Messor barbarus aus Sicht eines Halters

Diskussions- und Frageforum für bestehende Haltungserfahrungen.

Re: Messor barbarus aus Sicht eines Halters

Beitragvon Genetix » 25. März, 2017, 23:36

Hallo zusammen :)

Ich möchte hier auch mal meine Erfahrungen zum Thema Messor barbarus mit euch teilen.


Im Januar erhielt ich meine kleine Kolonie mit ca. 20 Ameisen, Brut war keine vorhanden, die Gyne wurde höchstwahrscheinlich gepusht, da schon 3 Majore und mehrere Media dabei waren. Als Formicarium dient eine Ameisenfarm/Arena Kombi von Anthouse.es.

Ich legte das Reagenzglas abgedunkelt in die Arena, die Ameisen fingen dann relativ schnell an sich in das Lehm-Sand-Gemisch einzugraben. Dort leben sie nun seit ca 3,5 Monaten und haben sich auf ca. 50 Ameisen vermehrt.

Die Tapsigkeit dieser Art kann ich nur bestätigen. Ich sehe sie schon öfters stolpern oder sehe von der Scheibe herunterfallen. Wenn man bei totaler Stille im Zimmer sitzt hört man auch ab und an eine Ameise fallen. Durch ihre Tollpatschigkeit habe ich sie aber erst so wirklich lieb gewonnen, sie wirken dadurch irgendwie so unbeholfen, obwohl das totale Gegenteil der Fall ist. Sie haben einen riesigen Körnerspeicher und könnten wohl einige Zeit ohne mich klar kommen, solange man eine alternative Wasserquelle anbietet.

Was mich in letzter Zeit nur etwas stört, ist ihre Empfindlichkeit. Die Arena steht auf einer Korkmatte auf einem Regal, welches an einer massiven tragenden Wand befestigt ist. Dennoch passiert es fast jeden Tag, dass ich eine Panik im Nest auslöse. Dazu reicht es schon wenn ich zu heftig auftrete, die Gartentür zu schnell aufmache (vermutlich der Luftdruck), etwas im Raum umfällt, die Liste ist lang. Und ich bin nicht gerade eine Person, die stampfend und Türen knallend durch ein Haus läuft. Ich mache mir dabei ernsthafte sorgen um die Gesundheit meiner Königin.

Wie sieht es bei euch aus? Sind eure Messor barbarus auch im sehr empfindlich?

Meinen Camponotus scheinen jegliche Vibrationen oder Lichteinfälle egal zu sein.


Gruß
Genetix
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Re: Messor barbarus aus Sicht eines Halters

Beitragvon Erne » 26. März, 2017, 11:29

Abgesehen davon wo die Raumtemperatur überhaupt liegt, lassen sich Messor barbarus auch bei etwas kühleren Temperaturen halten, richtig voran geht es damit nicht.

Graben, das scheint die Lieblingsbeschäftigung dieser Ameisen zu sein.
Alles was sie bewegen können, wird immer wieder umgestaltet.

Erschütterungen mögen sie nicht, was allerdings mit steigender Arbeiterinnenanzahl, reichlich nach lässt.
Das sie durch Erschütterungen Schaden nehmen, konnte ich nie beobachten.
So schnell wie die Hektik entstanden ist, legt sie sich auch wieder.

Grüße Wolfgang

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Re: Messor barbarus aus Sicht eines Halters

Beitragvon Diffeomorphismus » 28. März, 2017, 10:01

Moin,

ein weiterer Aspekt, der bei dieser Art/Gattung diskutiert werden sollte, ist das Thema "Futtertiere". Hierzu gibt es diverse Berichte: So sollen sich Kolonien auch ohne die Gabe tierischer Proteine ganz normal entwickeln. Ist das wirklich so? Anderswo wird sogar von einem vermehrten Arbeiterinnensterben berichtet, nachdem vermehrt tierische Proteine gefüttert wurde. Ich habe daher im letzten Jahr bei meiner Kolonie im zweiten Jahr, mit damals ca. 200+ Arbeiterinnen, über mehrere Wochen täglich so viele Heimchen gefüttert, wie angenommen wurden. (Diese wurden auch immer tatsächlich verwertet.) Erst nach gut zwei Wochen gab es einen Tag, an dem keine Futtertiere angenommen wurden. Insgesamt konnte ich keine negativen Auswirkungen feststellen. Ob es positive Auswirkungen gab, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Jedenfalls hatte ich das Gefühl, dass vermehrt Major-Arbeiterinnen aufgezogen wurden. Ob es hier wirklich einen Zusammenhang gab, lässt sich natürlich nicht sagen. Jedenfalls waren nach mehreren Wochen intensiver Fütterung mit tierischen Proteinen sogar einige Geschlechtstierlarven vorhanden, was ich bei der Koloniegröße schon recht überraschend fand. Aber auch hier lässt sich über einen Zusammenhang nur mutmaßen. Nach der Winterruhe waren diese Larven, im Gegensatz zu anderen Larven, die mit überwintert haben, auch verschwunden.

Wie sieht es mit euren Erfahrungen zu diesem Thema aus?

Liebe Grüße,
Diffeomorphismus

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Re: Messor barbarus aus Sicht eines Halters

Beitragvon trailandstreet » 28. März, 2017, 13:57

In diesem Zusammenhang fallen mir auch noch ein paar Gesichtspunkte ein.
Um das tatsächlich überprüfen zu können, müsste man ja einige Vergleichskolonien unter gleichen Bedingungen halten und nur eben unterschiedlich füttern, Arbeiterinnensterben kann auch andere Gründe haben.
Ich hab aber selbst auch schon unterschiedlichste Arten von Proteinen verfüttert und hatte auch keine sigifikanten Toten zu beklagen. Ab einer gewissen Koloniegröße hat man ja sowieso praktisch immer welche, egal wie gut es ihnen geht.
Dass vermehrt Majore gebildet werden klingt plausibel. Diese wiederum sind aber meist zuständig für das Knacken größerer Samen.
So kann man durchaus davon ausgehen, dass sich für so eine Messorkolonie ein immer größer werdende Nahrungspalette erschließt, je mehr sie wächst.
Andere Arten bilden aber extra große Majore aus, gerade um sich von großen oder harten Samen ernähren zu können, ohne Proteinreiche Nahrung zu vertilgen.

Aber wie gesagt, um so etwas zu belegen, müsste man es ermitteln. Immerhin werden ja nicht aller gleich gehalten, von daher sind schon mal große Unterschiede zu erwarten.

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Re: Messor barbarus aus Sicht eines Halters

Beitragvon Erne » 28. März, 2017, 18:26

Messor barbarus sterben nicht, wenn sie nur mit Körnern versorgt werden.
Allerdings geht es nur langsam voran, mitunter stagniert die Entwicklung.
Derart gehaltene Völker haben es bei mir nur auf geringen Zuwachs gebracht, mit anderen Worten, meine Geduld wurde mehr als strapaziert.
Arbeiterinnen blieben eher klein, die wirklich richtig Großen, gab es nicht.

Die Beobachtungen von Diffe mache ich auch, gibt es Insekten, in passender Größe und Tod, werden diese gerne angenommen und bei größeren Völkern in größerer Anzahl.
Sicherlich gibt es noch viele andere Faktoren, die es dieser Art ermöglichen, gut voran zu kommen, ohne Insektenfütterung konnte ich Derartiges nicht beobachten.
Ich sehe Körner als Kohlenhydratelieferant und als Reserven für insektenlose Zeiten.

Grüße Wolfgang

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Re: Messor barbarus aus Sicht eines Halters

Beitragvon Genetix » 29. April, 2017, 14:18

Nach ca. einem Monat melde ich mir hier mal wieder zu Wort.

Ich hatte damals berichtet, dass die Kolonie extrem empfindlich ist. Mittlerweile ist Kolonie auf gut 100 Tiere angewachsen (durch eine proteinreiche Ernährung) und ich kann sagen sie sind nun wesentlich entspannter. Zwar immer noch empfindlicher als andere Arten, aber eine Massenpanik habe ich schon lange nicht mehr ausgelöst.

Heute habe ich ihnen einen blühenden Löwenzahn in die Arena gestellt, es ist herrlich zu sehen wie beschäftigt die Kleinen damit sind.

Gruß
Genetix
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Re: Messor barbarus aus Sicht eines Halters

Beitragvon WardenOfTheNorth » 18. Juni, 2017, 18:58

Hallo zusammen,

ich bin mit meiner Kolonie im zweiten Jahr (habe mit einem Dutzend Arbeiterinnen begonnen) und die vierstellige Anzahl ist mittlerweile problemlos erreicht. Nach der Anfangsphase wirklich eine toll und leicht zu haltende Art, die einen immer wieder mit neuem Schabernak begeistert/verzweifelt. Daher will ich hier auch gerne mal meine Erfahrungen mit dazuwerfen.

Bei der Eiweißzugabe habe ich ähnliche Beobachtungen gemacht. Anfang des Jahres haben sie alles an Eiweiß genommen und dabei jede Menge Majore/Media ausgebildet. Sogar Geschlechtstiere sind mit einem dutzend Jungköniginnen aufgetaucht. Seit ich nun seit einigen Wochen kein Eiweiß mehr gebe, um das explosionsartige Wachstum nicht zu bestärken, haben sowohl große Arbeiterinnen stark abgenommen und neue Jungköniginnen gabs auch keine mehr.

Thema Glas Klettern: Seit die Arena durch dichtere Bevölkerung belebt wird, werden auch regelmäßig die Scheiben begangen und auch Parafinöl in der Lieblingsecke schnell trocken gelaufen. Runterplumpsen gehört aber auch zur Dauererscheinung.

Die größten Herausforderungen habe ich bei den Themen Tränke und Nestbau gehabt.

Tränke:
- Watte wurde schnell rausfriemelt
- Prinzip Kanarienvogeltränke wurde zugebaut und Kapilar leergesaugt
- Tränke mit Silicea-Gel geht gut, aber ist sehr Pflegebedürftig
- Dochttränke mögen sie manchmal nicht und manchmal ein wenig
Eine praktikable Tränke, die sich in eine natürliche Landschaft einpasst, habe ich noch nicht gefunden...

Nest:
Beim Nest habe ich auch noch nicht mein Ideal gefunden. Das anfängliche Ytongnest vom Händler konnten sie rausbeißen und sieht in der Wohnung auch nicht sonderlich schön aus. Eine Farm mit Sand-Lehm haben sie nahezu komplett leergeräumt, sie mögen graben auch einfach gern. Mein jetziges Nest ist ein Gipsblock+Plexiglas in einer verschließbare Holzkiste eingegossen. Bisher hab ich diesen Ansatz kaum gesehen, aber mir gefiel der Aspekt, dass sie das Holz als letzte Barriere hätten (hoffe ich...Erfahrungen?) und man so eine Holzkiste schön im Regal stehen lassen kann. Allerdings haben sie sich mittlerweile teilweise wirklich zwischen Plexiglas und Gips bis zum Holz durchgequetscht (und dabei Aquariensilikon abgelaufen/gebissen) und sie expandieren schnell weiter. Befeuchten tue ich mittlerweile auch nicht mehr, was sie bisher nicht zu stören scheint. Was habt ihr als eure Optimale Nestform bei dieser Koloniegröße für euch gefunden?

Gruß

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