie- aber warum?

Beitragvon Octicto » 18. Januar 2011, 19:03

:o Ich schäme mich gerade :baeh:

Das, was ihr beiden geschrieben habt, das klingt alles so logisch. Warum bin ich nicht selber darauf gekommen?
Anscheinend, kenn ich mich noch nicht genug mit Ameisen aus, als dass ich ihre Instinkte nachvollziehen könnte :confused:

Naja, egal. Ich glaube um ein guter Ameisenhalter werden zu können, muss ich so etwas nicht zwingend wissen, oder? :yellowhopp:

Und danke für die schnelle Antworten :respekt:
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