HB Camponotus nicobarensis

Erfahrungen in der Haltung exotischer Ameisen.

HB Camponotus nicobarensis

Beitragvon Joe1x89 » 12. November, 2017, 17:20

Hallo zusammen,
vor kurzem bin ich in die Ameisenhaltung eingestiegen. Schon oft hatte ich mit einer eigenen Ameisenkolonie geliebäugelt – dieses Jahr habe ich das Projekt nun endlich angepackt.
Ich hoffe hier durch die Erfahrung und die Kritik der Forummitglieder zu profitieren und den Einstieg mit einer kleineren Kolonie zu meistern.
Vor zwei Wochen, am 27.11.2017, kam meine Bestellung…
Camponotus nicobarensis
2 Gynen
25 Arbeiterinnen
1 kleines Paket Eier (ca.4-8 Stk)
1 Paket Springschwänze, 1 Paket weisse Asseln
Die Entscheidung mit einer exotischen Art anzufangen ist mit nicht leicht gefallen – besonders als blutiger Anfänger möchte man sich ja nicht gleich überfordern. Ich hatte mich durch einige Haltungsberichte, sowie Ernes Bericht auf Ameiseninfo.de „schlau“ gelesen und schlussendlich überzeugte mich die oft als „Anfängerart bei den Exoten“ beschriebene Ameise.
Natürlich wusste ich um das schnelle Wachstum – ganz in meinem Sinne. Ich wollte mir große Umbauten und Erweiterungen am Formicarium ersparen und bastelte mir eine Anlage, die m.E. der Endgröße entsprechen sollte.
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Arena:
Umgebautes Aquarium (b/t/h:80x30x40)
Gefüllt mit Wald-Terrariumbodensubstrat, sowie „gebackenen“ Tannennadeln aus dem nahe gelegenen Wald – insgesamt nur max. 2 cm Bodendeckung.
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23-24 °C Lufttemperatur im unteren Viertel der Arena erreiche ich durch eine unter dem Aquarium angebrachten 25W-Heizmatte (50x25cm)– das Thermostat ohne Nacht/Tag-Absenkung befindet sich ebenfalls am Beckenboden in der Arena. Bedingt durch die Temperatur im Wohnzimmer, die ich Nachts abfallen lasse, hat man trotzdem ein leichtes Temperaturgefälle (ca.2°C) in den Nachtstunden.
Beleuchtet wird die Anlage über ein LED-Band. Da das Formicarium aber nah am Fenster steht, ist dieses eigentlich eher aus optischen Gründen am Deckel installiert.
Den Deckel habe ich aus Hobbyglas selber zusammengesägt und auf weißen PVC-Winkeln am Aquarium abgelegt. Der weiße Winkel erfüllt auch den Zweck der Ausbruchsicherung. Dort konnte ich das Talkum auftragen, ohne dass das Geschmiere von Außen die Sicht auf die Arena betrübt. Zur Belüftung und Klimaregulierung habe ich in den Deckel mehrere große Löcher gesägt, diese mit Edelstahlgaze ausbruchsicher gemacht. Mit den übriggebliebenen runden Säge-Ausschnitten kann ich die Löcher bei Bedarf schließen um eine gewisse Luftfeuchtigkeit einzustellen.
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Die erste Woche hatte ich leider eine Luftfeuchtigkeit von 80 LF, bedingt durch feuchtes Bodenmaterial. Aktuell ist die Luftfeuchtigkeit bei ca. 50 LF – teilweise sinkt diese bis auf 45 LF ab, diese versuche ich dann mit Wasserzugabe nach oben zu korrigieren. Da die Camponotus nicobarensis trocken gehalten werden können, mache ich mir bei diesen Werten noch keine Sorgen. Über eine mit Wattepads gesichterten Vogeltränke ist jederzeit der Zugang zu Wasser gewährleistet.
Zur Bepflanzung hatte ich zu Anfang Eibensetzlinge aus dem Garten eingepflanzt – diese habe ich aber aus der Arena entfernt. Das Gießen beeinflusste zu stark die LF. Außerdem wollte ich gerade zu Anfang eine bessere Übersicht. Deswegen mussten diese weichen.
Über einen „gebackenen“ Thuja-Holzstamm in der Mitte des Beckens sollen die Ameisen in Zukunft in den externen Nestblock gelangen.
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Nestblock:
Umgebautes Aquarium (b/t/h: 60x30x40) hochkant aufgestellt, auf Rollwagen fixiert um ein Umsetzen oder kleines Versetzen zu vereinfachen.
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4 Seiten sind von Innen mit einer MDF-Konstruktion (2 cm stark) beklebt und ergeben die einzelnen Kammern – ich hoffe, das auf Grund der Größe des Nestblocks die Erweiterungsarbeiten der Kolonie in Grenzen gehalten wird. Nach Innen sind die Kammern mit beschichtetem Metallblech verschlossen. Damit das Holz atmen kann, gibt es auf jeder Seite des Aquariums mit Edelstahl-Gaze gesicherte Lüftungslöcher in die Kammern.
Eine Temperatur von 25-28°C erreiche ich thermostatgesteuert über einen 25W-Keramikstrahler im E27-Gewinde, der im Inneren des Aquariums die Aussenwände anstrahlt. Analog zur Arena habe ich auch hier keine Tag/Nacht-Absenkung…aber die natürlichen Schwankungen durch die Umgebungstemperatur im Wohnzimmer.
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Insgesamt habe ich somit eine waagerechte Nistfläche von 30x40cm, sowie 3 senkrechte Bereiche mit jeweils 60x40 cm. Die drei senkrechten Platten kann ich nach Bedarf nachträglich über ½-Zoll Schläuche (Innendurchmesser 12 mm) anbinden – Zum einen würde sich die am Anfang sehr kleine Kolonie in dem großen Block verlieren – zum Anderen würde ich gerne ein anfängliches Zumüllen der Anlage verhindern.
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Bewässern kann ich die Anlage über einen kleinen Schlauch im oberen Teil. Leider funktioniert das eingearbeitete Hygrometer nicht richtig (hoffe ich zumindest – eventuell auf Grund von fehlender Luftzirkulation in der Kammer). Ansonsten hätte ich 80 LF im Nest. Das könnte wiederrum daran liegen, dass die MDF-Platten vorher im etwas feuchteren Keller gelagert waren.

So das wärs erstmal mit dem Einstiegs-Thread…ich hoffe gegen keine Forumregeln verstoßen zu haben und ehrlich gemeinte Kritik zu erhalten. Im Anschluss werde ich parallel einen Diskusionsthread starten.

MfG
Joe

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HB Camponotus nicobarensis

Beitragvon Joe1x89 » 12. November, 2017, 17:25

#1

Da ich mich erst jetzt dazu entschieden habe einen Haltungsbericht zu schreiben, muss ich die letzten zwei Wochen zusammenfassen:
Die Lieferung kam gut verpackt an. Das Zählen durch das teilweise sehr verdreckte Reagenzglas war nicht so einfach: nach mehreren Versuchen landete ich bei 2 Gynen, 25 Arbeiterinnen und einem kleinen Ei-Paket. Ich hätte mir die Arbeiterinnen größer vorgestellt – aber es könnte auch daran liegen, dass es sich zum größten Teil um Pygmäen handelt.
Ich legte das Reagenzglas mit Alufolie bedeckt in die Arena. Nach gut 2 Minuten wurde die Arena mit 5 Arbeiterinnen erkundet. Am Abend fütterte ich im Garten frisch erbeutete Mücken, die auch ziemlich schnell mit 5-6 Arbeiterinnen ins Reagenzglas transportiert wurden.
Dabei wurde ich Zeuge vom Rekrutieren. Sehr interessant dabei zuzuschauen wie die Ameisen in einer Art Polonaise zur Futterstelle wanderten um die Beute gemeinschaftlich in Augenschein zu nehmen und anschließend ins Nest zu bringen.

Als ich am nächsten Tag von der Arbeit kam, erwischte ich eine der beiden Gynen wie sie durch die Arena lief. Ich dachte mir direkt, dass es sich um einen Umzug handeln würde. Leider nicht in den vorbereiteten Nestblock, sondern in eine Aufhäufung von Lavamulch und Terrariumboden.
Das gefiel mir natürlich gar nicht. So wurde mir der Einblick in das Nest genommen…Ich hatte Sorge das sie dort für längere Zeit Aufenthalt finden. Den schnellen Umzug aus dem Reagenzglas begründete ich mit der doch recht hohen Bodentemperatur in der Arena – fast 29°C. Hierzu hätte ich auch noch eine Frage – dazu am Ende des Threads.
Kurzerhand bastelte ich ein „provisorisches“ Nest aus einer Plastikdose und Panzerband, gefüllt mit Lavamulch und Bodengrund, direkt in die Arena gestellt. Dieses wurde nach ein paar Tagen angenommen und ich konnte in Ruhe das ehemalige Erdnest entfernen, bzw. Bodengrund abtragen damit der Graben ein Ende findet.
Bis heute halten Sie sich in diesem Provisorium auf. Sehr unübersichtlich und von außen nur schwer einsehbar. Deswegen gibt es auch vorerst leider keine Fotos der Kolonie.
In den zwei Wochen versuchte ich einiges an proteinreichem Futter.
Gut genommen wurden:
- Frische tote Mücken (werden eingetragen)
- Tote Weberknechte (zum Teil eingetragen)
- Am Katzenfutter wird direkt Vor-Ort gegessen
- Fliegenmaden werden nur genommen solange sie frisch getötet wurden
- Tote Fliege
- Totes Heimchen
- Toter frisch gehäuteter Mehlwurm
Ihrem aktuellen Geschmack entsprechen eher weniger:
- Tote Wespe wurde komplett liegen gelassen
Was mir beim Rekrutieren aufgefallen ist: Zum Teil kamen bis zu 8 Arbeiterinnen zu einer Fundstelle gelaufen, in Reih und Glied. Dann wurde entsprechendes Futter gesichert und zum guten Schluss blieb nur ein Bruchteil der Arbeiterinnen an Ort und Stelle und fing an die Futtertiere zu bearbeiten. Wird im Kollektiv entschieden ob die Fundstücke verwertet werden oder schlägt die „Sucherameise“ generell erstmal Alarm und rekrutiert – unabhängig von den Fundstücken? Genügend Futter war auf jeden Fall zu jedem Zeitpunkt vorhanden.
Mehr Probleme bereitete mir die Kohlehydratversorgung. Honig, ob 50:50 verdünnt oder pur als Tropfen in der Arena wurde links liegen gelassen. Zuckerwasser (50:50) und Zucker pur ebenfalls. Erst nach 1 ½ Wochen konnte ich die Kolonie mit selbst zubereitetem Invertzucker von der Kohlehydrataufnahme überzeugen. Zusammengesetzt aus 500g Bio-Zucker, 280g Wasser, 60 ml Zitronensaft und 5 g Natron – entsprechende Anleitungen gibt es zu Hauf im Netz. Bei Bedarf schreibe meine Variante gerne nochmal ausführlich auf.
Bis jetzt habe ich überall gelesen, dass diese Art mit Zuckerwasser zufrieden zu stellen ist. Ob im Kronkorken oder in der Vogeltränke, als Tropfen auf dem Objektträger oder aufgesaugt am Ohropax – nirgends wurde es angenommen. Eventuell kann mir dort auch nochmal unter die Arme gegriffen werden und es hat jemand eine Idee, was ich nicht ganz richtig mache. Ich wäre sehr dankbar.

Natürlich befinde ich mich noch ganz am Anfang, aber gerade da die Anfangsphase der Gründung durch Haltungsfehler kann ich der Kolonie großen Schaden bereiten – das möchte ich gerne verhindern. Zusammengefasst ergeben sich aktuell folgende Fragen:
- Temperatur in der Arena. Wie bereits beschrieben habe ich im unteren Viertel eine Lufttemperatur von 23-24°C. Gemessen mit meinem externen Thermometer habe ich aber eine Bodentemperatur von 29°C. Ich meine festgestellt zu haben, dass die Camponotus ungern über so aufgeheizten Boden laufen. Sollte ich die Heizmatte herunterregeln? Ist die Temperatur der Arena (aktuell auch inkl. Nest) eventuell zu hoch?
- Hat jemand Verbesserungsvorschläge oder Ideen wieso die Kohlehydratversorgung so schleppend läuft? Bin ich zu ungeduldig und der Bedarf einer 25(+2) starken Kolonie ist eher als gering einzuschätzen?
- Ich bin am überlegen ob ich eventuell eine dritte Königin in die Kolonie integrieren möchte – Es sollte bei den Camponotus nicobarensis möglich sein. Da die Erfolgschancen einer solchen Zusammenführung bei kleineren Kolonien aber größer ist, müsste ich mich zeitnah dazu entscheiden. Hat jemand Erfahrung damit? Kaufen würde ich eine zweite kleine Kolonie (1Gyne+4-10 Arbeiterinnen).
- Wie kann ich den externen Nestblock (angeschlossen über ca. 1,5m 12mm Schlauch) attraktiver gestalten? Gefüttert wird fast ausschließlich vor dem Schlaucheingang – bis jetzt habe ich erst einmal eine Ameise im Inneren gesichtet.
Sollten solche Fragen eher an einem anderen Teil des Forums gestellt werden – so bitte ich um Mitteilung. Vielen Dank.
In Zukunft werden die Haltungsberichte natürlich mit mehr Bildmaterial ausgekleidet ;)
MfG

Den Diskussionsthread findet ihr hier:
https://www.ameisenforum.de/diskussionsthread-hb-camponotus-nicobarensis-t57301.html

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