Meine Einstiegsidee und die Fragen dazu

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Meine Einstiegsidee und die Fragen dazu

Beitragvon Hawkeye » 9. Oktober 2018, 13:16

Hallo,

Ich bin taufrisch in diesem Forum, habe aber schon vieles von euch als "Gast" gelesen.
Nachdem ich mein Leben lang begeisterter Ameisen-Fan war, meine Eltern der Haltung aber sehr abgeneigt sind, habe ich nun als 22-jähriger Student den Mut gefunden, mich erneut mit der Haltung einer kleinen Ameisenkolonie zu beschäftigen.

Wie wahrscheinlich einige Jüngere haben mich Youtube-Videos wieder auf die Haltung gestoßen. Leider ist mein Post etwas ... größer geworden. Ich hoffe, dass das nicht allzu schlimm ist.

Jetzt würde ich aber gerne meine aktuelle Planung euren kritischen Augen offenbaren, damit meine ersten Versuche nicht in traurigen Disastern enden.

1) Mein Wunsch-Volk
Wichtig war mir eine lokale Art zu haben, um sie zum einen selbst sammeln zu können und zum anderen ökologisch unbedenklich im Fall der Fälle wieder in die Natur zu entlassen. Meine Wahl fiel nach einigem hin und her auf Lasius niger an Stelle Lasius flavus, die ich neben Waldameisen (die ja aus guten Gründen NICHT gehalten werden) seit meiner Kindheit leidenschaftlich gerne beobachte.

2) Aufzucht aus einer Gyne
Ich würde am allerliebsten Versuchen eine Kolonie aus einer Gyne zu ziehen, um einerseits die Entwicklung vom Start verfolgen zu können, andererseits um mich schrittweise an die Tiere in meiner Wohnung gewöhnen zu können und - ganz einfach -, weil ich denke, dass mir die "Jagd" auf eine Gyne sehr viel Spaß bereiten könnte. Sollte das nicht klappen oder ihr mir davon abraten, dann kann ich ja immer noch ein Gründungsvolk käuflich erwerben.

3) Planung eines Eigenbaunestes
Ich wollte mich am Bau eines kleinen Nestes aus Ytong versuchen. Da ich ja zum Ende der Ameisensaison und gut nach der Schwärmzeit der Lasius Niger meine Begeisterung für dieses Hobby entdeckt habe, wollte ich den Winter dafür nutzen mich mit Werkzeug und etwas Geld daran zu machen.
Ytong bekomme ich direkt um die Ecke aus dem Baumarkt, aber bis jetzt habe ich keine Quelle für Schläuche und Plexiglas ausmachen können, wobei das letzte Mal im Baumarkt auch kein Mitarbeiter anzutreffen war (bin manchmal etwas blind...)
Das kleine Ytong-Nest würde ich gerne von unten mit einer Plexglas-Wanne befeuchten, oben eine Glasplatte darauf, auf die ich eine Abdeckung legen würde. Auf der einen Seite des Blocks würde ich Gänge und Kammern etwas "tiefer" machen, so dass sie etwas feuchter werden können.
Am liebsten würde ich die Gänge zum Teil auch mit Sand und Kies befüllen, so dass die Ameisen bei Bedarf zusätzliche Kammern "freilegen" und graben können - ganz nach ihren Bedürfnissen. Ob und wie ich einen Temperaturgradienten erzeugen kann, weiß ich nicht... Wäre vielleicht auch nicht schlecht, oder?
Belüftung würde ich mit zusätzlichen 'Ausgangslöchern' machen, an die ich kurze Schläuche mit Watte oder feinmaschigen Netzen anschließe, so dass mehr Luft ins innere kann, um Schimmel etwas entgegen zu wirken. In meinem Kopf schwirrte irgendwie vier als gute Ausgangszahl herum, so hat man dann später zusätzliche Kapazitäten das Nest mit Erweiterungen oder Alternativnestern zu verbinden.

Mich reizt einfach sehr das Nest selber zu bauen, weil es so ... irgendwie persönlicher wird? Man kann den Raum für Ameisen selber gestalten und dann sehen, wie sie darauf reagieren.

4) Arena
Als Arena habe ich vorhin hier gesehen kann man gut wohl auch Haribo-Dosen nutzen. Ansonsten hatte ich einfach an eine kleine Plexiglas-Wanne genommen. Den Boden mit etwas Gips ausgegossen und darauf ein bisschen Sand und Sand-Lehm-Gemisch verteilt, damit der Boden 'etwas natürlicher' ist. Nahrung wollte ich auf kleinen Erhöhungen (Steine? umgedrehte Deckel von Gläsern) mit dünnen Unterlagen platzieren. So kann ich nicht verteilte Reste leicht wieder entfernen.
Wasser bin ich mir nicht sicher, ob es besser ist das in der Arena anzubieten oder mit Hilfe Reagenzglas + Watte am Nest (an einem der unbenutzten 'Erweiterungseingängen').

5) Futter
Habe jetzt schon viel gelesen, dass man Ameisen eine gute Mischung aus Proteinen und Kohlenhydraten geben muss. Als Proteine würde ich gerne gesammelte Insekten von draußen und aus der Wohnung geben, die ich vorher abgekocht und gespült habe. Bezüglich Zucker bieten sich ja vor allem Honig und Früchte an. In einigen Jahren könnte man ja auch versuchen dem Volk gesammelte Blattläuse (natürlich mit Pflanzen...) anzubieten. Ich habe auch schon gesehen, das größeren Kolonien 'Menschen'essen gegeben wurde. Geht das wirklich gut? Kann man ihnen Fisch-, Fleisch- und Schokoladenreste geben?

Entschuldigt meine Menge an Fragen und ich hoffe, dass mein Beitrag so in Ordnung ist. Ich war lange nicht mehr in einem Forum und bin da sehr unsicher.
Hawkeye
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Re: Meine Einstiegsidee und die Fragen dazu

Beitragvon Oleg » 9. Oktober 2018, 14:18

Hallo Hawkeye

Na, dann mal herzlich willkommen hier und Glückwunsch zu deiner Idee und viel Spaß!

Lasius niger also - nun, im ersten Jahr, dem Gründungsjahr, brauchst du noch gar keinen Ytong. Da genügt ein Reagenzglas voll auf. Da Lasius niger standorttreu ist, werden sie das Reagenzglas auch sehr ungern verlassen wollen (warum sollten sie auch).
Sicher, sie benötigen Proteine und Kohlenhydrate - dazu aber am besten tiefgefrorene Insekten nehmen, sonst wird das Eiweiß beim Kochen fest und das können nur die Larven aufnehmen. Futterinsekten kann man kaufen, das erspart die Sorge um die Begleittierchen (Milben und andere Parasiten). Ein paar Heimchen, Grillen und Mehlwürmer, ab in den Gefrierschrank und du hast ewig daran. Tiefgefroren kleinschneiden und im Schälchen anbieten. Ein Schälchen mit Zuckerwasser, oder Ahornsirup dazu, Wasser (ganz wichtig) und mit Glück wirst du im ersten Jahr so auf etwas um die 30 Ameisen plus die Königin kommen - in der Arena wirst du sicher nur hin und wieder eine einzelne kleine Pygmäe sehen.

Was mich auf die Frage bringen würde: Wirklich Lasius niger? Warum nicht etwas, das man das ganze Jahr über halten und beobachten kann? Etwas größeres? Vielleicht auch mit etwas mehr Farbe? Es gibt so viele Ameisenarten und hier so viele Haltungsberichte - schau dich einfach um!

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Re: Meine Einstiegsidee und die Fragen dazu

Beitragvon Hawkeye » 9. Oktober 2018, 14:41

Danke für die schnelle Antwort!

Dann habe ich ja viel Zeit das Ytong-Nest zu bauen :D

Das die Probleme mit dem denaturierten Eiweiß haben, wusste ich noch gar nicht :O Danke für die Warnung ^^
Ich hatte befürchtet, das Futtertiere aus dem Handel vielleicht eher mit Milben und so belastet sind, aber ich habe dahingehend natürlich auch keine Erfahrungen :)
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Re: Meine Einstiegsidee und die Fragen dazu

Beitragvon Safiriel » 9. Oktober 2018, 21:31

Herzlich Willkommen im Forum.
Genau wie Du habe ich auch vor einigen Jahren begonnen mich erst einzulesen und vorzubereiten (und brauchte meine ersten gebauten Nester nicht).
Auch ich habe mich damals dazu entschlossen, eine Königin zu sammeln. Nur eine. Im Frühjahr dann hatte ich immer ein präpariertes Reagenzglas dabei und fragte mich bei jeder Ameise, ob es eine Königin sei.
Das dauerte ewig in meinem Fall und ich bekam meine erste Königin von einem anderen User hier im Forum geschenkt. Die Entwicklung dauerte sehr lang, und so erhielt ich eine kleine Kolonie Lasius niger per Post. Ich hab dann doch noch eine Königin gefunden (Lasius flavus), sodass es drei statt der geplanten einen Kolonie wurden.

Mit einer Königin zu starten ist wundervoll und ich würde es immer wieder tun. Man sollte sich aber selbst fragen, wie geduldig man ist: In den ersten Wochen bis Monaten passiert nicht viel. Regelmäßig nach der Königin zu schauen stört sie eher noch.
Es wird wohl darauf ankommen, wie lange du warten kannst - denn in den nächsten 6 Monaten halten unsere einheimischen Ameisen erst einmal Winterruhe und auch danach dauert es noch eine ganze Weile, bis Schwarmflüge stattfinden.

Ameisen sind ein Hobby, dass oft überraschen kann. Lass dich überraschen!

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Re: Meine Einstiegsidee und die Fragen dazu

Beitragvon Hawkeye » 9. Oktober 2018, 21:45

Auch dir danke für die fixe Antwort :)
Und von dir habe ich sogar schon einen Haltungsbericht gelesen und ein paar Beiträge gesehen :D

Und du hast absolut recht, dass das mit der Wartezeit eine spannende Frage ist, vor allem sollte sich dann 'meine' Königin zu einer ersten Winterruhe statt Nestgründung entschließen ^^
Die sechs Monate werde ich aber erst einmal mit Überdenken der Gründungsoptionen und Planung bezüglich Standort, Platz und eventuellen Vorbereitungen treffen (und natürlich mit dem vorfreudig-begeisterten Lesen von Forums- und Wikieinträgen sowie dem Verfolgen diverser spannender YouTube-Channel mit Ameisen).

Es ist wirklich toll, wie schnell man hier Antworten kriegt und wie nett es hier zu zugehen scheint :)
Hawkeye
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Re: Meine Einstiegsidee und die Fragen dazu

Beitragvon trailandstreet » 9. Oktober 2018, 21:53

Hallo Hawkeye, das meiste wurde ja schon gesagt, aber was die Suche der Gynen angeht, da lass ich mich immer wieder noch überraschen.
Immerhin hab ich noch nicht alle bei uns anwesenden Arten finden können und zur Gründung bewegt.
Lasius niger ist aber eigentlich einfach zu finden, da fällt man eher drüber, wenn es mal so weit ist.
Myrmica kann ich aber auch empfehlen, wenn man ihnen die passenden Bedingungen bieten kann.
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