Manica rubida - Haltungserfahrungen mit Manu

Unterfamilie: Myrmicinae

Manica rubida - Haltungserfahrungen mit Manu

Beitragvon fink2 » 11. August 2014, 17:17

Der Steckbrief.

Hier kommt unser Haltungsbericht von unserer lang gesuchten Manica rubida. "Wir" sind: fink2 und Bakterie. Wir schreiben die Haltungsberichte traditionell gemeinsam, weil wir uns neben vielem anderem auch ein Gehirn teilen[font=Wingdings][font=Wingdings]:verrueckt:[/font][/font].

Also:

An schönen warmen Tagen fahren wir gerne mit dem Fahrrad an einen naturbelassenen Wildfluss, um zu Grillen, die Zehen in das kühle Nass zu halten, und die Seele baumeln zu lassen. Der Name des Flusses ist Alfenz. Dort tummeln sich Unmengen der wunderbaren Manica rubida. Lange haben wir sie schon beobachtet und auf eine Jungkönigin gelauert. Aber es hat nie geklappt, bis zum 25.05.2014.

Wir sind wie gewohnt zu unserem Lieblingsfluss zum Grillen gefahren. Wir haben das Feuer gemacht und hatten dann noch einige Zeit, bis es zum Grillen weit genug herunter gebrannt war. Drum gingen wir in der Zwischenzeit wieder ein paar Manica rubida Nester ab, um sie zu beobachten und ein wenig zu füttern. Gegen 10:00 Uhr konnten wir beobachten, wie die ersten Geschlechtstiere von Manica rubida abfliegen. Es war einigermaßen unspektakulär. Die Arbeiterinnen haben sich ganz normal verhalten. Eigentlich haben sie sich gar nicht darum gekümmert, als ab und zu ein Geschlechtstier aus dem Nest kam, zielstrebig auf einen Ast kletterte und abflog. Es war kein Massenaufkommen an Geschlechtstieren, und die Arbeiterinnen haben die Geschlechtstiere nicht begleitet und beschützt, wie das andere Arten so machen.

Nach dem Grillen, und nachdem wir uns den Bauch vollgeschlagen hatten, gingen wir wieder ein wenig um die Nester herum um diese wunderbaren Geschöpfe zu begaffen. Es hat uns auch immer gefallen wie ruhig und gelassen sie sind. Man kann direkt auf ihrem Nest stehen, und es kümmert sie nicht. Sie greifen nicht an, aber sie flüchten auch nicht ängstlich. Sie sind die Ruhe selbst.

Am frühen Nachmittag lief uns plötzlich eine Jungkönigin über den Weg. Wir konnten es kaum glauben, endlich Glück zu haben. Sie war bereits dealat und wir haben sie gleich behutsam eingepackt.

Einige Zeit später saßen wir gerade gemütlich an einer Wasserpfeife, als unser Blick ein wenig ins Abseits fiel. Dort war eine riesige Fliege mit golden schimmerndem Gesicht und gelb-goldenen Flecken an den Flügeln zu sehen. Neugierig gingen wir hin. Die Fliege flüchtete und darunter kam eine weitere Manica rubida Königin zum Vorschein. Ob die Fliege die Königin angegriffen hatte oder umgekehrt können wir nicht sagen, aber die Königin war ziemlich mitgenommen. Ein mittleres und ein Hinterbein fehlten. Das zweite Hinterbein konnte sie nicht mehr bewegen. Sie versuchte weg zu laufen, fiel aber immer auf den Rücken und zappelte lange, bis sie es wieder auf schaffte. Wir dachten uns, dass sie in freier Natur sicher keine Chance hat, und packten sie auch ein.

Bei der Fliege handelte es sich um eine Rinderfliege. Ein besonders hübsches Ding. Unsere Fotos sind nicht brauchbar, aber ihr könntet danach googeln. Da kommen sehr gute Bilder dazu raus. Sie ist echt sehenswert.

Zuhause angelangt versorgten wir die beiden Jungköniginnen vorerst in zwei Tupperwareboxen. Sie bekamen ein Reagenzglas mit Wassertank und ein Häufchen feuchtes Seramis in ihre Box. Zusätzlich natürlich reichlich Zuckerwasser und Wasser. Erne erklärte dann, dass Manica rubida Reagenzgläser nicht besonders mögen. Das stellten wir am nächsten Tag auch fest. Beide saßen in ihrem Seramishaufen und mieden das Reagenzglas. Wir besorgten dann zwei Plastikboxen mit den Maßen 26x19x14 und bastelten zwei Gipsnester nach Ernes Anleitung. Als Bodengrund bekamen sie Flußkiesel mit Sand und Seramis vermischt.

Beim Umsetzen in das neue Heim erlebten wir eine Überraschung. Beide Königinnen hatten bereits fünf winzige Eier gelegt. Sie waren so winzig, dass man sie kaum sehen konnte. Da sie sie aber auf das feuchte Seramis gelegt hatten, konnten wir sie gerade noch entdecken. Die Eier kamen natürlich mit in die neue Box. Nachdem die Königinnen umgesetzt waren, haben wir das Seramis, auf dem die Eier waren in kleine Schälchen gegeben und ebenfalls ins neue Heim gestellt.

Hier ein Bild vom Nest im neuen Heim:




Die gesunde Königin hatte am nächsten Tag ihre Eier geholt und offenbar ins Nest gebracht. Sie lief viel herum in den ersten Tagen, aber sie lief immer wieder ins Nest zurück.

Die invalide Königin wollte auch viel herum laufen, aber durch ihre Behinderung viel sie immer wieder auf den Rücken. Sie zappelte jeweils minutenlang, bis sie wieder aufkam. Sie ist dann – wohl aus Erschöpfung – nach weiteren zwei Tagen verstorben.

Die Eier der invaliden Königin waren noch in dem Schälchen mit dem Seramis, das wir auch immer feucht gehalten hatten. Wir nahmen sie und gaben sie in die Box der gesunden Königin, an die Stelle, wo sie nach der Übersiedlung ihre eigenen Eier zur Abholung hin bekommen hatte. Wir waren nicht sicher, ob die Eier noch gelebt haben, aber am nächsten Tag waren sie weg. Offenbar wurden sie von der gesunden Königin angenommen – oder gefressen.

In der Folge konnten wir nicht erkennen, ob im Nest nun noch Eier sind. Der weiße Untergrund machte es unmöglich etwas zu erkennen. Selbst am Seramis waren die Eier kaum mit freiem Auge zu erkennen.

Wir sahen die Königin dann öfter am Zucker, und sie buddelte auch immer wieder im Sand. Nach ein paar Tagen waren wir deshalb zuversichtlich, dass es ihr gut geht, und dass sie gründen wird. Wir gaben ihr den Namen Manu.

Über Manica rubida wird geschrieben, dass die Brutentwicklung extrem langsam ist. Von Ei zu Larve ein Monat. Von Larve zu Puppe ein Monat. Von Puppe zu Imago wieder ein Monat.
Wir übten uns deshalb in Geduld und begannen nach etwa drei Wochen kleine Fliegen zu geben. Lange wurden sie einfach liegen gelassen. Wir haben sie dann alle zwei Tage gegen frische ausgewechselt.

Als wir wieder einmal am Fluss waren, konnten wir etwas sehr merkwürdiges beobachten, zwei Manica rubida Kolonien schienen sich Gegenseite zu bekämpfen, wobei nicht klar war, welcher Nestausgang zu welcher Kolonie gehört. Was wir aber wirklich für ungewöhnlich hielten war, dass feindliche Arbeiterinnen Puppen heraustrugen. Die Puppen wurden bis zum Wasser getragen und versucht ins Wasser zu werfen. Manche fielen wirklich ins Wasser. Andere blieben am Ufer einfach liegen.

Wir konnten früher schon einmal beobachten, wie Manica rubida offenbar ein Nest von Myrmica sp. übernommen haben. Dabei wurde auch die Brut der Myrmica´s weit vom Nest weggetragen und einfach mitten in der Sonne liegen gelassen. Dass sie das aber gegenseitig untereinander auch tun, war sehr überraschend.

Hier ein Foto von dem Kampf um das Nest. Man kann leider nicht besonders viel sehen:



Wir waren zuerst mal ziemlich perplex. Dann haben wir 5 von den ausgesetzten Puppen, die anscheinend unbeschädigt waren eingepackt. Sie wären dort wohl sowieso eingegangen, und zu welchem Volk sie jetzt gehörten war nicht zu eruieren.

Zu Hause angekommen haben wir sie unserer Manu in die Arena gelegt. Sie wurden auch wieder an die Stelle gelegt, wo wir die Eier hin getan haben. Am nächsten Tag waren alle Puppen verschwunden. Wir waren nun neugierig, ob die Puppen angenommen wurden, oder vielleicht gefressen oder irgendwo vergraben, und haben deshalb ins Nest gelinst. Alles war bestens. Manu betüddelte die fünf Puppen, die der Storch gebracht hat [font=Wingdings][font=Wingdings]:fettgrins:[/font][/font]

In der Folge stellte sich die Befeuchtung des Gipsnestes als ziemlich schwierig heraus. Wir haben keinen Tank gebaut, sondern wollten das Nest über den Arenaboden von unten befeuchten. Das haben wir aber nicht in den Griff bekommen. Entweder es war zu feucht oder zu trocken. Einmal wurde es so trocken, dass Manu alle Puppen wieder in das Seramisschälchen gebracht hat, indem sie sie bekommen hat. Das Seramis haben wir immer feucht gehalten. Nachdem wir gleich das Nest wieder befeuchtet haben, hat Manu die Puppen wieder rein gebracht. Daraufhin haben wir ihr ein Ytongnest gebaut. Damit haben wir mehr Erfahrung und die Befeuchtung klappt jetzt gut.

Manu ist nach etwa drei Tagen umgezogen. Wir waren beeindruckt [font=Wingdings][font=Wingdings]:eek:[/font][/font]. Hier Fotos von ihrem neuen Nest:




Irgendwie kamen uns die Puppen schon immer ziemlich groß vor. So im Unterbewussten hatten wir ja schon so einen Verdacht… Und dann ist die erste geschlüpft. SCHOCK!!!!! Alle Befürchtungen wurden wahr - es war ein Geschlechtstier, eine Jungkönigin!!! Die zweite ebenfalls. Auch die dritte und vierte. Eine kleinere Puppe, die einzige wo wir noch Hoffnung hatten, dass es eine Arbeiterin ist, ist leider verschwunden. Sie wurde entweder gefressen oder ist gestorben und wurde dann verwertet.

Nach dem ersten Schock konnten wir beobachten, wie die Geschlechtstiere selbst an den Zucker gehen, und auch einmal, wie sie eine Fliege eingetragen haben. Somit sorgen sie nicht nur für sich selbst ganz alleine, sondern dürften sich auch um die Brut kümmern. Das bedeutet auch, dass Manus eigene Eier offenbar überlebt haben und mittlerweile zu Larven herangewachsen sind. Auch wenn die kleinen Kuckuckskinder Geschlechtstiere sind, dürften sie hilfreich sein für Manu.

Wie es der Brut genau geht können wir nicht sagen. Die Manu´s reagieren extrem schreckhaft, wenn man die Abdeckung abnimmt, obwohl die rote Folie nicht abgenommen wird. Man kann gerade mal einen kurzen Blick erhaschen, dann bricht schon Panik los. Länger schauen oder photographieren ist undenkbar. Aber wir gehen davon aus, dass Larven vorhanden sind, weil etwa alle zwei Tage die Fliege eingetragen wird.

Hier ein einmaliger Versuch eines Fotos. Es ist aber leider nicht besonders gut, weil wie berichtet nach spätestens fünf Sekunden Panik los bricht:



Soweit, so gut. Es war ziemlich chaotisch bis jetzt mit unserer Manu. Wir versuchen uns zu beherrschen und sie einfach in Ruhe zu lassen. Wir sind zufrieden, wenn die Fliegen verschwinden, weil es ein Hinweis darauf ist, dass dieses Jahr vielleicht doch noch Arbeiterinnen schlüpfen.

Das war´s dann auch schon
Liebe Grüße fink2 und Bakterie

Noch der Diskussionsbeitrag:
http://www.ameisenforum.de/meinungen-fragen-zu-den-haltungsberichten/52625-diskussionsbeitrag-zu-manus-haltungsbericht.html#post369849

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Re: Manica rubida - Haltungserfahrungen mit Manu

Beitragvon fink2 » 7. November 2015, 13:55

Haltungsbericht wird hier weiter geführt:
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