14. Exkursion mit der Kamera in Südkärnten

Berichte (z.B. Reiseberichte, Ameisenfotoalben, Ausflüge, Schnappschüsse, etc.) mit vielen Fotos von Ameisen und Natur.

14. Exkursion mit der Kamera in Südkärnten

Beitragvon Boro » 11. Mai 2013, 20:03

Diesmal machten Vater und Sohn 2 Exkursionen, einmal mit dem Naturwissenschaftlichen Verein Kärnten (4. 5.) und dann eine "Privatexkursion" am 9. 5. Es ging in die "Schütt", einem Bergsturzgebiet südl. vom Dobratsch in der Nähe von Villach. 2 große Erdbeben sind nachgewiesen, ein prähistorisches und ein zweites im Jahre 1348 als Folge eines starken Erdbebens, das damals einen Großteil der Stadt Villach zerstörte.
Heute ist die Schütt teilw. Naturschutzgebiet und zählt zu den großen "hot spots" der Biodiversität in Mitteleuropa! Das gesamte Bergsturzgebiet umfasst 24 km² (15 km Länge u. max. 5 km Breite).
Für interessierte Leser: http://www.schuett.at/life/projekt.php

1. Ein Blick auf die Kuppe der Weinitzen, einem von dichter Vegetation (vor allem Eichen u. Mannaeschen) eingerahmten Offenlebensraum. Im Hintergrund ist die Ausbruchnische des Dobratsch zu sehen.


2. Die Weinitzen, das Gebiet mit einem der wichtigsten Halbtrockenrasen Österreichs. Die weiß blühenden Bäume im Hintergrund sind wieder Mannaeschen (Fraxinus ornus, im Mitteleuropa nur in Kärnten, Steiermark u. Ostösterr. heimisch; in D nur eingebürgerter Neophyt. Eine erstklassige Bienenweide, heuer erstmals überhaupt ohne Bienen!!


3. Camponotus vagus ist hier häufig zu finden, die Nester durchwegs in Holzstrünken. Hier sehen wir eine Arbeiterin beim Blütenbesuch auf einem Wolfsmilchgewächs:


4. Beim Ablösen der Rinde bei einem Holzstrunk entdeckten wir ein Nest von Tetramorium sp. ohne zu wissen, dass sich 15 cm daneben ein Nest v. C. vagus befand. Die aufgeschreckten Tiere traten sofort zum Kampf an, beide Arten wollten ihren Nestbereich verteidigen. Große Nester v. Tetramorium sp. sind gefährliche Gegner, zu unserem Erstaunen wichen diese aber gegen die angreifenden C. vagus-Arbeiterinnen zurück. Allerdings reicht von diesen ein Biss mit den kräftigen Mandibeln und es gibt ..... 2 Hälften der Gegner.
Die Kleinen sind kaum zu sehen, ein paar habe ich mit einem roten Kreis markiert.


5. Temnothorax cf. affinis bei ihrem Nesteingang im Totholz einer alten Eiche. Die Art ist hier überall zu finden.


6. Beim Transport einer Artgenossin:


7. Enttäuschend fanden wir die geringe Zahl an Waldameisen. Auf dem riesigen Areal gab es nur 4 Formica pratensis Nester u. 2 von Formica (Raptiformica) sanguinea. Hier F. pratensis:


8. Da haben wir etwas Besonderes: Die Rote Röhrenspinne, wovon wir immerhin 3 Tiere zu Gesicht bekamen. Das Mitnehmen kam nicht in Frage, die Art steht sicher auf der Roten Liste. Schwer zu fotografieren, mit einer Tic-Tac-Box mussten wir sie vor dem Verschwinden abhalten:


9. Eine andere Spinne u. noch dazu Ameisenjägerin! Eine C. ligniperdus geriet in ihre Mundwerkzeuge:


10. Jetzt geht es Richtung Wald: Hier sprudeln mehrere Karstquellen, aber nur im Frühling, im Rest d. Jahres ist alles trocken!


Fortsetzung folgt demnächst!
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Beitragvon AntYoda » 11. Mai 2013, 23:58

Lieber Boro,
es ist immer wieder eine Freude, Deine wunderbaren Fotoberichte zu sehen und lesen. Da wäre ich gerne mal dabei!
Eine Frage habe ich an Dich: Hast Du beim Forografieren, speziell bei Nr. 3., 5. und 6. einen Blitz benutzt?

LG
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Beitragvon Boro » 12. Mai 2013, 20:20

11. So, jetzt geht´s in die Blockhalde. Schütterer Bewuchs: Unzählige Felsenbirnen (Amelanchier sp.), Rotföhre, meist kleinwüchsig od. verkrüppelt (Pinus silvestris) und die Schwarzföhre (Pinus nigra austriaca), die ihre nördliche Verbreitungsgrenze in Kärnten u. in Ostösterreich findet. Und immer wieder die schon erwähnte Mannaesche (Fraxinus ornus). Diese 3 Arten bilden eine Pionier-Dauergesellschaft.


12. Hier tritt verbreitet der Deutsche- od. Alpenskorpion auf (Euscorpius germanus) auf. In Kärnten gibte es weiters den Gamma-Skorpion (Euscorpius gamma) und in tieferen Lagen den ganz seltenen Karpathen-Skorpion (österreichweit nur 2 Vorkommen in Kärnten, eines in NÖ in der Wachau) Euscorpius carpathicus. Er soll jetzt aber "Triestiner Skorpion" heißen (Euscorpius tergestinus).


13. Und es gibt noch zahlreiche Hornottern. Wir haben anlässlich beider Exkursionen 4 Stück gesehen, ein Foto war leider unmöglich. Daher wird ein Foto einer anderen Exkursion "ausgeliehen". Nähere Erläuterungen hier: http://www.ameisenforum.de/off-topic/49754-artenschutz-einmal-anders.html


14. Temnothorax sordidulus wurde bisher in Mitteleuropa nur in Kärnten u. Tirol (ein Fundort) gefunden. Wir konnten etliche furagierende Arbeiterinnen auf von einander getrennten Örtlichkeiten beobachten. Übrigens: Ein regionaler Erstfund! Näheres hier: http://www.ameisenforum.de/einheimische-europ-ische-ameisen/48981-temnothorax-sordidulus-mitteleuropa.html


15. Eine Temnothorax-Art, die wir bisher nicht einordnen konnten. Sie bewohnt die gleichen Felshabitate wie T. sordidulus. Die Art wurde inzwischen bestimmt: Temnothorax nigriceps!


16. Hier noch ein Bild der Art aus anderer Perspektive:


17. Lasius emarginatus darf hier als "Felsenameise" nicht fehlen:


18. Tetramorium sp. war vor allem in Baumstrünken zu finden. In Waldlichtungen gab es eine durchwegs braun gefärbte Art unter Steinen, Totholz (Tetramorium cf. impurum).


19. Und noch ein regionaler Erstfund: Plagiolepis cf. vindobonensis
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Beitragvon Boro » 12. Mai 2013, 20:42

Hallo AntYoda!
Das Bild stammt v. meiner Kamera (Sony 550 A). Ich verwende prinzipiell Blitzlicht (Ringblitz). Dadurch glänzt die Cuticula mancher Arten (vor allem der glänzend schwarzen). Das muss ich in Kauf nehmen. Der Sohn hat bei der Canon 60 D einen Diffuser vorgebaut, aber beim Transport gibt das enorme Schwierigkeiten, dadurch erscheinen seine Bilder aber etwas matter.
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