Adoption fehlgeschlagen!

Allgemeine Fragen und Themen über europäische Ameisenarten.

Adoption fehlgeschlagen!

Beitragvon Imilius » 23. September 2010, 23:20

Hallo Leute!

Leider ist bei mir zum ersten Mal ein Adoptionsversuch fehlgeschlagen. Manchmal klappts und manchmal nicht.
Lebende Tiere zu adoptieren ist nicht immer einfach.

Darum wollte ich näher darauf eingehen und euch zeigen, was passieren kann, wenn es nicht funktioniert. Ich denke, dass es wichtig ist, auf Fehlschläge einzugehen. Für Neulinge sowie Experten interessant.
Wie auch immer, diese Erfahrung muss man nicht persönlich erleben.

Ich wollte eine Majorarbeiterin aus Zypern, vermutlich eine Camponotus (Tanaemyrmex)
cf. fellah, in meine Camponotus vagus Kolonie eingliedern. Wie ich zu dieser Arbeiterin kam, könnt ihr hier nachlesen:

http://www.ameisenforum.de/europ-ische-ameisenarten-allgemeines/41083-camponotus-herculeanus-als-urlaubsmitbringsel-camponotus-cf-fellah.html


Bild
Leider ist dieser Versuch fehlgeschlagen. Ergebnis dieser Aktion waren 10 tote Camponotus vagus Arbeiterinnen.
Bild
Die Zypern Majorarbeiterin blieb bei dieser Aktion unverletzt.

Diese Aktion hat mich schon geprägt, aber glücklicherweise geht es meiner Kolonie gut. Wie es mit meiner Kolonie weiter geht, findet ihr hier:

http://www.ameisenforum.de/europ-ische-arten/41060-camponotus-vagus-haltungserfahrungen.html

Die Zypern Majorarbeiterin geht es immer noch gut. Ich habe sie ins Herz geschlossen, obwohl sie meine Kolonie dezimiert hat. Aber sie trägt nicht die Schuld.
Das war allein mein Fehler.

Wer eine Camponotus fellah Kolonie hält und einen Adoptionsversuch starten möchte, der melde sich bei mir. Wäre wirklich schade, wenn auch diese Arbeiterin stirbt. Noch gehts ihr gut, also schnell melden.

Gruß Imilius

Ich bin jetzt bei Eusozial.de und bei Ameisenportal.eu!
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AW: Adoption fehlgeschlagen!!!!

Beitragvon MurofNesiema » 24. September 2010, 01:22

Mein Beileid, schade, dass es nicht geklappt hat.



Aber wenn mich jemand gefragt hätte ob eine Arbeiterin einer fremden Art sich in eine bestehende Kolonie eingliedern lässt, dann hätte ich etwas derartiges vorausgesagt.
[Edit:]
Nein Moment, nochmal überdacht, ich hätte vorausgesagt dass die fremde Arbeiterin getötet wird. Also nicht das was tatsächlich geschehen ist.

Wie groß ist der derzeitige Stand der kolonie?
1(|-| |)4RPh |-|13R /\/1(|-|7 5(|-|R31ß3/\/ \/\/13 1(|-| \/\/1II 4|33r |-|4|3 /\/\1(|-| 31/\/G3|_3|37 :spin2:
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Beitragvon syafon » 24. September 2010, 04:27

Hallo Imilius!

Wow... dass eine einzelne Arbeiterin sich gegen eine Übermacht an Camponotus vagus Arbeiterinnen durchsetzt... 0.o

Sie ist aber wirklich sehr sehr groß... -.-

Blöd gelaufen... :(

lg
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AW: Adoption fehlgeschlagen!!!!

Beitragvon Wiseman » 24. September 2010, 08:20

Öhm, sorry, aber wieso versucht man so etwas überhaupt?:confused:
Es ist schon schwierig genug, nestfremde Tiere der selben Art adoptieren zu lassen. Die Adoption einer artfremden Arbeiterin kann in 99,9...9% aller Fälle einfach nur in die Hose gehen.
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AW: Adoption fehlgeschlagen!

Beitragvon NIPIAN » 24. September 2010, 09:25

Hoi,


am 22.09.2010 hat Sahal einen Beitrag geschrieben, der erläutern kann weshalb eine Adoption einer Arbeiterin ab einem bestimmten Alter schief gehen wird:
http://www.ameisenforum.de/einsteigerfragen/41311-sind-ameisen-lernf-hig.html#post268886

Sahal hat geschrieben:Als anderes Beispiel:
frisch geschlüpfte Ameisen sind strunzdoof und wissen weder, wer sie sind noch was sie sind!
Es folgt eine etwa 14-tägige, unumkehrbare Prägephase, in der die Arbeiterinnen lernen, zu welchem Volk (Duft) sie gehören und welche Brut (Duft) sie zu pflegen haben.


Hätte das Experiment vielleicht verhindert. Durch das Ergebnis von Imilius Versuch sehe ich Sahals Beitrag untermauert.
Wobei ich doch gerne wüsste, welchen Titel die Arbeit trägt, die das untersucht hat.

Mein Beitrag soll nicht missverstanden werden. Ab und an ist vielleicht ein Nachschlagen/Informationen einholen die zunächst bessere Lösung - selbst wenn man einen Knüppel auf den Kopf kriegt.
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AW: Adoption fehlgeschlagen!

Beitragvon Sahal » 24. September 2010, 10:24

Hola NIPIAN,


leider habe ich kein Material mehr hier, das liegt alles fein eingelagert in Berlin!
Also aus dem Gedächtnis denke ich, dass es JASSON war, der in den 70ern über die Prägephase forschte und in mehreren Arten zeigen konnte! ZB an Formica konnte er zeigen, das ungeprägte Arbeiterinnen Puppen von anderen Formica, Camponotus und Lasius (niger?) annahmen.

Leider ist bei mir zum ersten Mal ein Adoptionsversuch fehlgeschlagen. Manchmal klappts und manchmal nicht.
Das Thema finde ich sehr interessant, da es theoretisch gar nicht klappen sollte, Imagines zu adoptieren, geschweige denn artfremde Imagines! (Abgesehen von sehr wenigen bekannten Ausnahmen.)
Es führt ja schon irreversibel zur Katastrophe, wenn Mitglieder eines Volkes für wenige Tage getrennt und unter verschiedenen Bedingungen (Futter, Nistmaterial) gehalten werden und sich so die Lokalkomponente ändert. (NIPIAN: BRUN; LANGE :D)

Da es bei Dir "zum ersten Mal" nicht geklappt hat, berichte doch bitte von den Malen, bei denen es geklappt hat.
Wenn die Flinte ins Korn gefallen ist, nicht gleich das Kind in den Brunnen werfen, auch wenn das der Tropfen ist, der dem Fass die Krone ins Gesicht schlägt!
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AW: Adoption fehlgeschlagen!

Beitragvon Boro » 24. September 2010, 10:37

Hallo Imilius!
Ja, das war eigentlich vorherzusehen, dass das nicht klappen kann. Schade um die Arbeiterinnen....
Auch bei nahe verwandten (heimischen) Arten klappt es wohl selten: Ich habe vor Jahren eine Gyne v. C. herculeanus mit Arbeiterinnenpuppen v. C. ligniperdus gepusht und tatsächlich gab es zuerst wohlwollende Akzeptanz zw. den geschlüpften Arbeiterinnen u. der fremden Gyne. Als aber etliche herculeanus Arbeiterinnen geschlüpft waren, nahm die Zahl der ligniperdus-Arbeiterinnen rasch ab. Sie wurden offensichtlich nacheinander "erledigt"!
Die Angelegenheit scheint insgesamt recht komplex zu sein:
Bei Polyergus z. B. ist es so, dass die Königin in ein Serviformica-Nest eindringt und dabei nicht nur aggressionshemmende Pheromone absetzt, sondern ihr eigenes (fast geruchsneutrales) Duftprofil jenem der Wirtsameisenkolonie im Zeitraum von wenigen Tagen weitgehend angleichen muss, um volle Akzeptanz zu erreichen.
Die später schlüpfenden Polyergus-Arbeiterinnen werden aber trotzdem etwa bei der Aufzucht im Kunstnest als "fremd" erkannt und oft v. Hilfsameisen getötet.
Ebenso gelten im gemischten Polyergus-Hilfsameisen-Nest verschiedene Serviformica-Arten als miteinander nicht kompatibel. Obwohl die geraubten Puppen noch 1, 2 Wochen im Polyergus-Nest liegen können, werden die schlüpfenden Arbeiterinnen gewisser Arten trotzdem als fremd erkannt und aus dem Nest getrieben bzw. getötet (z. B. Polyergus-rufibarbis-Nest mit fusca-Arbeiterinnen u. umgekehrt!).

Ich hatte einmal das Glück in einem Polyergus-cunicularia-Nest die aus einem Raptiformica-Nest geraubten Puppen und schließlich die daraus schlüpfenden Raptiformica-Arbeiterinnen durch 2 Jahre beobachten zu können:
Auch noch Wochen nach dem Schlüpfen wurden die Raptiformica-Arbeiterinnen von den Nest-Hilfsameisen als fremd erkannt und immer wieder aus dem Nest gezerrt und dann ein paar dm davon entfernt abgesetzt. Die Raptiformicas wehrten sich nicht, kehrten aber umgehend wieder in "ihr" Nest zurück. Noch im darauffolgenden Jahr gab es in diesem Nest einige Raptiformicas, die bestenfalls geduldet waren.
Es muss wohl so sein, dass in vielen Fällen trotz Angleichung an den herrschenden Nestduft, gewisse Arten weiterhin einen speziellen Eigengeruch haben müssen um auch noch längere Zeit nach dem Schlüpfen immer noch als "fremd" erkannt zu werden.
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AW: Adoption fehlgeschlagen!

Beitragvon Imilius » 25. September 2010, 10:57

Hi!

Danke für die Antworten!

Hallo MurofNesiema!

Die Kolonie besteht jetzt aus 40 Arbeiterinnen und ca. 70 kleinen.

Bis jetzt hat es immer mit der Adoption funktioniert, Wiseman. Darum lässt sich dieser Versuch auch erklären. Zudem hatte ich den Drang die Zypern Majorarbeiterin zu retten.

Um auf deine Frage einzugehen, Sahal, werde ich dir die Adoptionsversuche schildern:

Adoptionversuch mit Kühlung:

Lasius niger Kolonie wurde kurz im Kühlschrank runtergekühlt, bis die Aktivität deutlich herab gesetzt wurde. Die fremde Lasius niger Arbeiterin wurde in einem seperaten Gefäß genau so gekühlt.
Die fremde Arbeiterin wurde zu der Kolonie getan. Nach kurzer Zeit (ca. 5 Minuten) wurde die Kolonie aus dem Kühlschrank geholt und in ein Zimmer gebracht. Wenn möglich ein kühles Zimmer damit die Aktivität langsam steigt.
Später wurde die Kolonie mit Honig-, bzw. Zuckerwasser gefüttert, um sie zu beruhigen, sollte die Aggresivität gegenüber der fremden Arbeiterin zunehmen. Zwar wurde die fremde Arbeiterin begutachtet und gemustert, aber sie wurde voll akzeptiert.

Adoptionversuch ohne Kühlung:

Vor ca. 1 Monat kam ich aus der Stadt und wollte mich gerade umziehen. Plötzlich entdeckte ich, wie eine Lasius cf. niger Arbeiterin auf meinem Arm umherlief. Zu dieser Zeit hatte ich eine kleine Lasius niger Kolonie (ca. 20 kleine Arbeiterinnen). Ich habe mich für einen Adoptionsversuch entschieden, jedoch ohne die Kolonie zu kühlen. Die Kolonie befand sich in einem großen Reagensglas. Ich öffnete den Eingang und schob die fremde Arbeiterin in das Reagensglas und verschloß den Eingang wieder.

Die fremde Arbeiterin wurde sehr schnell entdeckt und von ca. 6 Arbeiterinnen aggressiv unterdrückt. Es kam jedoch zu keinem Kampf. Die fremde Arbeiterin nahm, fand ich, von sich aus schon eine untergeordnetet Position an. Sie wurde von mehrern Arbeiterinnen fixiert, kontrolliert, gemustert, unterdrückt und analysiert, aber nicht brutal angegriffen. Das ging genau 2 Tage lang. Die fremde Arbeiterin hat es hin genommen als ob sie die bedrohliche Situation spürte. Ab dem 4 Tag wurde sie voll akzeptiert. Sie verrichtete die selben Arbeiten wie die übrigen Arbeiterinnen und bei Neststörung war sie auch bereit sich für die Kolonie zu opfern. Die fremde Arbeiterin erkannte ich immer wieder an ihrer Größe. Der Adoptionversuch ist gelungen.

Die Adoptionsversuche scheinen bei einigen Arten doch komplizierter zu sein als bei andere. Einige Arten scheinen eine größere Akzeptanz zu haben andere wiederum nicht. Es ist wirklich sehr schade, um die Arbeiterinnen, Boro. Und ich bereue es auch immer noch! Doch immerhin habe ich eine wertvolle Erkenntnis erhalten. Auch können andere Halter aus meinem Fehler lernen. Aber das aller wichtigste ist, dass es der Kolonie gut geht und sie diese Lücke in der nächsten Saison schnell schließen werden.

Gruß Imilius
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