Koloniegründung in einer Petrischale

Berichte & Beobachtungen - Meinungen & Fragen [einheimische und exotische Arten]

Koloniegründung in einer Petrischale

Beitragvon FureFix » 2. Juli 2018, 23:16

Hallo alle miteinander ;-)

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Vor einigen Tagen habe ich eine Formica cunicularia Gyne gefangen und will diese Ameisenart gerne unkonventionell, in einer Petrischale gründen lassen. Ich würde gerne auf eure Erfahrungsberichte zurückgreifen.

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Die Petrischale ist noch nicht fertig eingerichtet, da ich das Nest noch mit einer Roten Lichtfolie abdecken will, um ihnen mehr Ruhe gewährleisten will. Dies ist meine Interpretation oder versuch, einen Kompromiss von Beobachtbarkeit und Natürlicher Haltung zu realisieren.

Jetzt kommen aber meine Fragen und Bedenken. Zurzeit Lagere ich sei in einem Fach im Schrank, dass ich abdunkeln kann. Die Temperatur liegt zwischen 24C° und 28C°.

Die Rotlichtfolie soll zum Einsatz kommen wenn ich den Deckel abnehme um Wasser nah zu füllen und um das Nest zu befeuchten. Die Folie muss noch dringend nachgerüstet werden, da sich die Gyne sehr Panisch verhält und keine Ruhe hat, wenn der Deckel entfernt wird. Habe das Nest auch mit einer anderen Petrischale aus Plastik zusätzlich überdacht, um der Gyne noch mehr Ruhe zu gewährleisten.

Ich habe gelesen, dass die Formica cuniculaia es gerne warm und trocken mag. Aber wie häufig müsste ich sie nun mit Wasser versorgen und das Nest befeuchten? Und mit welcher Menge?

Da sie bei mir schon mal einen Warmen Ort hat, befürchte ich, dass durch zu viel Flüssigkeit in der Petrischale und eine zu hohe Luftfeuchtigkeit herrscht. Und sich vielleicht sogar noch Schimmel bilden kann. Also die Üblichen Probleme ;-)

Zurzeit, bilden sich auf dem Deckel keine Tropfen von Kondenswasser. Ich gehe mal davon aus, dass das ein gutes Zeichen ist.

Über Hilfe und Erfahrung wäre ich sehr dankbar ;-)

Vielleicht ist das was ich da auch mache eine total dumme Idee und Stresse somit meine Tiere nur unnötig. Denn Zurzeit kommt mir das leider so vor. Was meint ihr? Bitte schreibt mir eure ehrliche Meinung dazu, denn ich will, dass es ihnen gut geht und bin Kompromissbereit!

Mit freundlichen grüßen
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Re: Koloniegründung in einer Petrischale

Beitragvon Chris Quinn » 3. Juli 2018, 08:55

Ich wünsche Dir viel Erfolg mit der Gründung! Obwohl ich selbst Anfänger bin, möchte ich eine Einschätzung abgeben.

In so einem kleinen Gefäß ist es schwierig für stabile und passende Umweltparameter zu sorgen: wenn es zu warm ist, ist es überall zu warm etc. Das trifft natürlich auch auf Reagenzgläser zu, aber diese haben sich bewährt. Außerdem erlauben sie einen gewissen Feuchtigkeitsgradienten.

Ferner sind Petrischalen nicht sonderlich tief, sodaß sich die Gyne nicht wird tief eingraben können: das könnte das Tier stören. Außerdem befürchte ich Probleme bei der Stabilität der Erdgänge, wenn sie sich denn eingraben sollte.

Ein Erdnest ist sicherlich das beste, was Du dem Tier bieten kannst, aber ich würde ihr dann ein größeres anbieten.
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Re: Koloniegründung in einer Petrischale

Beitragvon trailandstreet » 3. Juli 2018, 10:30

Die Schale ist ja etwas flach. Es gäbe da auch höhere. Gut, man muss es ja sowieso regelmäßig beobachten.
Was hast Du da eigentlich für einen Deckel? Die Deckel für Petischalen sind ja idR auch aus Glas.
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Re: Koloniegründung in einer Petrischale

Beitragvon FureFix » 3. Juli 2018, 11:43

@Chris Quinn: Danke für die erfolgswünsche ;-)

@trailandstreet: Die der Boden und der Deckel der Petrischale bestehen aus Glas. Ich habe zusätzlich einen Halben Petrischalen Deckel aus Plastik über das Nest getan.

Vorab will ich noch auf eventuelle Missverständnisse eingehen. ;-) Die Petrischale ist nur für die Gründung und kein Richtiges Formicarium.

Das Bild hat eine sehr ungünstige Perspektive.
Grob 1/3 ist bis zum Deckel mit Sand gefüllt und soll als Nest dienen. Der Restlichen 2/3 sind nur oberflächlich bedeckt um Platz für Lust und Sand vom Nest zur Erweiterung zu bieten. Aber irgend wie es ist doch 1/2 und 1/2 geworden. Sie hat auch schon ihr Nest nach ihren Wünschen umgestaltet. Hat alles größer gemacht. Hier einige Bilder um die generelle Größe besser einschätzen zu können. Leider musste ich dafür den Plastikdeckel entfernen, da sich dort Kondenswasser gebildet hat…

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Vorgehensweise zur Nestbefeuchtung:
Meine derzeitige Vorgehensweise zur Nestbefeuchtung besteht darin, Alle 3 Tage das Nest, an den „gebohrten“ 4 Löchern mit ~1ml Wasser zu befeuchten. Dazu nehme ich eine Pipette, da eine Spritze dazu neigt, Wasser mit einem zu hohen Druck abzugeben.

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Re: Koloniegründung in einer Petrischale

Beitragvon Ejoy » 3. Juli 2018, 12:05

Ziemlich coole Sache, so ein Erdgründungsnest muss ich auch mal probieren mit der nächsten Lasius Gyne die einem über den Weg läuft! Viel Glück!

Die einzigen Zweifel die ich habe, ist das die Gyne sich bei dir nicht ganz eingraben kann. So richtig wohl scheint sie sich nicht zu fühlen dann schätze ich mal.
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Re: Koloniegründung in einer Petrischale

Beitragvon User3165 » 3. Juli 2018, 12:50

Bei Formica ssp. ist es nicht nur das Licht, das sie nervös macht...
Meine Kolonien (Farmica sanguinea, 2x Formica cf. fusca) rasten auch immer bei der kleinsten Erschütterung aus. Die werden schon aufgeregt, wenn nur jemand im Raum hustet :D
Du wirst den Deckel nur schwer abnehmen können, ohne dass die Gyne in Panik gerät, egal welche Folie du draufklatschst ;)

Sieht aber echt klasse aus!

LG
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Re: Koloniegründung in einer Petrischale

Beitragvon FureFix » 3. Juli 2018, 16:45

Nochmals danke für die Beiträge, Hinweise und Rückmeldungen. Ihr gebt mir damit ein Gefühl der Sicherheit, da wir zusammen an diesen Projekt Arbeiten. Echt super von euch!

Leider kann ich zum Eingraben und zur tiefe nichts Genaueres sagen, da ich von diesem Problem zum ersten Mal höre. Habe mir aus folgenden Dingen mir wahrscheinlich darüber keine Gedanken gemacht.
In einem RG kann sie auch nicht tiefer Graben, aber das RG gibt ihr die Optimale Größe.
Und auch gelesen, dass die Formica cunicularia unter Steinen ihre Nester baut. Horizontal und nicht tief. Darum habe ich mich für die Petrischale entschieden. Aber wenn in der Ameisenhaltung 20cm als nicht tief Deklariert wird habe ich es falsch interpretiert.

Eine weitere Information die ich gelesen habe war, dass diese Art gerne unter den Steinplatten von Fußgängerwegen nistet. Bin auch daher davon ausgegangen, dass diese demzufolge erschütterungsresistenter sein sollten. Aber dies Trift nicht mit meinen Beobachtungen überein. Auch das öffnen des Deckels bringt die Gyne dazu mit ihren Eierpaket erst wild in der Petrischale umher zu flitzen und dann im Nest auf der Lauer zu liegen. Also entspannt ist das nicht. Und das Beobachte ich schon wenn ich nur den Lichtschutz vom Regalfach entferne. Und den Deckel bekomme ich auf gar keinen Fall ohne Erschütterungen auf.

Lösungsansätze:
Erschütterungen:
- Als erstes bringe ich Petrischale auf ein Regal. Wenn ich eine Schublade benutze breiten sich diese Erschütterungen trotzdem bis zur Petrischale aus.
- Bei Aquarien gibt es auch Stoßmatten die Erschütterungen Absorbieren sollen. Vielleicht geht ja auch ein Spühlschwamm.
- Das Befeuchten kann ich vielleicht mit der Hilfe des Kapillareffekt von Wasser und anderen Effekten die ich vergessen habe realisieren, in dem ich eine Schnur in die Petrischale ins Nest lege und das andere Ende in einem Becher, den ich mit Wasser befüllen kann. Mal sehen ob das funktioniert. Bei meinem Beuteltee und Schreibtisch klappte es ja auch. Tasse lehr und Schreibtisch überflutet.

Licht:
- Mit der Rotlichtfolie über dem Nest, sollte sich die Gyne dann hauptsächlich im Nest befinden, wenn ich die Petrischale draußen habe. Entweder meidet sie danach Außenaktivitäten, oder sie gewöhnt sich daran das es Draußen nun mal hell ist.

Mein derzeitiges Einschätzung:
- Durch das befüllen der tränke wird sie bei der Eierproduktion gestört
- Durch das befeuchten des Nestes wird sie bei der Eierproduktion gestört
- Das Bauen des Nestes lenkt sie von der Eierproduktion ab
- Das befüllen der Tränke mit Sand lenkt sie von der Eierproduktion ab
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Re: Koloniegründung in einer Petrischale

Beitragvon Ejoy » 3. Juli 2018, 17:04

Ich hätt emich deutlicher ausdrücken sollen.

Ich sehe das Problem nicht an der Tiefe des Eingrabens, sondern daran, dass sie sich permanent von oben Licht ausgesetzt fühlt. Wenn du die Petrischale von oben abgedunkelt hast sollte das Ganze kein Problem sein. Jedesmal wenn du es Bewässerst musst du den Lichtschutz aber abnehmen soweit ich das verstehe. Dann würde sie jedesmal (alle 2-3 Tage) Licht ausgesetzt und fühlt sich nicht sicher.

Normalerweise gilt der Vorschlag gründende Gynen nicht öfter als 1 mal die Woche, lieber sogar nur 1 mal im Monat zu stören oder gar erst nach 6 Wochen das erste Mal zu überprüfen. Wenn du die Gyne nun alle 2-3 Tage Licht und Stress aussetzt, würde ich das eher als konterproduktiv bezeichnen. Deswegen wäre ein tieferes Erdnest in dem sich die Gyne komplett eingraben kann deutlich vorteilshafter.

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