Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Unterfamilie: Formicinae
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Chris Quinn
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#25 Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitrag von Chris Quinn » 17. August 2017, 13:58

7. 8. ff
Die Tiere sind deutlich weniger aktiv geworden. Auch habe ich beobachtet, da√ü Proteine nicht mehr so wichtig genommen werden. Daher vermutet ich, da√ü sich die Ameisen langsam auf die Winterruhe vorbereiten, denn Lasius niger √ľberwintert nur mit Larven, soda√ü anzunehmen ist, da√ü vor der Winterruhe Proteine, die f√ľr die Larvenentwicklung wichtig sind, weniger ben√∂tigt werden. Da w√§re es nicht ein ganz so gro√üer Verlust, da√ü mir mein Glas mit den gefangenen Futterinsekten aus dem Tiefk√ľhlfach gefallen ist.
Selbstverst√§ndlich ist es zerbrochen und ordentlich geschnitten habe ich mich auch: √ľberall tote Insekten und Blut - lasciatemi morir!

Sollte sich meine Vermutung bewahrheiten, finde ich ihr Verhalten verfr√ľht. Es k√∂nnte dann daran liegen, da√ü der Sommer hier eher k√ľhl war. Vielleicht t√§usche ich mich auch einfach.
√úbrigens habe ich noch einmal mein selbstgebasteltes Heizelement angeboten -> nothing, nix, nada, zero, zilch, niente, air, a black hole, bupkis.

Es ist mir bisher nicht zufriedenstellend gelungen die Verweildauer der Ameisen an Futter mit Hilfe des Computer automatisch zu ermitteln: mir machen die schlechten Lichtverh√§ltnisse und nat√ľrlich meine Einfallslosigkeit zu schaffen.

Es gibt neue Bilder aus den Nestern. Genauer gesagt: wieder nur aus dem älteren Nest, weil die Arbeiterinnen die Oberseite des Reagenzglases mit einer Schmutzschicht bedeckt haben, durch die praktisch nichts zu erkennen ist.
W√§hrend des Aufnehmens ist mir aufgefallen, da√ü die Ameisen sich schnell wieder beruhigen, nachdem der Lichtschutz entfernt wurde. Tats√§chlich gen√ľgte es schon, da√ü etwas Schattenauf den Nestbereich f√§llt, um den Tieren sichtlich Sicherheit zu geben.

Welche schöne, elegante Tiere
Welche schöne, elegante Tiere


Ob die erste Pygmäe noch irgendwo dazwischen lebt?
Ob die erste Pygmäe noch irgendwo dazwischen lebt?


Auch wenn es die Bilder vielleicht nicht hergeben, so hat sich die Anzahl der Arbeiterinnen deutlich erh√∂ht. Ich w√ľnschte mir fiele eine Methode ein, um ihre Anzahl leicht zu bestimmen. Es sind noch immer viele Puppen zu sehen, aber dieses Mal kaum Eier oder Larven. Dies spricht f√ľr die Vermutung hinsichtlich der Winterruhe. Trotz der ruhigen Phase, in der sich die Kolonien gerade befinden, scheint es klar, da√ü sie sich gut entwickelt haben. Hoffentlich werden alle Puppen noch schl√ľpfen.

Die Puppen lagern auch nicht mehr direkt an der Watte - Zufall oder nicht?
Nach den Überlegungen der letzten Wochen habe ich nämlich die Befeuchtung der äußeren Watte eingestellt, da Puppen es einerseits eher trocken mögen und sie durch die Feuchtigkeit vielleicht in ihrer Entwicklung behindert werden könnten. Wenn irgendetwas an diesem Gedankengang richtig ist, dann wäre zu erwarten gewesen, daß die Puppen an Ort und Stelle auf der Innenseite der Watte bleiben. Daß sie bewegt wurden, deutet also eher darauf hin, daß die leichte Befeuchtung der Watte als förderlich angesehen wurde. Andererseits sollten die Tiere endlich merken, daß das Wasserreservoir nur noch in ihrer Fantasie existiert und sie endlich umziehen sollen.

Ich hatte in vielen Haltungsberichten davon gelesen, da√ü Ameisen ihren M√ľll in der Arena abladen, welche die Halter deshalb reinigen. Bis jetzt habe ich mich immer gefragt, wie meine das regeln, denn nie waren mir M√ľllansammlungen aufgefallen. Nun konnte ich das erste Mal beobachten, da√ü eine Arbeiterin etwas M√ľll entsorgt hat, soda√ü ich jetzt wei√ü, wonach ich Ausschau halten mu√ü. Sicher ist schon einmal, da√ü sie exzellente Futterverwerter sind, denn von den Futtertieren bleibt nicht mehr als kleine Schnipsel √ľbrig. Puppenkokons oder tote Arbeiterinnen habe ich aber immer nicht gefunden.

Aller Beharrlichkeit ameisenseits zum Trotz muß das alte Nest vor der Winterruhe umziehen. Daher werde ich in den kommenden Tagen Versuche unternehmen, um ihnen das neue Nest schmackhaft zu machen und das alte zu verleiden. Ich glaube, ich weiß schon, wer es länger aushält...

Chris Quinn
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#26 Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitrag von Chris Quinn » 23. August 2017, 19:34

17. 8. ff
Der erste Schritt, um die Ameisen zum Umzug zu bringen, war den Lichtschutz zu entfernen. Davon sind die Ameisen völlig unbeeindruckt geblieben, vielleicht auch deshalb, weil das Formikarium in einem eher dunklem Regalfach steht. Der nächste Schritt wird sein, das Nest zu beleuchten.

Aber: ich habe bemerkt, da√ü ich nun jedenfalls das erste Mal vern√ľnftig das Innenleben des Nestes beobachten kann! Das hat mir auch schon viel Freude bereitet.

Beispielweise waren die Arbeiterinnen in der ersten Nacht ständig mit den Puppen beschäftigt. Es gab aber auch welche, die minutenlang scheinbar ohne jede Tätigkeit sind.

Ich hatte mich ja gewundert, ob die Tatsache, daß die Puppen beim letzten Blick ins Nest nicht an der Innenseite der äußeren Watte lagen, etwas mit meiner Befeuchtung der Watte zu tun hätte.
Nach den Beobachtungen der letzten Tage tendiere ich dazu, daß dies nicht sehr davon abgehangen hat, weil ich nun weiß, daß die Puppen oft zu verschiedenen Stellen des Nestes bewegt werden. Obwohl anzumerken ist, daß ich seit Einstellung der Befeuchtung nie mehr Puppen an der äußeren Watte gesehen habe.

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Fleissige Arbeiterinnen
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Die Aufnahmen zeigen, daß die Arbeiterinnen versuchen die Puppen an der inneren Watte zu lagern, wozu sie sie auch in die Höhe stapeln, jedoch kollabiert der Haufen regelmäßig und die Arbeit beginnt von neuem.
Dieses Verhalten gef√§llt mir nicht sonderlich, ich w√ľ√üte aber nicht, wie ich eingreifen k√∂nnte.

Es sieht manchmal sogar so aus, als ob Uneinigkeit zwischen den Arbeiterinnen herrscht, wo eine Puppe hingehört. Es kommt auch vor, daß zwei Arbeiterinnen eine Puppe gleichzeitig in unterschiedliche Richtungen zerren.

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Uneinigkeit
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Am n√§chsten Tag bin ich auf die Idee gekommen, doch einmal zu beobachten, was im Nest los ist, wenn Proteine, in diesem Fall Fruchtfliegen, gef√ľttert werden, weil dieses Futter eigentlich immer erh√∂hte Au√üenaktivit√§t bewirkt hat. Da meiner Beobachtung nach aber das Interesse daran etwas nachgelassen hatte, wu√üte ich nicht, was zu erwarten war. Au√üerdem finde ich die Arbeiterinnen immer so niedlich, wenn sie stolz ihre kleine Beute ins Nest tragen.

Es war interessant. Die Fruchtfliegen, so weit ich es erkennen konnte, werden nicht direkt in den Glaskörper des Nest transportiert, sondern scheinbar am Ende des Strohhalms in Empfang genommen und dort "bearbeitet", da sich dort viele Arbeiterinnen konzentrierten. Aber es könnte auch eine durch die Aufnahmequalität bedingte Täuschung sein.

F√ľr mich ein Highlight war, da√ü sich auch die K√∂nigin gezeigt hat. Die K√∂nigin verbirgt sich n√§mlich meist in der braunen Watte und ist praktisch unsichtbar, wie die Bilder dieses HBs stets bewiesen haben. Insofern, k√∂nnte man sagen, hat dieses Futter auch eine besondere Nestaktivit√§t hervorgerufen.

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Tusch!
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Ich w√ľ√üte gerne, ob es Zufall war, da√ü sie erschien als es dieses Futter gab. Sie sa√ü mehr oder weniger reglos im Nest. Manche Aufnahmen lassen mich vermuten, da√ü sie sich auch f√ľttern lie√ü.

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F√ľtterung?
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Ob sie wohl auch Eier gelegt hat, währed sie so dasaß? Ich weiß nicht, wie das aussieht. Sie saß jedenfalls die ganze Nacht sichtbar im Nest, während die Arbeiterinnen in dieser Nacht nicht Puppen umgelegt haben, sondern mit "irgendetwas" am Strohhalmende beschäftigt waren.

Wegen des interessanten Verhaltens habe ich dann am Abend danach gleich nocheinmal Proteine gef√ľttert, die wieder gut angenommen wurden. Auch die K√∂nigin hat sich wieder gezeigt. Ob die K√∂nigin wegen der Proteine aktiver war, kann man freilich nicht sagen.

Schlie√ülich habe ich tags√ľber alle 30 Minuten ein Bild schie√üen lassen, die ich nicht vorenthalten m√∂chte, wenn sie auch nicht sonderlich aufschlu√üreuch sind und leider sind sie selbst f√ľr meine Verh√§ltnisse von bescheidener Qualit√§t, da ich eine andere Vergr√∂√üerung eingestellt hatte, weshalb sie etwas unscharf geworden sind. Dabei zeigte sich, da√ü die K√∂nigin an den Tagen, an den nachts zuvor Proteine gef√ľttert wurden, wieder zeigte, aber nach den N√§chten ohne Proteine sich nicht zeigte. Immerhin: wenn ich einfach davon ausgehe, da√ü die K√∂nigin sich mit 50% Wahrscheinlichkeit w√§hrend eines Tages zeigt, dann betr√§gt die Wahrscheinlichkeit, da√ü sie sich w√§hrend 4 Tagen zuf√§llig an genau den beiden Tagen zeigt, wann Proteine gef√ľttert wurden, 6,25% - das ist schon fast signifikant ;-)

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Chris Quinn
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#27 Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitrag von Chris Quinn » 1. Oktober 2017, 16:13

23. 8. ff Meine Beobachtung, da√ü Proteine weniger genommen werden, hat sich nicht wiederholt. Vielmehr scheinen meine Ameisen wieder gro√üen Appetit darauf zu haben. Sehr gerne fressen sie M√ľcken, an denen es zur Zeit bei mir keinen Mangel gibt und die ich nicht v√∂llig gleichm√ľtig erschlage. Daher gibt es in der letzten Zeit fast t√§glich 1-2 M√ľckentiere, von denen bisher keins verschm√§ht wurde. Also war es wohl nur eine Phase, in der Proteine weniger wichtig waren.

Der Umzug hat noch nicht stattgefunden, die Entfernung des Lichtschutzes hat so gut wie keine Reaktion hervorgerufen. Da ich in der letzten Zeit sehr besch√§ftigt bin, aber den Umzug gerne beobachten m√∂chte, habe ich mich nicht weiter darum gek√ľmmert. Demn√§chst wird mit Vergr√§mungsstufe II begonnen: ins Nest leuchten. Sollte es n√∂tig sein, werde ich die Situation bis zur Entfernung des Nestverschlusses eskalieren lassen.

Die Beleuchtung soll durch eine gr√ľne LED geschehen - rotes Licht k√∂nnen sie ja vielleicht nicht sehen. Ich habe auch noch UV-LEDS, die ich ausprobieren k√∂nnte.

Beobachtungen: Weder Beleuchtung während des Tag noch der Nacht kann meine Ameisen zum Umzug bewegen. Am Tag wird nach anfänglichem Schrecken ob der Helligkeit im Nest träge weiter gedöst und des Nachts ist kein Unterschied im
Verhalten als zu anderen N√§chten f√ľr mich sichtbar. Auch UV-Licht bewirkt kein sichtbares anderes Resultat. Wenigstens betreten sie manchmal das neue Nest, aber das haben sie auch schon vorher gemacht. Ich werde nocheinmal versuchen, das neue Nest etwas zu erw√§rmen.

Nachdem ich die Ameisen mit dem erw√§rmten neuen Nest beobachtet habe, kommt mir die Sorge, da√ü sie eher unter die Alufolie umziehen, als in das Nest. Ich werde es n√§chste Nacht wieder mit W√§rme versuchen. Ich bef√ľrchte, wenn ich brutal das Nest √∂ffne, da√ü die Tiere vielleicht in Panik nicht wissen wohin und trotz Ausbruchsschutz entkommen. Unter anderem deswegen m√∂chte ich es lieber mit √úberredung versuchen.

Ferner hat sich in den vergangenen Tagen scheinbar tats√§chlich so etwas wie ein √úberdru√ü an M√ľcken bei den Tieren eingestellt - bei mir schon lange - da sie das M√ľckenfutter nicht ins Nest geschleppt haben. Doch gestern zeigten die Arbeiterinnen wieder Interesse.

Die Erw√§rmung des neues Nester auch in der 2. Nacht hat keinen Erfolg gebracht. Ich werde es nocheinmal probieren, und wenn das auch kein Resultat zeitigt, mu√ü ich wohl zu h√§rteren Ma√ünahmen greifen. Es ist aber verbl√ľffend, da√ü die Tiere zur Zeit nur bis etwa 2:00 Uhr nachts aktiv sind - der Zeitpunkt der letzten registrierten Aktivit√§t stimmt fast auf die Minute genau √ľberein! Das war in den Wochen zuvor ganz anders. Sicherlich ist das ein Hinweis auf die bevorstehende Winterruhe.

Wegen der m√∂glichen bevorstehenden Nest√∂ffnung habe ich Paraffin√∂l neu aufgetragen. Dabei konnte ich in aller Ruhe das Nest beobachten. Es gibt noch ein paar Larven, aber haupts√§chlich nur noch Puppen. In der j√ľngeren Kolonie konnte ich keine Larven mehr entdecken. Die Watte, die den nunmehr leeren Wassertank vom Nistbereich der √§lteren Kolonie trennt, sie feucht aus. Dies d√ľrfte der Grund sein, weshalb die Ameisen keinen Umzugsbedarf haben.
Zwischenzeitlich sind einmal 3 M√ľcken, die alle in einer besonders nervigen Nacht erschlagen wurden, liegen geblieben, doch gestern hatten sie wieder Appetit auf frische M√ľcke.
Die fr√ľhere Beobachtung, da√ü nicht die ganze Nacht hindurch fouragiert wird, wurde best√§tigt, wenn sie auch unterschiedlich lang durchhalten (z.B. auch bis 3:00 Uhr).
Schlie√ülich ist der j√ľngste 3. Versuch das neue Nest durch Erw√§rmung attraktiv zumachen ohne Erfolg geblieben. Daher werde ich leider heute Abend die Verschlu√üwatte entfernen und das Nest so √∂ffnen. Dies wird sie hoffentlich zum Umzug bringen. Ich √§rgere mich jetzt schon!

Meine Ameisenfreundinnen sind unschlagbar: nachdem ich schweren Herzen ihr Nest ge√∂ffnet habe, sind sie auch einen Tag sp√§ter noch nicht umgezogen. Wenigstens haben sie auch nicht in Panik versucht aus der Arena ausbrechen. Daf√ľr sind sie flei√üig dabei die RG-√Ėffnung mit Sand zu verbauen! Hurra, ich freue mich so! Plan W v2.7 : ich werde wohl die Reagenzgl√§ser aus der Arena nehmen m√ľssen und sie verbinden, bis der beknackte Umzug vollzogen ist.

Nachtrag: Wie erw√§hnt hatte ich das Nest ge√∂ffnet, and wie √ľblich habe ich versucht mich gefragt, wie ich mich als Ameise verhalten w√ľrde. Dabei kam mir die Idee, da√ü ich das Strohhalmst√ľck, welches dem alten Nest als Zugang diente, auch als Zugang f√ľr das neue Nest verwenden sollte, hoffend, da√ü der vertraute Geruch sie dazu bringen k√∂nnte umzuziehen - mu√ü ich noch sagen, ob es funktioniert hat...

Es wird mir wohl kaum mehr √ľbrig bleiben, als die Tiere ins neue Nest zu sch√ľtteln. Wenigstens bin ich durch die Widerstandskraft der beeindruckt: seit √ľber einen Monat leben sie ohne Lichtschutz in einem trockenen, mehr oder weniger offenen Nest, und es scheint ihnen nicht schlecht damit zu ergehen.

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#28 Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitrag von Chris Quinn » 29. Oktober 2017, 15:43

Ich habe meine j√ľngere Kolonie heute nach Eingew√∂hnungszeit in die Winterruhe in den K√ľhlschrank gestellt, wo sie bleiben soll, bis die Temperaturen auch tags√ľber unter 10 Grad Celsius fallen. Dann m√∂chte ich sie lieber so lange es geht, wie im letzten Winter, auf dem Balkon √ľberwintern lassen. Die Watte im Nest sieht leider verschimmelt aus.

Die √§ltere Kolonie ist noch immer nicht umgezogen und ich habe es auch noch nicht √ľber mich gebracht, sie in das neue Nest mit Zwang umzusiedeln. Ich habe mir auch √ľberlegt, sie im alten Nest zu belassen, aber daf√ľr die Watte, mit der ich das Nest verschlie√üen werde, h√§ufiger zu befeuchten, wie ich es auch im letzten Winter gemacht habe, wobei es damals aber vermutlich nicht √ľberlebenswichtig f√ľr die Tiere war. Ich lasse ihnen noch etwas Zeit, die sie daf√ľr im Fr√ľhjahr werden l√§nger ruhen d√ľrfen. Man merkt es ihnen aber an, da√ü sie Pause machen wollen.

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#29 Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitrag von Chris Quinn » 12. November 2017, 17:38

Auch die √§ltere Kolonie wurde von mir verschlossen und in ihr vorl√§ufiges Winterquartier auf dem Balkon gelegt. Damit ist das erste Ameisenjahr f√ľr mich beendet.

Die Gr√ľndung war nicht verhei√üungsvoll, da der Schlupf der Pygm√§en sehr lange dauerte. Die Entwicklung war dann aber f√ľr mich zufriedenstellend. Die dritte Kolonie hatte ich an ein Forenmitglied verschenkt.
Ich hoffe, da√ü der erstaunliche Unwille zum Umzug der √§lteren Kolonie zu keinen Todesf√§llen f√ľhren wird. Au√üer den bereits erw√§hnten Ma√ünahmen, habe ich sogar f√ľr einige Zeit die Wasserzufuhr eingeschr√§nkt, soda√ü das neue Nest die einzige Feuchtigkeitsquelle war. Einige Arbeiterinnen haben das neue Nest zwar gelegentlich betreten, ja, aber bleiben wollte keine. Vor Einleitung der Winterruhe habe ich sie aber ordentlich gep√§ppelt.

F√ľr die n√§chste Saison ben√∂tige ich eine vern√ľnftige Arena und ein externes Nest. Nach meinen gesammelten Erfahrungen k√∂nnte ich das Nest offen lassen, da sie Lichteinfall nicht zu st√∂ren scheint.

Die automatische nächtliche Aufnahme der Ameisen mit dem Raspi hat mir auch viel Freude bereitet; insgesamt hat es gute Resultate geliefert, insofern, daß Aufnahmeserien oft damit endeten, daß eine Arbeiterin ins Nest gekrabbelt ist, während Aufnahmeserien damit begannen, daß eine Arbeiterin in der Nähe des Nesteingangs war. Nicht alle IR-LEDS haben durchgehalten, aber es gab immer genug Licht. Zum Schluß konnte ich die Menge an Filmmaterial gar nicht mehr sichten.

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#30 Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitrag von Chris Quinn » 3. Dezember 2017, 15:58

Ich habe heute einmal nach meinen Tieren geschaut, nachdem sie vor ca. 2 Wochen auf dem Balkon eingemottet hatte, denn ich möchte das eine Nest regelmäßig befeuchten.

Zu meiner nicht geringen Überraschung sah ich in beiden Nestern ein kleinen Haufen Larven liegen. Es scheint den Ameisen also gut zu gehen; jedenfalls gut genug, daß sich sie die letzten Eier noch voll entwickelt haben. Die Alttiere wirkten auch alle so als steckte noch Leben in ihnen - sie reagierten auf die Beleuchtung der Lupe.

Nach dem Krampf mit dem gescheiterten Umzug habe ich eher schwere Verluste und Schwierigkeiten erwartet, aber wenn die Ruhezeit so weitergeht, dann darf ich wohl auf eine schöne kommende Ameisensaison hoffen!

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#31 Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitrag von Chris Quinn » 14. Januar 2018, 18:11

Die Ameisen haben etwas geformt, was unter Ameisenfreunden auch als Wintertraube bezeichnet wird - das ist sehr erfreulich: sie wissen, was sie tun. Einige haben sich auch noch bewegt, sodaß auch sonst nicht alles falsch sein kann.

Die Aufnahme war die M√ľhe nicht wert, aber da sie einmal gemacht ist, mu√ü sie der √Ėffentlichkeit pr√§sentiert werden, da sonst, wie mir versichert wurde, ein Einhorn st√ľrbe.

Wie aus dem Lehrbuch: Wintertraube
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#32 Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitrag von Chris Quinn » 28. Januar 2018, 16:58

Leicht entt√§uscht von der Qualit√§t habe ich nocheinmal eine Aufnahme von der Wintertraube versucht: die Aufnahmen wurden zwar etwas besser - insbesondere bei der j√ľngeren Kolonie, das Glas der alten ist zu verschmutzt - aber die Ameisen haben nicht mehr eine so sch√∂ne Wintertraube gebildet wie beim letzten Mal.

Jedoch: die Aufnahme eignet sich hervorragend f√ľr eine ernsthafte Inventur - meines Wissens die erste seit Gr√ľndung.
F√ľr mich sind zu sehen etwa:
- 35 Arbeiterinnen
- 1 Königin
- ein Googol Larven

Nicht beeindruckend, aber doch gut zu wissen; außerdem macht es Spass

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