Polyrhachis schistacea Haltungsbericht

Unterfamilie: Formicinae

Polyrhachis schistacea Haltungsbericht

Beitragvon Meisenbär » 11. Oktober 2018, 16:50

Hallo
Ich und meine Freundin sind seit diesem Jahr bei den Ameislern dabei (oder wie nennt man uns Leute eigentlich???). Nach einem absoluten Fehlschlag mit einer Camponotus rufipes, und eher langsamen Gehversuchen mit C. japonicus und C. mitis, selbst zugelaufenen Lasius niger (klappt wunderbar) und (vermutlich) Lasius flavus, haben ich und meine Freundin uns dazu entschieden es einfach einmal mit einer eher unbekannten Art zu versuchen und das Abenteuer zu suchen...
Wir haben uns nach vielem hin und her für eine Polyrhachis schistacea interessiert und standen auf einmal vor dem Problem dass man im deutschsprachigen Internetz erstmal gar keine Informationen zu der Art bekommt. Im englischen Bereich des Internets findet man spärliche, eher wissenschaftlich angehauchte Informationen über diese Art. Darum habe ich mich dazu entschlossen heute mal nen kleinen Haltungsbericht zu schreiben und hier online zu stellen. Der HB wird von mir erweitert sobald Neuigkeiten kommen.
Doch vorerst einmal einige (wenige) Infos zur Art:

-Polyrhachis schistacea,
-Zuhause in Mittel bis Südafrika in fast allen Ländern (anscheinend machen die P. schistacea tatsächlich nur an Namibias Grenzen halt (Namibia ist umzingelt^^))
-Arbeiter ca 8 – 9 mm groß, Königin etwas größer
-leben bei mir zwischen 25 und 30°, Luftfeuchte etwa 40 – 60%


Haltungsbericht:
Nach vielem hin und her haben wir uns dazu entschieden ein eher trockenes Kombi-Habitat für die eher mittelgroße Polyrhachis schistacea zu kreieren.
Also Becken gekauft (80 x 35x 40cm, Fressnapf, Aquarium), zwei Belüftungslöcher jeweils rechts und links ins Glas gebohrt und mit Gaze verschlossen. Danach kamen drei Ytongsteine in die Mangel, zwei stehen rechts und links hoch im Becken, der andere liegt auf dem Boden und dient als Verbindungstunnel zwischen den zwei Nestbereichen. ( so etwa I____I )
IMG-20180829-WA0011.jpg


Eingerichtet wurde dieses Konstruckt mit trockenen Gräsern, Sand-Lehm gemisch als Bodenoberfläche und etwas Sphagnum-Moos zum Spielen und bewässern.
Dann kamen die P. schistacea Ende August, Flotte Lieferung nach Bestellung, eine Königin mit 26 - 50 Arbeiterinnen. Wie viele es letzten Endes waren kann ich nicht sagen, im Reagenzglas war ein schwarzer Wuselhaufen mit viel Brut (Eier, Larven, Puppen).
Wir legten das Röhrchen also ins vorbereitete Wüstenbecken (mit Ägyptischem Touch) und in kürzester Zeit schwärmten Arbeiterinnen aus um die neue Heimat zu erkunden. Keine 2 Stunden nach Einsetzen der Kolonie begannen diese mit dem Umzug ins Ytongnest. Selbst die Königin huschte hin und her, Brut wurde den kleinen Abhang hinauf geschleppt und selbst einige Arbeiterinnen ließen sich hinauf und hineintragen.

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Nest verflochten

Seither waren die Schistacken beschäftigt die Lücken zwischen Ytong und Glas mit Sphagnum-Moos und Watte aufzufüllen, haben die zwei, drei Kammern die sie bewohnen versiegelt (die durchgänge zu den nebenliegenden Kammern verschlossen) und damit begonnen ihre Brut aufzuziehen und zu vermehren. Und das machen P. schistacea großartig. Jede Woche wächst der Haufen von Puppen, Larven und Eiern, gestorben wird relativ wenig. Die Ameisen leben bei ca 29° im Nest und etwas um die 30° im Becken, die Luftfeuchte liegt immer so zwischen 40 und 50 %. Das Spagnum-Moos das wir ihnen hingelegt haben wurde am Anfang erstmal unterbaut, es waren immer ca 3 bis 4 Arebiterinnen damit beschäftigt es zu unterkellern. Damit haben sie jetzt völlig aufgehört.
Wenn ich etwas Wasser über die Landschaft sprühe springen sie erstmal erschrocken am Nesteingang herum, dann schwärmen sie vermehrt im Becken aus und gehen auf Futtersuche. Wieviel Luftfeuchte optimal ist habe ich noch nicht herausgefunden.
Apropos Nesteingang: Den haben sie komplett mit Sphagnum-Moos umflochten und einen kleinen Tunnel zum Ytong-Loch freigelassen. Weben tun diese Ameisen nicht, aber sie flechten regelrecht.
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Nesteingang


Als Nahrung bevorzugen sie Proteine aus aufgetauten Schokoschaben und Heimchen, Highlight eines Dinners ist alle paar Tage eine Wanderheuschrecke, welche ich auch eingefrohren aufbewahre.
Aktive Jagdversuche habe ich schon beobachtet, jedoch scheinen Die P.S. wenig zu sehen und rennen ihren Fühlern nach immer an der Beute vorbei.
Eine Rekrutierung ist nicht stark ausgeprägt, die Mädels laufen eher immer zufällig ans Futter und transportieren es langsam ab. Invertzucker un Wüstenhonig wird auch nie verschmäht, Futterjelly scheint ihnen jedoch nicht so zu schmecken (habe schon viele Sorten probiert, mit Schaben, mit Zuckerrübe, das mit dem Drachen drauf wird sogar überhaupt nicht gegessen)
Alles in allem sind Polyrhachis schistacea eine sehr aktive Art wo eigentlich immer irgendwo was los ist.

An eines der Lüftungslöcher haben wir einen Schlauch-Becken-Verbindungsschnippeldingens angeschlossen, einen Schlauch reingepackt und diesen an ein kleines 30x20x20 Becken angeschlossen damit die gnädigen Damen einen kleinen Park zum Auslauf und als Müllplatz eventuell haben, dies wird jedoch noch gar nicht genutzt und nimmt eher nur Platz weg. Trotzdem bleibts mal da stehen, wer weiß wann die mal dort rumhüpfen.
Als Ausbruchschutz dient Talkumpulver, das funktioniert bisher ganz gut.
So, jetzt hör ich hier mal auf mit schreiben, melde mich wenns mal was neues gibt.


Ich habe auch einen Diskussionstread zu dem Thema eröffnet, den findet Ihr hier: diskussionsthread-zu-polyrhachis-schistacea-haltungsbericht-t59042.html

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Gesamteindruck

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Re: Polyrhachis schistacea Haltungsbericht

Beitragvon Meisenbär » 12. Oktober 2018, 18:17

Kurzes Update: Deckel angepasst. Vielleicht kann ich jetzt auf das geschmiert an der Glasscheibe verzichten und unten am Deckel anbringen...
deckel.jpg

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