Juvenil-Hormon bei Pheidole

Nachrichten aus den Medien und der Wissenschaft.

Juvenil-Hormon bei Pheidole

Beitragvon Alpha Chuby » 6. Januar 2012, 16:29

Hallo,
ein Bericht auf Spiegel online, der die Entwicklung zu "Supersoldaten" in der Gattung Pheidole behandelt, findet sich unter folgendem Link:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,807545,00.html

Grüße
Alpha Chuby
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AW: Juvenil-Hormon bei Pheidole

Beitragvon keijei » 6. Januar 2012, 16:34

Haha Alpha Chuby XD ich wollte den Link jetzt auch posten ;)

Ich finde den Artikel sehr interessant.
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AW: Juvenil-Hormon bei Pheidole

Beitragvon The_Paranoid » 6. Januar 2012, 17:16

Naja, also der Spiegel-Artikel gibt den Inhalt recht dürftig wieder

Ehab Abouheif und seine Kollegen der University of Montreal in Kanada haben die Pheidole untersucht und nun die Mechanismen identifiziert, die, einmal aktiviert, aus einen Sammler einen Soldaten machen. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher im Wissenschaftsmagazin "Science".

Dass das Juvenile-Hormon (JH) den Entwicklungsprozess steuert und dafür verantwortlich ist, ob sich eine Larve zu einer Minor-Arbeiterin oder einem Soldaten entwickelt wurde schon 1982/1983 von Wheeler entdeckt.

In dem Artikel geht es eigentlich nur um das Vorkommen von Super-Soldaten. Also Soldaten, die größer sind als die eigentliche Soldaten-Kaste und zudem auch noch ausgeprägtere wing-discs (sowas wie Flügelansätze) besitzen. In 8 Pheidole-Arten ist das Vorkommen solcher Super-soldaten normal. Allerdings wird auch über das anormale Vorkommen solcher Supersoldaten bei P. morrisi berichtet.

Im Labor konnte gezeigt werden, dass diese Super-Soldaten durch die Zugabe des Juvenile-Hormon (bzw. eine analoge Substanz) entstehen.

"Bei jedem Insekt aus der großen Pheidole-Familie, das zum richtigen Zeitpunkt mit dem Hormon behandelt wird, kann die Entwicklung der Superameise gestartet werden", so der Biologe. Die Ergebnisse zeigten zudem, dass deren Urahn ein Supersoldaten-Insekt gewesen sein muss.

Dies funktioniert allerdings nicht bei allen Pheidole Arten. Es wird nur von 3 berichtet (P. morrisi, P. spadonia und P. hyatti).

Der eigentliche Punkt in dem Paper ist, dass vor 35-60 Millionen Jahren es eben diesen Pheidole-Vorfahren gab, der diese Super-Soldaten hatte. Recht früh in der Entwicklung ist dann die Ausprägung von Super-Soldaten verloren gegangen, so dass nur wenige Arten (z.B. P. rhea) diese ursprüngliche Ausprägung noch haben.
In dem anderen Entwicklungszweig, wo diese Ausprägung verloren gegangen ist, gab es aber auch Arten, die die Ausprägung von Super-Soldaten wiedererlangt haben (z.B. P. obtusospinosa). Dies ist interessant, weil es halt vorher so aussah, als ob sich diese Super-Soldaten parallel in zwei unterschiedlichen Zweigen der Pheidole-Familie entwickelt hatten.
Das das Potential zu Super-Soldaten eben auch noch in anderen Arten schlummert wurde dann eben bei P. morrisi gezeigt.
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AW: Juvenil-Hormon bei Pheidole

Beitragvon Gast » 6. Januar 2012, 17:59

[font=Times New Roman]Hilf Himmel, wir werden verblödet! :mad:[/font]

[font=Times New Roman]Bei myrmecos.net wird die Verwurstung dieses Berichts durch die Medien heute auch schon kritisch beleuchtet:[/font]
http://myrmecos.net/2012/01/05/these-people-are-killing-journalism/

[font=Times New Roman]Der Spiegel: Jugend-Hormon macht Ameisen zu Giganten[/font]
[font=Times New Roman]- von ein paar Millimetern Länge![/font]

[font=Times New Roman]Wie solch reißerische Berichterstattung auf den Deutschen Michel wirkt, ist in den Kommentaren zu lesen. Ein Bespiel:[/font]

[font=Times New Roman]Heute 16:19 von Zaziemetro [/font]
[font=Times New Roman]es muss sich rechnen [/font]
[font=Times New Roman]Ich sehe schon das Leuchten in den Augen der Militätstrategen in aller Welt ob dieser Nachricht. Wenn das so einfach ist, werden jetzt alle nach dem "entscheidenden Knopf" suchen, um unmittelbar nach dem Eisprung durch Hormonzugaben Supersoldaten in ihrem Land zu produzieren. Oder welchen Nutzen hätte das Forschungsergebnis denn sonst? Wir haben doch spätestens in den 90er Jahren gelernt, "alles muss sich rechnen" und so eine Forschungsantrengung doch wohl auch![/font]
[font=Times New Roman]Oder hatte gar die Meldung von der Reduzierung der Bodenstreitkräfte in den USA schon einen entsprechend hormonellern Hintergrund?? [/font]
[font=Times New Roman]Man weiß es nicht, man weiß es nicht - man ahnt es nur![/font]

[font=Times New Roman]Letztlich fällt die Untersuchung in den Bereich „Atavismus“. Wohl alle Lebewesen haben „alte“ Bauplanteile in ihrem Genom, die aus irgendwelchen Gründen bei einzelnen Arten oder Gattungen wieder unterdrückt wurden. Manchmal spontan, in dem Pheidole-Experiment durch eine Hormongabe, werden solche alten Bauanweisungen reaktiviert.[/font]
[font=Times New Roman]Beim Menschen gibt es gelegentlich Hirsutismus: Komplette Behaarung des ganzen Körpers, halt wie bei unseren Ahnen.[/font]
[font=Times New Roman]Gewiss haben wir auch noch den Plan für eine verlängerte Wirbelsäule im Genom.[/font]
[font=Times New Roman]Mit einer passenden Hormongabe zum richtigen Zeitpunkt könnte man wahrscheinlich einen Embryo dazu bringen, dass er sich zum [size=134]Super-Tarzan entwickelt, der sich statt an Lianen an seinem langen Wickel-Greifschwanz durch den Dschungel schwingt!:fettgrins:[/SIZE][/font]

[font=Times New Roman]"/these-people-are-killing-journalism/" - Ich hoffe eher darauf, dass diese Sorte Journalismus an ihrer Selbst-Abschaffung arbeitet![/font]

[font=Times New Roman]Für User, die sich mit dem Inhalt des Artikels ernsthaft auseinandersetzen möchten: Hier ist die Zusammenfassung des Original-Artikels:[/font]
[font=Times New Roman]http://www.sciencemag.org/content/335/6064/79.abstract?sid=c42a840b-e88b-4061-b73e-cc9d72fb66cf[/font]

[font=Times New Roman]Rajendhran Rajakumar, Diego San Mauro, Michiel B. Dijkstra, Ming H. Huang, Diana E. Wheeler, Francois Hiou-Tim, Abderrahman Khila, Michael Cournoyea, Ehab Abouheif (2012): Ancestral Developmental Potential Facilitates Parallel Evolution in Ants.[/font]
[font=Times New Roman]Science 335, 79-82 (6 January 2012) [/font]

[font=Times New Roman]Abstract[/font]
[font=Times New Roman]Complex worker caste systems have contributed to the evolutionary success of advanced ant societies; however, little is known about the developmental processes underlying their origin and evolution. We combined hormonal manipulation, gene expression, and phylogenetic analyses with field observations to understand how novel worker subcastes evolve. We uncovered an ancestral developmental potential to produce a “supersoldier” subcaste that has been actualized at least two times independently in the hyperdiverse ant genus Pheidole. This potential has been retained and can be environmentally induced throughout the genus. Therefore, the retention and induction of this potential have facilitated the parallel evolution of supersoldiers through a process known as genetic accommodation. The recurrent induction of ancestral developmental potential may facilitate the adaptive and parallel evolution of phenotypes.[/font]

[font=Times New Roman]Merkur[/font]
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AW: Juvenil-Hormon bei Pheidole

Beitragvon The_Paranoid » 6. Januar 2012, 18:40

Myrmecos.net ist ein guter Tipp. Dort gibt es auch einen vernünftigen Artikel zu dem Thema, mit schönen Bildchen
http://myrmecos.net/2012/01/05/pheidoles-supermajors-evolved-repeatedly-through-the-same-mechanism/

Unter anderem auch ein Bild von Pheidole tepicana, auf dem man Minor-Arbeiterinnen, Soldaten und die angesprochenen Super-Soldaten sieht.
Bild
(c) Alex Wild
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AW: Juvenil-Hormon bei Pheidole

Beitragvon Raimund » 6. Januar 2012, 19:09

Merkur hat geschrieben:[font=Times New Roman]Der Spiegel: Jugend-Hormon macht Ameisen zu Giganten[/font]
[font=Times New Roman]- von ein paar Millimetern Länge![/font]


Aus der Traum, hatte mich schon auf Reitstunden auf Pheidole-Giganten gefreut.

Hab den Artikel gerade auch entdeckt und wollte mal flux gucken, ob er bereits im Forum vorhanden ist. Natürlich ist Verlass. :D
Ich kann die Empörung über die dilettantische Berichterstattung zwar nachvollziehen, aber man sollte auch bedenken, wer denn dort eigentlich schreibt.. ein journalistischer Praktikant oder ein wissenschaftlich fundierter Myrmekologe..

Aber "hey"... Ameisen auf der Spiegel ONLINE Hauptseite! :) Und das mit einem durchaus spezifischen Hintergrund.

Gruß
[font=Tahoma][font=Verdana]Haltungsbericht zu: Pheidole pieli Youtube-Channel[/font][/font]
[font=Times New Roman]
[/font][font=Times New Roman]Take the time, to learn to breathe,
‘Cause some day we’re goin’ under,
When did we, all fall asleep?
Won’t someone wake us?[/font]
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AW: Juvenil-Hormon bei Pheidole

Beitragvon NIPIAN » 6. Januar 2012, 19:29

Nur ganz kurz: Hirsutismus ist der männliche Behaarungstyp bei Frauen.
Merkur meint höchstwahrscheinlich die Hypertrichose.
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AW: Juvenil-Hormon bei Pheidole

Beitragvon Gast » 6. Januar 2012, 20:47

[font=Times New Roman]Hirsutismus, Hypertrichose, als ich vor einem halben Jahrhundert mit diesem Phänomen konfrontiert wurde, hat man das noch nicht unterschieden. Ich hab’s als ein Beispiel für Atavismus kennen gelernt, und mir steht dazu die Heilige Magdalena von Til Riemenschneider vor Augen (Bild ist hier dabei: [/font][font=Times New Roman]http://de.wikipedia.org/wiki/Tilman_Riemenschneider[/font][font=Times New Roman]).[/font]
[font=Times New Roman]Aber wenn’s jetzt anders in der Wikipedia steht, muss ich wohl umlernen…. Hauptsache, es wurde verständlich, was ich gemeint habe :)[/font]

[font=Times New Roman]Danke,[/font]
[font=Times New Roman]Merkur[/font]
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