Beginn mit der Ameisenhaltung

Einsteiger und Interessenten können hier ihre Fragen stellen.

Beginn mit der Ameisenhaltung

Beitragvon Carina » 2. Dezember 2009, 20:46

Hallo,
Ich möchte im Frühling mit der Ameisenzucht anfangen. Habe mich für Lasius [color="Red"]n[/color]iger entschieden:)
Angefangen mich für Ameisen zu interessieren hat eine ganz eigene Geschichte: Ich schaute mich zwecks Weihnachtsgeschenke um und entdeckte Ein Antworks Gelformicarium. Ich war total begeistert wie toll man die Gänge sehen konnte, war aber leicht misstrauisch was das Wohlbehagen der Tiere angeht. Also begann ich mich zu informieren und bin von der Gel Idee eigentlich schon wieder abgekommen weil die meisten hier behaupten es sei Quälerei.
Trotzdem hat es mein Interesse für Ameisen geweckt und ich möchte mit einer artgerechten Haltung beginnen. Momentan halten die ja noch Winterschlaf also habe ich ja noch genug Zeit mich zu informieren. Die FAQ habe ich bereits gelesen und einige nützliche Dinge erfahren.
Ich möchte etwas wo sich die Ameisen wohl fühlen, das relativ einfach zu erhalten ist und ich trotzdem sehe wie die kleinen Krabbler graben.
Was ist besser: Ein Ytong Nest oder so ein Glaskasten gefüllt mit Sand + Arena?
Wenn ich ein fertiges Starterset nehme, welches ist besser?

http://antstore.net/shop/product_info.php/info/p1446_alpha-ants-starter-set---a.html/XTCsid/cb9e375191df1d7f77a9d1842e8cfc93

http://antstore.net/shop/product_info.php/info/p361_antstore-starter-set---mini-farm-arena.html/XTCsid/cb9e375191df1d7f77a9d1842e8cfc93

http://antstore.net/shop/product_info.php/info/p848_antstore-starter-set---acrylfarm-arena.html/XTCsid/cb9e375191df1d7f77a9d1842e8cfc93

http://antstore.net/shop/product_info.php/info/p751_antstore-starter-set---glasfarm-arena---classic.html/XTCsid/cb9e375191df1d7f77a9d1842e8cfc93

Wo sehe ich am besten wie die Ameisen Graben, welches ist am Artgerechtesten? Soll ich lieber kein Starterset sondern etwas anderes nehmen?

Wenn ich mir eine begattete Königin kaufe, wie viele Arbeiterinnen würdet ihr dazu nehmen?

Wie oft muss man Heinchen verfüttern? Sind die getrocknet oder noch lebendig?
Kann ich jegliche Art von Honig nehmen oder muss ich etwas beachten?
Ist beim Obst nur Bio geeignet?

Wie ist das während dem Winterschlaf mit dem befeuchten? Ich habe gelesen das muss man machen aber friert es sie da nicht ein?


Bin Dankbar über jegliche Antworten und Tipps,
Eure Carina
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Beitragvon PHiL » 2. Dezember 2009, 21:19

Hallo Carina,

erstmal ein herzliches Willkommen hier im Forum :)
Mit der Zucht würde ich noch nciht anfangen, eher mit der Haltung. Also, zu Deinen Fragen;
Was ist besser: Ein Ytong Nest oder so ein Glaskasten gefüllt mit Sand + Arena?
Das ist reine Geschmackssache, da gibt es kein besser und schlechter. Oft kann man in einem Ytong das Ganze etwas besser beaobachten, wenn Du ihn aber mit Sand und Lehm füllst, wirst Du wohl sowohl in der Farm (=Glaskasten) als auch in dem Gasbetonnest nicht so sonderlich viel am Anfang erkennen, da es passieren kann, das die Ameisen fern der Scheibe graben oder gar die Sicht zumauern.

Ich würde Dir von einen Starterset abraten, aus dem einfachen Grund, dass das meines Erachtens mehr Geldmacherrei von einen Ameisenshop ist. Ich habe mir damals als ich angefangen habe auch eines gekaut, habe 40 Euro ausgegeben für ein Minivolk Myrmica rubra und das Set. Dabei hätte ich jedes Zubehör das ich brauchte für einen Zentel des Preises besorgen können.
Ich nehme an, Du wirst Dir nicht zu beginn sofort eine sehr große Kolonie holen. Das heißt, es dauert sowieso einige Zeit bis die Ameisen aus dem Reagenzglas umziehen, um das Nest muss Du Dir also noch keine Sorgen machen. Eigentlich brauchst Du für die anfängliche Haltung nur einen dichten Behälter, udn etwas Futter. Wobei j wohl jeder Zuckerwasser bei sich zu Hause hat, und die tierische Nahrung (=Proteine) fängt man sich am Besten selbst.

Einrichten kannst Du das Ganze wie Du es willst, nimm Materialien von draußen, da braucht man isch nichts zu kaufen.

Man muss während der Winterruhe befeuchten, ja, aber einfrieren wird es nicht unbedingt, es herrschen ja nicht die ganze Zeit über Minusgrade.

Grüße, PHiL
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Beitragvon Krabbeltierfan » 2. Dezember 2009, 21:33

Moin,

viele Fragen. Ich hoffe ein paar zufriedenstellend beantworten zu können.

Zu den Startersets: Am Ende ist das wohl eine Glaubensfrage. Es gibt z.B. viele Leute die sagen: "Niemals ein Medion-PC, ich bau mir alles selbst." Andere sind da anderer Meinung.

So ist es wohl auch mit den Startersets. Besonders Anfänger hoffen damit alles beisammen zu haben, vieles davon ist auch nützlich. Doch sollte man vorher prüfen, ob die Dinge die man braucht solo nicht günstiger sind. Zumal oftmals auch Dinge dabei sind, die man sich sparen kann. Wer braucht Honiglösung aus dem Shop?

Zudem gucke genau auf die Maße der angebotenen Arenen. 20x10 cm ist sehr klein. 20x30 cm ist praktischer.

Zum Thema Nest: Es ist sehr schön zu sehen, wie die Tiere in einer Farm graben. Doch L. niger sind "ritzenkriecher". Meine waren damals in der Farm und dann erstmal ein Jahr nicht mehr gesehen, bis sie zu groß waren und doch Gänge an der Scheibe bauten :spin2: Da hat auch Abdunklung wenig genützt. Also ist auf den Plattenabstand bei der Farm zu achten, zu groß und man sieht sie nicht mehr.
Beim Ytong sieht man dagegen garantiert etwas, aber Graben geht wohl nicht mehr. Jedoch kannst du die Yton-Kammern mit Sand füllen, dann graben sie alles frei was sie brauchen, kann auch gut aussehen. Aber benutze Sand, Erde ist immer eine doofe Idee:andiewand:

Zu der Anzahl der Tiere: Es gibt Menschen, die lieben es mit einer Königin anzufangen. Aber wenn 11-25 Arbeiterinnen dabei sind, ist die Kolonie stabil genug und es ist alles etwas munterer. Gerade für Anfänger praktisch. Kann natürlich auch mehr sein, ist dann aber Geschmackssache.

Wie oft muss man Heinchen verfüttern?
Wenn das mein Erdkundelehrer hört, Heinchen:baeh:
Also Heimchen werden je nach bedarf gefüttert. Es gibt sie in praktisch jeder Zoohandlung in den Größen "klein", "mittel" und "groß". Natürlich wachsen die Kleinen noch, die Großen sind schon recht nahe am adulten Dasein. Vorsicht: Dann wollen sie sich paaren und zirpen soweit ich weiß.

Am besten kaufen, abkochen und einfrieren. Kling brutal, ist aber der beste Schutz gegen Milben etc. Und hält lange. Dann ein Heimchen an-/aufschneiden und den Ameisen je nach Bedarf anbieten. Erkennt man an gesteigerter Außenaktivität, wobei das bei kleinen Kolonien schon 1-2 Tiere sein können. Kleine Lasius -Kolos sind auch mit den Sprungbeinen der Heimchen zufrieden, die aber aufgeschnitten werden müssen.

Honig einfach ausprobieren, bisher ist mir keine schädliche Honigart bekannt.

Ist beim Obst nur Bio geeignet?
Ich denke einfaches Entfernen der Schale reicht.

Edit: Phil war schneller ;)
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AW: Beginn mit der Ameisenhaltung

Beitragvon Carina » 3. Dezember 2009, 20:46

danke euch beiden für die Antworten ;)

Wie ist das während des Urlaubs. Muss ich einen Food Timer kaufen oder geht das auch anders? Wenn ich niemanden habe, wie befeuchte ich dann?

Bin ich da richtig informiert: Ich kann den Ameisen den Honig unverdünnt geben.

Was ist bei Antstore mit "Plattenabstand" gemeint?

Muss ich wenn ein ein Starterset bei Antstore kaufe eine rote Folie daraufkleben?

Kann man den Lasius niger auch Körner füttern?

So das wärs ert mal wieder (:
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Beitragvon Clypeus » 4. Dezember 2009, 11:01

Bin ich da richtig informiert: Ich kann den Ameisen den Honig unverdünnt geben.
Nicht bei den kleinen Lasius niger zu empfehlen; die Ameisen können sich im Honig verkleben und dabei umkommen.

Muss ich wenn ein ein Starterset bei Antstore kaufe eine rote Folie daraufkleben?
Nicht auf die Arena- nur das Nest sollte abgedunkelt werden.

Kann man den Lasius niger auch Körner füttern?
Eher nicht.

Beachte aber auch, dass Ameisen machmal Myrmekochorie betreiben [Myrmekochorie ist das Verbreiten spezifisch angepaßter Pflanzensamen durch Ameisen, ohne dass er zerstört wird [...]Bernhard Seifert, Die Ameisen Mittel,- und Nordeuropas, S.66]

Sind zwar keine Körner, aber immerhin doch Samen.

Diese Samen bilden sogenannte Elaiosomen aus, außerordentlich reich an Lipiden, Zucker, Proteinen, Stärke und Vitaminen- weswegen sie für die Ameisen sehr attraktiv sind, die diese Elaiosomen mitsamt den Samen oft zum Nest schleppen. Die Elaiosomen werden gefressen, die noch keimfähigen Samen werden als Abfall aus dem Nest geworfen.

Also- falls du für ein bissel Abwechslung sorgen willst? -Ist aber sicher etwas mühsam, diese Samen zu finden. :D

Falls du aber trotzdem unversehens auf solche Samen stoßen solltest, und sie an deine Ameisen verfüttern möchtest..?

Zu beachten gilt aber, dass die Messor-Ameisen die Körner fressen, die Ameisen, die aber Samen in der Natur finden, nur die Elaiosomen fressen und dann die Samen meist wohl aus dem Nest werfen.
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AW: Beginn mit der Ameisenhaltung

Beitragvon NIPIAN » 4. Dezember 2009, 11:11

Hoi,


erstens: Deine Links sind, mit Verlaub, Du weißt es noch nicht besser, unnütz. Die Grundflächen der Arenen sind viel zu klein. 30x20 sind absolutes Minimum (für die ersten 1 bis max. 3 Jahre geeignet) und Erweiterungen sind standardgemäß mitzubedenken. Besser sind 60x30.

Wenn im Nest unbedingt gegraben werden soll, dann muss in Abhängigkeit der Speichermöglichkeit des Substrates ordentlich befeuchtet werden. Je nach Erfahrungswert kann auch ein Urlaub von bis zu 2 Wochen ohne Probleme verwunden werden.
Nahrung kann in der Zeit ebenfalls über "ein paar Tropfen unverdünnter Honig im Kronkorken" bis "Gelée Royale im diamantbesetzten Goldschälchen" auf Vorrat verabreicht werden. Proteine in Form von lebenden Heimchen/Steppengrillen o.ä. führt bei kleinen Kolonien zur Überforderung. Vorgeschnitten (Eröffnung des Chitinpanzers) sind sie etwa 2-3 Tage haltbar, da dann vertrocknet.

Da bis Abschluß der Winterruhe/Diapause der einheimischen und teilweise der südeuropäischen Arten noch ordentlich Zeit besteht (Mitte März - Anfang April; je nach Klimaschwankung), FAQ, SuFu und bei weiteren Fragen hier posten.

Nein, Lasius niger verarbeiten keine Körner, sie "kratzen" von bestimmten Körnersorten vor Ort das Elaiosom herunter, oder tragen sie ein, verarbeiten das Anhängsel und bringen dann die Körner "wieder weg" (Myrmekochorie). Kann auch im Nestteil verbleiben und möglicherweise treiben.

Mit Plattenabstand ist die Breite des Nestteils gemeint. Die Ergaten werden sozusagen dazu gezwungen, die Gänge und Kammern so zu graben, dass a) sie sich umdrehen können und b) dem Halter das Schauspiel nicht vorenthalten wird. Also etwas mehr als Körperlänge.

Die "rote Folie"-Debatte hat sich erst vor knapp 3 Wochen wieder einmal abgespielt und dürfte unter den Technik&Bastel-Foren noch zu finden sein. Die Antstore-Folie hat miserabel abgeschnitten. Keine Ahnung, ob das bereits geändert worden ist. Apocrita & Ants Kalytta bieten ebenfalls Folien an. Zweiterer hat hierbei auf alle Fälle die Anforderungen erfüllt. Einfachheithalber: Farbfilterfolie muss rot sein.


[EDIT]Clypeus war schneller. Dafür hat er "Myrmekochorie" falsch geschrieben :baeh:[/EDIT]


Ach so:[SIZE="5"]Hiermit eröffne ich hochoffiziell die "Diapausen-Erklärbär-Jahreszeit"[/SIZE]
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Beitragvon Clypeus » 4. Dezember 2009, 11:17

Hi- sorry Nipian- warum wird das im Seifert mit "c" geschrieben? [meine Quelle]
Was hat das für Gründe?

Grüßle und danke im Vorraus

edit: Habe bereits dass c durch ein k ersetzt, nicht dass sich jemand wundert, was Nipian und ich meinen.
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Beitragvon PHiL » 4. Dezember 2009, 15:55

Hi,

nur so als Anmerkung, ist gar nicht schwer an Samen mit Elaiosomen ranzukommen. Habe es selbst getestet, mit Taubnesselsamen. Die werden sogar von Temnothorax eingetragen.
Seine Ameisen kann man getrost zwei Wochen ohne Futter lassen, wenn man in den Urlaub geht.

Grüße, PHiL
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