15. Exkursion mit der Kamera in Südkärnten

Berichte (z.B. Reiseberichte, Ameisenfotoalben, Ausflüge, Schnappschüsse, etc.) mit vielen Fotos von Ameisen und Natur.

15. Exkursion mit der Kamera in Südkärnten

Beitragvon Boro » 30. Mai 2013, 18:30

Urwälder des Dobratsch und seine Xylobionten: Unter diesem Titel fand am 28. 5. eine Exkursion einiger Experten statt, an der ich teilnehmen konnte. Es ging in erster Linie darum, holzbewohnende Käfer aufzuspüren. Dies geschah im Rahmen der Masterarbeit einer Studentin an der Grazer Uni mit dem Titel: Xylobionte Käfergemeinschaften des Bergsturzgebietes des Dobratsch (Schütt): http://www.naturwissenschaft-ktn.at/projekte/laufende-projekte/85-masterarbeit
Gleich vorweg: Den Goldstreifigen Prachtkäfer - eine außergewöhnliche Rarität - bekamen wir leider nicht zu Gesicht.
Mich hat es natürlich mehr zu den Ameisen "hingezogen", wie im letzten Bericht dieser Reihe aus der gleichen Region: http://www.ameisenforum.de/fotoberichte/49902-14-exkursion-mit-der-kamera-s-dk-rnten.html) Nebenbei beschäftigt mich auch der "Urwald" an sich, den ich den
Interessenten etwas näher bringen möchte!
1. Eine von Menschenhand völlig unberührte Waldgesellschaft in 950 m Höhe, Forstwirtschaft wurde in den unzugänglichen Bereichen nie betrieben und so entwickelte sich der Wald nur nach den naturgegebenen Gesetzmäßigkeiten. Alle Sukzessionststadien einer natürlichen Waldentwicklung können festgestellt werden.
1. Mannaesche [Blumenesche (cremefarbig blühend)], Rotföhren, dazwischen Schwarzföhren (Pinus nigra) - Schneeheide-Rotföhrenwald (Erico Pinetum) - bereits ein fortgeschrittenes Waldstadium.


2. Es tritt auch die Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia) auf, zusammen mit der Schwarzföhre gibt es Fragmente des Südostalpinen Hopfenbuchen-Schwarzkiefernwaldes (Orno-Pinetum nigrae)


3. Hopfenbuche und Mannaesche bilden Fragmente des Hopfenbuchen-Blumeneschenwaldes (Orno-Ostryetum). Daneben sieht man die Echte Mehlbeere (Sorbus aria) und häufig die Felsenbirne (Amelanchier ovalis)


4. Der Alpenseidelbast (Daphne alpina), den es meines Wissens in D nicht gibt. Auch in A selten, nur hier verbreitet auftretend.


5. Das häufige Steinrösl (Daphne cneorum) sorgt für Farbtupfer


6. Ameisen gibt´s auch, aber die Artenvielfalt ist im Vergleich zu den Niederungen deutlich geringer: Plagiolepis cf. vindobonensis ist hier häufig vertreten


7. Es werden Mikrohabitate in Fels u. Schutt bewohnt. Eine abgehobene Steinplatte zeigt auch eine Königin:


8. Etliche Arbeiterinnen treten als Repleten in Erscheinung, sie speichern die Nahrung für die Gemeinschaft. Beinahe könnte man sie für "Honigtöpfe" halten!


9. Temnothorax sordidulus konnte in dieser Höhe (950 m) nur einmal gefunden werden:


10. Der Hufeisenklee (Hippocrepis comosa)
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Beitragvon GeeF2512 » 30. Mai 2013, 21:21

Hallo Boro,

Immer wieder beigeisternd, deine Berichte zu lesen und die durchwegs guten Fotos zu sehen.

Eine Frage zu Bild 6:
Die Puppen sind im Vergleich zu den Arbeiterinnen auffällig groß.
Werden das Geschlechtstiere oder gibt es andere Gründe für die Übergröße?

mfg
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Lasius niger 'Kolonie A' seit Schwarmflug 2011 - 1000+
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Beitragvon Boro » 31. Mai 2013, 08:15

Ja, das sind Geschlechtstierpuppen, die werden im Frühjahr bei vielen Arten vorrangig aufgezogen!
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Beitragvon Boro » 31. Mai 2013, 16:57

11. Ein häufiger Wegbegleiter, die Herzblättrige Kugelblume (Globularia cordifolia):


12. Auch hier wieder anzutreffen: Ein (harmloser) Skorpion:


13. Zwischen Steinplatten im Halbschatten: Temnothorax cf. crassispinus. Auffallend ist die umfangreiche dunkle Färbung d. durchscheinenden Inhalte des Verdauungstraktes.


14. Die häufigste dunkle Lasiusart ist hier L. psammophilus:


15. 3 Stunden lang musste ich unzählige Tothölzer untersuchen, bis ich endlich ein einziges Nest v. Camponotus vagus entdeckte. Die Fundstelle in 960 m übertrifft bei weitem die Angaben v. SEIFERT (bis 800 m), nähert sich aber den Angaben v. H. C. WAGNER (2012): Die Ameisen Kärntens.


16. Nicht zu vergessen: Mein Hund begleitet mich auf allen Exkursionen. Weil sie ein nicht dressierter Jagdhund ist, herrscht ständige Leinenpflicht; schon wegen der Hornottern in diesem Gebiet. Hier bewacht sie im Schatten einer Hopfenbuche meine Fototasche.


Zusammenfassung d. Ergebnisse:
1. Die Artenvielfalt an Ameisen ist hier in dieser Höhe deutlich geringer als im Gebiet der 14. Exkursion (max. 700 m) od. in vergleichbaren Biotopen in den Niederungen.
2. Es kommen vorwiegend thermophile Arten vor
3. Das auffallendste Ergebnis: Das massenhaft vorhandene stehende u. liegende Totholz wird von fast allen Arten gemieden: Obwohl ich sicher 150 Tothölzer untersucht habe, war das Ergebnis enttäuschend: 1 Nest C. vagus, 1 Nest einer gelben Lasiusart in einem verrotteten Holz. Von 16 entdeckten C. ligniperdus-Nestern war kein einziges im Totholz, es gab ausschließlich Unter-Steinnester u. reine Erdnester. Diese Situation war für mich völlig neu. Eine Begründung der eher ungewöhnlichen Nistplatzwahl ist mir nicht eingefallen. Auch die mitunter in Totholz lebenden F. fusca od. Lasius psammophilus wurden nie im Holz angetroffen.
4. Einige Arten erreichen hier ihre maximale vertikale Verbreitung: C. vagus, L. psammophilus (häufig!), Plagiolepis vindobonensis (sehr häufig!), Temnothorax sordidulus (1 Beob.) und die Hornotter geht hier bis auf 1200 m hinauf, das sind etwa 300 m über der diesbezüglichen Literaturangabe.
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