Endogener/exogener Jahresrhythmus

Allgemeine Fragen und Themen über europäische Ameisenarten.

AW: Endogener/exogener Jahresrhythmus

Beitragvon shar » 15. Dezember 2008, 18:58

Servus.

Meine Camponotus ligniperda in Winterruhe waren bei wärmeren Außentemperaturen (ca. >10°C) im gesamten RG verteilt. Ebenso wurde wie gewohnt, der Eingang bewacht, es gab Reaktionen auf den Schein einer Taschenlampe, Fühlerbewegungen etc.
Bei einer Temperatur im Formicarium von ca. 8,5°C haben sie dann eine richtige Traube gebildet und hockten dicht an dich über den Larven - keine sichtbare Reaktion mehr.
Die Kleinkolonie besteht aus neun Arbeiterinnen, Gyne und geschätzte 8-14 Larven.
Das eigentliche Nest im RG ist ca. vier Arbeiterin lang.


Grüßle ~Shar~
Eine Gesellschaft, die ihre Freiheit zu Gunsten ihrer Sicherheit opfert, hat beides nicht verdient. (B.F.)
Und wenn noch so oft ethisch/moralische Fanatiker mich wegen d. Meinungsäußerungen in einer Diskussion neg. bewerten, ändert dies nichts an meiner geäußerten Meinung und der Tatsache, daß ihre Ethik & Moral nicht die einzig wahre und richtige auf dieser Erde ist!
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AW: Endogener/exogener Jahresrhythmus

Beitragvon Sahal » 15. Dezember 2008, 22:18

ReHola,


Zitatschlacht einer einzelnen Arbeit ist nicht so prickelnd, jedoch fehlt zwischen Deinen beiden Zitaten ein wichtiger Absatz:
Hier besteht also ein Unterschied zu den Eidmannschen Beobachtungen. (Bem.: EIDMANN beschreibt eine temperaturabhängige Wintertraube.)

Hier läßt sich recht gut eine Arbeitsteilung erkennen, denn weder die
Wächterameisen sind dieser Traube angeschlossen noch die Futterholerinnen
und Außendienstameisen. Doch der große Schwarm der Brutpflegerinnen
ist um die Königin und um die Brut geschart (Abb. 2).
Nun, aufgrund jahrelanger Haltung beider Arten mit reichlich Völkern sehe ich die richtige Aussage in der Mitte beider Arbeiten (was ja keiner Arbeit widerspricht), daher schrieb ich auch "obligatorisch typische Trauben." Meine Völker sammelten nicht immer die Brut zusammen, oft war das Volk so nicht von einem aktiven Volk zu unterscheiden. Andere Völker bildeten zwar Bruthaufen und viele Arbeiterinnen versammelten sich in dieser Kammer... eine typische Wintertraube konnte ich jedoch nicht feststellen! Die Ansammlung der Arbeiterinnen um die Gyne war nicht dichter gepackt, als dieses im Sommer der Fall gewesen ist. Erst bei sinkenden Temperaturen scharrten sich die Arbeiterinnen dann um Gyne und Brut und bildeten eine typische Wintertraube.
Wenn die Flinte ins Korn gefallen ist, nicht gleich das Kind in den Brunnen werfen, auch wenn das der Tropfen ist, der dem Fass die Krone ins Gesicht schlägt!
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AW: Endogener/exogener Jahresrhythmus

Beitragvon Imago » 19. Dezember 2008, 14:49

Ich habe gestern einen eine interessante Dokumentation gesehen.

Die innere Uhr der Tiere

17.12.2008 um 13.15 auf 3sat
von Albert Corisande

Die Erstaustrahlung war allerdings schon am 26. Juli 2000. Sprich die Dokumentation ist gut 8 Jahre alt.

Leider habe ich die ersten Minuten verpasst!

Mehrere Tiergruppen wurden als Beispiel für eine innere Uhr aufgeführt.

Der Kolibri: Der ganau weiß, wann er eine bereits angeflogene Blüte wieder anfliegen kann, bis sich wieder Nektar in ihr befindet, da er einen Flügeschlag von 200 Schlägen die Sekunde aufweisen kann, ist sein Energiebedarf so hoch, das er es sich kaum leisten kann, eine leere Blüte anzufliegen, da er das Dreifache seines eigenen Körpergewichts pro Tag an Nektar aufnehmen muss.

Der Hund: Ein Beispiel aus America oder England ich glaube aber England ich weiß es nicht mehr genau. Der Hund hat sein Herrchen jeden Werktag exakt um Zwei Minuten nach halb Sechs vom Bahnhof abgeholt. Selbst nach dem Ableben des Herrchens, ging der Hund jeden Tag dorthin und wartete ab halb Sechs auf sein Herrchen.

Bienen: Ein Experiment mit temporär aufgestellten Zuckerwasser beweiste, das Bienen sich bei der Zeiteinschätzung um höchstens 15 Minuten verspäten, verfrühen. Dieses Verhalten lässt sich auf die, bei manchen Blumen, nur sehr kurzen Blütenstände zurückführen.

Die Alabastaschildkroete: Alle Tiere schlüpfen zur gleichen Zeit, um im Schutz der Masse den Fressfeinden zu entgehen, die an Land sowie auch im Wasser auf sie warten.

Zikaden oder auch Auchenorrhyncha genannt: Entwickeln sich unter der Erde. Nach 13-17 Jahren erklimmen die Tiere, alle zur selben Zeit die Bäume und häuten sich ein letztes mal.

Ein Hammster (nachtaktiv) wird selbst in einem immer dunklen Raum Tagsüber schlafen. Seine Zellen produzieren Kolenhydrate 12 Stunden lang, diese werden 12 Stunden lang wieder abgebaut, somit ist dieses die Innere Uhr des Hammsters die ihm verspühren lässt, wann er Schlafen muss und wann er Wachen muss.

Im Tierreich (auch bei uns Menschen) gibt es sogenannte Taktgeber, die Sonnenwende, der Tag-, Nachtrhythmus, Klimaveränderungen etc..

Melatonin ist für viele Tiere (...) der Taktgeber, der sie Paarungsbereit macht, oder schlafen lässt. Ausgelöst wird die Produktion des Melatonins durch, z.B. Dunkelheit. Melatonin spielt eine Schlüsselrolle bei der Steuerung zirkadianer Rhythmen.

Also es lässt sich alles logisch erklären, nur die Zikaden sind noch nicht erforscht. Wie funktioniert das bei einem so langen Zeitraum? Auch der Jahresrhythmus der z.T. "endogenen" Ameisen muss irgendwelchen Reizen unterliegen, Veränderungen die, die Ameise zwingen sich zu beugen. Reize die in ihr stecken, endogene Reize! Vielleicht lässt sich dieses auch auf die Ameisen ummünzen. Wenn nicht exakt, dann aber evtl. zu einem gewissen Teil?!

LG Imago
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AW: Endogener/exogener Jahresrhythmus

Beitragvon swagman » 19. Dezember 2008, 16:00

Hallo Imago.

Die letzte Theorie die ich über die Siebzehnjahr-Zikade (Magicicada septendecim) gehört habe, war dass sie sich vermutlich an dem Jahresrhythmus der Bäume orientieren an deren Wurzeln sie saugen. Der Saftfluss der Bäume variiert je nach Jahreszeit. Gerade im Winter dürfte dies am auffälligsten für die Larven sein. Die brauchen also nur die Winter zählen.
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AW: Endogener/exogener Jahresrhythmus

Beitragvon Imago » 19. Dezember 2008, 19:17

Hey swagman!

Hört sich plausibel an:
Die brauchen also nur die Winter zählen.


Klingt aber auch recht simple, wie Du das ausgedrückt hast.:rolleyes: Weiß aber, wie Du das gemeind hast:) Also auch das ist eine Meisterleistung.

Ist denn ein Endogener Rhythmus denn wohl gleichzusetzen mit einem Instinkt? Oder noch besser: Ist ein Endogener Rhythmus ein Instinkt?

LG Imago
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AW: Endogener/exogener Jahresrhythmus

Beitragvon Imago » 8. März 2009, 11:14

Hallo Forenleser!

Ich muss diesen Thread mal wiederbeleben und zwar habe ich folgende Frage:

Reine Theorie, ohne Absicht diese in die Praxis umzusetzen!

Wenn ich Camponotus ligniperda unnatürlich warm bei täglich 28°c. durch das Sommergeschäft bringen würde, diese sich dann evtl. auf drei Monate verkürzt, folgend mit einer sechsmonatigen tiergerechten Winterruhe, dann hätte ja das Jahr der Ameise unnatürliche/fragwürdige neun Monate?! Sprich, der Sommer der Ameisen wäre zwar sehr viel kürzer, jedoch hätte man im Jahr zwei Prouktionszyklen.

Die Ameise würde auch temporär im Verhältnis gesehen, mehr Winterruhe als Produktionstage abhalten, sprich der Stoffwechsel der Ameise wäre öfter im Gegenatz zu einer natürlichen Haltung heruntergefahren, was sich doch auch evtl. positiv auf die Lebenserwartung ausüben könnte?

Auch Spekulationen zu dieser Frage sind gerne gelesen!

LG
Imago
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AW: Endogener/exogener Jahresrhythmus

Beitragvon NIPIAN » 8. März 2009, 14:35

Hoi,

einer der Threads, die ich gerne gelesen habe. Mal sehen, dass ich den nicht versaue.

Die Beurteilung des Ablaufs des Lebenszyklus unter der konsekutiven und prospektiven Dormanz stelle ich mir als Zusammenwirken in einem Zeit-Energie-Diagramm vor. Der Höhepunkt beider liegt nahe nach Abschluß der Diapause, der Tiefpunkt kurz nach Beginn der Diapause.
Für den endogenen Rhythmus: Der Zeitraum zwischen Höhepunkt und Tiefpunkt ist die Produktionszeit (=Sommer), der Zeitraum zwischen Tiefpunkt und Höhepunkt die Regenerationszeit (=Winter).
Für den exogenen Rhythmus: Der Zeitraum zwischen Höhepunkt und Tiefpunkt ist die Produktionszeit (=Sommer), der Zeitraum zwischen Tiefpunkt und Höhepunkt die Ruhezeit (=Winter).

Die endogen geprägte Kurve ergibt sich aus der genetischen Disposition als "Primärattribut" -> Der Energieeimer fasst einmal 10 Liter.
Die exogen geprägte Kurve ergibt sich aus den Umwelteinflüssen als "Primärattribut" -> Der Energieeimer fasst 3 Liter und kann beständig aufgefüllt werden.

[Hier können nun die folgenden Absätze bis zu "Im wesentlichen:" übersprungen werden]


Weshalb der exogene Eimer kleiner ist, erschließt sich aus der Abhängigkeit zu den Umweltfaktoren, welche sich von Jahr zu Jahr unterscheiden können. Denn es muss dennoch ein Schwellenwert unterschritten werden.

Die Entleerung wird stets über Temperatur und "Grundlagengüter" gesteuert.

In einem natürlichen Lebensraum erwarte ich ein gleichmäßiges Absinken und Ansteigen BEIDER Kurven im Jahresverlauf. In Abhängigkeit beider (ich nehme direkte Aufsummierung an - einfachster Fall) wird ab einem gewissen, zu unterschreitenden Schwellenwert, die Diapause eingelegt. Im Falle der Camponotus sp. deutlich abhängig von dem endogenen Zyklus, im Falle der Lasius sp. eher durch den exogenen Zyklus.
Jedoch sind stets beide in Relation zu sehen.

Nun stellen wir sie in eine künstliche Umgebung -> Versuchsdurchführung nach Imago.

Die endogen geprägte Kurve wird sich während des zeitlichen Verlaufs stauchen, die Fläche darunter muss zeitlich jedoch annähernd gleich groß sein, wie unter natürlichen Bedingungen. Also erhöhte Aktivität, demnach entsprechend großer Energieverlust. CAVE: Mangel an Nahrung et al.

Demnach wird es im Verlauf des Lebenszyklus zu einer Verschiebung beider Faktoren zueinander kommen, welche sich je nach Dominanz des endogenen, bzw. exogenen Systems andersartig äußern.

Die endogen gerichtete Art, nun nach den vorgegebenen Außenfaktoren lebend, wird die Lebenszeit eher gleichmäßig "verdichten".
Die exogen gerichtete Art wird sich eher entsprechend des auferlegten Zyklus verhalten, jedoch abgeschwächte, numerische Proliferationsphasen mit annähernd normaler, numerischer Proliferationsphasen in kürzerer Zeit abwechseln, da die endogene Rhythmik VERMUTLICH weniger stark bedeutend von den Umweltfaktoren abhängig reagiert und damit über die 3 Monate Produktionsrate hinaus wirkt. Dadurch kommt es zu einer Verschiebung, deren Tiefpunkt sich von Jahreszyklus zu Jahreszyklus verschoben regenerieren wird.
[Der Absatz ist die härteste Nuss insgesamt gewesen und noch immer nicht ausgereift]

In meinem Gedankenexperiment kommt unter dem Strich folgendes heraus:
Die exogen gerichtete Art wird wesentlich eher mit ihrem Lebenszyklus fertig sein, als die endogen gerichtete Art. Jedoch werden beide deutlich vor den in natürlichem Jahresrhythmus lebenden Vergleichsarten den Löffel abgeben.

Im wesentlichen: meine verworrene Aussage widerspricht der Imagos in folgendem Punkt: Aufgrund der RGT-Hypothese wird der Metabolismus der endogenen Art in der Produktionsphase lediglich wesentlich schneller ablaufen und das Jahr damit beispielsweise nur 9 Monate haben, anstelle der Zwölfe natürlicherseits.
Und ob die verglichenen Völker wirklich beide 15 Jahre alt werden (und das wärmer gehaltene Volk somit etwa 18 Produktionszyklen abhält, anstelle von 15), wage ich somit zu bezweifeln. Wenn ein Organismus schneller metabolisiert, kommt es zwangsläufig zu mehr Fehlern, was unterm Strich ein verhältnismäßig verkürztes Leben bedeutet.
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