Mehlwurmzucht leicht gemacht

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Mehlwurmzucht leicht gemacht

Beitragvon Unkerich » 14. Mai, 2017, 01:51

Sie sind leicht und ohne viel Aufwand zu züchten, außerdem bieten sie die Möglichkeit mit nur einer Zucht im Prinzip drei verschiedene Futtertiere zur Verfügung zu haben: Die Larven, die Puppen und die Käfer.

Die Rede ist von Tenebrio molitor, dem Mehlkäfer, am bekanntesten unter dem Namen "Mehlwurm".

Die Zucht der Mehlkäfer ist recht leicht zu bewerkstelligen und auch recht produktiv.

Ich möchte hier im folgenden beschreiben, wie ich Mehlwürmer erfolgreich halte und vermehre, und hoffe damit Anderen die Mehlwurmzucht zu erleichtern.
Es handelt sich hier nur um meine Vorgehensweise, um Mehlwürmer in kleineren Mengen zu züchten.


Benötigt wird:

• Ein glattwandiges Gefäß, wie zum Beispiel ein Eimer oder eine Wanne
• Haferflocken oder Weizenkleie
• Ein paar Eierkartons
• Eine Packung Mehlwürmer


Als erstes wird das Gefäß einige Zentimeter hoch mit Haferflocken, Weizenkleie oder ähnlichem gefüllt.
Nun können einige Eierkartonsstücke zum klettern und verstecken für die Käfer hineingelegt werden.

Jetzt fehlt nurnoch eins: die Mehlwürmer.
Hierzu kann man einfach eine ganz normale handelsübliche Box Mehlwürmer in das Becken schütten.

Ein Deckel ist in der Regel nicht nötig, da Mehlkäfer zwar Flügel besitzen, davon aber nur äußerst selten und nur bei hohen Temperaturen Gebrauch machen. Wer dennoch sicher gehen möchte, kann den Behälter aber natürlich dennoch mit einem luftdurchlässigen (!) Deckel ausbruchssicher machen.

Als Pflegemaßnahmen sollte man ein bis zweimal in der Woche ein wenig Obst oder Gemüse, wie beispielsweise Apfel oder Gurke, zur Wasserversorgung anbieten.
Auch altes, getrocknetes Brot oder Brötchen können angeboten werden.

Bei sehr vielen Mehlwürmern in einer verhältnismäßig kleinen Box kann es sinnvoll sein, die verpuppten Tiere heraus zu sammeln, und erst nach der vollständigen Entwicklung zum Käfer wieder zurück zu setzen, da die Puppen bei beengten Verhältnissen sonst gerne von den Larven angefressen werden.
Bei ausreichend großen Boxen und nicht zu hohem Besatz ist dies aber in der Regel nicht nötig.

Wird der Zuchtbehälter nun bei etwa 22-25 °C aufgestellt, kann man schon bald die ersten kleinen Mehlwürmer (meist unter dem Substrat, am Boden des Behälters) entdecken.

Möchte man seine Mehlwürmer immer nach Größe sortiert haben, kann man die Mehlwurm-Puppen aus dem Larven Behälter entnehmen und in einem anderen Gefäß zu Käfern entwickeln lassen.
Wenn nach etwa zwei bis drei Wochen die ersten, noch winzig kleinen Mehlwürmer im Substrat zu erkennen sind, kann man nun das Substrat der Käfer zum ersten Mal mit einem Sieb sieben, und erhält nun die noch jungen, frisch geschlüpften und damit sehr kleinen Mehlwürmer, die nun seperat aufgezogen werden können.
Führt man dies in regelmäßigen Abständen durch, so hat man die Mehlwürmer immer schön nach Größe sortiert zur Verfügung.

Viel Erfolg mit der Mehlwurmzucht!
Dateianhänge
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Der Boden eines gemischten Zuchtbehälters nach etwa zwei Monaten
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Ein kleiner Zuchtbehälter
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Seltene Beobachtung: ein Mehlkäfer zeigt seine Flügel
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Larve ("Mehlwurm")
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Puppe
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Adulter Mehlkäfer

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Re: Mehlwurmzucht leicht gemacht

Beitragvon Maddio » 6. August, 2017, 14:57

Mit der freundlichen Zustimmung von Unkerich möchte ich hier kurz und anschaulich über meine Mehlkäferzucht berichten. Sein Bericht und ebenso der von Sir Joe (Mehlkäfer züchten), haben mich motiviert, es auch mal mit der Zucht dieser vielseitigen Futterinsekten zu versuchen.

Ich nutze Mehlkäfer und ihre verschiedenen Stadien schon seit vielen Jahren zur Versorgung meiner Ameisenkolonien. Besonders zu schätzen weiß ich die Ergiebigkeit (Preis/Leistung) und die Unkompliziertheit der Mehlkäfer in der Haltung.

Diese Saison habe ich zum ersten Mal erfolgreich eigene Mehlkäferlarven herangezogen, was ich vorher nie wirklich probiert habe.

Zu Beginn habe ich mir im Zoohandel gleich zwei Schälchen voll mit kleinen Mehlwürmern besorgt. Zunächst hatte ich sie in einer recht kleinen Plastikbox gehalten, aber das war auf Dauer kein Zustand, und so habe ich zwei große Plastikboxen aus dem Baumarkt dazugenommen. Als Substrat und als Futter habe ich Vollkorngetreideflocken genommen, so hat das ganze dann nach einigen Wochen und dem ersten Aussieben ausgesehen:

Mehlkäferlarven.jpg


Irgendwo hier im Forum habe ich gelesen, dass Mehlwürmer keine zusätzliche Feuchtigkeit brauchen, sondern alles an nötiger Feuchtigkeit aus dem Futter ziehen. Ich habe ausschließlich Vollkorngetreideflocken verfüttert, und bin zum Zuchterfolg gekommen, auch für die Eiablage wurde anscheinend keine Feuchtigkeit zwingend benötigt. Aber, wie man in beiden Berichten sehen kann, nehmen die Tiere sehr gerne mal ein Stück Kartoffel, so dass ich in Zukunft schauen werde, auch diese gelegentlich anzubieten. Schaden kann es sicherlich nicht.

Nachdem die ersten Larven sich dann verpuppt haben, habe ich diese abgesammelt und in einer Übergangsbox, ohne Substrat, zwischengelagert. Die wenige Wochen später geschlüpften Käfer habe ich dann in eine kleine, hochwandige Plastikbox gegeben, den eigentlichen Zuchtbehälter. Ein paar Verstecke gibt es auch, aus Pappkarton.

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Den Käfern auf den (aktuellen) Fotos sind schon welche vorhergegangen, vor mehreren Monaten hatte ich den Zuchtbehälter schonmal besetzt. Diese Käfer waren fast alle bereits tot. Als ich diese entfernt hatte, habe ich das Substrat vorsichtig durchkämmt, und ich dachte schon, die Zucht war ein Misserfolg. Doch plötzlich hat es hier und dort im Substrat geraschelt, und siehe da, viele winzige Käferlarven :D. Ich habe den Behälter dann nochmal mit einigen Käfern besetzt, wie auf den Fotos zu sehen, so dass noch mehr Eier gelegt werden und ich bald das Substrat in einen der großen Behälter geben kann, um dann dort wiederum die Larven groß zu ziehen, und der Kreislauf beginnt von vorne :).

Ich habe immer mal wieder beim Sieben des Substrats der großen Boxen "geerntet" und viele Mehlwürmer abgeschöpft und direkt eingefroren, so dass ich immer einen schönen Vorrat zum Verfüttern habe. Nun sind die beiden großen Behälter leer, hier seht ihr meine letzte "Ernte", gestern abgesammelt (bzw. gesiebt) und dann direkt eingefroren:

IMG_20170805_143540269.jpg

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Auf den Fotos seht ihr auch, was passiert, wenn man die verschiedenen Stadien zusammen in einem Behälter lässt: Sie fressen sich gegenseitig an. Manche der Käfer haben Beschädigungen, vermutlich wurden sie als Puppe angefressen. Das lässt sich leicht vermeiden, indem man regelmäßig aussortiert, aber vor dieser letzten "Ernte" bin ich nicht dazu gekommen :(.

Heute habe ich dann gleich welche verfüttert, und siehe da, es schmeckt den Ameisen :):

Cvagus.jpg
Camponotus vagus

Ffusca.jpg
Formica fusca


Lflavus.jpg
Lasius flavus

Lflavus2.jpg
Lasius flavus


LG Maddio

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