Andres Erfahrungen mit Myrmica rubra

Erfahrungen in der Haltung europäischer Ameisen.

Andres Erfahrungen mit Myrmica rubra

Beitragvon Bermuders » 22. Juni 2016, 01:43

Tag zusammen,

nun auch von mir ein Haltungsbericht zu Myrmica rubra.
Eines vorne weg: wer es kurz und prägnant mag ist hier an der falschen Adresse! Ich werde aus- und abschweifen, mich wiederholen und nicht nur von dem berichten was ich mache, sondern auch warum ich es eben so mache.

Alles fing an mit einem Buch. Mir war mal wieder langweilig und ich hatte Lust mich mit einem neuen Thema auseinander zu setzen. Warum dieses Thema ausgerechnet Ameisen waren, kann ich beim besten Willen nicht mehr sagen.
Also begann es so, wie es bei mir eigentlich immer beginnt, wenn ich eine neue Beschäftigung suche: ich kaufte mir ein Buch

Es war "Ameisen: Biologie und Verhalten" von Walter Kirchner. Ein wenig Recherche im Internet ließ mich darauf stoßen und es hat mich sofort begeistert.
Was mich besonders überraschte und auch reizte war, dass noch so vieles über (selbst hier lebende "08/15") Ameisen unklar ist.
Man geht davon aus, es ist anzunehmen, lässt darauf schließen. Vielleicht ist es ein wenig naive aber ich war wirklich verblüfft, dass solch omnipräsente Tiere nicht schon von oben bis unten erforscht worden sind.

Vom Thema infiziert suchte ich weiter im Netz und wurde auch hier wieder überrascht. So viele Shops! Und Foren gibt es zu dem Thema auch!
Ich durchstöberte täglich die Forenbeiträge um mir so viel Wissen wie möglich anzueignen denn die Entscheidung war längst getroffen: ich werde Ameisen halten.

Und wie es meine Art ist schoss ich natürlich weit über das Ziel hinaus. Bei Antstore wurde ein Starter Set gekauft, Größe M und natürlich das teuerste. Heizmatten brauche ich natürlich auch zwei Stück und ganz viel Bodengrund. Näpfe mussten her, in verschiedenen Größen und Formen. Trockenfutter in allen Variationen.
Dann gings zur Apotheke. Paraffinöl (500 ml !), 30 RG`s und Spritzen (keine Ahnung warum, hatte ich irgendwo gelesen, dass man die braucht).

Fazit: mit dem Krempel den ich hier jetzt rum liegen habe könnte man auch sicherlich eine Kolonie Schimpansen dazu bringen flugfähige Geschlechtstiere hervor zu bringen.
Aber ich schweife ab....

Blieb noch die Frage zu klären welche Ameisen es denn seien sollen. Ich entschied mich für Myrmica rubra.
Als Kind konnte ich in unserem Garten mal miterleben wie ein sehr großes Nest "schwarzer Ameisen" von "roten Ameisen" angegriffen wurde. Ich beobachtete das ganze über einige Stunden und nur die einbrechende Dunkelheit und die enervierende Stimme meiner Mutter konnten mich davon los reißen.
Das Gefecht zog sich bis in den Nachmittag des nächsten Tages hinein und endete mit der Auslöschung der "schwarzen Ameisen".
Daher nö zu Lasius niger und ein dickes JA für Myrmica rubra.

Also suchte ich wieder im Netz nach einem Händler der Myrmica rubra anbietet. Es sollte eine kleine Gründerkolonie sein, höchstens 10 Arbeiterinnen weil ich "alles von Anfang an miterleben "wollte.

Leider wurde ich nur bei einem Shop fündig. Dieser bot entweder eine einzelne Königin oder aber eine Kolonie mit 50-100 Arbeiterinnen an. Und jetzt kommt der Teil für den ich mich immer noch in den Hintern treten könnte.
Es kam mir doch schon sehr merkwürdig vor, dass nur ein einziger Shop zu diesem Zeitpunkt Myrmica rubra im Sortiment hatte, trotzdem bestellte ich.
Ich wählte eine einzige Königin, fügte bei der Bestellung aber die Bitte bei noch 5 bis 10 Arbeiterinnen dazu zu packen.
Es wurden auch 5 bis 10 Arbeiterinnen dazu gepackt...vermute ich. Denn so genau konnte ich das beim besten Willen nicht sagen. Das RG in dem die Ameisen versendet wurden, war mit grober Stahlwolle verschlossen. Ich vermute, dass die Arbeiterinnen in diese gekrochen sind und anschließend durch die Erschütterungen des Transports regelrecht zermalen wurden.

Nun stand ich da mit einer einsamen Königin.
Ich fasse mich kurz.
Am zweiten Tag nahm sie sehr viel Honig auf, danach gar nichts mehr. Insekten wurden noch nicht einmal berührt. Ich hielt sie in einem, mit roter Folie beklebten RG, abgelegt in der Arena. Nach knapp drei Wochen bekam sie Eier die sie sofort fraß.
Ich dunkelte das RG zusätzlich mit einem als Haube geformten Stück Pappe ab und ließ sie zwei Wochen komplett in ruhe.
Als ich nach Ablauf der Frist nachschaute, musste ich mit Erstaunen feststellen das sie weg war !
Erst nach Tagen fand ich sie tot an einem kleinen Steinchen kleben.
Sch....!

Also das ganze noch mal aber dieses mal richtig.

Mittlerweile boten auch andere Händler Myrmica rubra an, so das ich eine Königin mit 20 bis 30 Arbeiterinnen orderte.
Die Arena dekorierte ich noch mal komplett neu. Als Bodengrund verwendete ich die Wald Mischung von Antstore. Noch ein Stück Korkrinde, ein paar kleine Tannenzapfen und eine Hand voll Fichtennadeln. Fertig war die Arena "Nadelwald".
In der Zwischenzeit hatte ich mir noch ein kleines aber schickes Ytong-Nest von einem anderen Ameisenhalter zimmern lassen. An dessen Oberkante befindet sich ein Aluminium Profil, unter das ich die Rote Folie schieben konnte.
So brauche ich diese einfach nur anheben und habe volle Nesteinsicht.
Anfangs hatte ich vor den Ameisen die Farm anzubieten, die ja im Starter Set vorhanden war aber je länger ich mich mit dem Thema beschäftigte um so mehr tendierte ich doch zu Ytong.
Eventuell werde ich die Farm anschließen, wenn die Kolonie weiter gewachsen ist,
Anlage.jpg
Nest und Arena

Arena.jpg
Die Arena

Nest.jpg
Das Nest

Wäre noch die Frage des Futters zu klären. Den Bedarf an Kohlehydrate decke ich mit Honig/Honigwasser den ich von einem befreundeten Imker beziehe.
Insekten sollen überwiegend mit der Fliegenklatsche besorgt werden, allerdings wollte ich auch von Anfang an verschiedene Futtertiere anbieten können, um so die Vorlieben meiner Ameisen kennen zu lernen.
Kleine Geschichte am Rande: mit einem sehr netten und hilfsbereiten Halter aus diesem Forum unterhielt ich mich über das Thema Futtertiere und speziell dem einfrieren von Futterinsekten. Er riet mir zu Schoko Schaben, von denen ich selbst schon viel positives gelesen hatte.
Also flux auf einen Online Shop besucht (ja ich kaufe wirklich sehr viel Online). Auf den Bildern der Website sahen diese Tiere auch irgendwie ganz ok aus. Also einmal die mindest Bestellmenge von 220 Schaben geordert.
Zwei Tage später war das Paket mit meinen Schoko Schaben auch schon da. Völlig unbefangen öffnete ich das Paket, warf einen kurzen Blick hinein, schloss und verklebte das Packet wieder, stellte es so wie es war in die Tiefkühltruhe und warf es am nächsten Tag in die Mülltonne.
Ich bin wirklich nicht zart besaitet aber diese Tiere lösten bei mir einen Ekel aus den ich wirklich bisher nicht kannte. Alles an ihnen sagte "Hallo, ich bin ein Schädling. Ich möchte in deiner Wohnung leben und ganz ganz viele Kinder kriegen".
Also wurden mini und micro Heimchen bestellt die sofort eingefroren wurden, zudem ein Zuchtansatz Fruchtfliegen.

Um was gings hier noch mal ? Ach ja, die Ameisen.
Am 16.06.16 war es dann endlich so weit. Ich hatte in dieser Woche Nachtschicht und zusätzlich noch Überstunden gemacht, so das ich erst gegen neun Uhr morgens im Bett war.
Um 12:07 Uhr klingelte mich der freundliche Herr Logistiker aus der Tiefschlafphase. Wenn man so etwas macht, werde ich für gewöhnlich gewalttätig aber die Freude über die Ameisen beruhigte meinen Blutdruck doch sehr.
Im Gegensatz zu meiner ersten Ameisen Lieferung machte diese schon einen ganz anderen Eindruck. Der Karton war klein aber sehr stabil, eine kleine Lasche sorgte dafür, dass das RG nicht im Paket herum rollte. Zudem war ein kleines Stück Küchenpapier zu einer Hülse gerollt und in das RG geschoben worden.
Hektisch machte ich einige Aufnahmen mit dem Handy, die aber alle nichts geworden sind.
Ich konnte die Königin und etwa fünf Arbeiterinnen erkennen.
Um auf Nummer sicher zu gehen, hatte ich mich dazu entschieden, zusätzlich zum Ytong-Nest auch ein, mit roter Folie abgedunkeltes RG anzubieten.
So hatte ich es auch mit der ersten Königin gemacht. Aber da dieser Haltungsversuch ja scheiterte und ich dieses mal alles richtig machen wollte, wickelte ich das RG noch schnell in Alu-Folie ein. Sicher ist sicher!
Noch schnell zwei Näpfe rein, der eine mit drei Tropfen Honigwasser, der andere mit einer meiner TK-Heimchen.
Ich legte das RG mit meiner neuen Kolonie in die Arena und zog mit einer Pinzette den Wattestopfen heraus.
Und dann gings los!

Etwas fünf Arbeiterinnen wurden mit der Watte heraus gezogen, die Arbeiterinnen im RG (insgesamt etwa 25 Stück, die meisten hatte ich durch die Küchenrollen Hülse wohl nicht gesehen) bildetet einen engen Pulk und rückten ruckartig auf die Öffnung des RG zu.
Anschließend wurde ausgeschwärmt, wobei etwa ein Dutzend Arbeiterinnen den bösen Wattestopfen übelst verdroschen der ihnen so lange die Freiheit verwehrt hatte.
Ich konnte auch den Transport von Larven und (für mich) überraschend großer Nacktpuppen beobachten.
ruekenaus.jpg
Die waren mal richtig sauer !

Besonders gut belaufen wurde die Korkrinde und ich vermutete schon, dass sie es sich dort gemütlich machen wollten. Aber allmählich erkundeten immer mehr Arbeiterinnen das neue RG und als die erste Nacktpuppe hinein getragen wurde, war ich mir schon fast sicher, dass dies ihr neues Zuhause wird.
Ach, an dieser Stelle soll noch erwähnt sein, dass es keine einzige "Transportleiche" gab.
Ich hatte dies anfänglich vermutet, da einige Arbeiterinnen zusammengerollt getragen wurden.
Leider konnte ich den ersten Umzug meiner Kolonie nicht zu Ende beobachten.
Die Nachtschicht rief.

Am nächsten morgen zu Hause angekommen stellte ich mit einer gewissen Befriedigung fest, dass das Angebotene Heimchen nicht mehr aufzufinden war.
Cool, wer Appetit hat dem gehts auch gut !

Nach einigen Stunden Schlaf konnte ich mich dann endlich ausgiebig der Beobachtung meiner Ameisen widmen.
Was soll ich sagen: sie sind Wundervoll !
Ich hatte soviel gelesen, so viele HB studiert, mir Videos angeschaut und jede (ich meine wirklich jede) Ameise die mir über den Weg lief genau angeschaut und beobachtet.
Trotzdem war ich platt von dem was mir dort geboten wurde.

Eine einzige Arbeiterin lief ca. 30 Minuten durch Arena und Nest, erkundete scheinbar wahllos mal die eine, mal die andere Ecke. Keine andere Arbeiterin ließ sich während dessen Blicken. Als sie anscheinend keine Lust mehr hatte, ging sie zurück ins RG Nest.
Zwei Sekunden später verließen zwei andere Arbeiterinnen das Nest und setzten die scheinbar ziellose Suche fort.
Ich erzählte das zwei meiner besten Freunde: sie sahen mich an als hätte ich gefragt wie man sich die Schuhe bindet.
Ich mache ihnen keinen Vorwurf ;-)
Es fasziniert mich trotzdem ungehemmt.

Wie Ihr sicherlich herauslesen könnt verfasse ich diesen HB rückblickend, daher möchte ich Euch (auch wenn es nur wenige Tage sind) einen kurzen "Statusbericht" geben wie jetzt, aktuell steht.
Honigwasser haben sie aufgenommen bis sie fast geplatzt sind, seit gestern werfen sie sofort Steinchen rein. Die Menge an eingetragenen Insekten hat mich wirklich sehr überrascht (sechs Micro Heimchen, drei kleine Heimchen, zwei Stubenfliegen) wobei nur ein Flügel wieder in der Arena gelandet ist. Das Ytong-Nest erkunden sie immer mal wieder mit bis zu drei Arbeiterinnen aber an die Befeuchtung muss ich mich noch herantasten.

Zum Diskussions Beitrag: diskusionen-zu-andres-haltungsbericht-t54997.html

So, jetzt muss ich nur noch diesen Haufen Text in das Forum Boxen, Bilder unterbringen und herausfinden wie man einen Diskussionsbeitrag erstellt :-)

Recht herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit

Andre
Dateianhänge
Honig.jpg
Myrmica rubra beim Honigwasser schlürfen

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Re: Andres Erfahrungen mit Myrmica rubra

Beitragvon Bermuders » 25. Juni 2016, 00:10

Tag 7

Tag zusammen,

mittlerweile ist die Außenaktivität meiner Myrmica rubra deutlich zurück gegangen.
Wo in den ersten vier Tagen immer mindestens fünf Arbeiterinnen die Arena erkundeten, das Ytong Nest beliefen und Honigwasser schlürften, sind es nun nur noch derer zwei.

Angebotenes Honigwasser wird kaum noch angenommen und sehr schnell mit Bodengrund zu geschüttet, an Insekten besteht auch kein Interesse,
Das alles beunruhigt mich nicht, da sie in den ersten Tagen von beiden wirklich große Mengen verdrückt haben.

Trotzdem waren sie in den letzten Tagen sehr fleißig! Der Eingang zum RG Nest wurde mit Bodengrund und Fichtennadeln um mehr als die hälfte reduziert.
Das mit anzusehen war wirklich pures Vergnügen.
Wenn ich eine Ameise wäre, hätte ich einfach den Bodengrund in Nestnähe benutzt aber da scheint mehr dahinter zu stecken.
Nein nein, so einfach ist das nicht. Es musste jedes mal das eine, ganz bestimmte Bröckchen gefunden werden, dass es nur ein einziges mal in der Arena gab. War es gefunden und einmal quer durch die Arena zurückgetragen, begann das Schauspiel von vorn.
Nun, sie scheinen eine wirklich tiefe Beziehung zu Erdbröckchen zu pflegen. Würde ich vermutlich auch, wenn ich so nahe am Boden leben würde.
Spaß bei Seite: Beim Zuschütten des Honigwasser gehen sie viel wahlloser vor, da wird alles in unmittelbarer Nähe hinein geworfen. Irgendwelche Auswahlkriterien wird es wohl geben.
NesteingangBearb.jpg
Der Nesteingang

Gestern nutzte ich meinen freien Tag und die Inaktivität meiner Ameisen (und die meiner Freundin) zu meiner ersten Ameisen Safari.
Ich würde gerne eine Formica serviformica Königin (noch lieber eine Camponotus aber da bin ich dieses Jahr wohl zu spät) fangen und da mir das Wetter gestern günstig erschien (32° C, sehr schwül) machte ich mich auf den weg in die Natur.
Ich konnte tatsächlich nach sehr kurzer Suche eine Königin finden, allerdings war sie nun wirklich nicht das was ich erwartet hatte.
Fundort war ein Betonierter Weg, links Weizen und Rapsfelder, rechts ein kleines Wäldchen.
Sie sah meiner Königin sehr ähnlich nur die Färbung war etwas anders. Wo meine Myrmica rubra eher "Karamellig" ist, ging ihre Färbung eher ins orange.
Ich packte sie kurz in ein kleines Behältnis, schoss einige Fotos mit meinem Handy und ließ sie wieder frei. Die Bilder sind sehr schlecht geworden und ich möchte sie Euch hier wirklich nicht zumuten, falls doch Interesse besteht stelle ich sie in den Diskussions Beitrag. Für eine zuverlässige Bestimmung sind sie leider nicht geeignet.
Bei der weiteren Suche fand ich vor allem Bremsen (bzw. fanden sie mich) und ich konnte meine Sammlung an Mückenstiche durch ein gutes halbes Dutzend, teilweise sehr beeindruckender Exemplare erweitern.
Kurz vor Ende meiner Exkursion (es war inzwischen kurz nach 21 Uhr) fand ich noch eine geflügelte Königin.
Sie war schwarz. Mehr kann ich nicht zu ihr sagen.
Bei meiner Erfahrung in der Ameisen Bestimmung kann es sich aber auch durchaus um ein wirklich sehr kleines Pony gehandelt haben.

Ich stelle immer wieder Vergleiche zwischen dem Verhalten meiner verstorbenen, einsamen Königin und meiner jetzigen Kolonie an und finde fast ausschließlich Unterschiede.
Vermutlich kann man dies gar nicht vergleichen aber Gedanken mache ich mir trotzdem.
Königin Nr.1 ging nur selten ins Nest, am liebsten legte sie sich direkt in die Watte der Vogeltränke. Einmal lief diese aus und die Luftfeuchte in der Arena stieg auf 70%. Daraufhin krabbelte sie die Wände der Arena hinauf und suchte eine Lücke im Paraffinöl. Nachdem die Luftfeuchte wieder sang, krabbelte auch die Königin wieder nach unten.

Kolonie Nr.1 hingegen besucht fast nie ( soweit ich es beobachten konnte) die Tränke. Ganz selten sehe ich eine Arbeiterin kurz auf der Watte verweilen.
Wegen der Hitze der letzten Tage habe ich eine weitere Tränke angeboten aber auch die wurde bisher nur von wenigen Arbeiterinnen ,eher zufällig, belaufen.
Die Luftfeuchte ist durch die Witterung mittlerweile auch bei gut 70% aber ein ähnliches "Fluchtverhalten" wie bei Königin Nr.1 kann ich nicht beobachten.
Bei Königin Nr.1 und Kolonie Nr.1 verwende ich ein RG mit Tampon statt Wattestopfen als "Verschluss" für den Wassertank.

Gerade eben habe ich noch eine unschöne Endeckung gemacht.
Im (bisher ungenutzten) Ytong Nest meine ich Schimmel gesichtet zu haben. Eventuell liegt das an den abartigen Temperaturen die hier in NRW gerade herrschen aber ich behalte das im Auge. Die Befeuchtung wird jetzt auf jeden Fall erst einmal eingestellt und ich überlege schon ein neues Nest zu bauen.

Noch eine Sache am Rande:
Ich schreibe frei von der Leber weg. Wenn Euch meine unwissenschaftliche Art zu arg aufstößt, bitte ich um kurze Rückmeldung.
Ansonsten hoffe ich, dass euch mein Beitrag gefällt und ich vielleicht dem ein oder Anderen Einsteiger ein wenig Information liefern kann.


Zum Diskussions Beitrag: topic54997.html

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Re: Andres Erfahrungen mit Myrmica rubra

Beitragvon Bermuders » 10. Juli 2016, 21:22

Tag 25


Tag Zusammen,

und herzlich willkommen bei einer neuen Folge "Wer hält hier eigentlich wen ?".
Mein letzter Beitrag ist schon eine weile her, da sich bei meiner kleinen Kolonie wenig getan hat (bis heute aber dazu später mehr) und ich beruflich ziemlich am rotieren bin.

In den letzten Wochen ist die Außenaktivität meiner Myrmica rubra doch deutlich zurück gegangen. Kein Wunder, es gab ja auch nicht mehr viel zu tun.
Der Nesteingang ist auf 4/5 der ursprünglichen Größe reduziert und die Mädels machen es sich schön muckelich in ihrem RG.
Das Ytong-Nest, dass ich nach dem leichten Schimmelbefall zehn Tage lang trocknen ließ, wird wieder maßvoll bewässert und immer mal wieder belaufen. Zusätzlich zu der roten Folie habe ich eine hälfte des Nestes mit einem Stück Karton abgedunkelt. Ich erhoffe mir dadurch bahnbrechende Erkenntnisse zur Lichtempfindlichkeit von Myrmica rubra. ;)

Bei der Ernährung haben sich deutliche Vorlieben heraus kristallisiert: sie lieben Tiefkühl Nahrung !
Biete ich ein gefrorenes Heimchen und eine frisch erlegte Stubenfliege an, wird immer das Heimchen bevorzugt. Für Tiefkühl-Stubenfliegen lassen sie alles andere liegen.
Zuckerwasser mögen sie nicht wirklich, gleiches gilt für Honig pur.
Also Honigwasser (50/50) und TK-Stubenfliegen! Wenn es weiter nichts ist.

Heute war allerdings irgend etwas anders.
Ich hatte endlich mal einen Sonntag vor mir, an dem ich nichts zu tun hatte also war Ameisen gucken angesagt.
Es fura..furagierten...furierten..es liefen vier Arbeiterinnen herum!
Aber irgendwie anders als sonst. Sie liefen ein wenig schneller und zielstrebiger durch die Arena als ich es gewohnt war, machten mehr Strecke. Hm, Honigwasser war vorhanden und frisch. Zwei Stubenfliegen waren am Nachmittag des Vortages verfüttert worden. Temperatur und Luftfeuchte ? Passt !
Also je zwei Stubenfliegen/Heimchen in den Napf und gucken was passiert.
Nach ca. 30 Sekunden hatte die erste Arbeiterin das Buffe entdeckt und mühte sich anschließend geschlagene 20 Minuten an einer Stubenfliege ab.
Erst mal Beinchen abknipsen und dann ein wenig ziehen. Noch ein wenig mehr ziehen. Volle Pulle! Geht nicht.
Also flugs zurück ins Nest Verstärkung holen.
Es war das erste mal, dass ich meine Ameisen bei Teamwork beobachten durfte.
Die Rekrutierung schien mir nicht sehr effektive und wirft bei mir Fragen zum Thema Orientierung der Arbeiterinnen auf.
Arbeiterin A lief vom Napf mit den lecker Fliegen zurück ins Nest. Wenige Sekunden später verließen fünf Arbeiterinnen (darunter vermutlich auch Arbeiterin A) das Nest und schwärmten aus. Arbeiterin A fand mit einiger Mühe zur Fliege zurück und begann wieder zu ziehen und zu knabbern.
In der Zwischenzeit gingen die anderen Arbeiterinnen wieder zurück ins Nest. Arbeiterin A merkte, dass sie mit dieser Beute überfordert war und ging wieder zurück ins Nest Verstärkung holen.
Das ganze wiederholte sich vier mal. Doch dann folgten die rekrutierten Arbeiterinnen recht zielstrebig dem Laufweg von Arbeiterin A und erreichten den Heimchen/Stubenfliegen-Napf.
Was soll ich sagen. Ich glaube sie hatten wirklich Hunger.

Es wurden alle Futtertiere inklusive abgeknipster Beinchen eingetragen. Als die erste Stubenfliege den Nesteingang erreichte, kamen sofort drei weitere Arbeiterinnen aus dem Nest und die Fliege wurde auf der Stelle zerlegt.
Alter Schwede, ich finde es wirklich bemerkenswert was so eine kleine Ameisenkolonie an Nahrung vertilgen kann!
Und jetzt das Beste !
Ich konnte eine neue Arbeiterin begrüßen. Vermutlich ist sie durch den ganzen Trubel neugierig geworden aber auf einmal war sie da. Noch ganz blas zeigte sie sich am Nestausgang, wagte sich etwas vor und versteckte sich unter einem Stein an der Vogeltränke.
Na klar, Licht kennt sie ja noch nicht.
Willkommen im Leben kleine Ameise. Ich habe das Formicarium gekauft und eingerichtet. Futter bekommst du von mir auch. Den Rest entscheidest du.
Ich konnte mit Religion noch nie etwas anfangen.

Anfangs hatte ich geplant neben Myrmica rubra noch zwei weitere Kolonien zu halten. Ich dachte an Messor barbarus und Formica rufibarbis. Der Platz dafür wäre da aber meine Einstellung und Erwartungen haben sich doch schon sehr geändert.
Ich werde mich wohl dieses Jahr noch an der Haltung von Camponotus ligniperdus versuchen. Ihre Größe und Farbgebung gefällt mir ausgesprochen und ihr anfänglich gemächliches Koloniewachstum schreckt mich nicht ab.
Aber erst einmal muss ich mich noch viel gründlicher über diese Art (Gattung?) informieren.

Aber zurück zu Myrmica rubra.
Ich kann sie jedem Anfänger/Halter nur wärmstens empfehlen. Ihre Farbgebung ist wirklich wunderschön und kommt vor allem bei dunklem Untergrund besonders zur Geltung. Ihre Größe lässt viele interessante Beobachtungen auch ohne Lupe zu. Zudem gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Arbeiterinnen (Größe, Farbgebung).
Was mich besonders überraschte war, dass sie kaum zu erschrecken sind. Ich kann Futternäpfe tauschen oder die Arena reinigen ohne das auch nur eine Arbeiterin von mir Notiz nimmt.

Mittlerweile kann mich nichts mehr entspannen, als eine halbe Stunde Ameisen gucken. Ich bin wirklich froh mich für dieses Hobby entschieden zu haben und den Mitgliedern dieses Forums dankbar, dass Sie mich an Ihren Erfahrungen teil haben ließen und lassen.
Ohne Euch hätte ich nur die eine Meise in meinem Oberstübchen.

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Re: Andres Erfahrungen mit Myrmica rubra

Beitragvon Bermuders » 9. August 2016, 00:32

Tag 54

Tag zusammen,

und herzlich willkommen bei einer weiteren Folge "Keine Ahnung was ich hier eigentlich mache aber es scheint zu funktionieren".
Mein letzter Bericht ist schon eine ganze Weile her, da ich in den Sommermonaten beruflich immer ganz besonders gefordert bin. Allerdings muss man Prioritäten setzen und so habe ich mir vor einigen Tagen kurzer Hand die Achillessehne gerissen und habe nun ausgesprochen viel Freizeit um Unmengen an Haltungsberichten zu schreiben.

Tja, wie steht es nun um meine Kleine Kolonie?

Wenige Tage nach dem letzten Bericht, machte ich eine unschöne Endeckung. Kurz bevor ich zur Arbeit fuhr, warf ich noch schnell einen letzten Blick in die Arena. Ich entdeckte eine frisch geschlüpfte (heißt das wirklich geschlüpft?) Arbeiterin, die wie ein Käfer auf dem Rücken lag und mit den Beinchen wedelte, als könnte sie sich nicht aufrichten.
Als ich am Abend wieder zu Hause aufschlug, war sie tot und wurde von einer anderen Arbeiterin am äußersten Rand der Arena herum getragen. Es machte den Eindruck, als würde diese Prozedur schon eine ganze Weile andauern (keine Ahnung warum, die Trägerin sah irgendwie danach aus). Nach ca. 40 Minuten griff ich ein und schnappte mir die Leiche mit der Federstahlpinzette. Die Trägerin "versteckte" sich daraufhin mit etwa 2/5 ihres Kopfes unter einer Fichtennadel. Ich musste sofort an ein Kleinkind denken, dass die Hände vor die Augen wirft. "Was ich nicht sehe, kann mich auch nicht sehen!".
Die Untersuchung der Toten brachte keine klaren Erkenntnisse. Sie sah verstümmelt aus, kann aber beim besten Willen nicht sagen, ob sie von ihren Schwestern angegriffen oder schon lebensunfähig zur Welt kam.
Es blieb bis zu diesem Zeitpunkt die einzige tote.

Seit ca. zwei Wochen haben meine Myrmica rubra eine neue Lieblingsspeise. Unseren Freund den Mehlwurm !
Wie bei allen anderen Futtertieren, wird die Larve des Mehlkäfers (bevor noch einer meckert:-) ) bei einem Händler bestellt und danach sofort eingefroren. Serviert werden sie handlich zerschnitten. Sie lieben es !
Interessant finde ich, dass noch nicht einmal der Versuch unternommen wird, die Stücke einzutragen. Sie beginnen augenblicklich mit dem Aushöhlen der Larven. Bei allen anderen Futterinsekten ist das anders.
Wie bisher in jedem Bericht, muss ich auch an dieser Stelle wieder darauf hinweisen, dass mich der Proteinbedarf meiner Kolonie immer wieder überrascht. Anfänglich wollte ich die Futtertiere ja per Fliegenklatsche besorgen und TK-Insekten nur zum ausprobieren oder als Notfallreserve anbieten aber um das zu bewerkstelligen habe ich entschieden zu wenig Freizeit. Der Verbrauch an Honigwasser ist dagegen verschwindend gering. Ich werde in den nächsten Tage mal andere Honigsorten, Invertzucker, Marmelade und ähnliches ausprobieren.

Vor zehn Tagen ist es dann endlich passiert. Sie sind in das kleine Ytong-Nest gezogen.
Nun habe ich Nesteinsicht !

Der Umzug war schon fast abgeschlossen, als ich von der Arbeit kam (meinen Beobachtungen nach ist Myrmica rubra besonders aktiv, wenn man selbst auf der Arbeit ist) und ich fühlte mich wie der Kerl, der zum ersten mal Feuer gemacht hat. (ich möchte glauben, dass es ein Kerl war. Wer reibt schon Stunden lang zwei Stöcken aneinander ohne zu wissen was passiert?)
Ich verzichtete darauf ins Nest zu schauen und eine Zählung vorzunehmen. Die Damen sollen sich erst einmal einleben, dachte ich und setzte mir eine Frist von zehn Tagen.
Für einen Anfänger in der Ameisenhaltung ist das Bewässern eines Nestes ein Buch mit sieben Siegeln und ich bin mir mittlerweile sicher, dass man sich Fragen dazu schon fast komplett sparen kann. In diesen zehn Tagen ist meine Kolonie zwei mal umgezogen, obwohl ich Temperatur und Bewässerungsmenge genau dokumentiert habe. Da hilft wohl nur ausprobieren und beobachten/dokumentieren.

Heute sind die zehn Tage rum und ich habe mal vorsichtig ins Nest geschaut und eine Zählung durch geführt. Leider bekomme ich mit meinem Handy keine verwertbaren Bilder von dem Nest hin, da stört die Plexiglasscheibe zu sehr. Ich bin aber dabei mir das nötige Equipment und Knowhow anzueignen und dann gibt`s auch wieder Bilder.

Meine Zählung ergab folgendes:
35 Arbeiterinnen (8 bis 10 mehr als bei Erhalt der Kolonie)
8 bis 10 Puppen in verschiedenen Stadien
15 bis 25 Larven (sehr schwer einzuschätzen da schlechte Einsicht)
ca. 30 Eier

Yo, jetzt sind meine Fragen zum Proteinbedarf restlos geklärt.
Nach meiner Rechnung werde ich diese Saison mit mindestens 80 Arbeiterinnen beenden und damit deutlich mehr als ich mir erhofft habe. Überhaupt scheint es den Mädels in meiner kleinen Anlage gut zu gehen. Das bleibt natürlich reine Vermutung, es sei denn, ich erwische sie Morgens in einem Kreis sitzend "If you happy and you know it clap your Hands" singend.
Sehr unwahrscheinlich aber mir gefällt der Gedanke....

Durch den Zuwachs an Arbeiterinnen machen meine Myrmica rubra immer mehr den Eindruck, einer richtige Ameisenkolonie. Furagiert wird eigentlich immer, Nahrung nur noch im Team eingetragen und meinen Finger attackieren sie auch entschlossen.
Kurz um: sie machen mir sehr viel Freude!

Das führt mich zu einer anderen Beobachtung.
Seit dem ich Ameisen halte, hat sich im meinem sozialen Umfeld ein auffälliger Wandel vollzogen. Anfänglich herrschte eine gewisse Skepsis meinem neuen Hobby gegenüber, danach folgte überraschend großes Interesse und nun hat sich bei Freunden, Arbeitskollegen und Verwandten eine gewisse Unsitte eingeschlichen.
Sobald mich einer aus der eben genannten Personengruppe erblickt, beginnt diese die Gesprächseröffnung mit einem Ameisenwitz.
Ihr kennt keine Ameisenwitze? Eben, die auch nicht. Also wird kurzerhand jeder Kalauer der Kategorie Schenkelklopfer eher stümperhaft auf Ameise getrimmt und mir vor die Füße geworfen.
Kurz gesagt: seit dem ich Ameisen halte fühle ich mich wie jemand mit dem Nachnamen Bums.

Was ist sonst noch so bei mir los ?
Zwei Lasius niger Gynen gründen im Moment in meinem Kleiderschrank und haben bereits ordentlich Eier gelegt. Ich sammelte beide beim letzten Schwarmflug ein, als ich sie in auswegloser Situation vorfand. Dauerhaft halten werde ich sie allerdings nicht. Lasius niger sind mir zu klein. Ich werde sie wohl die nächsten Tage im Forum anbieten oder ich bringe sie über den Winter und setzte sie dann aus. Sollte jemand Interesse haben, gebe ich sie zum Selbstkostenpreis (Versand-/Verpackungskosten) ab.
Außerdem habe ich mich dazu entschlossen eine weitere Kolonie zu halten. Es wird Camponotus cruentatus sein. Eigentlich hatte ich vor in den nächsten zwei Wochen die Anlage für sie aufzubauen und die Haltungsparameter dauerhaft zu realisieren. Anschließend sollte eine Kolonie mit 20 bis 30 Arbeiterinnen bestellt werden, um noch dieses Jahr mit der Haltung zu beginnen. Durch meine Verletzung bin ich aber derart in meiner Bewegung eingeschränkt, dass ich dieses Projekt wohl in die nächste Saison verschieben muss.
Naja, wir werden sehen.

So, das war es jetzt erst mal.

Recht herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit

Andre

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Re: Andres Erfahrungen mit Myrmica rubra

Beitragvon Bermuders » 24. September 2016, 23:31

Tag 100

Tag Zusammen

und herzlich willkommen bei einer weiteren Folge "Und ich so: hä?". Nun sind also die ersten einhundert Tage rum und seit meinem letzten Bericht hat sich eine Menge getan.

Das Bewässern des Ytong-Nestes hat sich als echte Herausforderung erwiesen und "bauliche Mängel" zu Tage gebracht. In den ersten zwei bis drei Wochen ist meine kleine Kolonie beinahe täglich umgezogen. Vom Ytong-Nest ins RG und einige Stunden später wieder aus dem RG ins Ytong-Nest. Grund dafür scheint der Wassertank zu sein, der in Form eines Grabens in die Oberseite des Ytongs gekratzt worden ist. Er liegt zu nah an den darunter liegenden Kammern.
Befüllte ich diesen Graben um mehr als die Hälfte wurde einige Minuten später mit dem Umzug begonnen. Also täglich äußerst maßvoll bewässern. An warmen Tagen auch zwei mal.
Dennoch wurde hin und wieder Larven und Puppen in das RG gebracht. Interessanter weise nur etwa ein Drittel der vorhandenen. Auch Nahrung wurde zu gleichen Teilen in das RG eingebracht. Ich kenne die genaue Definition von Zweignest nicht aber meinem Verständnis nach hat meine Kolonie das RG zu genau diesem erklärt.
Vor zwei Tagen war ich allerdings dazu gezwungen dieses zu räumen. Ich hatte kürzlich zwei tote Arbeiterinnen entdeckt und mich ein wenig gewundert. Bisher ist mir nur eine einzige Arbeiterin verstorben daher war ich doch mittelmäßig alarmiert. Einen Tag später lag eine weiter tote Arbeiterin direkt vor dem RG, eine andere direkt daneben lag offensichtlich im sterben. Die Haltungsparameter waren unverändert und nach kurzem grübeln blieb eigentlich nur eine Möglichkeit übrig. Also Alufolie vom RG gewickelt und aus Vermutung wurde glasklare Gewissheit. Der Tampon im RG war völlig verschimmelt.
Ich könnte mir in den Hintern beißen!
Das Ding lag schon drei Monate in der Arena und ich Dödel komme nicht auf die Idee, dass sich da Schimmel bilden kann!
Wenige Wochen nach dem ich meine Kolonie erhalten hatte, kaufte ich mir ein kleines Büchlein, dass ich mit "Haltungsfehler die du nie wieder machen wirst" beschriftete.
Es wurde ein neuer Eintrag fällig...

Wie in meinem letzten Beitrag angekündigt, habe ich ein wenig mit der Kohlehydratversorgung experimentiert. Zuckerwasser ignorieren sie weiterhin total, an Invertzucker habe ich mich nicht so richtig rann getraut. Ich bin nicht die hellste Leuchte in Chemie/Biologie und kann mit den Inhaltsstoffen nichts anfangen.
Fündig wurde ich dennoch: Langnese Wildblüten Honig!
Ich muss ihn jeden Tag frisch servieren (Honig/Wasser 40/60 Volumenverhältnis) aber dann stürzen sie sich wahrlich drauf.
Honigwasser.jpg

Bei Proteinen muss ich meine Aussage aus dem letzten Beitrag revidieren. Im Moment favorisieren sie kleine Steppengrillen aber ich denke hier ist eher Abwechslung der Schlüssel zum Erfolg. Weiterhin biete ich ausschließlich Futterinsekten aus dem Handel an, die ich sofort nach erhalt einfriere, auf ein zusätzliches überbrühen verzichte ich.

Zur Lichtempfindlichkeit von (meinen) Myrmica rubra kann ich nun auch ein wenig sagen. Am Anfang hatte ich (zusätzlich zur roten Folie) nur eine Hälfte des Nestes mit Pappe abgedeckt. Zwar verteilten sich die Arbeiterinnen nahezu im ganzen Nest aber Brut wurde nur hinter der Pappe aufbewahrt. Vor drei Wochen dunkelte ich auch den Rest des Nestes ab und siehe da, nun wird auch in diesem Teil Brut gelagert.
Nimmt man die rote Folie ab, entsteht zwar langsam aber sicher Unruhe aber ausgeprägte Panik kann man das nicht nennen.

Neulich konnte ich eine (für mich) äußerst interessante Beobachtung machen. Ihre Majestät ließ sich blicken! Dick ist sie geworden, dachte ich so vor mich hin als sie auf einmal aus dem Nest in den Verbindungsschlauch trat. Sie marschierte zielstrebig den Schlauch hinunter und blieb kurz vor dessen Ende stehen. Dann machte sie kehrt und setzte alle zwei, drei Zentimeter ihre Gasterspitze auf dem Schlauch ab und hinterließ dabei einen kleinen weißen Fleck.
Tropfen1.jpg

Dies konnte ich bisher zweimal beobachten. Sie scheint wohl eine "Duftspur" oder so ähnlich, gelegt zu haben, eine Veränderung im Verhalten der Arbeiterinnen konnte ich allerdings nicht beobachten. Falls mir ein geneigter Leser etwas dazu im Diskussionsbeitrag schreiben möchte, wäre ich sehr dankbar.

Vor einer Woche habe ich eine weitere Volkszählung durchgeführt.
Um mir die Zählerei etwas einfacher zu machen, hatte ich zwei Tage vorher auf Fütterung von Proteinen verzichtet und das Honigwasser nicht ausgetauscht.
Also dann, frisches Honigwasser und fünf kleine Heimchen rein.
Und mit dem was da aus dem Nest gestürmt kam, hatte ich wirklich nicht gerechnet.
Bild1.jpg

Ich konnte ziemlich genau 80 Arbeiterinnen zählen (+/-5). Wo kommen die denn auf einmal her ? Zudem gibt es 11 bis 14 Puppen, 20 bis 30 Larven und 20 bis 30 Eier.
Heute war meine Kolonie mal so freundlich etwa 80% der Larven/Puppen im Schlauch zu lagern.
Brut.jpg

Und damit soll ich sie in die Winterruhe schicken ?
Myrmica rubra soll ja am Ende der Sommerperiode selbstständig die Eierproduktion einstellen aber Pustekuchen. Das werden immer mehr!

Ich werde mit der Einwinterung noch bis Mitte Oktober warten und die fehlende Ruhezeit einfach hinten dran hängen, möchte nicht die ganze Brut riskieren. Über Eure Meinung und Ratschläge zu diesem Thema würde ich mich wirklich sehr freuen.
Ach, für die schlechten Fotos möchte ich mich entschuldigen. Irgendwie hab ich da kein Händchen für.

So, das war es fürs erste.

Recht herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit

Andre

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