Manica rubida - Haltungserfahrungen

Unterfamilie: Myrmicinae
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Stefan
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#1 Manica rubida - Haltungserfahrungen

Beitrag von Stefan » 31. Juli 2004, 18:08

Hallo allerseits,
ich dachte mir, ach kannste ja mal einen Haltungsthread √ľber Manica aufmachen, da die Art ja sowieso so geheimnisvoll ist und es bestimmt jeden interessiert. Nun ich m√∂chte versuchen den gesamten Ablauf dieser Haltung in Gefangenschaft zu interpretieren, was mir nicht leicht fallen wird, vor allem nicht die Haltung.

Nun ich habe zuf√§lligerweise eine fouragierende K√∂nigin in Oberhof gefunden. Sofort habe ich ihr Brut gegeben, die sie auch mit kleinen Komplikationen, die ich im sp√§teren Verlauf erl√§utern werde, angenommen hat. Denn ich glaube eine 2. Gr√ľndung ganz alleine w√ľrde sie nicht schaffen. Aber das kann ich leider nicht beurteilen.

Zu Hause angekommen, setze ich die K√∂nigin sofort in einen speziell gebauten Ytong. Er besteht aus 5 flachen Kammern. Ein Wassertank ist auch vorhanden, der sich von einer 0,5cm Ytong-Wand von den Kammern trennt. So ist eine Kammer immer sehr feucht, fast nass. Nunja die K√∂nigin zog gleich in eine feuchte Kammer, obwohl auch trockene zur Verf√ľgung standen. Ich wei√ü gar nicht mehr wie viele Puppen ich adoptiert hatte, ich glaube es waren 20 St√ľck. 5 davon wurden ignoriert und zerst√ľckelt, aus mir unerkl√§rlichen Gr√ľnden. Mittlerweile sind schon 6 Arbeiterinnen vorhanden. Einige bewegen sich noch nicht, da sie gerade frisch geschl√ľpft sind.

Nun zu den Problemen dieser Art. Ich habe sie schon des √∂fteren in freier Natur beobachtet. Mit Joachim, Frank und J√ľrgen hab ich mich nun auch schon √ľber die Lebensweise unterhalten, doch gute Ans√§tze waren noch nicht der Fall. Sind es Kleptobionten? Ern√§hren sie sich von anderen Ameisen? Fressen sie die S√§fte irgendwelcher Wurzeln, z√ľchten sie Wurzell√§use? Keiner wei√ü es genau! ;(
Nun eigentlich halte ich diese Art nicht, weil sie mir (naja eigentlich Matze) zuf√§lligerweise √ľber die F√ľ√üe gelaufen ist. Nein, mehr m√∂chte ich erfahren. Mich reizt es wirklich.
In der Haltung im Formikarien werden die Tiere oft hyperaktiv, laufen sinnlos im Formikarium umher und sterben letztendlich. Meine Vermutung ist, dass ihnen etwas fehlt!!!! Ich hoffe ich werde es herausbekommen....

Aber nun möchte ich wirklich mit der Zeitlinie anfangen, sonst wird es zu langatmig oder wie das heißt. :D


31.07.2004
Die ersten Arbeiter erkunden ihr steiniges Formikarium, welches ihnen anscheinend gut gef√§llt. Keine Hyperaktivit√§t bis jetzt. Doch Honigwasser so wie Zuckerwasser wird abgelehnt. Gro√üe Experimente bez√ľglich des Futters werde ich noch nicht anstellen...Geduld!
Au√üerdem wurden heute 5 neue Eier gelegt. Die Arbeiterinnen k√ľmmern sich jedoch sehr gut um die Brut. Ich kann auch nur best√§tigen, dass es nachtaktive Tiere sind.

Ich halte euch auf dem Laufenden..... ;)

Stefan
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#2

Beitrag von Stefan » 12. August 2004, 12:07

12.08.2004
Zum ersten Mal konnte ich 2 Ameisen am Tage fouragieren sehen. Ich hatte ihnen ein Sch√§lchen Zuckerwasser bereitgestellt, welches sie auch annahmen und ein wenig Fl√ľssigkeit aufschl√ľrften. Als n√§chstes legte ich ein totes Insekt rein. Es wurde mehrmals betastet aber trotzdem ignoriert. Doch dass sie sinnlos im Becken herumliefen konnte ich nicht beobachten. Im Gegenteil, sie erkundeten zielstrebig ihr Terrain. Inwischen sind alle Ameisen wieder im Nest und k√ľmmern sich um die Brut. Bis jetzt ist alles im gr√ľnen Bereich.
Sie sind allerdings sehr empfindlich wenn man sie stört, z.B. beim abnehmen der roten Folie oder sogar schon bei den kleinstem Windhauch laufen sie wie wild umher. Deshalb bin ich jetzt doppelt so vorsichtig geworden.

EDIT/
Im Moment tragen sie wie wild Sandk√∂rner ein und bauen ihr Nest nach ihren W√ľnschen. So schlimm konnte ich es noch nie beobachten, zum Teil wird die K√∂nigin mit der Brut alleine gelassen. Ja das ist auch das einzigste was man in der Natur beobachten konnte...

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Joschi
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#3

Beitrag von Joschi » 12. August 2004, 18:29

Ich hoffe, ich st√∂re die Zeitlinie nicht, aber ein extra Thread f√ľr das gleiche Thema w√§re wohl nicht so passend, zumal wir uns hier gut austauschen k√∂nnen.

Ich halte die Manica rubida nun seit dem Ameisenfreundetreffen in Oberhof Mitte Juli. Eingefangen habe ich sie mit etwa 150 Arbeiterinnen, einer Königin und größtenteils Puppen. Ich verstärkte die Kolonie noch mit etwa 30 Puppen eines fremden Nestes.

Die Kolonie wurde auf einer recht kleinen Insel einquartiert als vorr√ľbergehendes Formikarium, bis das gro√üe Becken fertig ist. Wenn der Wasserfall nun mit dem neuen Silikon√ľberzug endlich dicht ist, ist es √ľbrigens n√§chste Woche "betriebsbereit".

Als Nest diente ihnen das Marmeladenglas, indem ich die Kolonie w√§hrend des Aufenthaltes in Erfurt einquartierte. Gleich am ersten Tag zogen sie in das feuchte Ytong Nest, was ich zus√§tzlich angeboten hatte. Nach 3 Tagen zogen sie dort wieder aus, zur√ľck in das Marmeladenglas, nach etwa 3 Wochen wieder zur√ľck in den Ytong.

Verhalten: Die K√∂nigin war anfangs auffallend physogaster. In der ersten Woche nahm die Kolonie kaum Nahrung an, es wurde oft Brut aus dem Nest geworfen, selbst noch lebende Puppen, die kurz vor dem Schl√ľpfen standen. In dieser ersten Woche legte die K√∂nigin viele Eier und ihre Gaster schrumpfte merklich. Der Verlust von Arbeiterinnen hielt sich in Grenzen (nur vereinzelte), von Myrmica war ich weit schlimmeres gewohnt, doch trotzdem machte ich mir bis dato ernsthaft Sorgen ob ich dieser Art gewachsen bin und bef√ľrchtete einen schnellen Tod. Das wurde best√§tigt, als in der zweiten Woche eine abgetrennte Gaster aus dem Nest getragen wurde, die eindeutig von einer K√∂nigin stammte. Der Schock sa√ü tief, trotzdem gab ich die Hoffnung nicht auf.

Nach dieser ersten Woche warfen sie keine Brut mehr aus dem Nest, die Arbeiterinnen fouragierten aktiv und nahmen alle Arten Insekten an, auch kann ich oft beobachten wie sie aktiv Wasser aus dem Wassergraben holen. An Zuckerwasser gingen sie nicht, wohl aber an Waldhonig, wo fast ständig mindestens ein Arbeiter zu finden ist. Ich sah an der Scheibe des Glases immer wieder die reichliche Brut der Kolonie, die bei Mittagssonne an die Glaswände gebracht wurde. Trotzdem war da immer die abgetrennte Gaster und der vermeintliche Tod der Nestkönigin im Hinterkopf. Im Gegensatz zu den Beobachtungen aus dem Freiland und von Stefans kleinerer Kolonie nehmen die Manica bei mir weder tote Imagines noch Brut anderer Ameisen an, sie werden schlicht ins Wasser geworfen oder nach einigem "Spazieren-Tragen" weggeworfen und ignoriert.

Schlie√ülich kam die Gewi√üheit, als die Kolonie nach 2 weiteren Wochen wieder ins Ytong Nest zog, also erst k√ľrzlich. Die K√∂nigin war wohlauf, hat wieder merklich an der Gaster zugelegt. Die Kolonie hat inzwischen einige gefl√ľgelte K√∂niginnen aus der Brut aufgezogen, auch neue Eier und kleine Larven sowie frisch geschl√ľpfte Arbeiterinnen sind reichlich vorhanden.

Was war also mit der ersten Woche? Ich nehme an, sie haben nur die fremde Brut rausgeworfen, die ich der Kolonie aus einem fremden Manica Nest gegeben hatte. Eine gefl√ľgelte K√∂nigin, die aus der fremden Brut geschl√ľpft ist, wurde vermutlich exekutiert, daher die abgetrennte Gaster. Wom√∂glich ern√§hrten sie sich sogar die erste Woche von dieser Brut, sodass die geringe Futtersuche zu erkl√§ren ist. Das sind aber alles Spekulationen, ich bin heilfroh, dass es der Kolonie entgegen der Bef√ľrchtungen prima geht.
vG Joschi

Stefan
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#4

Beitrag von Stefan » 12. August 2004, 20:33

Bei der Ern√§hrung habe ich heute neues festgestellt. Werde mich dazu erstmla nicht √§u√üern da ich noch handfeste Beweise brauche... . Ich w√ľrde dir gerne ein paar Fragen per PN stellen, wenn du nichts dagegen hast?!

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Boro
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#5 Haltungserfahrungen Manica

Beitrag von Boro » 17. August 2004, 20:48

Liebe Ameisenfreunde!
Also, ich zerst√∂re kein Manica-Nest, um sie daheim einzuquartieren!Ab Mai schw√§rmen die Geschlechtstiere an einem warmen Vormittag. Dann werfen sie die Fl√ľgel ab und beginnen sofort nach einem Nistplatz zu suchen. In diesem Stadium kann man sie nach Hause nehmen und eine Zucht beginnen.Auf diese Weise habe ich heuer 5 Manica-Nester herangezogen. Nun aber zulm Thema:Um eine artgerechte Haltung zu erm√∂glichen, mu√ü man zuerst die Lebensweise in der Natur studieren!
Manica r. lebt normalerweise im Mittel- und Hochgebirge auf vegetationsarmen ,steinigen B√∂den. Sie liebt zwar die W√§rme, vertr√§gt aber keine starke Bodenerw√§rmung und Hitze. Sie verschwindet dann im Untergrund und erscheint erst abends wieder. Obwohl sie auch in trockenen B√∂den vorkommt, scheint sie feuchte Lehm- und Tonb√∂den entlang von B√§chen und Fl√ľssen zu bevorzugen. Ich konnte sehr vitale Nester selbst knapp √ľber dem Grundwasserhorizont in ganzj√§hrig feuchten (und daher k√ľhleren) Lehmb√∂den antreffen. H√∂here Luftfeuchtigkeit ist auch im Terrarium notwendig, dort trinkt sie neben verd√ľnnten Fruchts√§ften auch h√§ufig blo√ües Wasser (Spr√ľhen!)
Manica r. kommt in der Nartur nur selten an den Honnigtau von Läusen.
Sie ern√§hrt sich fast ausschlie√ülich von (meist toten) Insekten. Hier wird alles erbeutet, von M√ľcken, Fliegen √ľber Heusschrecken bis zu W√ľrmern, Raupen und sogar Engerlingen. Im Terrarium versorgt man sie mit der am Fenster gekillten Stubenfliege, mit Mehlw√ľrmern, Raupen der Fruchtfliege (in √Ąpfeln, Zwetschken, Kirschen, Haseln√ľssen, Waln√ľssen etc.), mit den Raupen von anderen Sch√§dlingen (z.B. Kohlwei√üling), kleinen Spinnen oder Puppen anderer (h√§ufiger) Ameisen-arten. Mitunter nehmen sie auch Br√∂sel von frischem Kuchen oder Wei√ü-brot. Im Herbst schleppen sie gierig kleine St√ľckchen frischer (nicht getrockneter) Waln√ľsse ein.
Immer wird auch ihre Kampfkraft hervorgehoben. Tats√§chlich verteidigt sie ihr Nest ohne R√ľcksicht auf Verluste, sie ist eine hervorragende Einzelk√§mpferin, dem koordinierten Vorgehen einer √úbermacht kleinerer Ameisen ist sie jedoch unterlegen. Ihren Stachel sollte man meiden. Die Behauptung , dass sie f√ľr den Einsatz des Stachels 3O sec ben√∂tigt, ist ein M√§rchen. Wie ihre kleine Verwandte Myrmica rubra kann sie sofort stechen.
Manica r. ist eine faszinierende Ameisenart. Infolge ihrer Farbe, Größe und der relativ langsamen Bewegungen kann man all ihre Tätigkeiten bestens beobachten.
Liebe Gr√ľ√üe von Boro

Stefan
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#6

Beitrag von Stefan » 31. August 2004, 18:23

Hiho,
auch ich m√∂chte mich wieder melden. Ich glaube wohl eher guter Literatur als deiner Beobachtung, Boro, denn Manica rubida braucht 30 Sekunden, bis sie ihren Giftstachel einsetzen kann/stechen kann. Nunja ich habe probiert ihr N√ľsse/Samen zu geben, leider wurden sie ignoriert. Vielleicht dienten sie bei dir nur zum Nestbau??? Anders kann ich mir das nicht erkl√§ren.
Ansonsten kann ich deinem Bericht nur zustimmen.

Nunja nun zu meiner kleinen Kolonie. Ich gebe ihnen keine Insekten etc. Von mir bekommen sie nur Ameisenbrut (Puppen); tote, artfremde Ameisen und Zuckerwasser. Alles das wird auch immer sehr gerne angenommen. Den Erfolg sieht man auch am schl√ľpfen der ersten Eier. Meist platziere ich das Futter immer vor dem Nesteingang, da ja die Kolonie ja noch recht klein ist. Im Moment sind sie unterm Ytong, naja wenn's ihnen da besser gef√§llt. :D Wahrscheinlich h√§lt sich da die Feuchtigkeit besser als auf der Oberseite.
Ich freue mich schon auf die Zukunft der Kolonie.

Stefan
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#7

Beitrag von Stefan » 3. April 2005, 17:30

April 2005:
Meiner kleinen Manica rubida Kolonie geht es im neuen jahr nach der Winterruhe recht gut, nur einen Verlust hat die Kolonie erlitten. Im Moment habe ich einige, kleine Larven die mit √ľberwintert haben. Desweiteren ein frisches Eipaket. Mal sehen wie es sich dieses Jahr entwickelt. Richtig aktiv sind sie jedoch noch nicht. Nur selten verl√§sst eine Arbeiterin das Nest. Naja das hei√üt aber auch, dass im Moment mit allem zufrieden sind.

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