Ist falscher Honig schädlich?

Allgemeine Fragen und Themen über europäische Ameisenarten.

Ist falscher Honig schädlich?

Beitragvon Stiko » 20. September 2011, 10:44

Hallo an alle.
ich habe ein kleines Problem.

Ich halte ja schon eine ganze Weile Cataglyphis velox und Pheidole noda.
Vor rund einem Monat habe ich mal gedacht, gönne doch den Ameisen nicht den Langnese Wildblütenhonig, schaffe Abwechslung und fütter Waldblütenhonig.

Sonst habe ich rein garnichts geändert und vor 2 Tagen traf mich der Schlag.
In der Pheidolefarm sind ganze schwarze Kammern drin.
Die Kolonie wurde drastisch dezimiert.
Rund 1000 Tiere sind innerhalb kürzester Zeit gestorben.

Bei den Cataglyphis sind 3 von 4 Königinnen gestorben.

Beide Kolonien hatten sich bisher sehr erfolgreich entwickelt.
Die Cataglyphis hatten viel Brut, Puppen und Larven.
Bei den Pheidole habe ich derzeit sogar geflügelte Geschlechtstiere.

Ich habe gestern mal den Wildblütenhonig gekauft und hoffe, das es daran liegt. Aber das beste ist anscheinend, wenn ich auf Zuckerwasser umsteige.
Auch wenn es lästig ist, dieses alle 2 Tage zu wechseln.

Kann ein naturbelassener Honig aus der MAssenproduktion so etwas bewirken?
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AW: Ist falscher Honig schädlich?

Beitragvon Herkules » 20. September 2011, 12:34

Hallo.
Ich habe mir Dies auch schon überlegt.
Heute ist es normal das man Bienenvölker mit div. "Maßnahmen" gegen div.Krankheiten und Parasiten behandelt.
Und Rückstände davon werden wohl auch im Honig nachweisbar sein.
Ob sie schädlich sind für die Ameisen weiß ich nicht.
Für Bienen scheinen sie grundsätzlich kein Problem zu sein.

Bei einer Umstellung von Zuckerwasser auf handelsüblichen Waldhonig, konnte ich auch mehrere tote Ameisen beklagen innert kurzer Zeit.
Jedoch hat sich dies gelegt, trotz beibehalten des Waldhonigs.
Somit ist es nicht sicher, das wirklich besagter Honig schuld ist.

Gruss sascha
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Beitragvon NIPIAN » 20. September 2011, 13:17

Kann ein naturbelassener Honig aus der MAssenproduktion so etwas bewirken?
Schwierig zu sagen. Lebensmittel werden normalerweise streng kontrolliert.
http://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/rueckstaende/pestizide_pcb.htm
http://www.tierundnatur.de/umwe-ins.htm

Was Insekten anbelangt, scheint das wohl ein wenig schwierig zu sein (Stichwort LD 50).

Die Alternativlösung Zuckerwasser (*g*) ist für die nächsten paar Tage sicher gut. Dann wieder auf den bekannten Honig umzusteigen ist kein Problem, sobald die Verluste sich wieder normalisiert haben. Letztlich sollte einfach das Zeuch, falls der Honig tatsächlich schuld gewesen ist, wieder irgendwie aus den Völkern entfernt sein.
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Beitragvon Stiko » 20. September 2011, 21:31

Da ich ja im Lebensmittelvertrieb arbeite, habe ich das mal meinem Chef berichtet.
Selbst der konnte es kaum fassen, da ja Langnese eigentlich mit einer der besten Honig sein soll.
Wenn aber zum Beipiel die Gegend der Herkunft mit gewissen Mittelchen behandelt gewesen ist, kann es sein, das die Bienen nicht betroffen sind, aber andere Insekten vielleicht schaden nehmen können.
Irgendwie ist alles ein "kann" "eventuell" "hätte" und "wenn".

Ich steige jetzte erst mal auf Jelli oder Zuckerwasser um.
Wenn sich alles wieder normalisieren sollte,
dann kann ich den Honig leider nur noch in die Tonne werfen.

Nochmal werde ich das nicht riskieren.
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AW: Ist falscher Honig schädlich?

Beitragvon Boro » 20. September 2011, 22:02

Ich nehme normalerweise Waldhonig vom Biohof. Das scheint mir eine gute Lösung zu sein, weil Waldhonig zu einem großen Teil aus dem Honigtau der Läuse besteht und den wollen ja die meisten Arten. Natürlich wird er im Magen der Biene fermentiert u. dadurch etwas verändert. Das mische ich dann 1 :1 mit Wasser.
In letzter Zeit verwende ich gerne Ahornsirup, den muss man nicht verdünnen und er kommt sehr gut an.
Ich weiß nicht, ob Pheidole noda so unverwüstlich sind wie P. pallidula, aber diese fressen alles, auch Speiseöl. Honigwasser nehmen sie bei mir nur hin und wieder. Zwischendurch bekommen sie vollreifes Obst, Weintrauben, Stückchen v. Feigen, Pfirsichen, Zwetschken, ach die fressen einfach alles. Ich denke, die Abwechslung tut ihnen gut.
Die schwarzen Kammern in deiner Farm könnten davon herrühren, dass auf den (Honig)-Ausscheidungen d. Ameisen Schimmel od. ähnliches gedeiht. Ein solches Massensterben muss einen gravierenden Grund haben. Ich persönlich würde sämtliche Nester/Farmen/Terrarien austauschen bzw. die Völker umsiedeln, wenn es sein muss auch unsanft!
Mit Cataglyphis sp. habe ich keine Haltungserfahrungen....
L.G.Boro
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Beitragvon erix » 21. September 2011, 06:30

Hallo Stiko

Natürlich könnte das Sterben deiner Ameisen auch einen anderen Grund haben und nur zufällig mit der Gabe der neuen Honigsorte zusammentreffen. Aber bleiben wir mal beim Honig.

Schon in der Antike war bekannt, dass es einzelne, seltene, Honige gibt, die für Menschen eine starke Giftwirkung haben. Der Sage nach, wurden sie deshalb gelegentlich als Kriegslist gegen einfallende Feinde verwendet, die dieses Wissen nicht hatten.

Dass ein Honig aus dem hiesigen Handel Gifte enthält, die Ameisen umbringen können, halte ich aber für sehr, sehr unwahrscheinlich.

Waldhonig ist kein Blütenhonig und stammt deshalb auch nicht aus Plantagen, in denen möglicherweise Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Die in der Imkerei selbst verwendeten Bekämpfungsmittel gegen Varroamilben werden saisonal so eingesetzt, keine Honigwaben damit in Kontakt kommen können. Wenn Lebensmittelkontrollen Pestizidrückstände nachweisen können, so geht es dabei immer um geringste Spuren, die in Lebensmitteln zwar nicht vorhanden sein dürfen, aber nie um Mengen, die akute toxische Wirkungen (und sei es auch nur an Ameisen) zeitigen.

Bliebe noch zu prüfen, ob das, was du als Honig gekauft hast, auch tatsächlich Honig ist. In Asien gibt es Fabriken, die stolz darauf sind, dass ihre Produkte so gute Fälschungen sind, dass sie von Honig nur schwer unterscheidbar sind. Allerdings sind solche "Honige" kaum bei uns zu finden. An deiner Stelle würde ich den Honig zur Lebensmittelkontrolle bringen.

Wenn wir bisher von einer Vergiftung ausgegangen sind, so ist dies aber nur die Möglichkeit, die uns als erste einfällt. Möglich wären auch ganz andere Dinge: Bakterien, Pilze, Viren, Parasiten, die im Honig vorhanden sein könnten und zufällig bei deinen Ameisen mörderische Wirkungen entfalten, weil deine Ameisen aus einer ganz anderen Weltgegend stammen. In der Welt der Pflanzen und der Insekten herrscht ein ewiger Kampf, der mit raffiniertesten Biowaffen geführt wird und von dem wir so gut wie gar nichts wissen.

Ich hoffe, dass die Rückkehr zum bewährten Honig dein Problem lösen wird.

Gruss: erix
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AW: Ist falscher Honig schädlich?

Beitragvon rumpelstielzchen » 21. September 2011, 14:16

Lies dir mal das durch http://de.wikipedia.org/wiki/Melezitose

beste grüsse rumpel
[font="]Der Letzte macht das Licht aus …[/font]
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Beitragvon erix » 21. September 2011, 14:38

Hallo rumpelstielzchen

Melizitose fällt hier ausser Betracht. Diese Zuckerart ist weder giftig noch sonstwie schädlich. Für die Honigbienen ist er lediglich deswegen ein Problem, weil sie Melizitosehonig nur aufnehmen können, wenn sie ihn mit Wasser auflösen und so verflüssigen können. Wasser steht aber im Winter nicht zur Verfügung, wenn kein Flug zum Wasserholen möglich ist. Die Bienen verhungern dann u.U. auf vollen Waben. Für den Imker ist fest gewordener Melizitosehonig wertlos, weil er ihn nicht aus den Waben bekommt.

Gruss: erix
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