Acromyrmex cf. crassispinus- Haltungserfahrungen

Unterfamilie: Myrmicinae

AW: Acromyrmex cf. crassispinus- Haltungserfahrungen

Beitragvon christian » 8. April 2012, 13:47

So, das letzte Update war lange her, Zeit für ein Neues :)

Im Winter ist das Pilzvolumen deutlich zurückgegangen, der momentane Stand beläuft sich auf ca. 6 Liter. Es gab im Winter einfach nicht genug zu essen und nur von eigentlich für Menschen gedachte Lebensmitteln konnte man die Tiere nicht ernähren. Halbwegs gut angenommen haben sie:
- Biosalat
- Haferflocken
- Rosinen
- Äpfel
- Reis (u. Nudeln etc.)

Kartoffeln werden von anderen Haltern empfohlen, bei mir wurden sie aber nicht im geringsten angerührt. Ähnlich verhielt es sich mit Bananen.
Insgesamt kann ich aber hier sagen, dass es unproblematisch ist, ihnen Futter zu geben, was sie nicht annehmen. Mit der Zeit verschwindet es trotzdem.

So, nun denn, der Mai ist (fast) gekommen, die Bäume schlagen aus...
Jedenfalls gibt es wieder genug Futter für meine Acromyrmex. Wie letztes Jahr sind sie richtig scharf auf Klee, Rosen und Erbsen (noch nicht so richtig da), Weide sowie einiges Gekraute deren Namen ich nicht kenne. Glücklicherweise haben sich die neuen Nachbarn über unsere nunmehr 15 Meter hohe Weide direkt am Zaun beschwert, die Äste würden deren Fenster verdunkeln und die Wiese würde mit dem Laub versaut etc. - jedenfalls kann ich jetzt alles, was über deren neues Grundstück reicht, absägen und meinen Ameisen geben, ich habe also beinahe unbegrenzt viel Futter für meine Acromyrmex.
Wichtig scheint für die Blätterwahl hauptsächlich zu sein, dass die Blätter weich und süß sind.
Erstaunlicherweise scheinen die Acromyrmex aber nicht nur auf veganerkost aus zu sein, sondern haben auch gerne große Mengen an auch getrockneten Mehlwürmern angenommen - ja sogar lebende Mehlkäfer wurden von ihnen zur Strecke gebracht und zerlegt.
Nun denn. Ohne Abfallbecken und ohne rechte Öffnungsmöglichkeiten des Formicariums passierte was passieren musste: das Formicarium vermisstete in unfassbarem Ausmaß - die feuchten Wände wurden abwechselnd von Milben und faulenden Blättern zugekleistert und im Becken selbst entstand ein warmes, feuchtes Faulklima, das die Sache noch schlimmer werden ließ.
So war ich gezwungen auf meiner Berlintour in eine neue Anlage zu investieren - man kommt ja nicht jeden Tag zum Antstore.
Also habe ich mir als neue Acromyrmex-Anlage zwei 50x50x50cm Würfel gekauft, die mit einem 2m langen und 32mm dicken Rohr verbunden sind.
Für mich neu und vllt. auch für den einen oder anderen interessant:
Normalerweise sind die 32mm Rohre ja für ein Formicarium mit 27mm Bohrungen viel zu dick, weshalb ich auch vorher (vgl. oben) 26mm Rohre verwendet habe, die ich dann einfach in meine Lochbohrungen gesteckt habe. Beim Antstore hat man mir vorgeschlagen, einen Beckenverbinder für 27mm Löcher zu verwenden, auf den dann ein kleines Stück Schlauch mit 28mm Außendurchmesser gestülpt wird. Das kleine Stück Schlauch erweitert den Durchmesser des Beckenverbinders weit genug, um ein 32mm Rohr fest darüber schieben zu können. Die ganze Konstruktion ist ziemlich stabil - ich bin, schlau wie immer, schon mehrfach mit meiner Rübe gegen das Rohr gestoßen, was es in seiner Standfestigkeit aber nicht beeinträchtigt hat.
Soweit so gut hat das ganze auch so halbwegs funktioniert. Unlustig wurde die ganze Sache, als ich die Kolonie umgesiedelt habe. Handschuhe an, Deckel auf, was passiert? Die Glasscheibenabdeckungen kleben wegen der hohen Luftfeuchtigkeit im Becken zusammen (ich hatte sie ja z.T. mehrlagig aufgelegt) - als ich eine der Scheiben dann hochheben wollte, bricht sie ab und schlitzt mit meinen Finger halb durch. Das Loch hat so geblutet, dass ich die Sache nicht zu Ende bringen konnte und nähen lassen musste, die Viecher also schöne 2 Stunden ohne richtigen Deckel (die Scheiben waren ja kaputt) in meinem Zimmer standen. Als ich dann den Pilz umgesiedelt hatte und die ganzen ausgebrochenen Damen wieder eingesammelt hatte (hat 6 Stunden gedauert, bis morgends um 7) kam ich auf genau 2374 ausgebrochene Arbeiterinnen und ungezählten toten in meinem Zimmer, die ich nicht mehr erwischt hatte. Man muss ja auch irgendwann schlafen.

Dann, kurz nachdem ich die Tiere in ihr neues Formicarium gesetzt hatte, begannen sie schon wie im Alten Becken das Ganze Formicarium nach ihren Vorstellungen umzubauen.

Um den Tierchen einen möglichst natürlichen und geschützten Lebensraum zu bieten (und weil ich es mir sehr schön vorstelle) wollte ich den Tierchen noch einen ordendlichen Haufen Sand in das Pilzbecken schütten, bis es halb voll ist. Dann können die Tiere hoffendlich ein richtiges Nest anlegen, mit vernünftigen Kammern und einem richtig schönen Nesthügel mit Lüftungstürmchen.

So sieht das ganze momentan aus:

Bild

Das ist das Pilzbecken, in das ich den zusätzlichen Sand schütten will. Als braune Flecken ist hier abgestorbener/beschädigter Pilz zu sehen, der noch von dem etwas unsanften Umsiedeln einige Folgeschäden hat. Rechts im Bild kann man noch die von mir oben beschriebene Beckenverbinder-Rohrkonstruktion erkennen.


Bild

Wahrscheinlich durch den Umzugsstress verursacht wurde die Königin von ihren Töchtern aus dem Nest in die Arena gebracht und anschließend wieder zurück. Der Volksobersten geht es aber sonst sehr gut. Gut zu sehen: Die, bedingt durch ihre vielen Ovariolen, physogastrische Königin. Das letzte mal habe ich das Tier vor ca. einem Jahr gesehen, deshalb war das natürlich ein besonderer Moment, auch wenn ich natürlich zuerst dachte, sie wäre durch den Umzug zu schaden gekommen und dann zu ihren Ahnen gegangen.
Besteht ein Grund zur Sorge um das Tier?

Bild

Nochmal der Pilz im Fokus der Presse. Auf dem gesunden Pilz in der Mitte sieht man gut die großen Mengen Haferflocken (kommt auf dem Bild nicht ganz raus), die von den Tieren eingetragen werden.

Momentan habe ich noch große Probleme damit, in dem Pilzbecken die Luftfeuchtigkeit aufrecht zu halten, was dem Leucoagaricus alles andere als gut tut. Durch ausgeprägte Frischblattfütterungen und Nachwässern von dem Sand, kann ich die Luftfeuchte aber auf ca. 80% halten - obwohl mein Hygrometer auch nicht mehr das jüngste ist und wohl nicht mehr recht zuverlässig funktioniert.

Bild

Hier ist nocheinmal die Futterarena zu sehen, gerammelt voll mit Weidenästen. Links unten in der Arena (vgl. Bild) haben sich ein paar Haferflocken angesammelt, die die Tiere die Glasscheibe nicht hochbekommen haben und dann einfach achtlos in die Gegend fallen ließen.

Bild

Hier noch ein Bild der Straße von der Futterarena. Das Bild ist leider etwas unterbelichtet, aber ich glaube, man erkennt trotzdem das Wesendliche.
Das Bild wurde schief geschossen, die Tiere laufen die Glaswand (im Bild drüber linke Seite) zum Rohr hoch.

Die Kolonie ist durch die riesigen Ausbrüche und die Tatsache, dass die Arbeiterinnen z.T. beginnen ihrer Altersschwäche zu erliegen wieder etwas geschrumpft, auch der Nahrungsarme Winter hat den Tieren populationstechnisch nicht sehr gut getan.
Daher schätze (!) ich:

Stand der Kolonie:
Königinnen: 1 (?)
Majore: ~50-100
Media: ~3.000-5.000
Minor: ~2.000

Brut:
Puppen: ~500
Larven: ~1000
Eier: nicht sichtbar, im inneren des Pilzes gelagert

Pilz:
ca. 5-6 L,

Von anderen Acromyrmex-Haltern habe ich aber gehört, dass sie erheblich größere Einbrüche im Winter hatten, ohne dass größere Mengen Tiere ausgebüxt wären. Ich scheine da noch glimpflich davongekommen zu sein...

Futterfavoriten (momentan!):
1. Weide (++)
2. Brombeeren/Haferflocken (++)
3. Klee (+)
- Wiesenkräuter (alles was nicht "Gras" heißt) (~)
- Nesseln (~)
- Apfel (+)
- Rosinen (~)

DISKUSSION

L.G. christian

P.S. Danke für die netten Rückmeldungen, aber gerne auch mehr Kritik! Man soll ja was lernen :)
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