Invasion Monomorium pharaonis, Diskussionsthread

Diskussions- und Frageforum für bestehende Haltungserfahrungen.

AW: Invasion Monomorium pharaonis, Diskussionsthread

Beitragvon DermitderMeise » 8. Juli 2012, 17:18

Nur funktionieren solche Experimente kaum in freier Wildbahn (was unsere Wohnungen für die Pharaoameise sind): Sobald viele Wirte (Kolonien) gelitten haben leidet auch die Ausbreitung des Erregers (Milben, Pilze...), dadurch geht die Infektionsrate zurück, die Population erholt sich - und wieder von vorne. ;) S. a. Myxomatose bei australischen Kaninchen.
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AW: Invasion Monomorium pharaonis, Diskussionsthread

Beitragvon ADLERMANIA89 » 9. Mai 2013, 22:00

Über Monomorium pharaonis ist ja bekannt, dass Arbeiterinnen einer weisellosen Kolonie aus ein paar Eiern oder Puppen neue Geschlechtstiere aufziehen können, die sich dann wiederum durch Inzest vermehren.
Ist dies auch bei anderen Arten bekannt, die sich ebenfalls über Inzest vermehren können?
Habe schon gehört, dass es ebenfalls bei Tapinoma melanocephalum und ich glaube P. megacephala vorkommt.
Weiß da vll. einer mehr? :)
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AW: Invasion Monomorium pharaonis, Diskussionsthread

Beitragvon Isi » 10. Mai 2013, 08:28

Hallo ADLERMANIA89,

theoretisch ist das auch bei Myrmica rubra möglich, da es auch dort regelmäßig zu intranidalen Verpaarungen kommt.

Bei mir ist ein entsprechendes Unterfangen (weisellose Kolonie zieht männliche und weibliche Geschlechtstiere groß ---> intranidale Verpaarungen ---> begattete Jungköniginnen im Nest vorhanden) allerdings gescheitert, da die Jungköniginnen nicht adoptiert worden sind.


Gruß, Isi
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Beitragvon ADLERMANIA89 » 11. Mai 2013, 20:13

Isi hat geschrieben:Hallo ADLERMANIA89,

theoretisch ist das auch bei Myrmica rubra möglich, da es auch dort regelmäßig zu intranidalen Verpaarungen kommt.

Bei mir ist ein entsprechendes Unterfangen (weisellose Kolonie zieht männliche und weibliche Geschlechtstiere groß ---> intranidale Verpaarungen ---> begattete Jungköniginnen im Nest vorhanden) allerdings gescheitert, da die Jungköniginnen nicht adoptiert worden sind.


Gruß, Isi


Hab mir gerade Deinen Haltungsbericht angesehen, wahnsinn dass das selbst bei Myrmica rubra klappt. Wirklich ein toller und informativer Bericht :).
Scheinen also doch mehrere polygyne Arten diese "überlebenskünstlerischen" Fähigkeiten zu besitzen.
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Re: Invasion Monomorium pharaonis, Diskussionsthread

Beitragvon Drop » 13. September 2018, 05:50

Hi! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schockiert ich war, als ich wegen eines Befalls bei mir auf Arturs Haltungsbericht aus 2011 gestoßen bin und dort auf einem Foto mein eigenes Wohnheim wiedererkennen musste. Die Kolonie ist auch nach sieben Jahren noch lebendig. Sieben. Fucking. Jahre. Ich habe daher auch einen "kleinen" Bericht, vielleicht stoßen ja noch andere Wohnheimbewohner hier drauf. Ich fände es super, wenn sich Artur nochmal meldet! Ich würde gern wissen, ob er ohne die Invasion mitzunehmen umziehen konnte, bzw. wie es noch weitergegangen ist. Falls er hier überhaupt noch aktiv ist.

Ich lebe schon ein paar Semester hier, meins und die umliegenden Appartments wurden vor zwei bis drei Jahren renoviert und auch aktuell laufen irgendwo im Gebäude größere Arbeiten. Vor etwa drei Monaten habe ich zum ersten Mal eine einzelne Pharaoameise an meiner Wand entdeckt. Ich habe sie getötet und wieder vergessen, dachte sie ist durchs Fenster rein. Dann ging es vor ein paar Tagen richtig los. Auf einer Fußbodenleiste fand ich etwa zehn Ameisen. Leider habe ich sie vor Schreck alle sofort getötet, ohne zu gucken wo sie herkommen oder hingehen. Fehler! Dann war tagelang nichts. Ich habe recherchiert, was für eine merkwürdige Art das ist. Sie sind im Vergleich zu anderen mir bekannten Ameisen sehr winzig und hell. Auf vielen Untergründen erkennt man sie kaum, nur wenn sie laufen. So habe ich das Forum und Artur entdeckt.

Weil wieder Tage nichts passierte, glaubte ich, dass es vorbei wäre. Dann fand ich welche im Kleiderschrank. Getötet und sofort alles nach Nestern abgesucht. Meine ganze Wohnung (zum Glück habe ich nicht viel Kram). Ein Nest habe ich nicht gefunden. Im Schrank sind sie seither nicht wieder aufgetaucht, nachdem ich ein Stück Taschentuch mit zerdrückten Ameisen dort platziert habe. Dafür tauchten sie eines Abends an/in meinem Laptop auf. Ich wollte den gerade auf den Schoß nehmen, als mehrere auf Tasten und Bildschirm rumliefen. Ich hatte schon gelesen, dass die sich wegen der Wärme auch in Laptops einnisten. Aber zum Glück war das auch innerhalb von Stunden vorbei. Ich denke schon, dass sie das Gerät als Nistmöglichkeit ausgekundschaftet haben, aber sie haben es wohl aufgegeben.

Dann kam es Samstagmorgen etwa 4:20 zum großen Showdown. Ich war kurz im Bad und konnte beobachten, wie sich an der Badtür entlang eine Straße gebildet hatte. Das war nicht einfach eine Straße, das war ein Einzug. Sie hatten kleine, weiße Eier und etwas größere, weiße Larven(?) dabei. Ich muss sagen, das war schon faszinierend. Sie wirkten so stolz und so entschlossen. Das sind auch zweifellos schöne Insekten, wenn sie nicht gerade meine Wohnung kontaminieren würden. Ich musste sogar an die sieben Zwerge denken, wie sie singend mit ihren Werkzeugen zur Miene stolzieren :D . Eine Königin habe ich nicht gesehen, aber: Sie kamen aus einem winzigen Spalt unter einer Fußleiste, liefen ca. vier Meter nah an Wänden und unter Türen entlang bis zur Rückseite meines Kühlschranks. Da ich an einer anderen Leiste auch ein Loch in der Wand habe, gehe ich davon aus, dass die aus der Nachbarwohnung kommen. Und oh Wunder: Dort hörte ich auch zuletzt immer wieder den Mieter schimpfen und mit dem Schuh wild auf den Boden schlagen, als würde er Ameisen totschlagen.

Ich habe übrigens angefangen, die Viecher mit Tesafilm zu fangen. Ich knipse mir ein paar Zentimeter ab, dann kann ich mehrere auf einmal festsetzen. Und sie sind nicht so flexibel und flüchtig wie Obstfliegen, sondern eigentlich sogar ziemlich hilflos. Nur ganz wenige sind mit viel Glück in der Lage, sich wieder vom Tesa zu lösen und runterzufallen. Ich habe den Großteil daher auf Papier geklebt und zwecks einigermaßen humaner Tötung in den Gefrierschrank gelegt. Das Zermatschen habe ich aufgegeben, weil dann nur überall Ameiseninnereien kleben würden.

Außerdem kann ich Desinfektionsspray empfehlen. Damit kann man Pharaoameisen ebenfalls töten und zuverlässig Markierungen entfernen. Ich habe mit einem Stück Papier, dass ich einmal gefaltet habe, den Zugang zu meiner Wohnung unter der Fußleiste verschlossen (so winzig sind die). Noch am Tag darauf haben sich davor immer wieder Ameisen gesammelt, die wieder rein wollten und alles penibel untersucht haben. Sie wollten sicher Kontakt zu dem abgeschnittenen Rest der Teilkolonie aufnehmen. Ich habe immer wieder alle sichtbaren Ameisen mit Tesa und Desinfektionsmittel unschädlich gemacht, und seit Montagabend tauchten dort auch keine mehr auf. Die Straße wurde auch nicht wieder zum Einzug benutzt. Ich habe alles mehrmals täglich überprüft.

Den "Einzug" hinter meinen Kühlschrank habe ich also scheinbar unterbrochen. Die Frage ist: Da schon Eier und Larven angeschleppt wurden, kann es ja durchaus sein, dass sich eine kleine Kolonie dort angesiedelt hat. Arbeiterinnen sind auf jeden Fall vorhanden, ich habe bestimmt schon 100 oder mehr gefangen (ich werde sie später mal zählen). Gibt es einen Zeitpunkt, an dem die Königin(nen) einziehen? Vor den Eiern? Danach? Irgendwann dazwischen? Leider tauchen seit Samstag mehrmals täglich Ameisen auf. Sie kommen aus Spalten an der Küchenzeile und besonders oft aus dem seitlichen Abfluss meiner Spüle. Ich habe herausgefunden, dass der Übergang zum Abflussschlauch nicht gut abgedichtet ist. Sie können aus dem Küchenschrank da rein klettern. Zuerst dachte ich schon, dass die im Abflusssystem leben, aber das ist wohl nicht so. Ich habe schon mehrfach gesehen, dass sie auch im Abfluss zu warten scheinen. Gehe ich an die Küche, und rumpel Tassen/Gläser/... auf der Oberfläche herum, schießen sie manchmal direkt raus. Ich vermute, die Erschütterung mobilisiert sie. Vielleicht haben sie gelernt, dass der Abfluss gefährlich ist, wenn nach dem Gerumpel Wasser durchfließt. Oder kommen sie raus, um das Nest zu verteidigen?

Leider kann ich den Kühlschrank nicht vorziehen, da er fest in den Küchenschrank eingebaut ist. Sie können nur hinter dem Kühlschrank sein, oder in dem Zwischenraum, in dem die Wasserleitungen verschwinden. Da sind auch drei fette Löcher. Ich habe versucht, mit meiner Kamera durch den Küchenschrank hinter den Kühlschrank zu schauen, leider ist das trotz Taschenlampe zu dunkel, um bis zum Boden zu sehen. Weil aber auch keine Ameisen an dem sichtbaren Teil der Wände krabbelten, gehe ich davon aus, dass das Nest entweder winzig ist, oder dass sie doch an den Wasserleitungen sitzen, wo ich überhaupt nichts sehen kann.

Nach diesen Untersuchungen, bei denen ich übrigens von einem Viech in den Bauch gebissen wurde, habe ich etwas Spray hinter den Kühlschrank und in die Rohröffnungen gesprüht. Ich hatte dann auch 24 Stunden Ruhe. Ich habe gehofft, sie durch Glück entweder getötet oder verjagt zu haben, aber Pustekuchen. Gerade durfte ich wieder welche einfangen. Zum Glück ziehe ich bald aus. Mir geht es vor allem darum, sie so lange wie möglich zu vertreiben. Ich meine sieben Jahre geht das hier schon so. Es wurde renoviert, aber sie sind noch da und man wird hier auch nicht auf das Problem hingewiesen. Bei dem Radius von 30 Metern, den Pharaoameisen zurücklegen können, können sich Teilnester allerdings auch auf der anderen Seite der Straße befinden. Das Appartment war trotzdem mindestens zwei Jahre ameisenfrei.

Die Pharaoameisen sondern übrigens ein merkwürdiges Zeug ab. Ich habe einen Toaster mit einer Krümelschublade. Die leere ich ab und zu, vor kurzem wieder. Die Krümel waren diesmal aber nicht wie sonst trocken, sondern in so einer Art Öl aufgelöst. Ich dachte erst, das wäre Maschinenöl, weil es danach roch. Es war auch dickflüssig, aber vollkommen klar (abgesehen von meinen Krümeln). Ich habe die Schublade komplett entsorgt, weil ich das nicht mehr reinigen konnte. Es löste sich nicht mal mit Spülmittel richtig (deswegen kann es auch kein Bratfett sein). Ich habe das Gefühl, dass das von den Ameisen kommt.

Putzlappen habe ich auch schon weggeworfen. Meinen Spülschwamm lagere ich inzwischen auf einer "Insel", so kann er trocknen, aber die Viecher kommen wegen dem Wasser nicht ran. Ich habe festgestellt, dass sie neben Zitronensaft total auf benutzte Spülschwämme stehen und sich gern darunter aufhalten. Auch einer meiner Spülschwämme, unter denen ich vor dem Inselding Ameisentrupps entdeckt hatte, war plötzlich so merkwürdig schmierig und roch nach Motoröl. Ich verstehe nur nicht, warum die Ameisen so ein Zeug absondern sollten.

Ich kann auch bestätigen, dass sie sich totstellen. Wenn sie merken, dass ich sie mit Tesafilm jage, bewegen sie sich nicht mehr. Bis sie merken, dass sie als nächstes dran sind, dann laufen sie weg. Sie sind auch sehr nachtaktiv. Zwar sieht man auch ein paar sehr vorsichtige Einzelgänger am Tag, aber mit dem Sonnenuntergang tauchen sie in Zwei- bis Vierer-Trupps auf, dabei wirken sie irgendwie forscher. Sie mögen auch nicht, mit der Taschenlampe angeleuchtet zu werden.

Heute möchte ich herausfinden, wo genau sie sich verstecken. Ich habe gelesen, dass man sie mit unwiderstehlichem, hartem Eigelb ködern kann. Wenn ich eines in den Schrank lege, müsste ich ja sehen können, wo sie leben. Die Frage ist, was ich dann mache. :eek: Da ich bald ausziehe, werde ich definitiv keine teuren Mittel kaufen, die sie unfruchtbar machen. Ich will eigentlich nur das eine Nest auslöschen, damit ich ohne blinde Passagiere ausziehen kann. Wenn es der Raum bei den Wasserleitungen ist, werde ich das erstmal komplett abkleben.
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Re: Invasion Monomorium pharaonis, Diskussionsthread

Beitragvon Serafine » 13. September 2018, 10:00

Das schmierige Zeug könnte entweder Ameisenpipi sein (auch Ameisen scheiden Kot aus, meist ist der flüssig-klebrig) oder Mandibledrüsensekret zur Auflösung der Nahrung. Mit Fettlöser müsste das runtergehen (der Fettlöser vom Edeka löst meiner Erfahrung nach ALLES, der ist besser als jedes Spezialreinigungsmittel).

Da es so langsam Winter wird und Pharaoameisen keine niedrigen Temperaturen vertragen wäre es, wenn machbar (und das Wetter passt), möglich einfach mal ALLES für zwei Wochen im Freien (bzw. in einer ungeheizten Garage) stehen zu lassen. Minustemperaturen überlebt diese Art mit Sicherheit nicht.
Würde aber auch mal die zuständige Stadtbehörde und evtl. einen Spezialisten (z.B. die DASW) darauf aufmerksam machen. Die Biester sind extrem schwer auszurotten, aber man sollte trotzdem was dagegen unternehmen, um sie wenigstens möglich klein zu halten.
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Re: Invasion Monomorium pharaonis, Diskussionsthread

Beitragvon Oleg » 13. September 2018, 10:40

Hallo,

Ich glaube die dortigen Behörden haben derzeit andere Sorgen :-) DSAW ist die Ameisenschutzwarte: https://ameisenschutzwarte.de/

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Re: Invasion Monomorium pharaonis, Diskussionsthread

Beitragvon trailandstreet » 13. September 2018, 10:44

Im Zusammenhang mit Pharaoameisen kann man eigentlich nicht von DEM Nest sprechen. Die sind nicht nur hochgradig polygyn, sondern legen auch weitverstreut Zweignester an. Das macht die Bekämpfung nicht unbedingt einfacher.
Herkömmliche Ameisenmittel Versagen bei Ihnen auch. Normalerweise tragen ja die Arbeiterinnen Futter ins Nest und davon bekommt auch die Königin was ab, woraufhin sie auch vergiftet wird und somit die Sache erledigt ist.
Bei den Pharaoameisen ernähren sich die Gynen mehr oder weniger hauptsächlich von einem Sekret der Larven. So sind die für solcherlei direkt wirkende Gifte kaum erreichbar und legen weiter fleißig Eier.
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