Einstieg in die Ameisenhaltung

Einstieg in die Ameisenhaltung

Beitragvon LifeDrone » 7. März 2018, 18:30

Hi,

Ist jetz doch etwas länger geworden darum hier schnell eine Zusammenfassung:

Möchte mir ein Formicarium zulegen & habe bisher "nur" erfahrungen mit exotischen Amphibien
1. Welche ARten können sich durch Y Tong beissen?
2. Gibt es schöne, große Ameisen die halbwegs Anfängerfreundlich ( und wenn nicht dann zumindest ungefährlich und nicht-invasiv) sind. Besonders schön finde ich Paraponera clavata (diese sind aber sich ein paar nummern zu schwer für den Anfang) aber vllt wüsste jemand eine passende ARt.
3. Ausbruchsschutz ...habe meine Idee beschrieben und würde gerne ERfahrungen hören.






ich plane dieses Jahr meinen Kindheits-Wunsch nach einem Formicarium umzusetzen und wollte ein paar Fragen dazu stellen.
Zunächst muss ich sagen dass ich natürlich schon einiges gelesen habe aber man kriegt natürlich gerne auch direkte Antworten von Experten, also ich freue mich über jeden input.

Gründe für das Formicarium? Wie schon erwähnt habe ich mir ein solches schon als Kind gewünscht ( und auch gebaut) nur leider gelang es mir damals (das war auch noch in Zeiten vor dem Internet) nie ein Königin zu fangen, weshalb ich das Ding einfach mit Arbeiterinnen gefüllt habe (Die Armen :eek: ). Aber jetzt ist man ja älter und kann die Sache etwas professioneller angehen.

Nest: Ich habe bereits mein Werkzeug und Ytong Steine besorgt und begonnen Testweise Nester zu bauen ( inspiriert von Youtuber "Insektenprofi" der hier sehr gute Videos macht in meinen Augen). Meine Frage dazu ist:
Man liest immer wieder dass manche Arten sich durch dieses Y-tong durchbeissen können. Aber ich habe nirgend sowas wie eine Liste entdecken können. Ich dachte vielleicht könnte man das Nest auch umschliessen, mit einer Rückwand aus Plexiglass (so wie vorne), und seitlich und unten Metalgazes, damit der Stein auch "atmen" kann. Ich wäre hier über jeden Tipp und jede Anregung dankbar, weil mir die Idee das die Tiere so ausbrechen könnten schon Sorgen bereitet. (Es geht um ein externes Nest)

Das bringt mich auch gleich zu meiner zweiten Frage (der wahrscheinlich am häufigsten gestellten): Welche Art bietet sich an? Der allgemeine Tenor ist ja nur sicherlich Lasius Niger. Das einzige was mich an dieser Art doch "stört" ist dass sie sehr klein sind. Darum wollte ich fragen was den größere Arten wären die man halten könnte, ich finde große Ameisensorten einfach schöner anzusehen in einem Formicarium. Mir ist dabei wichtig das es eine ungefährliche Art darstellt ( also keine mit sehr schmerzhaften stichen oder bissen) damit das Formicarium auch halbwegs entspannt gereiningt, bei zeiten umgebaut werden kann. Da ich seit Jahren erfolgreich exotische Tiere (amphibien) halte, traue ich mir durchaus zu Dinge wie erdbeschaffenheit, microklima, Luftfeuchte ect zu regulieren, weswegen ich einer exotischen Art nicht grundsätzlich abgeneigt bin (aber keinesfalles eine Invasive). Aber gibt es vllt europäische Arten die groß und ungefährlich sind? Das wäre natürlich optimal.

Meine dritte Frage betrifft den Ausbruchsschutz. Die Bedingungen unter denen ich meine Sammlung um ein Formicarium erweitern darf sind dass ich alles erdenklich mögliche tue damit die kleinen nicht auf Wanderschaft gehen. Darum dachte ich an einen dreifachen Ausbruchsschutz nämliche: Talkum oder Parrafinöl am Beckenrand & Schlauchanschlüssen, dann die Arena und das nest wieder in flache Behälter mit erhöhten Rändern stellen, und um die Tischplatter wiederum einen rand montieren ( alles mit Ausbruchsschutz versehen.) Is das zuviel?
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Re: Einstieg in die Ameisenzucht

Beitragvon klebi » 7. März 2018, 19:31

Hallo und herzlich willkommen hier im Forum!
Ich fange jetzt mal an deine Fragen zu beantworten.
1. Mir ist bekannt, dass vor allem Messor barbarus dazu neigen, sich bei Platzmangel durch Ytong zu arbeiten. Interessant wäre aber auch, dass insbesondere viele Anfänger viel mit zu großen Körnern füttern und die kleinen Minors diese nicht knacken können, also haben sie viel weniger zu tun und fangen dann einfach an, dass Nest auch ohne Platzmangel zu erweitern. Wenn du also immer für viele Aufgaben sorgst, kannst du selbst diese Art in einem Ytong halten. Trotzdem steht fest, dass sie, wenn sie raus wollen, auch rauskommen können. Sonst vermute ich, dass alle Arten mit kräftigen Mandibeln auch mit etwas Aufwand durch den Ytong kommen würden.
2. Wenn du dich für etwas heimisches entscheidest, würde ich dir nach deinen Kriterien eine Camponotus Art empfehlen, am besten etwas in die Richtung Camponotus ligniperdus, sie haben eine tolle Färbung und sind dank ihrer Größe auch sehr gut zu beobachten.
3. Ist auf jeden Fall genug, mit der Tischplatte ist fast schon überflüssig.
LG
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Re: Einstieg in die Ameisenhaltung

Beitragvon LifeDrone » 7. März 2018, 22:23

Hi Klebi,
danke für die fixe Antwort!
ich werde mir Camponotus ligniperdus mal genauer ansehen, falls hier jemand adhoc Tips/Haltungserfahrung hat bitte her damit.

Und spannend wäre auch wie Messor Barbarus Halter mit diesem Verhalten umgehen ( keine externen Nester? oder anderes Material?), Ich habe jetzt Infos nur mal überflogen aber Camponotus ligniperdus sind ja Holznistend, darum gehe ich hier auch von einem ausgeprägteren "nage" Trieb ( oder wie man das bei Ameisen nennt) aus, und befürchte dass diese auch den Y Tong angreifen könnten.
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Re: Einstieg in die Ameisenhaltung

Beitragvon klebi » 7. März 2018, 22:45

Hallo nochmal!
Ich halte zwar keine Camponotus ligniperdus, kann aber sagen, dass sie meistens in morschem Holz nisten und so das Holz um einiges leichter bearbeiten können. Die Frage, ob ihre Kraft ausreicht um Ytong durchzubeißen, ist für mich schwer zu beantworten, ich habe bis jetzt aber noch nie von einem Camponotus ligniperdus Volk gehört, dass ausgebrochen ist, weil es sich durch Ytong gebissen hat. Bei den Messoren musst du eben immer darauf achten, dass sie genügend Platz haben und du kleinere Körner anbietest, kannst auch große zerkleinern, ist den meisten relativ egal, wichtig ist nur, dass immer genug Aufgaben da sind. :)

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Re: Einstieg in die Ameisenhaltung

Beitragvon Moudebouhou » 8. März 2018, 20:41

Hallo,

Zum Ytongnest/Durchbeißen: Dass sich Ameisen durch den Ytong nagen, ist vor allem von Camponotus- und Messor-Arten bekannt, grundsätzlich kann das in der Theorie wahrscheinlich jede Art, die groß genug ist (größere Werkzeuge). Mit der von dir beschriebenen Idee, den Stein zu "ummanteln", sollte dieser aber ausbruchssicher sein.

Zur gewünschten Art: Fast alle Ameisen sind komplett ungefährlich, quasi ungiftig und können uns nix anhaben.Die Einsteigerart ist mittlerweile nicht mehr L. niger, sondern Camponotus nicobarensis. Kurz zusammengefasst: groß, bernsteinfarben, unterschiedliche Arbeiterinnengrößen (wie bei allen Camponotus), robust, keine Winterruhe. Die und ähnliche könnten was für dich sein. Auch Messor-Arten wie die beliebte M. barbarus könnten was für dich sein. Kurz zusammengefasst: mittelgroß (immer noch größer als L. niger), schwarz, es gibt sehr eindrucksvolle Soldatinnen, robust, kurze Winterruhe bei nur ca. 10°C (es gibt auch Messor-Arten ganz ohne WR), interessantes Körnersammelverhalten.
Camponotus ligniperda würde ich nur bedingt einem Einsteiger empfehlen, ich bin mit dieser Art eingestiegen und hatte einige Problemchen. Es sind wunderschöne Ameisen, aber das Wachstum der Kolonie geht nur sehr langsam vonstatten und ich hatte Probleme mit Brutfraß. Probieren kannst dus aber natürlich.

Zum Ausbruchsschutz: Was du beschreibst, klingt ziemlich umständlich, kompliziert und unnötig. Es gibt nämlich auch andere Methoden als Paraffin/Talkum :P
Ich empfehle, grundsätzlich Paraffinöl aufzutragen, das kann nicht schaden. Wenn du dann noch einen Deckel auf dein Formi packst, sollte alles 100%ig sicher sein. Grade so große Arten, wie du eine haben willst, ist Ausbruchsschutz sehr einfach zu bewerkstelligen, manche Arten haben sogar Schwierigkeiten, Glas zu erklimmen.

Ich hoffe, ich konnte helfen,
Liebe Grüße,
Moudebouhou

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Re: Einstieg in die Ameisenhaltung

Beitragvon LifeDrone » 9. März 2018, 00:26

Hey Moudebouhou,
danke fürs schreiben, ich habe gleich mal Haltungsberichte und Bilder von Camponotus nicobarensis angesehen, die sehen ja wirklich richtig schick aus, mit schöner Färbung und auch groß genug um sie (leicht) zu beobachten. Danke für den Tip. Ich hab mir exotische Arten, eben wegen möglicher Probleme, noch nicht so genau durchgesehen. Du sagst die sind Einsteigerfreundlich? Hast du vllt sogar selber welche? Dann wäre ich natürlich für alle Tips dankbar. Ich werde noch weiter recherchieren aber rein vom ersten Eindruck find ich die Gattung auf jeden Fall interessant.

Spannend dass du bzgl. der Camponotus ligniperda den Brutfrass & langsames Koloniewachstum erwähnst, da ich genau das Gleiche bereits in mehreren Haltungsberichten (u.a hier im Forum) gelesen habe. Schade, da ich die eigentlich auch recht ansehnlich finde, aber es kommt ja noch die Winterruhe hinzu, die offenbar bei manchen Haltern bis zu 6Monate dauern kann, das wäre natürlich erstmal nicht so optimal, wenn man mit begeisterung in eine Haltung einsteigt um dann nur die hälfte des Jahres etwas davon zu haben. Aber wer weiß wenn die Ameisenzucht mir langfristig freude bereitet könnte ich mich ja irgendwann mal an die Camponotus ligniperda heranwagen.

Bzgl. Ausbruchsschutz: Ja es stimmt wohl das mein Plan ein wenig übertrieben ist, aber um auf Nummer sicher zu gehen werde ich vllt neben dem Ausbruchsschutz direkt in der Arena noch eine weitere "Sicherheitslinie" ziehen, muss mir nur überlegen wie ich das Anstelle damits auch was gleichschaut.

Gibt es eigentlich besondere Dinge die man bei Talkum/Paraffinöl beachten muss? Also gibt es Gattungen bei denen das eine oder andere besser wirkt? Mein Eindruck bis jetzt ist dass die beiden Mittel sehr ähnlich verwendet werden & der einzige Unterschied scheint zu sein das mit Talkum das Becken eben diesen etwas unansehnlichen weissen (Talkum) Streifen hat.
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Re: Einstieg in die Ameisenhaltung

Beitragvon Moudebouhou » 9. März 2018, 13:45

Ich selbst halte keine C. nicobarensis, allerdings wird sie wohl zu Recht den meisten Einsteigern empfohlen, nur von verhältnismäßig wenigen Kolonien hört man, dass sie eingehen, meistens wird eher von schnellem Wachstum berichtet.
C. ligniperda kann ich als zweite Art, wenn du mit den C. nicobarensis schon sicher bist und noch eine zweite Kolo willst, definitiv empfehlen, sie sind, wenn man die Gründung hinter sich hat, sehr schöne, aktive und große Tiere.
Zum Ausbruchsschutz: Ich weiß nicht, ob du die Arena (und deren Deckel) selbst basteln oder dir eine kaufen willst. Selbst wenn du ersteres vorhast, reicht ein Deckel und Paraffinöl völlig aus, eine Camponotus-Art wird sicher kein Durchkommen haben. Erst bei kleineren Arten könnte es Probleme geben.
Wenn du eine Arena kaufen willst, bist du auf der 100%ig sicheren Seite, der Deckel liegt genau auf und die Ameisen haben keine Chance.
Paraffinöl und Talkum bewirken ähnliches: Die Ameisen sollen das Zeug nicht mögen und wenn sie es doch versuchen, die Barriere zu überqueren, sollen sie abrutschen.
Talkum allerdings ist nicht nur hässlich, meine sehr ausbruchsfreudigen Crematogaster sind auch einfach drübergelaufen und haben es ignoriert (vllt. habe ich es falsch aufgetragen?), ich kann mir zwar vorstellen, dass es bei Camponotus besser wirkt, aber Paraffin hat bei mir besser funktioniert und wird auch bei Camponotus wahrscheinlich besser wirken.
Das Paraffinöl trage ich immer auf, indem ich etwas davon auf ein Stück Taschentuch o.ä. tropfe und damit dann einen Streifen auf das Glas auftrage, der doppelt so breit sein sollte wie eine Ameise.

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Re: Einstieg in die Ameisenhaltung

Beitragvon B3nny » 24. Juni 2018, 16:55

Hallo und Willkommen hier im Forum...

Ich bin (noch) völkerlos allerdings kommt nächste Woche ein Päckchen mit C. ligniperda und C. herculeanus an (Gynen). Ich hatte anfangs de gleichen Bedenken wie du und bestimmt haben wir auch die gleichen Haltungsberichte gelesen :-)

Mir wurde inzwischen allerdings auch von vielen Seiten zugetragen, dass sowohl die Herkunft der Gynen als auch die Ungeduld des Halters eine nicht unerhebliche Rolle zu spielen scheinen. Also wenn dir die ligniperda zusagen sollten versuch eine gute Quelle aufzutun (vielleicht sogar hier im Forum ;-)) und wenn die Gyne da ist "vergiß" sie am besten erstmal für 14 Tage in einer ruhigen und dunklen Ecke.

Meine Gynen kommen zu den Wintersachen im Schrank => Dunkel, Warm, ruhig :-) Und: Lass die Gyne so lange im RG bis entweder das RG Probleme macht (Wasser alle) oder die ersten Arbeiterinnen da sind. Vorher brauchen die kein extra Nest und erst Recht keine Arena.

Nach allem was ich so gelesen habe, kann es gut sein, dass Camponotus auch mal nur mit Larven oder 1 oder 2 Arbeiterinnen in die Winterruhe gehen. Da ist also wirklich Geduld gefragt. Wenn du die mitbringst, die Gyne begattet ist und den Transport übersteht, sollte das nach meinen Informationen (nicht Erfahrungen !) klappen :-)

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