Gemeinschaftsbecken - Verlauf - Fotos

Fotos von Formicarien und anderen Behausungen für Ameisen.

Gemeinschaftsbecken - Verlauf - Fotos

Beitragvon Joschi » 16. April 2005, 13:29

Sers Leute! Nach über einem halben Jahr konnte nun endlich auch die Ameisenfauna Einzug in das Becken (200x50x50) halten, und nach einiger Zeit des Eingewöhnens beginne ich den schon lang geplanten Thread nun. Dieser wird immer fortgeführt, sobald es Neuigkeiten gibt. Sorry für die erstmal wenigen Fotos, aber der Digi Cam Akku Auflader ist verschollen und deshalb muss im Moment Batterie gespart werden.

Erstmal ein Überblick mit ein paar Bildern:
Bild
http://ameisenforum.de/Joachim/becken1.jpg Abendbeleuchtung
Kresse und Gräser sprießen aus dem Untergrund
Streuschicht: Mischung als Walderde + Nadelstreu + Sphagnum


Idee/Bau/Untergrund

Inspiriert hat mich vor allem das Gemeinschaftsbecken von Frank Mattheis, der ja auch wunderschöne Einblicke davon ins Forum gestellt hat. Bei Ebay war dann auch überraschend schnell ein passendes Becken vorhanden: 200x50x50 cm, was genau die richtigen Maße hatte. Sehr lange Sichtseite (2 m) zum Beobachten, aber dennoch relativ niedrige Breite nach hinten (50 cm), sodass Beobachtungsfläche im Hintergrund nicht verloren geht, aber dennoch genug Platz da ist.

Der Rohbau ganz unten ging mit Bauschaum vonstatten, mit dem die Landschaft in den Grundzügen gut zu formen war. Vorteil vom Bauschaum ist vor allem das Gewicht: Hätte ich alles mit schweren Baumaterialien wie Zement bearbeitet, wäre das Becken nochmal doppelt so schwer und von niemandem mehr von der Stelle zu bewegen (was es selbst jetzt kaum ist). So brauchte es nach der Modellierung mit Bauschaum nur noch eine relativ dünne Schicht Zement darüber. Einerseits wurden dadurch die unschönen Wellen und Knubbel des Schaums mit einer recht glatten Fläche überdeckt, andererseits ist dieser billige Zement leicht wasserdurchlässig, was bei der Befeuchtung ungemein hilft (dazu später). Solange der Zement noch ungehärtet war, habe ich besonders rechts im Becken eine großflächige Moosschicht auf den Zement aufgebracht (von Waldboden abgetrennt), damit die Zwischenräume mit Zement gefüllt wurden und vor Ameisen unnerreichbar sind. Da wo kein Moos war, kam eine hauchdünne Schicht brauner Wüstensand auf den Zement, der nach der Härtung daran festhaftete.

Ziel

Was war dann das Ziel des Beckens nach dem abgeschlossenen Rohbau? Das war recht klar: Eine möglichst naturnahe Landschaft schaffen, die nicht nur Ameisen, sondern auch den meisten anderen wichtigen Tieren und auch Pflanzen eines Mini-Ökosystems Platz und Möglichkeiten bietet. Gleichzeitig sollen jedoch Brutplätze für die Ameisen untertage möglichst vermieden werden, sodass die zu beobachtenden Völker an der Scheibe in Ytong Nestern beobachtet werden können. Im Becken sollte eine eigene Lauszucht möglich sein und eine Selbstversorgung der Ameisen über mehrere Wochen, falls ich mal nicht da bin. Eine ausreichende Beleuchtung für Tiere und für Pflanzen sollte gegeben sein, auch wenn das Tageslicht nachlässt oder die Rolladen unten sind.

Soviel zu den Zielen, ab gings zur Realisierung.

Beleuchtung

Die Hauptbeleuchtung sind drei starke Hängelampen, die auch für eine gewisse Wärmestrahlung ins Becken sorgen. Für die Pflanzen steht eine spezielle Pflanzenlampe auf einer Glasplatte auf dem Becken. Sieht zwar nicht soo ästetisch aus, erfüllt aber prima den Zweck, denn die Pflanzen gedeihen hervorragend!

Befeuchtung

Sehr wichtig für Tiere und vor allem für Pflanzen ist die Befeuchtung. Dank dem Zwischenraum von Zement und Bauschaum gestaltet sich die als recht einfach: Es gibt 2 blanke Sandstellen im Becken, wo keine Streuschicht ist und somit auch keine Pflanzen und Tiere. Da kann man einfach Wasser draufgießen, welches durch den Zement sickert, sich unterhalb des Zements im ganzen Becken verteilt und so das Becken nach oben feucht hält, indem das Wasser von unten nach oben nach und nach durch den Zement zieht, bis es wieder nachgefüllt werden sollte. Pro Füllvorgang sind etwa 2 Liter Wasser notwendig, diese halten dann das Becken für einige Tage feucht. Oben auf den höheren Regionen der Hügel bleibt es trocken.

Streuschicht

Die Streuschicht auf dem rohen Untergrund ist die Kernschicht des Beckens, dort spielt sich das meiste Geschehen ab. Daher sind auch spezielle Anforderungen daran geknüpft: Sie muss sowohl allen Tieren als auch Pflanzen faire Möglichkeiten bieten, ohne die Beobachtung zu sehr einzuschränken.

Die geeignete Mischung war schnell gefunden: Ein 1:1:1 Gemisch aus Walderde + Nadelstreuschicht unter Nadelbäumen + Sphagnum Moos. Mit der Walderde und dem Nadelstreu kamen vielerlei Mikroorganismen ins Becken, die für einen gesunden Boden sorgen, und gleichzeitig auch ihre natürlichen Feinde (z.b. Milben + Bücherskorpione). Vielerlei unterschiedliche Pflanzen begannen schon nach kurzer Zeit zu wachsen, deren Samen in der Streuschicht versteckt lagen und sich nun im Becken entfalten.

Bepflanzung

In den Zielen für das Becken war klar das eine gesetzt, dass zusätzlich zur Fauna auch eine gesunde Flora gehört. Diese teilt sich im Becken in 2 Sparten:

Große Pflanzen: Sind all diejenigen, die nicht auf der blanken Streuschicht wachsen können, da die Wurzeln zu groß sind. Davon gibts eigentlich nur eine, nähmlich die gelbe Rose im Zentrum des Beckens. Ursprünglich war dort ein Wasserlauf geplant, da dieser aber immer wieder undicht wurde, habe ich den Plan aufgegeben. Nun war dort eine runde, recht große Aushebung, eigentlich ein perfekter Platz für eine größere Pflanze. Da das Ziel des Beckens u.a. darin besteht, eine eigene Lauszucht möglich zu machen, entschied ich mich für eine Rose. Die Rose mit aller Erde, welche die Wurzeln umgeben hat, wurde aus dem Plastiktopf geschnitten und in die Einwölbung des ehemaligen Wasserlaufs gesetzt. Der Freiraum zum Rand wurde mit feuchtem Sphagnum Moos aufgefüllt. Über die Erde und Wurzeln und um die Hauptsproßachsen der Rose habe ich eine Schicht aus Gips drübergezogen, damit die Ameisen dort nicht ungewollt siedeln können. Einzige Zugänge sind 3 Strohhälme durch den Gips, die für Luft- und Wasseraustausch sorgen. Zum Gießen reicht es, den Gips nass zu machen, da sickert ordentlich viel Wasser durch in die Erde.

Kleine Pflanzen: All diejenigen, welche auf der normalen Streuschicht wachsen. Das sind in erster Linie verschiedene Gräser und Kresse. Die größte Pflanze dieser Kategorie ist ein Farn, der rechts von der Rose wächst. Der hat praktischerweise Wurzeln, die nicht in die Tiefe führen, sodass er prächtig in der Streuschicht gedeiht (die großen Wurzeln sind mit feuchtem Sphagnum umwickelt).

Fauna außer Ameisen

Um das Becken sauber und gesund zu halten und den Ameisen genügend Futter zu bieten, braucht es einen gesunden Mikrokosmos, angefangen von Milben bis hin zu Schaben und Skolopendern. Mit der Streuschicht aus dem Wald kamen schon die kleinen Organismen wie Milben oder Springschwänze zuhauf in das Becken, dazu gleich noch ihre natürlichen Feinde (z.b. Afterskorpione), welche ich aber wegen der unterirdischen Lebensweise nur recht selten zu Gesicht bekomme. Einige Käfer sind auch im Becken, spielen aber keine besondere Rolle. Asseln sind wichtig für die Müllbeseitigung, man muss aber aufpassen, dass sie nicht Überhand nehmen. Die letzte Hauptgruppe sind die Schaben: Im Becken kommen 2 Typen von Schaben vor, eine kleine, welche die 1cm nicht überspringt, und eine größere, die erst ab 3cm geschlechtsreif wird und ausgewachsen ist, inzwischen haben die Schaben im Becken einen recht flüssigen Entwicklungsweg, alle Größen sind vorhanden. Sie leben vorzugsweise in der Streuschicht und halten sich dort tagsüber auf, sodass man meist nur nachts oder beim Gießen welche zu Gesicht bekommt, trotz der Zahl und Größe der Tiere.

Die Schaben erreichen natürlich irgendwann eine Größe, bei der sie von keiner Ameise mehr gejagt werden können und sich hemmungslos vermehren. Zu diesem Zwecke leben einige große Skolopender im Becken (Hundertfüßer), die man auch ab und an beim Fressen beobachten kann. Adulte Schaben gehören zwar normalerweise nicht gerade zu ihrer Beute, doch bei Störung reagieren die Skolos sehr aggressiv und verletzen die Schaben durch ihr starkes Gift meist so sehr, dass sogar Ameisen wie Pheidole den Rest erledigen können.

Ameisenfauna

Zentrales Thema, aber im Moment nicht für das Becken, da nur eine vergleichsweise kleine Zahl von Kolonien darin lebt, da die Testphase mit Ameisen noch nicht abgeschlossen ist. Wie man auf den Fotos sieht, ist nur ein Ytong Nest an der Scheibe, dies gehört zu einer rotbraunen Serviformica Art. Die restlichen Kolonien haben sich die siedlungstechnisch günstigsten Plätze des Beckens reserviert: Drei Myrmica Kolonien leben überwiegend in Holzstücken und in dem darunterliegenden Streu. Eine Pheidole hat sich aus zwei verbundenen Eicheln eine nette Räumlichkeit geschaffen. Eine australische Myrmicine lebt in einem kleinen, ausgehöhlten Holzstück, eine große Temnothorax Kolonie hält das auch größte Holzstück im Becken. In der Erde der Rose lebt eine Tetramorium Kolonie (weisellos), welche durch einen der Strohhälme Zugang zur Außenwelt hat.

Die Koloniedichte im Moment entspricht also im Moment gemessen an den Koloniestärken einer natürlichen Koloniedichte im Freiland eines günstigen Lebensraumes. Die Ameisen sind also voller Bestandteil der Fauna und nicht alleine abgeschottet.

Alle Kolonien außer Serviformica dienen nicht nur zur Müllbeseitigung und Ordnung im Becken, sondern auch vor allem dazu, Nisträume zu besetzen, die für Arten in Ytong Nestern interessant sein und sie zum Auszug bewegen könnten. Die Serviformica sollen eben diese repräsentieren, mit etwa 200 Tieren schon recht fraustark, haben sie anfangs an vielen Nistmöglichkeiten außerhalb des Ytong getüftelt und haben mir geholfen, viele Schwächen des Beckens (zu hoher Sand an einigen Stellen, Grabmöglichkeiten unter dem Nest, ...) noch auszugleichen, sodass es nun bereit ist für die wirkliche Ameisenhaltung und -beobachtung.

Ausbruchsicherung

Links und rechts vom Becken liegen zwei 30cm lange Scheiben auf, die das Becken dort absichern (auf den Fotos abgenommen). Wer schonmal ein Aquarium gesehen hat weiß, dass ein paar Centimeter von den linken und rechten Ecken weg zwei Glasträger innerhalb des Beckens knapp unter dem Rand verklebt sind, auf die man zb. einen Deckel legen kann. Bisher hat es noch kein Tier nach draußen verschlagen, da innerhalb des Beckens optimale Lebensbedingungen herrschen, doch trotzdem sind die Glasträger von unten mit einer Schicht Vaseline und Melkfett gesegnet, welche wohl auch hartnäckige Aufklärer zum Bleiben überreden dürfte.

Das ist eine recht profane Ausbruchsicherung, funktioniert aber bisher bestens, nicht nur bei den Ameisen, sondern auch bei allen anderen Tieren des Beckens. Später, wenn die Ameisenpopulation durch neue Kolonien stark ansteigt, wird aber eine neue Ausbruchsicherung das Becken zieren, die aber jetzt noch nicht verraten wird.
vG Joschi
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