Futtertiere überbrühen oder nur einfrieren?

Futtertiere, Futtertierhaltung, Diskussion, sonstige Überlegungen und Ideen

Re: Futtertiere überbrühen oder nur einfrieren?

Beitragvon Basti87 » 10. Februar 2018, 10:04

Solange wie sie angenommen werden.
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Re: Futtertiere überbrühen oder nur einfrieren?

Beitragvon Sajikii » 10. Februar 2018, 20:46

In der Ameisenhaltung spricht man für gewöhnlich von verschiedenen Milben, vereinfacht ausgedrückt redet man da von "Abfallmilben" und "parasitäre Milben". Natürlich ist man nicht in der Lage, die genaue Art zu bestimmen (ist bei diesem Artenreichtum quasi unmöglich), hier verwendet man daher einfach passende Bezeichnungen, weil es anders nicht möglich ist. Von daher findest du die "Abfallmilben" am Abfallhaufen, auf altes oder frisches Futter, in feuchten Substrat und Nester. Es gab schon Situationen, wo diese "Abfallmilben" zur richtigen Plage wurden, weil sie das ganze Formicarium bevölkerten, das Ameisenfutter direkt befallten und selbst im Ameisennest als Störfaktor empfunden wurde. Allerdings kann man sie auch wieder loswerden, wie zum Beispiel mit der Trockenheit. Mehr findet man durch die SuFu.
Die andere Kategorie "parasitäre Milben" ist mehr oder minder eine Gefahr für die Kolonie. Meistens sieht man sie mit dem bloßen Auge nicht, wandern quasi unsichtbar in die Kolonie ein und sind schwer bekämpfbar.
Beide Kategorien kann man mit Futterinsekten oder eben auch mit Dekomaterial o.ä. aus der Natur einschleppen.
Ich habe das jetzt kurz erklärt, weil ich den Eindruck bekam, dass hier eher die Rede von diesen "Abfallmilben" oder auch so genannten "Futtermilben" war, wobei ich aber beim Thema "Futterinsekten überbrühen" an die Parasiten denke und damals das auch deswegen so in die Praxis der Ameisenhaltung eingeführt wurde. Soweit ich weiß, sind die parasitären Milben weniger anfällig für Trockenheit, solange sie auf ihrem Wirten sitzen können. Aber mehr kann ich dazu nicht beitragen, weil ich mich mit Milben allgemein nicht so gut auskenne.

Diese "Abfallmilben" hatte ich früher auch in dem einen oder anderen Formicarium, aber wenn man aufpasst, werden sie nicht zur Plage oder verschwinden gar. Parasitäre Milben hatte ich gsd nie. In den ersten Jahren überbrühte ich auch die Futterinsekten, wechselte irgendwann aber zu unbehandelte Futterinsekten und endete schlußlich bei der Methode: Füttern - Einfrieren - Verfüttern. Sprich, wenn du Futterinsekten (Heimchen, Grillen, Heuschrecken usw.) kaufst, füttere sie mit Karotte usw an, friere sie nach einen oder zwei Tage ein und hole dir portionsweise die Menge raus, die du brauchst. Ein halbes Jahr eingefroren geht locker, hab auch schon ältere Futterinsekten verfüttert, ohne Probleme.

Um die "parasitären Milben" zu vermeiden, sollte man auch milbenanfällige Insekten wie Stubenfliegen und andere Hymenoptera nicht verfüttern. Außer "man sieht es locker" und beachtet selbst diesen Punkt nicht.
Wie gesagt, meine Ameisen hatten noch nie gefährliche Milben. In den 14 Jahren passierte nicht einmal was. Kann auch Glück gewesen sein, oder auch nicht? ^^

Viel Erfolg!

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Re: Futtertiere überbrühen oder nur einfrieren?

Beitragvon Serafine » 10. Februar 2018, 23:59

Generell gibt es vier Typen von Milben mit denen man als Ameisenhalter Bekanntschaft machen kann, einige sind sehr unangenehm, andere eher unproblematisch oder gar nützlich.

"Erdmilben" sieht man nur in Erdnestern, die sitzen in der Erde und wollen nichts von den Ameisen gewissen, auch wenn sie gelegentlich von ihrem Futter naschen. Normalerweise fressen sie den Abfall den die Ameisen in der Erde vergraben. Die sind üblicherweise winzig und fast durchsichtig.

"Futtermilben" sitzen meist auf dem Futter (z.B. Getreidemilben bei Messor), manchmal entwickeln sie aber auch Dauerstadien, die sich von den Ameisen herumtragen lassen, was sehr lästig werden kann. Die große Mehrheit dieser Dauerstadien saugen nicht an den Ameisen, einige wenige Arten allerdings schon. Futtermilben sind in der Regel sehr klein und nicht wirklich mobil.

"Schnorrermilben", sind sozialparasitische/kommensalische Milben und leben vom Futter der Ameisen. Wenn die Ameisen Futter austauschen nehmen die Milben einen Schluck mit. Sie besitzen verlängerte Vorderbeine mit denen sie sogar nach Futter betteln können. Sie sind recht groß und lassen sich gern von den Ameisen herumtragen, sind aber auch selbst zu Fuß sehr mobil. Einige Arten saugen auch an der Ameisenbrut, die Arten die das nicht tun sind solange die Kolonie genug Futter zur Verfügung hat eigentlich nur ein Problem wenn die Population völlig außer Kontrolle gerät.

"Parasitäre Milben" saugen aktiv an den Ameisen und sind in der Regel eine echte Bedrohung für das Überleben der Kolonie. Die erkennt man in der Regel daran, dass sie an Schwachpunkten wie den Gelenken oder zwischen den Segmentplatten sitzen.
Einige Raubmilben (z.B. rote Samtmilbe) haben Larvenstadien, die parasitisch an anderen Arthropoden saugen, die Adultstadien sind aber freibewegliche aktive Räuber die andere Milben und kleine Insekten oder Spinnen fressen.
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Re: Futtertiere überbrühen oder nur einfrieren?

Beitragvon HennY » 12. Februar 2018, 12:18

Tach schön,

ich würde ganz gerne das laufende Thema aufgreifen und eine Frage loswerden.
Und zwar habe ich letztens gelesen, das wenn man nur behandelte (abgekochte/erfrorene) Futtertiere füttert, das die Kolonie ''versterilisiert''.
Sprich das die Kolonie anfälliger für Krankheiten und Milben wird, da sie in Berührung mit Unreinheiten kam.
Deswegen wollte ich fragen ob da jemand mit Erfahrung hat und ob es ratsam ist bei größeren Kolonien mit Lebendfutter bzw. frischen Futtertieren
zu füttern.
Jetzt mal von dem moralischen Punkt abgesehen, dass man das Futtertier nicht abtötet.

LG

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Re: Futtertiere überbrühen oder nur einfrieren?

Beitragvon Basti87 » 12. Februar 2018, 12:48

Lebend verfüttern finde ich normal und vorallem natürlicher.
Ich selbst überbrühe oder erfriere keine Futtertiere.
Im Sommer verfüttere ich zu 90% selbstgefangene Futtertiere.
Habe bis dato noch keine Probleme mit Milben gehabt.
Gruß Basti
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Re: Futtertiere überbrühen oder nur einfrieren?

Beitragvon Sajikii » 12. Februar 2018, 15:44

Wie ich schon schrieb, ist die Verfütterung von Lebendfutter in Hinsicht auf Milben so eine Sache. Es kann ewig oder immer gut gehen, oder auch mal nicht. Ich selbst hatte nie das Pech, Basti87 scheinbar auch bislang.
Vielleicht wird dem ganzen Thema auch zuviel Aufmerksamkeit geschenkt, vlt. ist es gar nicht so dragisch mit der Einschleppungsgefahr. Aber wissen tut man es im Endeffekt nie.

Man muss sich nur in diese Lage versetzen... vor rund 13 Jahre gab es im AF den einen oder anderen Fall, wo eine Kolonie hilflos an parasitäre Milben einging. Natürlich gab es da dann auch ein Umdenken, ist ja logisch. Über die Jahre verflüchtigte sich aber langsam diese Methode, Futtertiere zu überbrühen. Wahrscheinlich muss es wieder mal den einen oder anderen Fall geben, damit wieder mehrere Halter wieder eher Angst bekommen und dann doch lieber das heiße Wasser vorziehen.

Das Einfrieren von Futterinsekten ist meiner Meinung nach die beste Variante (weniger im Hinblick auf Milben). Wenn man vorher noch die Futterinsekten mit Gemüsefütterung aufwertet, weil sie vorher nur trockene Futterpellets hatten und das sicher nicht so reichhaltig sein kann, sollte das am Ende gut passen. Einfrieren ist wahrscheinlich die schonenste Variante, es wird halt einfach "eingeschlafen", wenn man das so nennen darf.
Frostfutter ist sehr sehr lange lagerfähig, man muss sich nicht darum extra kümmern und kann jederzeit seine Portionen rausholen, die man gerade benötigt. Wenn man einige oder gar viele Kolonien, vlt. sogar viele große hungrige Kolonien hat, ist dies wohl die einfachste Möglichkeit, die Fütterung zu managen.

...das die Kolonie ''versterilisiert"

Also sowas hab ich wirklich noch nie wo gelesen. Dann sollte man ja auch sämtliche Formicarien überdenken, die nur aus Ytong, Gips, pures Glas oder sonst wie bestehen? In solchen Formicarien wuchsen bislang aber immer schöne Kolonien heran, ob es den Ameisen hier an Vitalität fehlt, kann man wohl schwer einschätzen?
Aber mal ehrlich: Wer verwendet kein Dekomaterial von draußen, oder schmeißt trotz alledem mal die eine oder andere erschlagene Stubenfliege zu den Ameisen?

Wenn man große Kolonien hat, die schon mit Leichtigkeit große Insekten erbeuten, ist wohl eine Lebendfütterung machbar. Wenn man gerade eine große Packung Heuschrecken da hat, kann man sie ja reinkippen. Und dann gleich wieder welche kaufen gehen *gg*.
Anders formuliert: Es macht irgendwann auch Sinn, die Futterinsekten selber zu züchten. Heuschrecken, Heimchen, Fliegen, Mehlwürmer, Schaben... alles möglich. Wenn man von einer seriösen Quelle einen Zuchtansatz bekommt, hat man auch gesunde Tiere, keine Milben und einen guten Start.

Selbstgefangene Futterinsekten bzw. Wiesenplankton, ist zwar eine nette Sache, hat aber so den einen oder anderen Haken der unbedingt zu beachten gilt: Man sollte sich vergewissern, dass man keine seltenen oder gar auf der Roten Liste befindlichen Insekten verfüttert. Ist man sich unsicher, bitte wieder freilassen.
Nur Insekten verfüttern, wo man sich wirklich sicher ist.
Wiesenplankton oder einfach "selbstgefangenes Futter" kann eine zeitlang ausreichen, aber sollte man mal die schon oben erwähnten, großen, hungrigen Kolonien haben, kommt man wohl mit dem Fangen nicht mehr zurecht oder vergeudet dabei viel zu viel Zeit.

Alles andere sollte dein Hausverstand beantworten können *g*.

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Re: Futtertiere überbrühen oder nur einfrieren?

Beitragvon Saskia80 » 12. Februar 2018, 17:37

Sajikii hat geschrieben:
...das die Kolonie ''versterilisiert"

Also sowas hab ich wirklich noch nie wo gelesen. Dann sollte man ja auch sämtliche Formicarien überdenken, die nur aus Ytong, Gips, pures Glas oder sonst wie bestehen? In solchen Formicarien wuchsen bislang aber immer schöne Kolonien heran, ob es den Ameisen hier an Vitalität fehlt, kann man wohl schwer einschätzen?

Also ich habe tatsächlich irgendwo vor ein paar Wochen auch schon so etwas in der Art gelesen. Da ging es glaube ich um gefundene Deko aus dem Wald und ob sie abgebrüht werden sollte. Aber für mich sahen die dort geschriebenen Beiträge komplett nach reiner Spekulation aus und ich hatte das Thema bis jetzt gerade wieder verdrängt. :D


Also ich habe meine erste Kolonie erst 2 Monate und bis jetzt habe ich alle Insekten vor dem Verfüttern eingefroren, weil ich hier Forum aus den meisten Beiträgen herausgelesen habe, dass es die beste Methode ist, wenn man Milben vorbeugen möchte und man gleichzeitig wenig Qualiätsverlust bei den Futterinsekten haben möchte. Da bei mir noch alles Neuland ist und es genügend andere Dinge gibt, wo ich erst einmal die Kolonieentwicklung abwarten möchte, dachte ich mir, dass ich beim Futter jetzt lieber keine Risiken am Anfang eingehen muss und erstmal alles sicherheitshalber vorher einfriere. Zudem weiß ich auch nicht, ob meine Kolonie überhaupt schon lebendes Futter gefahrlos bewältigen kann und außerdem ist bei mir der Futterbedarf noch nicht so groß. Einfrieren fand ich das jetzt am Anfang praktischer als da jetzt groß zu züchten. Ich kann auch bis jetzt nichts negatives zu den gefrorenen Insekten sagen, denn die Ameisen fanden das Futter immer super und haben sich gleich drauf gestürzt. Da es mich aber interessiert, wie sich meine Ameisen bei lebenden Futtertieren verhalten, werde ich es vermutlich früher oder später auch ausprobieren.

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