Blutiger Anfänger mit erster Kolonie

Allgemeine Fragen und Themen über europäische Ameisenarten.

Blutiger Anfänger mit erster Kolonie

Beitragvon BenVape » 2. August 2018, 23:15

Hallo zusammen :)

Ben mein Name, aus dem schönen Unterfranken.

Seit heute stolzer Ameisenhalter. :D
So gegen Mittag hat GLS mein Starterset endlich gebracht.
Bestellt über Amazon bei einem spanischen Händler. Komplettset mit Acryl-Formicarium, Königin plus Arbeiterinnen (Messor barbarus) und bissl Einrichtung.
Ja, nicht ganz optimal.
Aber als ich auf Empfehlung von nem Bekannten mich nach nem Starterset umgeschaut habe, wusste ich leider noch nichts vom Antstore *seufz*
Egal, wird auch erstmal mit dem Acryldingens gehen.....
Natürlich hab ich mich während das Paket auf Reise war soweit wie möglich informiert.
Zum einen den Händler gleich angeschrieben um genau zu erfragen welche Ameisen da jetzt dabei sind (lt. Kundenrezensionen soll der Händler auch teils Lasius niger mitschicken), und dann versucht schlau zu machen wie man sich möglichst gut um die neuen Mitbewohner kümmert.
Versucht deshalb, weils doch hier und da recht unterschiedliche Meinungen, Sichtweisen und Erfahrungen gibt.
Hab halt versucht mir aus der Fülle an Infos ein Bild zu machen......

Beim Auspacken natürlich als allererstes das RG mit den Mädels befreit und begutachtet. Die Chefin war erstaunlich ruhig, die doch erstaunlich zahlreichen Arbeiterinnen (ca. 10 inkl. einer Media) waren bissl hektischer, aber nicht direkt panisch.
Also RG erstmal in ne ruhige Ecke gelegt, bissl abgedeckt und abgedunkelt, damit sich die Meisen beruhigen und sortieren können (der span. Händler hatte die glorreiche Idee das RG SENKRECHT stehend ins Paket zu packen :andiewand: )
Das Formi selbst rundherum mit Klebeband verstärkt, hab schon gelesen dass die Verklebungen nach paar Monaten Probleme machen können. Dem sollte mittels Klebeband erstmal vorgebeugt sein. Hoffe ich jedenfalls......

Befüllen und Einrichten gingen relativ zügig und problemlos, insbes. wenn man bedenkt dass ich sowas ja zum allerersten mal mach.
Ins Nest hab ich ganz unten bisschen Seramis gestreut, nen Strohhalm in einer Ecke reingestellt und dann alles schön aufgefüllt, bisschen angedrückt und angefangen über den Strohhalm zu befeuchten.
In die Arena hab ich ne dünne Schicht Sand gestreut, darüber dann den feinen Aquariumsand/ -kies. Letzterer ist in nem dunklen Lila, weil darauf ja dunkle Ameisen suuuuper zu sehen sind (dieser Spanier muss ein Genie sein..... :huh: ).

Der Einzug des RG mit den Mädels ging erstaunlich problemlos.
Konnte kaum den Wattepfropf rausziehen, die kleinen Mädels hatten einen erstaunlichen Freiheitsdrang.
Nix mit im RG verkriechen, die Hälfte der Arbeiterinnen kam sehr schnell aus dem RG gestürmt und hat gleich mal alles erkundet.
Zum Start hab ich ihnen ein Tröpfchen Zuckerwasser gereicht, dazu ein paar fein zerkleinerte Haferflocken und ein wenig Krill.
Warum Krill? Ich bin zugegebenermaßen ein saumäßiger Jäger, vor allem wenns ums frohe Hallalie auf kleines, fliegendes Getier geht.
Meine einzige Chance dem Barbaren einen frisch getötete (Frucht-)Fliege anzubieten, ist wenn sich das fliegende Insekt ob meiner verzweifelten Jagdversuche totlacht.
Da ich irgendwo mal aufgeschnappt habe dass die Barbaren auch Krill annehmen, dacht ich versuch ichs mal damit.
So ein Döschen ist erschwinglich, ergiebig, hält sich lange (is ja staubtrocken), die Futtergabe hält auch lange (eben weil trocken), und lt. Herstellerangabe 62% Protein is doch auch ganz vielversprechend.
Das Zuckerwasser wurde registriert, aber Interesse sieht irgendwie anders aus. Nur einmal sah ich eine (Minor?) bissl dran rumnuckeln.
Die Haferflocken (obwohl ja schön klein, reich an allem was für Körnersammler gut und lecker sein dürfte usw.) werden hartnäckig nichtmal mit dem A.... ähm Gaster angeschaut....
Aaaaber..... Der Krill war scheinbar hochinteressant!
Nicht nur dass der sofort als Nahrung identifiziert wurde, die ersten Stücke wurden sogar nach nur einmaligen, ganz kurzen "befühlern" sofort geschnappt und ins RG geschleppt.
Sah zum Brüllen aus, wie so ne kleine Minor mit nem Brocken Krill kämpft :D
Dauerte dann keine 2 Minuten und die restlichen Stückchen an Krill waren auch im RG. Und die Chefin zeigte auch Interesse, hat direkt angefangen dran rumzunagen.

War dann noch ca. anderthalb Stunden gut Aktivität in der Arena zu sehen.
Alles wurde gründlich erkundet, Steinchen wurden herumgeschleppt, der Eingang zum RG wurde weitestgehend zugebaut mit Steinchen, der Eingang zum eigentlichen Nest wurde auch schon ausgiebig erkundet (natürlich hab ichs mit dem Befeuchten vom Sand viiiieeeel zu gut gemeint - N00b halt.....).
Seitdem ist aber ziemlich Ruhe im Ameisenstall.
Die Chefin scheint gut gespeist zu haben und kümmert sich mit ihren kleinen Arbeiterinnen recht intensiv um Brut und Larven.
Einzig meine größte Arbeiterin, vermutlich eine Media ist unermüdlich am Steinchen schleppen und Erkunden.

Morgen ist dann hoffentlich das Paket vom Antstore da, mit Körnersammler-Starterfutter-Set und den kleinen 20mm Näpfen (Kronkorken kommen mir momentan bissl zu groß vor).
Werds vielleicht die Tage mal mit paar Krümeln gek. Ei versuchen, mal schauen was meine Damen dazu sagen.....

Hat vielleicht noch jemand hilfreiche Tipps für die ersten Tage.....?
(außer den Sand trocknen zu lassen und die Mädels so wenig wie möglich zu stören ;) )

Grüße
Ben
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Re: Blutiger Anfänger mit erster Kolonie

Beitragvon BenVape » 3. August 2018, 01:27

Momentaner Stand der Dinge:
Die Damen haben sich ganz hinten ins RG zurückgezogen und Bewegung ist kaum vorhanden.
Außenaktivität beschränkt sich auf vielleicht mal eine Arbeiterin die scheinbar nur kurz nach dem rechten schaut.
Gut, die werden nach so nem ereignisreichen Tag auch ziemlich KO sein.

Zur Verfügung haben sie momentan die Körner im RG (kommen mir zu groß vor, aber bei der Lieferung vom Antstore sind ja kleine Sämereien dabei), Krill im RG, Zuckerwasser im Kronkorken, Wassergetränkter Wattebausch in nem anderen Kronkorken, Wasser in dieser kleinen Tränke (wobei ich dem ding irgendwie nicht so wirklich traue), und eine bei den Ameisen mitgelieferte Proteinlösung (stinkt furchtbar, scheint die Mädels nicht zu interessieren, werd ich wohl nicht mehr anbieten).
Haferflocken hab ich raus genommen, scheinen momentan von keinem Interesse zu sein.

Da sich die Mädels alle ganz hinten im RG verstecken, dachte ich denen ists in der Arena vielleicht zu trocken und hab auf den Steinchenhaufen am Eingang mal einige Tropfen Wasser gegeben.
Bissl komisch, hat aktuell im Zimmer gute 25 Grad und etwa 77% Luftfeuchtigkeit.

Was mir auffiel.....
Die Königin krümmt sich recht häufig.
Ist es ihr zu eng? Gehts ihr vielleicht nicht gut?

Und, ich hab wohl Stunt-Barbaren.
Hab heute schon mehrfach beobachtet dass eine Arbeiterin die Wand hochklettert bis zur Ecke wo der Deckel liegt, sich da bisschen umschaut, alles gründlich "befühlert", sich dann runter auf den Boden fallen lässt, und gleich wieder hoch krabbelt und die Wand inspiziert.
Kann ich mir momentan zwar keinen Reim drauf machen, aber wenns Spaß macht.....
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Re: Blutiger Anfänger mit erster Kolonie

Beitragvon Serafine » 3. August 2018, 03:42

BenVape hat geschrieben:Was mir auffiel.....
Die Königin krümmt sich recht häufig.
Ist es ihr zu eng? Gehts ihr vielleicht nicht gut?

Leckt sie sich dabei den Hinterleib ab? Das könnte ein Zeichen auf baldige Eiablage sein.

BenVape hat geschrieben:Da sich die Mädels alle ganz hinten im RG verstecken, dachte ich denen ists in der Arena vielleicht zu trocken und hab auf den Steinchenhaufen am Eingang mal einige Tropfen Wasser gegeben.
Bissl komisch, hat aktuell im Zimmer gute 25 Grad und etwa 77% Luftfeuchtigkeit.

Lass sie einfach machen, was die jetzt brauchen ist Dunkelheit ganz viel Ruhe (möglichst wenig Vibrationen). Am besten die nächsten zwei Woche nicht reinschauen, mit etwas Glück sind dann schon Larven da.
Dass sie wenig draußen sind ist normal, solange keine Larven da sind wird ja praktisch kein Futter benötigt, gibt also keinen Grund raus zu gehen.

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Re: Blutiger Anfänger mit erster Kolonie

Beitragvon BenVape » 3. August 2018, 03:57

Ja, bei genauerem Hinsehen scheint die Königin ihr Hinterteil zu bearbeiten.
Wenn das mit Eiablage zusammenhängt freut mich das natürlich sehr. :bananadancer:
Ein paar Larven konnte ich schon entdecken, meine sogar ein oder zwei helle Puppen gesehen zu haben.
Scheint also im Groben und Ganzen alles in Ordnung zu sein.

So an und für sich scheint die Königin von der recht entspannten Sorte zu sein.
Die knabbert bisschen an Körnern und Krill und lässt sich kaum aus der Ruhe bringen.
Nur wenn ich versehentlich mit der langen Pinzette ans RG stoße wird sie mal kurz nervös bis hektisch.
Beruhigt sich aber auch wieder binnen Minuten.
:o
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Re: Blutiger Anfänger mit erster Kolonie

Beitragvon BenVape » 3. August 2018, 14:23

Meine Mädels machen heut nen Faulen.
Hocken alle bei ihrer Chefin im RG und kümmern sich hoffentlich um ganz viel Nachwuchs.
Lediglich meine größte Arbeiterin (könnte ne Media sein) interessiert sich stark für Erdbewegung und hat angefangen im Sandnest zu graben.
Was natürlich entspr. schleppend vorwärts geht.

Lieferung vom Antstore ist da, hab den Mädels auch gleich ein paar der neuen, feinen Sämereien gereicht, dazu ein wenig feines und im Mörser angeknackstes Vogelfutter (Hirse, Rübsen, sowas halt), aber so wirklich interessiert sind sie nicht.
Naja, vielleicht morgen.....

Die Arena ist jetzt auch mit roter Folie abgedeckt, insofern dürfte es ihnen derzeit eigentlich ganz gut gehen.
Hoffe ich jedenfalls..... :)
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Stand heute, nach Fütterung
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Re: Blutiger Anfänger mit erster Kolonie

Beitragvon Serafine » 3. August 2018, 17:25

Du solltest das Nest ganz abdecken, dafür reicht ein Stück gefaltete Pappe (sieht dann aus wie ein kleines Zelt und lässt sich praktisch ohne Vibrationen abnehmen).

Die Behauptung Ameisen könnten kein rotes Licht sehen kommt aus der Bienenhaltung und ist kompletter Unfug. Ameisen sind keine Bienen und neue Studien haben nachgewiesen, dass Ameisen nur unter sehr schattigen Verhältnissen Probleme mit dem erkennen roter Farbtöne haben.

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Re: Blutiger Anfänger mit erster Kolonie

Beitragvon BenVape » 3. August 2018, 18:08

Ah, ok, gut zu wissen. :)
Das erklärt auch warum sich verhaltenstechnisch praktisch nichts geändert hat.

Danke für den Tipp :beer:
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Re: Blutiger Anfänger mit erster Kolonie

Beitragvon ReliAnt » 4. August 2018, 08:40

Hallo BenVape,

Glückwunsch zur ersten Kolonie (persönliche Einschätzung: Wenngleich ich selbst nie bei diesem spanischen Shop kaufen würde - näheres bei Interesse gerne per PN)

Messor barbarus ist eine wie ich auch finde sehr interessante Art!
Alleine das granivore Verhalten und die damit verbundene Unterteilung der Nestbereiche, das Kauen von sog. "Ameisenbrot", die Polymorphie...
Faszinierend.

Vor einem Dreivierteljahr hätte ich mir auch fast diese Art gekauft.
Unter anderem haben mich die Videos von Kornkammer hierzu begeistert.
Vielleicht kennst Du es ja schon, dieses Video:


Aus meiner Sicht ist die Kolonie sehr deutlich überfüttert (4:09) aber dennoch zieht mich das Gewusel quais magisch an.

Viel Spaß mit Deinem Volk und ich freu mich auf weitere Berichte von Dir.

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