Wolfi91 ↑4. Juli 2021, 11:52
In meinem Fall erzeugen sie ja selbst Erschütterungen in der Arena welche im Nest manchmal Panik auslösen.
Das paradoxe an Messor ist, dass sie in der Heimhaltung als besonders empfindlich gegenüber Erschütterungen gelten, zugleich aber inmitten urbaner
Zonen an stark befahrenen Straßen nisten und sich dort gut entwickeln. Ein interessanter Post aus formiculture:
It is common knowledge that Messor barbarus seem to be especially susceptible to vibration stress.
Observing their colonies in urban environment, they seem to be thriving the most in areas with a lot of traffic.
The main variable seems to be abundance of food. Near my workplace, there is a bus stop with busses waiting in neutral, people waiting for a bus, a crossroad with a lot of traffic and a parking lot. Right in between that is a narrow (3ft wide) strip of platanus trees, between the road and pavement. They produce seeds that the ants seem to eat with gusto. Right underneath the trees, there are huge colonies.
I observed similar thing near the recreational zone in my town; Near parking lots and restaurants, there are huge colonies of Messor barbarus. As you walk further into the park, they get fewer and get pushed out by Crematogaster scutellaris , seems like.
https://www.formiculture.com/topic/6404 ... vibration/
In diesem Beispiel nisten sie also sogar bevorzugt im städtischen Bereich und werden seltener, je mehr man sich von selbigem entfernt.
Auch die in Deutschland lebenden
Messor structor kommen häufig in Siedlungsgebieten und in der Innenstadt vor.
Wie der Autor vom zitierten Post schreibt, scheint das Nahrungsangebot eine große Rolle zu spielen und die Ameisen nehmen es in Kauf, direkt an
einer Straße zu nisten, weil sie reichlich Samen von den dort gepflanzten Platanen vorfinden.
Ein Gedanke, der mir noch kam, ist, dass viele der Materialien, aus welchen unsere Setups bestehen (insbesondere Glas und Kunststoff) Vibrationen
gut leiten oder gar verstärken, während ein tiefes Erdnest an einer Straße relativ isoliert ist vor den durch die Fahrzeuge verursachten Erschütterungen.
Das ist aber nur eine Vermutung. Ein möglicher Faktor könnte auch die Frequenz der Erschütterungen sein. An einer stark befahrenen Straße
sind diese zumindest tagsüber fast permanent vorhanden und somit "normal", während sie zu Hause wohl eher die Ausnahme darstellen und die
Ameisen entsprechend reagieren.
Wolfi91 ↑4. Juli 2021, 11:52
Können sich Völker an solche Äußeren Einflüsse gewöhnen?
Als ich die Frage las, musste ich mich an die wilden Füchse erinnern, welche in Russland domestiziert wurden. Wie festgestellt wurde, schrumpfte
die Adrenaldrüse bei den Füchsen mit jeder Generation, bis sie schließlich winzig war verglichen mit denen der wilden Tiere. Entsprechend
änderte sich auch das Verhalten von aggressiv/ängstlich zu zahm und freundlich.
Ich kann mir gut vorstellen, dass die in der Stadt lebenden Messor sich im Laufe von Generationen an die dort herrschenden Bedingungen angepasst
haben und nun im Vergleich zu ihren Artgenossen in der Wildnis wesentlich unempfindlicher auf Erschütterungen reagieren. Wäre auf jeden Fall
etwas, das untersucht werden sollte. Es schreiben auch manche, dass ihre Messor völlig gleichgültig auf Erschütterungen reagieren; vielleicht sind
das in dem Fall ja "Stadt-Messor".
