Camponotus fulvopilosus Preis?

Unterfamilie: Formicinae

Re: Camponotus fulvopilosus Preis?

Beitragvon Gary » 16. Oktober 2018, 13:34

Hallo Oleg

ich habe glaube ich den gleichen gelesen,sie sind echt goldig (kleiner Wortwitz). Schade nur das diese Art so Teuer ist :( .
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Re: Camponotus fulvopilosus Preis?

Beitragvon Oleg » 16. Oktober 2018, 16:48

Hallo Gary

Das Flugticket kostet eben :-)

Es wäre ein interessantes Projekt, einen Schwarmflug dieser Art mitzuerleben und einige frisch begattete Königinnen mitzunehmen! Hier würde es mit Sicherheit einige Interessierte geben :-)
Dazu müsste man aber Vorarbeit leisten, nicht nur das bürokratische Klein-Klein, sondern auch das myrmekologische Fachwissen zusammentragen um eine optimale Akklimatisation und Ernährung dieser Art in Nordeuropa mit umgekehrten Jahreszeiten (!) und vor allem ohne Krankheiten und Parasiten zu erreichen. Auch sollte man das ganze Projekt davon abhängig machen, ob diese Art so verbreitet wie etwa unsere Lasius niger ist, wenn ja wo und wie man dahin kommt (und ganz wieder zurück).

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Re: Camponotus fulvopilosus Preis?

Beitragvon Serafine » 16. Oktober 2018, 16:49

Oleg hat geschrieben:Wie sind denn die Anforderungen der Art?

Sorry, aber die meisten der Fragen kann man sich mit etwas gesundem Menschenverstand und einem Minimum an Internetrecherche selbst beantworten.

Oleg hat geschrieben:Wie sind denn die Anforderungen der Art? Brauchen sie als südafrikanische Art tiefere Temperaturen im Sommer und hohe Temperaturen im Winter - und ist eine Ruhezeit wie bei Camponotus herculeanus endogen fixiert? Ist eine künstliche Beleuchtung (Tageslichtlänge/Lichtintensität) zwingend erforderlich? Mit wie viel Lumen/Watt?

Natürlich brauchen sie als südländische Art eine Wärmequelle. Eine Sommerpause legen Ameisen aus warmen Gebieten (abgesehen von Prenolepis imparis) meist nur dann ein, wenn die Außentemperaturen die Nahrungssuche nicht mehr zulassen.

Oleg hat geschrieben:·reicht Sand/Lehm, Ytong und ein paar Steine, oder muss es eine Mithril enthaltende Erde sein?

Mir ist weltweit keine Camponotusart bekannt, die mit einem RG-, Erd- oder Holznest nicht zurechtkäme. Sind ja keine Weberameisen (und selbst die kann man in RGs halten).

Oleg hat geschrieben:·entwickeln sie sich langsam, wie die deutschen Camponotus? Wie groß werden die Kolonien? Wie alt wird die Queen? Gibt es Geschlechtstiere in der Haltung?

Generell entwickeln sich nahezu alle Camponotusarten aus warmen Gebieten deutlich schneller als europäische Arten. Die brauchen keinen "Einjahresplan" bei dem sie nur 2x im Jahr Eier legen können, von denen der zweite Wurf es bis zum Wintereinbruch nur zum Larvenstadium schafft.

Oleg hat geschrieben:·stecken sie die meiste Zeit im Nest und zeigen sich nie, wie andere Camponotus-Arten? Sprich: Hab ich da eine Schönheit, die ich schlecht gelaunt aus dem Bett zerren muss, damit ich sie auch ansehen kann?

Dass viele Camponotusarten tendentiell nachaktiv stimmt, aber alla Arten werden mit zunehmender Koloniegröße auch tagsüber aktiv. Das erste Jahr könnte halt eher langweilig werden, das stimmt.

Oleg hat geschrieben:·sind sie ausbruchsfreudig? Klettern sie die Scheiben hoch? Knabbern sie das Silicon an?

Soweit ich weiß können alle Camponotusarten an Glas klettern. Ameisen die das nicht können gehören in der Regel zu einer Gruppe, die damit generell Schwierigkeiten hat (z.B. Ponerinen). Auch das anknabbern von überstehendem Silikon scheint so ein allgemeines Camponotusding zu sein.

Oleg hat geschrieben:·Sind sie aggressiv zum Halter, zum Beispiel beim Füttern?

Das sind doch generell fast alle Ameisen, sieht man jetzt mal von Konfliktvermeidern wie Serviformica ab. Camponotus können aber im Gegensatz zu z.B. Ponerinen nicht stechen (oder so kräftig wie Blattschneider beißen) sind also auch bei aggressivem Verhalten für den Halter ziemlich harmlos.

Oleg hat geschrieben:·Wie ist ihre Ernährung? Heimchen mit Goldpuder - oder kann man ihnen Stubenfliegen füttern?

Mir ist noch keine Camponotusart untergekommen, die Fliegen oder kleine Spinnen ablehnt. Fliegen gehören in nahezu jedem Habitat zu den häufigsten Einwohnern, da würde es mich doch sehr wundern wenn Ameisen (sofern sie nicht hyperspezialisiert sind wie z.B. Blattschneider oder Martialis) die verschähmen würden (selbst Odontomachus nehmen verletzte Fliegen an).

Oleg hat geschrieben:·Werden sie von Parasiten befallen oder bringen sie Ameisen-Ebola mit?

Milbenbefall kann man auch bei einheimischen Arten haben, wenn der Händler schlecht ist. Dass sie Keime mitbringen ist ein generelles Problem, aber deswegen darf man exotische Ameisen ja auch nicht hier freilassen.

Oleg hat geschrieben:Sorry - ich finde es gibt mehr als Optik und wenn man sich für ein Tier interessiert, wird ja wohl wissen was man sich da ins Haus holen möchte.

Klar sollte man sich informieren, aber auch exotische Ameisen aus fernen Ländern kochen nur mit Wasser. Der wichtigste Punkt dürfte hier eher Luftfeuchtigkeit sein (insbesondere bei tropischen Arten), aber meines Wissens sind Camponotus als Genus allgemein tendenziell eher trockenresistent (zumindest trockenresistenter als die meisten anderen Ameisengruppen). Das Nest zu beheizen ist ja jetzt eher trivial.

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Re: Camponotus fulvopilosus Preis?

Beitragvon Oleg » 16. Oktober 2018, 20:39

Serafine,

Sorry, aber das wäre mir bei einer Art für 500 € etwas zu wenig an belastbaren Aussagen. Auf "etwas gesundem Menschenverstand und einem Minimum an Internetrecherche" würde ich kein halbes Grand verwetten.

Beispielsweise:

Unsere Camponotus haben einen endogenen Rhythmus. Wie ist das bei den Camponotus fulvopilosus? Gehen sie in unserem Sommer (wenn es bei uns +30°C hat) in die Diapause und erwarten dann 20°C?

Auch sonst - nun, meine Camponotus herculeanus lassen sich durchaus ohne Beißen aus der Hand füttern und Serviformica cf. rufibarbis verteidigt Futter vehement gegen Wespen und bedroht im Umfeld des Nests Lasius niger. Ich hab es auf Video - nimm es mir also nicht übel, wenn ich kritisch nachfrage.

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Re: Camponotus fulvopilosus Preis?

Beitragvon Oleg » 17. Oktober 2018, 18:54

Hallo noch einmal

Camponotus fulvopilosus und andere südafrikanische Arten sind in dem Buch von Peter Slingsby, https://www.nhbs.com/ants-of-southern-africa-book beschrieben. Das Buch enthält Karten und Hinweise zum Vorkommen der Ameisenarten in Südafrika. Die Mitautorin Maggie Slingsby riet mir, es von der oben angegeben Adresse zu bestellen.

Ich hoffe, diese Art der Information für vielleicht Interessierte ist in Ordnung.

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Re: Camponotus fulvopilosus Preis?

Beitragvon Oleg » 26. Oktober 2018, 11:37

Hallo,

Camponotus fulvopilosus wird mit seinen Unterarten in einer neueren Arbeit beschrieben:

https://www.researchgate.net/publicatio ... Formicidae

Zusammenfassung:

The Campanotus fulvopilosus species-group comprises four species: C. fulvopilosus (De Geer) (arid and open savanna areas of southern Africa), C. brevisetosus Forel (granite outcrops on the Drakensberg escarpment and its foothills), C. detritus Emery (dunes of the Namib Desert) and C. storeatus Forel (southern Cape). A key to major workers and queens is provided, redescriptions are provided for major workers, and the biology of each species is reviewed. Campanotus fulvopilosus comprises three morphological forms that are parapatrically distributed with discernible hybrid zones. The evolution of the four species is discussed on the basis of their biogeography.

Die wichtigste Erkenntnis des Artikels ist für mich der folgende Satz: "...is limited to areas where the soils have a high sand content."

Warum ist der Sand in Südafrika wichtig für Camponotus fulvopilosus? Was ist im Sand, das sie vielleicht benötigen? Wie man sieht, ist es gerade nicht so trivial eine exotische Art halten zu wollen.

Oleg

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Re: Camponotus fulvopilosus Preis?

Beitragvon Maddio » 26. Oktober 2018, 13:01

Oleg hat geschrieben:Die wichtigste Erkenntnis des Artikels ist für mich der folgende Satz: "...is limited to areas where the soils have a high sand content."

Warum ist der Sand in Südafrika wichtig für Camponotus fulvopilosus? Was ist im Sand, das sie vielleicht benötigen? Wie man sieht, ist es gerade nicht so trivial eine exotische Art halten zu wollen.


Sich mit dem Habitat einer zu haltenden Art zu beschäftigen kann sicher nur vorteilhaft sein. Hier könnte man nun auch umgekehrt fragen: Was ist alles nicht im Sand, was andere Arten benötigen? Will heißen, vlt sind andere Arten in anderen Habitaten den C. fulvopilosus überlegen, und die C. fulvopilosus haben eben in sandigen Habitaten ihre ökologische Nische gefunden, dass bedeutet aber im Umkehrschluss nicht, dass sie dieses zwingend brauchen, wenn sie wie in der Haltung keine Konkurrenz haben. In der Natur findet ein ständiger Verdrängungswettbewerb statt, welcher in einem Haltungsszenario komplett wegfällt.

Eine naheliegende Antwort auf die Frage könnte die Verfügbarkeit von Wasser/Feuchtigkeit sein. Möglicherweise können C. fulvopilosus besonders lange ohne Wasser auskommen; vlt gibt ihnen ihre Größe die Möglichkeit mehr Wasser zu speichern als andere Ameisen.

Das sind allerdings nichts weiter als Gedankenspiele meinerseits.

LG Maddio

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Re: Camponotus fulvopilosus Preis?

Beitragvon Serafine » 26. Oktober 2018, 14:58

Formica fusca bevorzugt in der Natur auch sandige Flächen und trockene Erdböden mit hohem Sandanteil, das heißt aber nicht dass die auch Sand in ihrer Arena (oder im Nest) brauchen.
Sand-Lehm-Boden sollte eigentlich mit fast jeder Art funktionieren, die nicht völlig feuchtigkeitsliebend oder ein tropischer Exot ist.

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