Haltungsbericht Camponotus nicobarensis von ReliAnt

Themen über exotische Ameisenarten.

Re: Haltungsbericht Camponotus nicobarensis

Beitragvon ReliAnt » 15. April 2018, 00:25

14.04.2018

Heute habe ich mir wie versprochen ein neues Futtertier gekauft.
Ein schöner Zuchtansatz Drosophila hydei ist es geworden.
Die flugunfähige Form...
IMG_0662.JPG

Was dann geschah ist kaum zu glauben!

Wie ihr vielleicht wisst, gilt Camponotus nicobarensis ja nicht als ausgeprägter Jäger oder besonders mutig in Bezug zu lebendem, sich bewegendem Futter.

Offenbar habe ich eine Terminator-Kolonie in meiner Wohnung! :p

"I'll be back"

Seht selbst:


Meine Superheroes!

Man sieht auch sehr schön, wie sie die Ameisensäure auf die Fruchtfliege sprühen.
Bin begeistert von meinen Kleinen.

Was denkt Ihr?
Gerade zu Beginn der Koloniegründung hätte ich Vorsicht erwartet. Oder?

Für morgen habe ich bereits eine weitere Idee, was ich basteln werde...
Nachdem ich nämlich heute wieder im Zooladen war, fällt mir auf, dass es eine bestimmte Sache für uns Ameisenhalter selten zu kaufen gibt - und wenn dann nur im Ameisenfachhandel.

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Re: Haltungsbericht Camponotus nicobarensis

Beitragvon ReliAnt » 19. April 2018, 22:09

19.04.2018

Nach meiner neuerlichen Bastelaktion bin ich mit dem Ergebnis recht zufrieden.

In den Zoohandlungen und auch im Netz habe ich vergeblich nach schönen Tränken gesucht.
Sicher, man kann mit Kronkorken oder nahezu jedem Plastikschälchen etwas adäquates bereitstellen.
Neben der Funktionalität habe ich einfach Spaß dran gefunden etwas filigranes mit Gips zu werkeln.
Hier die Ergebnisse:
19-04-2018 21-51-03.jpg
Die näpfe bestehen aus Gips, der nach dem Formen geschliffen und grundiert wurden, dann mit Klarlack versehen wurden und 1,5 h im Ofen Lösemittelfrei "gebacken" wurden, sodass alle nicht filmbildenden und sich lösenden Stoffe entfernt sind zum Schutz der Tiere.

Die Tränken wurden wunderbar angenommen und jene mit dem Cent in der Mitte dient wunderbar als Größenvergleich.

Ansonsten ist in meiner Kolonie momentan wenig los.

Ich kann die Arbeiterin immer noch mit der Pinzette füttern - das klappt jedes Mal und sie stürzt sich dann todesmutig in den Kampf mit der Drosophila :clap:
Das könnt ihr im Video vom letzten Wochenede wunderbar sehen :huepfer:

Die Königin hat noch keine Eier gelegt aber ich denke sie muss sich immer noch vom Transport erholen.
Ich biete auch Honig/Wasser und Zucker/Wasser jeweils 50/50 in den Antstore Tränken an und habe als Ausweichoption noch ihr RG in der Arena liegen gelassen.

Klimatische Bedingungen:
Nest: T=26°C, Arena~24°C, Feuchte in beiden ca. 40-45%

Festgestellt habe ich auch, dass meine Camponotus nicobarensis ganz schöne Ferkel sind ;)
Sehr her was sie mit den Fliegen machen:
IMG_0713.JPG

Tippe darauf, dass Sie den Müll aufräumen werden, wenn es im Nest voller wird.

Ich habe eine Überwachungskamera bestellt, die sich in die Hausautomatisierung koppeln lässt Netzfähig ist.

Werde nun zukünftig auch aus der Ferne einen Blick auf die Arena werfen können, die Kamera ist fernbedienbar ich kann sie mit dem Handy steuern.
Bin mal gespannt ob und wie das klappt und ob das Bild gut ist. Beleuchtung stimmt bei mir...

Was denkt ihr? Wann kann ich mit Brut rechnen? In anderen Haltungsberichten lese ich davon, dass es teils 4 und mehr Wochen dauert bis eine Königin mit ersten Arbeiterinnen erneut Eier legt. Auch bei Camponotus nicobarensis - ich kenne glaube ich alle Haltungsberichte zu dieser Art :-)

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Re: Haltungsbericht Camponotus nicobarensis

Beitragvon ReliAnt » 21. April 2018, 11:50

21.04.2018

Es gibt Neuigkeiten!
Kleine, große Neuigkeiten.

Sehr selbst:
IMG_0727.JPG
:huepfer: :huepfer: :huepfer:

Die Eier habe ich gestern abend entdeckt.
Ich schätze es sind 4 Stück.

Heute früh hat die Arbeiterin jedoch nur noch 2 in den Mandibeln getragen.
Die anderen kann ich bei einem kurzen Nachschauen zunächst auch nicht mehr finden.

Freue mich sehr.
Nun hab ich dem Nachbarn doch gesagt, dass er Eiweiß (gefrohrene Dosophila) füttern soll während unserer Abwesenheit.
Schätze das Larvenstadium startet mit unserer Abfahrt und endet wenn wir wiederkommen.
Bedeutet, dass während unserer Abwesenheit die Eiweißversorgung auf jeden Fall sichergestellt sein muss.

Die Arbeiterinnen haben in den letzten Tagen deutlich an Gaster-Umfang zugelegt und sollten auch mit Nährstoffen gut versorgt sein:
IMG_0749.JPG


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Re: Haltungsbericht Camponotus nicobarensis

Beitragvon ReliAnt » 25. April 2018, 20:02

25.04.2018

Ich möchte heute mal ein paar Beobachtungen zu dieser Art schreiben, die ich bisher gemacht habe.

- Das Erklimmen von glatten Oberflächen wie Plexiglas oder Glasscheiben ist kein Problem für die Pygmäen bzw. Minor dieser Art. Über Kopf an den Glasscheiben des Nestes zu laufen scheint zwar unangenehm zu sein, ist aber wohl nicht sehr störend :-) Beachtlich!
Vielleicht wird es bei anderen Imagines wie Media oder Major aufgrund des größeren Gewichts anders sein - ich werde meine Erfahrungen berichten.

- Sie haben sehr schnell die Angst vor menschlichen Bewegungen verloren! Auch wenn ich Unterschiede zwischen den Arbeiterinnen sehe diesbezüglich - Wer meinen Bericht vollständig gelesen hat kennt Xena. Sie ist nachwievor die mutigste ;-)
Ich kann in die Arena greifen und etwas austauschen, während die Arbeiterin keine 5 cm entfernt läuft oder trinkt.
Siehe hierzu auch mein Video von der Fütterung. Dieses Verhalten kann ich beliebig reproduzieren und ich finde das nach den Berichten die ich über kleine Kolonien dieser Art gelesen habe schon minimal außergewöhnlich für eine so kurze Zeit

- Sie ziehen Zuckerwasser derzeit vor Honigwasser vor. Es kann an der Mischung oder am Honig liegen aber dies ist die Beobachtung.

- Drosophila sind ihre Lieblingsnahrung wenn es um Insekten geht. Sie werden in das Nest eingetragen und vertrocknen meist dort :-)
Denke wenn es etwas voller im Nest wird, werden sie aufräumen - so mache ich es jedenfalls immer :p
Ich habe übrigens raue Mengen Fruchtfliegen eingefroren - denke das ist mehr als ein Jahresvorrat.

- Ihre 4 Eier haben Sie an die feuchteste Stelle im Nest gebracht und sie werden gehegt und gepflegt. In meinem Nestvideo ist zu erkennen wo diese ist. Genau an der Stelle wo ich das Wasser eingebe in den Ytong liegen die Eier bzw. halten sich die Arbeiterinnen und die Königin auf.
Hieraus lerne ich, dass ich weiter befeuchten werde, ca. alle 4 Tage 2 ml. Das sollte reichen da ich wie im Nestbauvideo zu sehen nach innen befeuchte - nicht 2 cm entfernt vom Aufenthaltsort der Tiere.

- Zur Brutpflege ist eine Arbeiterin auserkoren. Sie ist wohl genährt und man kann schön erkennen, wie sie die Eier hin und wieder einspeichelt und umformt zu anderen Paket-Geometrien. Häufig trägt sie sie in den Mandibeln ganz nah bei der Königin. Nur bei Trophallaxis liegen sie in der Nähe auf dem Boden.

- Anfang der Woche waren es unter dem Dach 30°C - ich habe keine negativen Einflüsse ausmachen können.
Sicher, es war nur ein kurzer Zeitraum aber diese Art ist durch ihren Origin an warme bis sehr warme Umgebung gewöhnt.

Ich habe überdies hinaus ein neues Gimmik!
Eine Webcam mit IP-Adresse - funktioniert prima und ich kann von jedem Ort der Welt einen Blick auf die Arena werfen - auch mit überzeugender Nachtsichtfuktion im Stockfinsteren. Drehen und schwenken kann sie natürlich auch!

Ich mache euch vor dem Urlaub noch ein Video davon.

Koloniestärke heute:

1 K
3 A (+-0)
4 E (+-0)
0 L (+-0)
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In froher Erwartung auf die ersten Larven :huepfer:

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Re: Haltungsbericht Camponotus nicobarensis

Beitragvon ReliAnt » 1. Mai 2018, 12:32

01.05.2018

Der Urlaub steht vor der Türe und die Vorbereitungen sind abgeschlossen.
Die Kolonie ist in die Küche umgezogen - da ist die Pflege einfacher:
IMG_0809.JPG

Habe eine sehr nette Urlaubsvertretung, die heute Nachmittag zu einem Crashkurs in der Ameisenhaltung vorbeikommen wird und sich in dieser sensiblen Phase meiner Kolonie um sie kümmern wird alle 4 tage. :clap:

In den letzten Tagen habe ich etwas mit der Nahrungszufuhr rumprobiert.
Da bald die ersten Larven zu erwarten sind, ist die Proteinversorgung wichtig und auch mit Hinblick auf eine größere Kolonie habe ich mir überlegt, wie ich länger frisches Protein anbieten kann, das nicht so schnell austrocknet.
In einem Video habe ich gesehen, dass angegartes Hackfleisch gleich mehrere Vorteile hat: Es ist proteinreich, gut zerkleinerbar, einfach herstellbar und bleibt (unter den richtigen Bedingungen) gut feucht ohne zu schimmeln. Überhaupt: Angegart trocknet es nur aus und bildet nach meinen Beobachtungen keinen Schimmel. Ich werde es ergänzend zu gefrorenen Drosophila anbieten
Problem bei meinen Versuchen: Das Austrocknen geht recht schnell (ca. 1Tag). Mit einem Futterhäuschen kann ich die Zeit bis zum Austrocknen auf 3 Tage strecken!
IMG_0785.JPG
IMG_0788.JPG

Wenn es euch interessiert findet ihr hier meine Vorbereitungen zur Abwesenheit und auch zum Futterhäuschen.
Habe versucht alle Handgriffe so einfach wie möglich zu machen. Wir sind nun doch 14 Tage weg:

"Pflegeanschreiben" :)
Urlaubsvertretung.jpg

Bestückung des Futterhäuschens:
Futterhäuschen.jpg

Arena mit Markierungen:
Arena mit Markierungen.jpg

Vorbereitete Futternäpfchen:
IMG_0805.JPG

Mit diesen Vorkehrungen und etwas Glück (gehört ja immer dazu) dürfte ich mich bei meiner Rückkehr über mindestens 2 Larven die kurz vor dem Schlüpfen sind freuen :-)

Was denkt Ihr?

Später poste ich noch das versprochene Video meiner IP-Cam.

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Re: Haltungsbericht Camponotus nicobarensis

Beitragvon ReliAnt » 1. Mai 2018, 19:03

01.05.2018

Hier noch das versprochene kurze Video der Kamera und ein paar Features die Sie hat.
Installiert derzeit in der Küche um der überaus netten Urlaubsvertretung im Zweifelsfall helfen zu können und alles im Blick zu haben.

Was ich im Video nicht erwähnt habe, ist die Aufnahmefunktion mit Bewegungserkennung oder auch programmierbare Rundfahrten.

Bin positiv überascht von diesem preiswerten Model.

Hier das Video


Und damit verabschiede ich mich auch in den Urlaub für 14 tage.
Wenn wir wieder kommen werden hoffentlich die nächsten Arbeiterinnen kurz vor dem Schlupf sein :clap:

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Re: Haltungsbericht Camponotus nicobarensis

Beitragvon ReliAnt » 13. Mai 2018, 21:44

13.05.2018

Da ich gestern erfahren und getestet habe, dass die Fotofunktion von Bildern (also das Posten) auch mit dem Smartphone funktioniert möchte ich kurz ein trauriges Ereignis mit euch teilen.
Ich weiß es schon seit letzter Woche (seit dem zweiten Urlaubstag):
Eine meiner drei Atbeiterinnen ist tot.

Meine Urlaubspflege hat mir dieses Bild geschickt:
E59004AC-0D18-4813-A50B-137F475EC95D.jpeg

Ich vermute es handelt sich um Xena (so hatte ich sie spaßeshalber getauft weil sie so mutig war) die einfühlerige Arbeiterin, die eindeutig die meiste Präsenz in der Arena hatte und ganz klar überwiegend Futter beschafft hat.

Sie lag eines morgens einfach tot in der Arena - das konnte ich auch mit der Kamera sehen.
Es war am Zweiten Tag nach unserer Abreise.
Bereits vor dem Urlaub und genaugenommen vom ersten Tag an kam Sie mir durch den fehlenden Fühler teils weniger gut orientiert vor als ihre Schwester, die sich aber weitaus weniger häufig in der Arena zeigt.

Nun frag ich mich natürlich wie es weitergeht.
Seit ihrem Tot habe ich nur einmal eine andere Arbeiterin im der Arena gesehen.

Was denkt ihr? Welche Konsequenzen kann das haben?
Ob aus den Eiern mittlerweile Larven geschlüpft sind kann ich nicht sagen.

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Re: Haltungsbericht Camponotus nicobarensis

Beitragvon ReliAnt » 18. Mai 2018, 16:53

18.05.2018

So, wir sind wieder aus dem Urlaub da.

Als ich nach hause kam um 03:00 Uhr war der erste Weg nicht ins Bett oder unter die Dusche oder so...
Ihr wisst schon wo ich hingegangen bin :p

Tja, Xena ist tot. Wie schon auf dem Bild des letzten Post's zu sehen und hier auch nochmals
d9643fb4-3fac-4159-b9f0-c795e3a68034.JPG

Rest in Peace, tapfere Kriegerin. Ich werde an Dich denken - mein Profilbild hier ist übrigens sie.
Habe Sie in ein Kunststoffdöschen getan und werde definitv versuchen sie zu präparieren, es gibt ja derzeit auch einen aktuellen Thread dazu hier.
Da werde ich mich orientieren und euch das Ergebnis dann hoffentlich gestochen scharf präsentieren.

Warum gestochen scharf?
Bisher habe ich meine Bilder hier mittels Spiegelreflex und Retroadapter gemacht.
Das ist jedoch eine ziemliche Fummelei, den Fokus hinzubekommen ist selbst mit Stativ ein Krampf und die Ergebnisse haben mich nicht zufrieden gestellt.
Nun habe ich heute meine Zwischenringe (damit kann ich meine Canon L-Objektive als Makro nutzen) und meinen Ringblitz geliefert bekommen - mal sehen was damit geht:
IMG_0969.JPG
Wenn ich nicht zufrieden bin werde ich wohl oder übel tief in die Tasche greifen und ein ordentliches Makro-Objektiv kaufen.

Ansonsten gibt es leider nicht viel zu berichten.
Die 6 Eier sind immer noch Eier und nun ca. 3 Wochen alt. Sie haben sich nur insofern verändert, als dass Sie einen kleinen Schwarzen Punkt bekommen haben im Inneren.
Davon mache ich euch morgen auch ein Foto.

Die Webcam hat sich maximal bewährt im Urlaub - für nur 36€(!) jeden cent wert.

Meine unfreiwillige Madenzucht auf dem Hackfleisch halte ich defeinitiv für interessant.
Im überbrühten Hack hatten sich ein Haufen Maden gebildet während das Hack durch das Überbrühen nicht schimmelt und so auch weniger CO2 bilden wird.
Werde das gezielt machen, wenn ich mal wieder Maden brauche.
Siehe auch hier (Webcam-Bild):
IMG_0866.PNG


Im Urlaub habe ich in Summe über 600 Seiten Ameisenlektüre gelesen :)
Das hat mich nur noch mehr begeistert und wie ich es bereits in einem anderen Thread geschrieben habe: Definitiv bin ich nun zum Ameisenbewunderer avanciert.

Am Strand haben mich viele Deutsche auf das Buch angespochen und waren verdutzt.
Mit den meisten habe ich dann länger über die Tiere, wie unterschätzt ich sie finde und mein Hobby gesprochen und bin sicher, beim ein oder anderen aus "seltsam" letztlich "interessant" gemacht zu haben.
Wenn man so will also etwas Publicity für unser Hobby :D

Hier kann diskuttiert werden:
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