Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Unterfamilie: Formicinae

Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitragvon Chris Quinn » 25. September, 2016, 22:19

Hallo Forum,
ich möchte hiermit gerne meinen Versuch zur Gründung einer Lasius niger Kolonie mitteilen. Meiner Einschätzung nach ist der Gründungsverlauf nicht vielversprechend, aber andere können vielleicht gerade deshalb etwas lehrreiches daraus entnehmen. Der Bericht ist schon ziemlich lang und es war auch mein Plan ihn schon früher mit dem Schlüpfen der ersten Arbeiterinnen hier hereinzustellen, aber seht selbst...


Di. 19.7. Schwarmflug Lasius niger. Das Wetter war heiß und schwül. An unterschiedlichen Stellen in der Stadt liefen Königinnen auf den Gehwegen und Straßen. Aufmerksam wurde ich gegen 15:00 als ich eine noch geflügelte Gyne
außen am Fenster sah.

Schon am vorvergegangenen Wochenende war das Wetter ähnlich, sodaß ich mich aufgemacht hatte, um Gynen zu sammeln. Doch konnte ich leider nur geflügelte Geschlechtstiere entdecken, die in den Ausgängen ihrer Baue warteten. Ich hatte schon befürchtet, daß ich keine Gyne mehr werde finden können.

Ich habe die geflügelte Gyne vom Fenster trotzdem eingesammelt, weil ich da noch nicht wußte, daß die Stadt voll von begatteten Gynen sein würde. Außerdem dachte ich, daß sie vielleicht sehr wohl begattet wäre, aber nur noch nicht die Flügel abgeworfen hätte. Immerhin war das Fenster im 2. Stockwerk. Da sie die Flügel bis zum Abend nicht abgeworfen hatte, hatte ich sie wieder freigelassen. Außerdem habe ich eine weitere flügellose Gyne vom Gehweg gesammelt.

Später in der Stadt, nachdem ich noch schnell in der Apotheke weitere Reagenzgläser gekauft hatte, sammelte ich eine weitere Gyne vom Gehweg. Ich konnte das Glas, das noch nicht mit einem Wassertank ausgestattet war, aber nur notdürftig mit einem feuchten Taschentuch verschließen. Abends hatte ich sie in ein Glas mit Wassertank umsiedeln lassen.

Ferner habe ich gegen 19:00 Uhr eine weitere Königin gesammelt. Die Gehwege waren noch immer voll von Königinnen. Ich konnte auch Tauben beobachten, die an einer Stelle auf der Straße saßen und intensiv pickten: vielleicht Ameisenköniginnen.

Mi. 20.7. (1 Tag) Nach einigem hin und her habe ich die drei Ameisen morgens in einem Karton auf meinem Schrank für ungeliebte Bücher deponiert, da dies ein ruhiger Platz ist.

Fr. 22.7. (3 Tage) Bis zum Morgen hatten alle außer der Königin, die ich behelfsmäßig ein paar Stunden in einem wassertanklosen Reagenzglas untergebracht hatte, Eipakete gelegt.

So. 24.7. (5 Tage) Auch die dritte Königin hat nun Eier gelegt.

Mi. 27.7. (8 Tage) Ich konnte die Eier einer der Königinnen nicht mehr sehen. Zwei der drei Reagenzgläser habe ich in die zukünftigen Arenen der Kolonien umgesetzt. Ich verspreche mir davon weniger Störungen für die Tiere, wenn ich sie kontrolliere, da ich die Gläser nun abdecken kann, ohne sie in die Hand nehmen zu müssen. Jedoch könnten sie nun mehr Helligkeit ausgesetzt sein.

So. 31.7. (12 Tage) Entweder habe ich sie bei der letzten Kontrolle übersehen oder sie hat neue gelegt: wieder in allen Reagenzgläsern sind Eier.

Ich habe diese Woche auch die Deckel für die Arenen mit einem feinen Gitter versehen. Diese Gitter sind Siebe, die ich in einem Eisenwarengeschäft erstanden habe, da ich Schwierigkeiten hatte feine Metallgaze zu bekommen. Wie üblich haben die dortigen Handwerker ihre Überheblichkeit ihre Geringschätzung gegenüber Leuten wie mir, die nicht genau wissen, wie die Dinge heißen, die sie suchen, zur Schau gestellt.

Habe auch viel Zeit in Baumärkten verbracht, was immer interessant ist - es haben aber auch nicht alle, die dort arbeiten wirklich Ahnung vom Geschäft.

Im Übrigen: Führe Messer immer vom Körper weg! Hätte mich beinahe bös' geschnitten.

4.8. (16 Tage) Es scheint alles in Ordnung zu sein.

8.8. (20 Tage) Siehe letzten Eintrag. Die Eipakete sind nicht immer leicht gegen den hellen Gipsuntergrund auszumachen. Die Gyne im großen Reagenzglas wirkt träger als die anderen beiden. Ich hoffe, daß dies ein Unterschied in der Mentalität
ist und kein Hinweis auf Probleme. Ihre Kammer dürfte die größte sein; vielleicht zu groß für ihre Bedürfnisse.

Ich habe nun auch die beiden vorläufigen Arenen mit einer dünnen Gipsschicht überzogen: hätte ich gleich machen sollen. Dafür hatte ich gleich am Tag nach dem Fang Paraffinöl besorgt: ich bin gespannt, ob ich das in dieser Saison überhaupt brauchen werde.

11.8. (23 Tage) Blöde Ameisen! Anderer Leute Königinnen von Mitte Juli haben schon geschlüpfte Pygmäen und meine hocken bloß auf ihren Eiern und spielen sich auf, spielen Prinzessin. Die sollen endlich Arbeiterinnen produzieren, die für mich Gold sammeln gehen!

15.8. (27 Tage) Normalerweise werfe ich nur einen ganz kurzen Blick in die Reagenzgläser, um die Störung gering zu halten, aber dieses Mal habe ich mir die ruhige Königin etwas genauer mit der Lupe angesehen bis auch sie hektisch zu werden schien. Ich dachte, sie hätte schon eine Puppe, war aber wohl falscher Alarm, weil das Objekt doch zu klein scheint. Waiting is the hardest time...

19.8. (31 Tage) Es ist auf den Tag einen Monat her, daß ich die Gynen habe gründen lassen. Ehe die ersten Arbeiterinnen herumwuseln müssen wohl noch ein paar Wochen ins Land gehen. Ich schätze, daß die Objekte, die ich für Puppen hielt, Larven sind: sie sind größer als die Eier und länglich, Maden nicht unähnlich. Bei manchen, glaube ich, konnte ich unter der Lupe einen kleinen, dunklen Punkt ausmachen.

Faszinierend die Reaktionen der Leute, wenn sie erzählt bekommen, daß man eine Ameise züchtet: die ganze Spannbreite der Emotionen von leichtem Hohn bis Spott wird vor einem ausgebreitet. Wartet nur bis meine Armee geschlüpft ist...

23.8. (35 Tage) Die Larven und Gynen scheinen wohlauf zu sein; es ist noch immer keine Puppe zu sehen. Die Larven in dem großen Reagenzglas scheinen etwas dunkler als die aus den schmäleren Gläsern zu sein. Außerdem habe ich die Befürchtung, daß die Befeuchtung in diesem Glas nicht optimal ist: einerseits scheint mir die Wassermenge im Tank nicht ausreichend zu sein, andererseits wirkt der Wattestopfen zu lang. Die Gyne in diesem Glas hat ihre Eier auch dichter an
die Watte gelegt als die anderen beiden. Ist vielleicht aber nicht so wichtig.

Ich bin wieder unzufrieden mit meinen Arenen. In der ersten Saison ist nicht viel los und eine erfolgreiche Überwinterung wird die Hauptschwierigkeit darstellen. Daher erscheint mir eine kleine Arena, die sich leicht Einwintern läßt viel praktischer. Ich schaue mich nach kleinen Behältern um.

Andererseits überwintern die Ameisen im Reagenzglas, sodaß zur Überwinterung keine Arena benötigt wird. Auf jeden Fall werde ich versuchen die Königinnen nach dem Schlüpfen der ersten Arbeiterinnen zum Umzug in ein neues Reagenzglasnest zu bewegen, die ich mit den bisher gewonnenen Erfahrungen hoffentlich angemessener präparieren kann.

28.8. (40 Tage) Noch immer keine Puppen: nach einer wärmeren Woche hatte ich auf einen Entwicklungssprung gehofft, der aber leider ausgeblieben ist. Sehr deutlich ist der Größenunterschied zwischen den Eiern und Larven. Manche Larven sind geradezu riesig.

Die Gyne in dem schmalen RG unter der Alu-Folie reagiert am heftigsten auf meine Kontrollblicke; die anderen beiden bemerken zwar die plötzliche Helligkeit, reagieren aber abwartend und vorsichtig. So scheint es tatsächlich unterschiedliche Persöhnlichkeiten unter den Gynen zu geben. Sonst scheint es den Tieren nicht schlecht zu gehen.

Da ich die Tiere nicht lange stören möchte, habe ich bisher darauf verzichtet Eier bzw. Larven zu zählen, auch sind die Eier schwierig zu zählen. Ich möchte es bei der nächsten Kontrolle einmal versuchen. Gegenwärtig schätze ich 20 Eier+Larven pro Königin.

3.9. (46 Tage) Bis jetzt ist mir das Dichterwort immer etwas dunkel geblieben:

Jetzt tanzen alle Puppen, macht auf der Bühne Licht!
Macht Musik, bis der Schuppen wackelt und zusammenbricht!

Doch nun, da meine Gynen ihre erste Puppe haben, kann ich verstehen, was der Frosch damit sagen wollte.

Das Wetter war durchgängig warm. Die Puppe befindet sich im Nest der Gyne im Eierkarton. Die Gyne im schmalen Reagenzglas hat drei Larven mit ausgeprägten dunklen Flecken - ich hoffe, das ist etwas gutes.

Die Brut der Königin im großen RG scheint am wenigstens Fortschritte zu machen. Ich hatte schon vermutet, daß das Klima nicht gut sein könnte. Jetzt mußte ich feststellen, daß der vermutlich zu lange Wattestopfen auseinanderfällt: scheinbar habe ich einen großes Stück Watte hineingedrückt und ein etwas kleineres hinterher. Dieses kleine Wattestück hat sich sichtbar
vom größeren getrennt - die Flüssigkeit mag sich zwischen den Stücken etwas stauen. Wie bereits schon vorher bemerkt, scheint die Brut etwas bräunlich. Ich plane etwas Wasser mit einer Spritze, die ich mir für solche Fälle besorgt habe, in den Wassertank zu geben; auch könnte ich die Watte, die das Nest verschließt anfeuchten.

Ihr ein neues Reagenzglas als Nest anzubieten wäre möglich, aber mit scheint, daß ein Umzug für das Tier am wenigsten angenehm sein müßte. Aber anbieten kann ich es ihr ja, und wenn sie nicht umziehen will, soll es eben nicht sein.

Ich habe von der Brut mit der Puppe ein Photo durch eine Lupe gemacht. Das Resultat ist nicht sonderlich scharf. Ich habe darauf verzichtet herumzuexperimentieren, weil ich die Tiere nicht zu lange stören wollte. Wenigstens kann ich jetzt eine etwas genauere Inventur machen:

Eierkartonnest:
Puppe: 1
Larven: ca. 20
Eier: keine sichtbar in dem Photo (vielleicht 3, falls es keine Larve ist; ist ein etwas hellerer, schüttererer Klumpen)

Bis zum nächsten Mal habe ich meine Technik vielleicht verbessert, sodaß ich bessere Resultate mit weniger Störungen erzielen kann.

4.9. (47 Tage) Vor weiteren Maßnahmen hatte ich mich entschlossen zuerst die Gyne aus dem großen Reagenzglas ein neues Nest anzubieten, da das Tier so noch am ehesten seinen eigenen Neigungen nachgehen kann.

Dazu habe ich die große Arena mit Paraffinöl präpariert, was auch eine willkommene Übung war - ich denke beim nächsten Mal kann ich etwas weniger Öl auftragen, da sich ein paar Laufnasen bildeten. Ich vermute, ich hätte auf diese Maßnahme auch verzichten können, denn die Königin wird ganz sicher nicht die Arena und weitere Umgebung auskundschaften wollen.

Um der Königin den Umzug so leicht wie möglich zu gestalten, wollte ich das neue RG direkt an die Öffnung des alten legen. Da ich aber kein zweites RG mit den Maßen des alten hatte, konnte ich keinen Probedurchlauf machen, sodaß die Königin bei der Durchführung sicher stark gestört wurde, denn so dauerte die Umsetzung länger und natürlich gab es unvorhergesehene Hindernisse - am Ende habe ich sogar etwas geschwitzt!

Aufgrund der Geometrie musste ich das neue Nest mit der Öffnung sogar etwas in das alte hineinschieben: meine Befürchtung ist, daß nun eine Stufe vor der Öffnung des neuen Nestes vorhanden ist, die dem Tier den Bezug erschweren
könnte.

Es ist meine Vermutung, daß die Brutentwicklung der Gyne im Eierkarton deshalb am weitesten Fortgeschritten ist, weil ihr Nest vermutlich am dunkelsten ist. Daher habe ich bei den beiden anderen Nestern die Lichtabschirmung verbessert.

7.9. (50 Tage) Heute habe ich nachgeschaut, ob die Gyne mittlerweile umgezogen ist: sie ist nicht umgezogen. Daher habe ich das angebotene Nest wieder entfernt und ihr Reagenzglas neu mit Watte verschlossen. Mein Fazit ist, dass meine Sorgen hinsichtlich der Wassertankqualität unbegründet sind. Ich werde das Problem aber im Auge behalten, um gegebenenfalls Gebrauch von meiner Spritze machen.

Natürlich konnte ich nicht widerstehen auch kurz in die anderen beiden Nester zu gucken, insbesondere in dasjenige, das eine Puppe enthält: keine sichtbaren Entwicklungen. Die Gyne aus dem schmalen Glas war gleich wieder hektisch, daher werde ich ihr Nest bei der nächsten Kontrolle auslassen.

11.9. (54 Tage) Ich habe heute die Gyne aus dem Eierkarton kontrolliert, deren Puppe noch nicht geschlüpft ist. Die Puppe lag etwas abseits der Eier und die Gyne reagierte sehr gelassen auf die Störung. Die anderen Nester habe ich nicht gestört.

Es ist vermutlich nicht möglich sich als Mensch in eine Ameise hineinzuversetzen, doch wenn ich mir überlege, dass ich Tage in Dunkelheit verbracht habe und dann plötzlich ins helle Tageslicht gerate, so müßte das ein gewaltiger Schock und bestimmt schmerzhaft für die Augen sein.

Ich hege langsam Zweifel, ob ich dieses Jahr überhaupt noch Arbeiterinnen zu sehen bekommen werde. Einerseits kann es mir recht sein, weil ich die Nester ohnehin bald Einwintern muß und das wird vermutlich eher leichter ohne Arbeiterinnen. Andererseits scheint es normal zu sein, dass Lasius niger mit Arbeiterinnen in die erste Winterruhe geht, sodaß ich befürchten muß, daß etwas nicht in Ordnung ist. Vielleicht sind es keine Lasius niger...

25.9. (68 Tage) Es ist leider noch immer keine Pygmäe geschlüpft. Lediglich scheint sich eine weitere Larve aus dem Eierkartonnest verpuppt zu haben. Soweit ich weiß, sammeln die Pygmäen vor der Winterruhe Nahrung für die Königin. Daher, und weil ich nicht nicht einschätzen kann, ob die Vorräte der Königin für eine Winterruhe ohne Pygmäe ausreichen, hatte ich versucht sie zu füttern. Dazu habe ich ein Wattestäbchen in eine Honig-Wasser-Mischung getaucht und ihnen
dies angeboten. Die Gyne aus dem Eierkartonnest mit der Puppe hat dies sehr gierig angenommen, aber nur einmal. Die anderen beiden waren ängstlich.

Fazit: Die Tiere so zu stören war wohl eine schlechte Idee.

Ich habe den Entschluß gefasst die Königinnen mit ihren Larven in die Winterruhe zu schicken und das beste zu hoffen. Außerdem habe ich von den Nestern die Wattestopfen entfernt und sie in die Arenen gelegt. Direkt vor die Eingänge habe ich Honig-Wasser und kleine Fruchtfliegen gelegt. Vielleicht kann ich so das Fehlen der Pygmäen ausgleichen - sollte denn überhaupt noch eine Chance bestehen die Damen durch den Winter und sie zur Gründung einer Kolonie zu bringen. Nach diesem erneuten, und hoffentlich weniger störenden, Fütterungsversuch werde ich sie im Einklang mit der durch den Wandel der Jahreszeiten bedingten Abkühlung des Klimas zur Winterruhe animieren.

Abgesehen von der ausbleibenden Entwicklung der Larven scheint es den Tieren gut zu gehen. Auch die Larven sehen nicht krank aus, soweit ich dies beurteilen kann.

Meines Wissens geht Lasius niger nur mit Larven in die Winterruhe, ob auch noch Eier unter der Brut ist, kann ich nicht entscheiden, doch falls ja, dann überwiegt die Anzahl der Larven deutlich.

Das unverhoffte Ausbleiben der Arbeiterinnen ist mir ein Rätsel, da wir zuletzt doch noch einige warme Tage hatten, die die ungewöhnlich kühlen Tage von Anfang August ausgeglichen haben sollten. Ferner habe ich die Tiere, wie ich meine, nur
selten und kurz gestört; jedenfalls im Vergleich zu dem Eindruck, den ich beim Lesen mancher Haltungsberichte bekomme, in denen ständig Photographien von den Tieren gemacht werden. Alle Störungen bis auf mein Fütterungsversuch von vor 3
Tagen und einige Störungen aus den ersten Tagen des Fangs habe ich hier dokumentiert.

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Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitragvon Keksheldin » 26. September, 2016, 09:13

Das ist aber in der Tat recht seltsam dass bei dir nach fast 70 Tage noch keine einzige Pygmäe da war.

Habe dieses Jahr vor meiner Haustür auch bestimmt 20 Lasius niger Königinnen vor gefräßigen Vögeln und dem Tod durch Zertreten gerettet. Das war ziemlich genau am 9. Juli.
Alle erst mal in vorgefertigte Reagenzgläser mit Wassertank gesteckt (habe da zum Glück immer ziemlich viele parat, nur für alle Fälle), RGs in einen liegenden RG-Ständer gelegt und in den Schrank mit den Winterklamotten verfrachtet (dunkel, ZT ~23°C).
Dort ließ ich sie aber erst einmal wirklich 4 Wochen einfach nur liegen, ohne Nachsehen/Kontrollieren.
Bei der ersten Kontrolle einen Monat später waren nicht nur jede Menge Eier da sondern bei fast allen auch schon erste Puppen. Ab dem Zeitpunkt habe ich dann einmal jede Woche mit Kanüle einen Tropfen Zucker-Wasser-Protein-Gemisch verfüttert.
Wenn ich mich nun recht erinnere hat es rund 4 weitere Wochen gebraucht als ich dann bei der Kontrolle plötzlich in jedem RG 5 bis 10 Pygmäen herumwuseln sah.

Vllt sind deine Königinnen wirklich störanfälliger gewesen, oder du versuchst es auch mal mit Fütterung ... auch wenn L. cf. niger eigentlich caustral gründet. Meine Kleinen haben es jedoch dankend angenommen und mittlerweile kommen alle Kolonien auf ca. 50 Arbeiterinnen.
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Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitragvon trailandstreet » 26. September, 2016, 14:14

Ja, das kann tatsächlich auch bei L niger vorkommen, dass sie erst im nächsten Jahr richtig gründen.
Ich hatte auch schon mal vier (eigentlich fünf) Gynen gesammelt, die alle gründeten und mit 15-20 Pygmäen und Brut, also Larven, in die WR gegangen.
Das Jahr drauf sammelte ich L flavus Gynen, die fingen generell erst im darauffolgenden Jahr an.
Als ich dann mal L niger und flavus sammelte, für einen Vergleich beider, übrigens am gleichen Tag, wollte weder die eine, noch die andere im selben Jahr gründen.

Es ist anscheinend nciht ganz klar, was die Gynen dazu bewegt, manchmal gleich Gas zu geben und mit Anhang in die WR zu gehen und manchmal nicht. Manchmal wird auch Brut gefressen und erst im nächsten Jahr gegründet. Es bibt viele Faktoren, die hier zusammenkommen.
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Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitragvon Chris Quinn » 26. September, 2016, 20:40

Danke an Euch beiden für die Hinweise und Einschätzungen. Es freut mich besonders zu lesen, daß das Ausbleiben der Pygmäen nicht notwendig ein schlechtes Zeichen sein muß.

Tatsächlich habe ich den Tieren gestern auf einem Schnipsel Alufolie je etwas Honig-Waser-Mischung und eine Fruchtfliege angeboten. Wenn nicht ein Windstoß die Fliege fortgeweht hat, dann könnte die Gyne in dem großen Glas sie verspeist haben. Die anderen Fliegen schienen unberührt, ebenso die Flüßigkeit. Ich werde aber trotzdem mindestens noch eine Woche lang Futter anbieten.

Dabei stellt sich mir die Frage, ob Lasius niger auch tote Blattläuse fressen würden. Denn soweit mir erinnerlich melken und pflegen sie diese gewöhnlich, dass sie sie auch fressen, habe ich noch nicht gehört (was aber nichts heißen muß). Da Blattläuse auf ein paar meiner Pflanzen leben, hätte ich so eine leicht nutzbare Futterquelle.

Vielleicht kann mir ja jemand die Frage beantworten. Hätte ich Pygmäen, würde ich einfach experimentieren, aber so möchte ich keine Zeit vergeuden.
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Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitragvon Keksheldin » 26. September, 2016, 21:47

Meine Erfahrung ist folgende:

Lebendige Blattläuse werden partout nicht als Futter angesehen, selbst wenn es mal ein paar Tage keine Proteine gab.
Auch wenn die Blattläuse in der Arena rumliefen (hatte zuerst testweise einzelne Tiere mit und welche ohne Flügel reingegeben), wurden diese kurz befühlt, vor allem an der Drüse welche die zuckerhaltige Flüssigkeit abgibt, und dann in Ruhe ziehen gelassen.
Tote Blattläuse hingegen, da sah die Sache schon anders aus, aber die wurden auch nur bedingt/schlecht/sehr spärlich angenommen ... Ich glaube meine L. cf. niger sind da einfach anderes an proteinhaltiger Nahrung gewohnt und kennen die Blattläuse ansonsten nur als Nutztiere, da ich nun regelmäßig mal einen kleinen Stengel mit Blattlausbefall für 1 bis 2 Tage in der Arena stehen hatte.

Kann dir also nur empfehlen probiere es selber mal aus, fang aber am besten mit toten (durch Überbrühen zB.) Blattläusen als Nahrungsquelle an. Evtl. nehmen deine Tiere sie besser an als meine wenn sie von Anfang an damit gefüttert werden.
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Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitragvon trailandstreet » 27. September, 2016, 14:00

Es gab ja schon viele Versuche mit integrierter Blattlaushaltung, wobei auch oft die Blattläuse einfach als solche verspeist wurden. In der Haltung läuft es aber auch oft anders als man es gern hätte.
Im Prinzip ist es ja ein Schutzmechanismus der Blattläuse gegen das Verspeistwerden. Funktioniert das nicht mehr, dann ist es schlecht für die Läuse. Es ist aber auch deshalb besser für die Läuse, da sie sich sonst selbst mit diesem zuckerhaltigen, klebrigen Sekret zukleistern würden.
So gesehen normalerweise eine Win Win Situation für beide.

Gynen fressen eigentlich garnichts, während der Gründung.

Sollte sie nächstes Jahr trotzdem nicht in die Puschen kommen, kannst Du ihr immer noch ein paar Puppen einer Gartenkolonie unterjubeln. Sind erst mal ein paar Arbeiterinnen da, wirkt das oft Wunder. Heuer dürfte es für Puppen draussen wohl schon zu spät sein.
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Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitragvon Chris Quinn » 3. Oktober, 2016, 10:50

2.10. (75 Tage) Ich habe die Reagenzgläser nach dem versuchten Futterangebot wieder verschlossen. Zur schrittweisen Vorbereitung auf die Winterruhe habe ich die Tiere in einem Karton verstaut, den ich als ersten Schritt tagsüber im Freien auf dem Balkon lasse, jedoch zur Nacht wieder hereinholen werde; er soll dann aber trotzdem kühl stehen.

Für später plane ich den Karton auch nachts draussen zu belassen; ich möchte die Königinnen so lange als möglich auf dem Balkon lassen und sie erst bei Frost in den Kühlschrank stellen.

Alle Tiere leben und haben viele Larven, aber keine Pygmäen. Mir war, als wehte der Wind eine Melodie herüber ...

Nochmals Dank für die Tips!
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Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitragvon Chris Quinn » 16. Oktober, 2016, 17:42

16.10. (89 Tage) Seit 2 Wochen lagere ich die Reagenzgl\"aser in einem mit etwas Papier isolierten Karton auf dem Balkon, wo ich die Nester, solange es nicht zu kalt wird, zu lassen gedachte. Bei stärkerer K\"alte soll es in eine Styroporkiste bzw. in den K\"uhlschrank gehen.

Heute habe ich einen Kontrollblick gewagt, um die Wasserversorgung zu prüfen: alle Tiere scheinen in Ordnung zu sein. Tats\"achlich ist eine der Puppen geschl\"upft: die erste Arbeiterin in diesem Jahr! Nun glaube ich, daß alles, alles gut wird.

Andererseits bin ich nun gezwungen komplett anderes vorzugehen, denn ich hatte die Saison ja schon f\"ur mich f\"ur beendet erkl\"art, doch nun halte ich es f\"ur das Beste, das Nest noch eine Weile zur\"uck in die Wohnung zu holen und den Tieren noch etwas Nahrung f\"ur die Winterruhe anzubieten, damit sie ihre Reversen auff\"ullen k\"onnen. Ich hoffe sie vertragen dieses hin und her.

Zur Versorgung biete ich eine Zahnstocherspitze Honig an, zwei Blattläuse und ein Knäulchen mit Wasser getr\"anktes Taschentuch. Ein neues Reagenzglas habe ich auch dazu gelegt, glaube aber nicht an einen Umzug.

Es klang schon in den Mitteilungen an, daß der Grund, weshalb die Puppen so lange nicht schl\"upften, zu h\"aufige St\"orungen gewesen sein k\"onnte. Jedenfalls ziehe ich diese Schlussfolgerung aus dem bisherigen Verlauf und freue mich, daß die zweiwöchige Pause scheinbar gut getan hat.

Ich habe nur einen ganz kurzen Blick auf die Pygmäe geworfen: sie ist sehr klein und ganz schwarz. Bei meinem Glück ist sie sogleich vor 13 Tagen geschl\"upft.

Heute Abend gibt's Ameisenbärensteak!
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