Namensänderung Formica lusatica zu Formica clara

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Namensänderung Formica lusatica zu Formica clara

Beitragvon Gast » 11. Oktober 2009, 10:14

Es lohnt sich, gelegentlich nachzusehen, was die Zeitschrift "Myrmecological News" an Neuem zu bieten hat. Nun muss die auch hier im Forum wiederholt erwähnte Formica (Serviformica) lusatica Seifert, 1997 jetzt Formica clara Forel, 1886 heißen! Im "alten" Seifert-Buch (1996) hieß dieselbe Art noch Formica glauca.

Die 1997 von Seifert als neu beschriebene und benannte Formica lusatica musste in einer Revision der F. rufibarbis-Gruppe mit Formica clara synonymisiert werden: Seifert, B. & Schultz, R. 2009: A taxonomic revision of the Formica rufibarbis Fabricius, 1793 group (Hymenoptera: Formicidae). Myrmecol. News 12: 255-272
http://www.myrmecologicalnews.org/cms/images/pdf/volume12/mn12_255-272_non-printable.pdf

Die Arbeit ist online einsehbar. Sie enthält genaue Beschreibungen und Bestimmungsschlüssel für die eurasischen Arten der Verwandtschaft von Formica rufibarbis. Auch Verbreitungskarten der Arten sind enthalten.

Siehe: http://www.ameisenwiki.de/index.php/Formica_clara

mfG,
Merkur
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AW: Namensänderung Formica lusatica zu Formica clara

Beitragvon chrizzy » 11. Oktober 2009, 10:35

Hallo,

wer soll da noch mitkommen *gg*
Naja, der Name klingt hübsch ;)

Danke für den Hinweis.

lg, chrizzy
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AW: Namensänderung Formica lusatica zu Formica clara

Beitragvon Frank Mattheis » 11. Oktober 2009, 11:15

Erstaunlich, immer schneller schreitet die papierne Evolution fort :).
Hat man früher noch das biologische Ableben eines Namensgebers wenigstens abgewartet, sozusagen mit einen Rest an Respekt, wird heute schon schon zu dessen Lebzeiten an den nun scheinbar erstmals ausführlich beschriebenen Ameisennamen :) herum(namens)geändert...
Für mich übrigens ein weiterer Grund, an den bewährten und wissenschaftlich korrekten Namen Formica glauca festzuhalten. Schon weil die Art seit langer Zeit einwandfrei bestimmt ist und die Trennung von den Schwesternarten nichts Neues ist.
Was lehrt das? Man muss nicht jeder Modeströmung nachgeben.

LG, Frank.
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Beitragvon Gast » 11. Oktober 2009, 12:26

[font=Times New Roman]Liest man hinreichend genau, lassen es die Autoren nicht am Respekt vor dem Beschreiber der Formica lusatica fehlen. Wie auch? Die wurde von Bernhard Seifert beschrieben, und jetzt hat Bernhard Seifert mit seinem Mitarbeiter R. Schultz diese Fehlbenennung korrigiert![/font]

[font=Times New Roman]1997 hatte B. Seifert den von A. Radchenko ins Spiel gebrachten Namen F. glauca aus wissenschaftlich korrekten Gründen (soweit ihm seinerzeit möglich) durch den neuen Namen F. lusatica ersetzt. [/font]

[font=Times New Roman]Nun hat er mit ganz enormem Aufwand (bitte die verlinkte Publikation ansehen! Wie viele Messungen und Berechnungen vorgenommen werden mussten, wie viele Typusexemplare und Serien gesammelter Ameisen aus ganz Eurasien beschafft und bearbeitet wurden) gezeigt, dass beide Namen hinfällig sind, weil sie erst nach der Beschreibung und Benennung als F. clara publiziert und irrtümlich für dieselbe Art vergeben wurden. [/font]
[font=Times New Roman]Die Rück-Benennung in F. clara Forel, 1886, erfolgte nicht aus Respekt vor Auguste Forel, sondern in wissenschaftlich korrekter und international akzeptierter Befolgung der Prioritätsregeln in den „Internationalen Nomenklaturregeln“. Mit Modeströmung hat das nicht das Geringste zu tun.[/font]

[font=Times New Roman]Gott oder wem auch immer sei Dank, dass diese Regeln existieren, wenigstens für die wissenschaftlichen Namen, und dass sie in wissenschaftlichen Beiträgen nach bestem Wissen und Gewissen befolgt werden (auch Wissenschaftler können irren, oder evtl. nicht sofort alle wesentlichen Daten zur Verfügung haben). Laien mögen zufrieden sein mit diversen Trivialnamen für ein- und dieselbe Art. Dafür gibt es keine Vorschrift. Aber die wissenschaftlichen Namen F. glauca und F. lusatica für die Art Formica clara sind zurzeit definitiv falsch.[/font]

[font=Times New Roman]Zu chrizzy: Es ist das tägliche Brot aller Wissenschaftler, die sich mit Sytematik und Evolution von Pflanzen und Tieren und anderen Organismen beschäftigen. Leider, aber unvermeidlich. Ich weise ja öfter auf solche Namensänderungen usw. hin. Nicht immer mit Erfolg: Man kann auch heute, ein paar Jahre nach der Präzisierung der Tetramorium-Systematik, noch immer Tetramorium „caespitum“ und T. „impurum“ kaufen, obwohl sich hinter den Namen mindestens sieben getrennte Arten verbergen.[/font]

[font=Times New Roman]Es ist halt die Frage, ob die User des Ameisenforums sich einigermaßen an wissenschaftliche Erkenntnisse halten sollen, oder doch eher [/font][font=Times New Roman]auf dem Niveau von Stammtischgeplauder debattieren möchten. [/font]

[font=Times New Roman]MfG,[/font]
[font=Times New Roman]Merkur[/font]
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AW: Namensänderung Formica lusatica zu Formica clara

Beitragvon Frank Mattheis » 11. Oktober 2009, 19:39

Das ist sicher richtig, Merkur. Ich habe Deinen Link nicht verfolgt, weil ich schon von der Umbenennung des Names glauca in lusatica wenig hielt. Wenn jetzt ein älterer Name reaktiviert wird, noch älter als der Name glauca, gleichzeitig damit eben ein "moderner" Name eingestampft wird, darf man da nicht fragen, was das Ganze soll?
Mit neuen Erkenntnissen zur Taxonomie dieser "alten" Art immer gleich einen komplett neuen Namen zu erteilen scheint mir merkwürdig. Klar macht solche Arbeit einige Mühe und einigen Aufwand. Aber rechtfertigt dies, auf gute eingeführte und allseits bekannte, in der bisherigen Fachliteratur verwandte Namen zu verzichten?

Nehmen wir Leptothorax/Temnothorax. Jedem war wohl vorher klar, dass hier Unterschiede bestehen, die kann jeder Laie sehen. Alle Temnotharax sind kleiner, meist gedrungener, es gibt eindeutige morphologische Unterschiede. Aber eine Neubenennung wirft auf die gesamte bisherige Arbeit der älteren Myrmecologen ein besonderes Licht. Die können ihre Arbeiten nicht mehr ändern. Die waren sich in früheren Zeiten aber ganz sicher im klarem darüber, dass es eindeutige Unterschiede gibt. Sie verzichteten auf Umbenennungen. Vieleicht im Sinne einer kulturellen Tradition in der Entomologie, vielleicht galt die Arbeit der Vorgänger früher noch etwas.
Wenn ich nur an Colobopsis denke... Sicher war auch früher jedem klar, dass die Arten zu Camponotus gehören.

Ich halte dieses neuzeitliche Hin- und Herbenennen und Umbenennen für fragwürdig und für meist überflüssig. Ich kann keine zwingenden Gründe dafür sehen, ältere myrmecologische Arbeiten zu disqualifizieren. Solche Kolateralschäden sehe ich nunmal bei solchem Vorgehen. Ich halte nicht die Arbeit für fragwürdig, die sich neuzeitliche Taxonomen machen, das man mich da nicht falsch versteht. Wohl aber das Umbenennen, das mit jedem neu entdeckten Häärchen einherzugehen scheint.:). Wenn sich dann noch herausstellt, dass man sich auf dünnes Eis begab, umsomehr.

Und ich bin mal gespannt, was für ein wichtiger eindeutiger, anwendbarer und nachvollziehbarer Bestimmungsschlüssel nun mit der Rückbenennung in Formica clara mitgeliefert wird.

LG, Frank.
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Beitragvon Jan » 11. Oktober 2009, 21:39

[font=Times New Roman]Es ist halt die Frage, ob die User des Ameisenforums sich einigermaßen an wissenschaftliche Erkenntnisse halten sollen, oder doch eher [/font][font=Times New Roman]auf dem Niveau von Stammtischgeplauder debattieren möchten. [/font]


Eine rhetorische Frage. Es ist doch schon längst Letzteres der Fall.


@ Frank:
Irgendwie finde ich Deinen letzten Post widersprüchlich...
Artnamen haben sich doch z.B. innerhalb von 80 Jahren zu Zeiten Wheelers u.A. schon einige geändert, in diesem speziellen Fall findet sogar eine Rückbenennung auf die von Forel beschriebene Art statt, also keine Gegenposition zu unter dem damaligen Kenntnisstand veröffentlichten Arbeiten in denen die Art als F. clara angegeben wurde.


Gruß,

Jan
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AW: Namensänderung Formica lusatica zu Formica clara

Beitragvon Frank Mattheis » 12. Oktober 2009, 11:38

Sicher ist er widersprüchlich. Das gibt mir ja auch zu denken, Jan..;),
Ich gebe hier auch nur eine Meinung wieder, meine bescheidene Meinung. Da bin ich nicht immer objektiv.
Ich räume ja gerne ein, dass es immer vernünftige Gründe geben mag für Umbenennungen nach Überarbeitungen. Ich will nur fragen, ob es denn immer wirklich nötig ist. Es gibt andere Möglichkeiten, denke ich. Die Art clara hätte doch gut immer so heissen können, man hätte sie m.E. nicht umbenennen müssen, weder in glauca mth. noch in moderner Zeit in lusatica.
Was macht eigtl. eine Art aus? Etwa ein Häärchen hier oder dort? Und dann noch statistische Durchschnittswerte, weil die Tiere einer Kolonie, Töchter einer Mutter u.U. sich unterscheiden in diesen Merkmalen und durchaus bei Einzelbetrachtung unterschiedlichen Arten zugeordnet werden könnten???
Mir wären ökologischen Beobachtungen wichtiger, etwa Betrachtungen und vergl. Beobachtungen im Freiland. Habitatwahl, Jahreszyklus, Biologie. Weniger wichtig wären mir geringfügige morph. Unterschiede. Ich denke aber, das wird schon gemacht, hoffe es zumindest.

Für mich ist die Art glauca oder mth. clara relativ klar abzugrenzen von rufibarbis. Insofern geht mir diese Umbenennung auch gar nicht so nahe. Sie hat mich nie sonderlich interessiert, den Namen lusatica habe ich mir nie zueigen gemacht. Zu recht, wie ich jetzt feststelle...:) Trotzdem habe ich etwas dazugelernt, dafür bedanke ich mich.

Man stelle sich mal vor, die Forscher säßen in den Reihen der Ameisen, das Untersuchungsobjekt wäre die Art Homo sapiens. In wieviele Arten und Varietäten würden diese gute Art wohl aufgespalten, in kleine, grosse, behaarte, unbehaarte, dunkelgefärbte, hellhäutigere, eusoziale, asoziale..:), intelligentere, weniger intelligente, kommunikative, nomadisierende, sesshafte, Werkzeuge benutzende, autofahrende, usw.usf.. Dazwischen alle Übergänge, die natürlich detailliert beschrieben werden müssen.

LG, Frank.
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Beitragvon Joschi » 12. Oktober 2009, 18:15

Artbeschreibungen sind im Rahmen der Regeln immer Entscheidung des jeweiligen Beschreibers. Die werden dann im Normalfall noch durch Gutachten anerkannter Experten nachgeprüft und eventuell am Ende bestätigt.
Dabei gehen verschiedene Taxonomen ganz unterschiedlich an die Sache ran. Für die einen ist es schon eine neue Art, wenn trotz sonstiger Gleichheit aller Merkmale nur die Farbe anders und der Lebensraum verschieden ist. Wenn dann Zwischenstufen und Überlappungen im Lebensraum gefunden werden, wäre diese Abtrennung ab diesem Zeitpunkt zweifelhaft. Solche Daten sind aber nunmal nicht immer bekannt (schön wärs), besonders in den Tropen hat man oft nur gesammelte Einzelexemplare aus einem bestimmten Gebiet, und darum müssen bei der Beurteilung einer Artbeschreibung auch der Instinkt und die Erfahrung des jeweiligen Biologen ran.

So einen Unterschied findet man z.B. bei Seifert und Bolton. Ein Gutachten von beiden zur selben Beschreibung kenne ich bisher nur von afrikanischen Tetramorium, aber der Unterschied in Inhalt und Meinung beider Experten war deutlich zu lesen. Eine Artbeschreibung ist nie absolut, sondern soll nur die bis dato bekannten Daten auf bestmögliche Weise und unter Verwendung des gültigen Codes (ICZN) wiedergeben, und jeder Taxonom versucht das eben auf seine eigene Herangehensweise. Wenn eine Entscheidung aber gefällt und wissenschaftlich anerkannt wurde, dann sollte sie auch akzeptiert werden, selbst wenn man anderer Meinung ist.
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