Kleine mitteleurop. Camponotus-Arten - Fotobericht

Berichte (z.B. Reiseberichte, Ameisenfotoalben, Ausflüge, Schnappschüsse, etc.) mit vielen Fotos von Ameisen und Natur.

Kleine mitteleurop. Camponotus-Arten - Fotobericht

Beitragvon Boro » 13. September 2006, 16:14

1. Camponotus fallax
Diese Arbeiterin habe ich am frühen Vormittag an der Hauswand eingefangen, ein paar Fotos gemacht, gefüttert und an der Mauer wieder ausgesetzt. C. fallax lebt bei uns im Dachstuhl und furagiert von dort aus auf eine Trompetenwinde (Campsis radicans), deren Nektar bei Bienen, Wespen und Ameisen sehr begehrt ist. Die zahllosen Läuse erzeugen den beliebten Honigtau.
C. fallax ist eine zarte Schönheit, sehr schnell, aber auch sehr ängstlich. Dieses Exemplar ist ca 7mm lang. C. fallax lebt im Totholz alter Bäume und eben auch in alten Dachstühlen. Sie furagiert von dort aus und ist kaum am Boden zu finden. Man bekommt sie kaum zu Gesicht.
In Mitteleuropa ist sie selten und fast überall auf den Roten Listen, z. B. in Niederösterreich ist sie in Stufe 4 (potentiell gefährdet), in Bayern in Stufe 1 (vom Aussterben bedroht)
Größe(eigene Messungen und Vergleich mit Angaben in französ./italien. Foren): Arbeiterin 7-9mm, Königin 8-10mm. Mit der leicht zu verwechselnden Camponotus aethiops gibt es 2 deutliche äußere Unterscheidungsmerkmale: C. fallax hat braune Beine (aethiops schwarze Beine) und sie ist deutlich weniger behaart als C. aethiops. Außerdem ist C. fallax (im Gegensatz zu C. aethiops) arboricol.
Als weiteres gutes Erkennungsmerkmal für C. fallax werden immer wieder die hellen Streifen am Rand der Gastertergite genannt. Sie sind auch bei nicht gedehnter Gaster immer zu erkennen!
Gruß Boro


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Hier an der Borke eines alten Nussbaumes:
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Beitragvon Boro » 15. September 2006, 20:30

2. Camponotus lateralis ist eine zierliche und von der Farbe her sehr schöne Art. In Süddeutschland soll sie früher nachgewiesen worden sein, es wird sich aber um eine Verwechslung gehandelt haben. Das ist erstaunlich, denn von den anderen kleinen mitteleuropäischen Arten unterscheidet sie sich bereits im Aussehen mehr als deutlich. Auf den ersten Blick wäre sie eher noch mit Crematogaster scutellaris zu verwechseln
Diese Bilder stammen von einem Volk, das mit einer Königin aus Istrien herangezogen wurde. Die Minor-Arbeiterinnen sind 6-7mm lang. Im Verhalten auch scheu, aber nicht so ängstlich wie die oben beschriebene C. fallax.
Laut Seifert (S. 285) lebt sie vor allem in Totholz oder unter Borke. Wir haben ein paar Nester unter und zwischen großen Steinblöcken gefunden.
Weitere Bilder sind im Fotoforum (Berichte: 2. Tagesausflug nach Istrien)
Diese Art kommt noch im Tessin und in Südtirol vor, sodass sie zu den (rand)mitteleuropäischen Arten gezählt werden kann.
Größe (eigene Messungen und Vergleich mit Angaben in französ./italien. Foren: Arbeiterin 5-7mm, Königin 7-9mm)
Es furagieren ganz vorwiegend die minor-Arbeiterinnen, hin und wieder media-Arbeiterinnen. Die Funktion der major-Arbeiterinnen ist unklar, möglicherweise dienen ihre größeren Gaster als "Vorratsspeicher"
Gruß Boro


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Beitragvon Boro » 21. September 2006, 19:46

3. Camponotus piceus, die "glänzendschwarze Rossameise"

C. piceus lebt im Gegensatz zu C. fallax und C. lateralis vorwiegend am Boden. Die Art ist nur in xerothermen Habitaten zu finden. Die Nester werden im Trockenrasen meist unter Steinen angelegt. In Istrien ist diese Art häufiger und lebt vorwiegend in halbschattigen Wiesen. Die Nesteingänge erkennt man dort an kleinen, nur 1-3cm hohen Aufschüttungen aus Terra rossa. Bei uns ist die Art auf sehr xerotherme Standorte besschränkt. In Mitteleuropa ist sie sehr selten und steht wohl überall auf den Roten Listen.
Es handelt sich ebenfalls um sehr zarte und scheue Wesen. Im Freien sieht man vorwiegend die Minor-Arbeiterinnen, jene auf meinen Bildern messen etwa 6mm. Sie sind ängstlich und scheuen jedes Zusammentreffen mit anderen Ameisen. Ein Erbeuten lebender Insekten ist nicht vorstellbar. Tote Insekten dienen als Nahrung, sie schaffen diese aber nicht ins Nest, sondern saugen sie an Ort und Stelle aus. Tauchen andere Ameisen auf, verteidigen sie die Beute nicht, sondern ergreifen die Flucht. Die Hauptnahrung besteht aus Honigtau.
Sie versuchen auch tunlichst die Erdoberfläche zu meiden und furagieren vorwiegend über Gräser, wobei sie sich "wie an einer Schnur gezogen" über längere Distanzen in gleichbleibend hoher Geschwindigkeit bewegen. Dabei markieren sie spezielle Wege auch mit Spurpheromonen. Bei Gefahr halten sie sofort inne, verstecken sich an der Unterseite von Blättern oder lassen sich fallen. Die major-Arbeiterinnen furagieren nie, ihre Funktion besteht möglicherweise wie bei C. lateralis in der langfristigen Speicherung von Nahrung.
Größe (eigene Messungen im Vergleich mit Angaben in französ./italien. Foren): Arbeiterin 4-7mm, Königin 7-9mm
Gruß Boro


Eine Königin vor dem Schwärmen:
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Beitragvon Boro » 28. September 2006, 11:15

4. Camponotus (Colobopsis) truncatus:
Die "Stöpselkopfameise" lebt im Totholz alter Bäume, mitunter auch im Dachstuhl alter Häuser. Sie fouragiert vorwiegend auf Bäumen und scheint die Bewegung am Boden möglichst zu vermeiden(arboricole Lebensweise). C. truncatus ist ebenfalls ein elegantes Wesen, das ängstlich und stets fluchtbereit erscheint. Die aktive Jagd auf Insekten halte ich für ausgeschlossen. Die von mir beobachteten Tiere waren auch mit toten Insekten nicht anzulocken. Sie leben wohl vorwiegend vom Honigtau der Läuse, die sie auf den Bäumen finden.
Das erste Bild zeigt eine Arbeiterin auf der Mülltonne hinter dem Haus, die von der Mauer aus zu erreichen war. Das zweite Bild stammt von einer Königin, die kurz vor Mitternacht in das erleuchtete Zimmer zugeflogen ist(August). Weitere Bilder: Fotoforum (Berichte): Sonderbare Mitbewohner.
Der deutsche Name der Ameise ist auf den Verschluss des Nesteinganges mit der dafür besonders konstruierten Kopfvorderseite zurückzuführen.
Bisher konnte ich ausschließlich minor-Arbeiterinnen beim Furagieren beobachten.
Größe: Minor-Arb.: 3-5mm, Major-Arb. bis 6mm, sie tritt als "Türschließer-Morphe" in Erscheinung; Königin 7-8mm, Männchen 4-5mm
Gruß Boro

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Recht dunkel gefärbtes Exemplar einer Media-Arbeiterin:
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AW: Camponotus: kleine mitteleurop. Arten - Fotos

Beitragvon Boro » 6. Mai 2007, 16:17

5.Camponotus aethiops

Von den hier vorgestellten kleineren Camponotus-Arten ist diese die größte. In dieser Hinsicht stellt sie den Übergang von den kleinen zu den 3 großen heimischen Arten dar. Ganz im Gegensatz zu ihren kleinen Verwandten tritt sie recht "selbstsicher" auf und ist ziemlich aggressiv, nicht nur im eigentlichen Nestbereich.
Sie bevorzugt extrem xerotherme Standorte und lebt in Trockenwiesen, manchmal unter Steinen. In den Wiesen erkennt man ihr Nest an kleinen Erdburgen, die eine Länge von etwa 20cm und eine Höhe von etwa 10cm erreichen können.
Im südlichen Mitteleuropa ist dieses elegante Insekt vom Aussterben bedroht. Etwa in Istrien ist sie stellenweise häufig. Da man sie leicht mit C. fallax verwechseln kann, nenne ich hier 2 auffallende unterschiedliche Merkmale: C. aethiops ist deutlich stärker behaart als C. fallax und hat im Gegensatz zu dieser schwarze Beine.
Größe: Arbeiterin: 7-9mm, Königin 11-13mm
Gruß Boro


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AW: Camponotus: kleine mitteleurop. Arten - Fotos

Beitragvon Boro » 10. Mai 2007, 21:02

Ein seltener Anblick: Eine zum Schwärmen bereite Königin von Camponotus piceus. Die Beobachtung des Schwärmens dieser seltenen und sehr scheuen Art ist mir jetzt zum ersten Mal gelungen: Ich finde, eine wirklich elegante Jungkönigin!
8. Mai 2007. Klagenfurt (Kärnten) Stadtrand, 447m; 12 Uhr, stark bewölkt und 19°, Luftfeuchtigkeit 54%
Gruß Boro


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Ein Männchen kurz vor dem Abflug:
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AW: Kleine mitteleurop. Camponotus- Arten

Beitragvon Boro » 24. Mai 2007, 21:41

2 weitere Bilder von Camponotus aethiops. Die schöne Major-Arbeiterin sitzt an der Scheibe des Terrariums und sonnt sich. Das Terrarium steht in der Veranda und wird nur durch die Sonne beheizt. In der Nacht sinkt die Temperatur ab, bei Regenwetter gibt es eben keine besondere Erwärmung (wie in der Natur). Insgesamt ist das Temperaturniveau aber höher als im Freien. Im Winter "wandern" alle Terrarien mit einheimischen Arten in den Keller (2°-7°, je nach Strenge des Winters).
Die Major-Arbeiterin misst 9 bis 10mm.


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Gruß Boro
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AW: Kleine mitteleurop. Camponotus- Arten

Beitragvon Boro » 25. Mai 2007, 21:31

Bei Camponotus lateralis gibt es ebenfalls den gleitenden Übergang von Minor-Arbeiterinnen zu den Majoren. Hier sieht man zuerst die Major-Arbeiterin und dann diese gemeinsam mit einer durchschnittlich großen Arbeiterin. Diese weist eine Länge von 6mm auf (ohne durch Flüssigkeitsaufnahme gedehnte Gaster), die Major-Arbeiterin ist zwar kaum länger, hat aber eine deutlich andere Kopfform.(Polymorphismus)
Gruß Boro

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