Lasius niger - Farm "Ja wo laufen sie denn?"

Unterfamilie: Formicinae

Re: Lasius niger - Farm "Ja wo laufen sie denn?"

Beitragvon Safiriel » 22. April 2018, 12:22

Die Lasius niger sind auf den Balkon umgezogen. Auch erneuter Heißkleber hat die Farm nicht auf Dauer abgedichtet. Hinzu kommt, dass Lasius niger und Messor barbarus sich gegenseitig absolut stressen, wenn sie auch nur im gleichen Raum stehen. Dass das noch untertrieben zu sein scheint, lest ihr gleich.
Das komplette Formikarium bestehend aus zwei Glasfarmen und einer zunächst offenen Arena (derzeit wegen Wanderheuschrecke verschlossen) steht also so geschützt wie möglich auf dem Balkon. Auch hier versuche ich sie einigermaßen geschlossen zu halten, ein simples Aussetzen auf den Balkon hätte ich für wenig sinnvoll erachtet.
Die Ameisen sehen das anders und bevölkern ihre Arena kaum noch. Zwar gibt es ein kleines Zweignest unter dem Lego, aber kaum eine Ameise zeigt sich in der Arena am Honig oder den Proteinen.
Statt dessen betreiben sie einen immensen Aufwand um sich immer wieder aus der Farm direkt herauszuquetschen. Gut, dass sie mein Futter nicht annehmen, zeigt mir dass sie anderweitig genug finden. Es gibt aber auch noch eine andere, weniger erfreuliche Geschichte dazu.

Eines Morgens zog ich mich verschlafen vor der Arbeit um und ließ ein Kleidungsstück verschlafen auf den Boden sinken. Aus dem Augenwinkel registrierte ich eine Bewegung. Ich ging dem nach. "Ach, nur eine Ameise." dachte mein verschlafenes Ich. Eine Lasius niger. Nichts Besonderes. Wie in Trance sah ich mich weiter um. Es war nicht nur eine Ameise, sondern eine dünn belaufene Ameisenstraße. Sie führte von der Balkontür bis? Ja wohin eigentlich? Plötzlich hellwach sprang ich in meine Klamotten. Zwei Erkenntnisse erschlugen mich nahezu:
1. Es sine MEINE Ameisen, die da eine Straße bilden.
2. Sie tun dies durch die verschlossene Tür hindurch.
Und richtig: Die Straße führte aus der Farm, zu einem kleinen Moosbüschel an der Wand. Im Schlafzimmer kamen sie dann unter der Fußleiste wieder hervor. Durch das Schlafzimmer, durch den Flur. Nicht in die Küche. Nein, auf dem kürzesten Weg zu den Messor im Wohnzimmer. Dort versuchten sie wieder durch die Gaze hindurch zu den Messor zu gelangen. Diese wiederum versuchten den Paraffinfilm zu umgehen, um sich zu wehren. Einige Lasius auf der Scheibe von außen, hunderte Messor an den Scheiben von innen. Gottlob kommen sie da absolut nicht rein.

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Re: Lasius niger - Farm "Ja wo laufen sie denn?"

Beitragvon Safiriel » 22. Juli 2018, 15:44

Balkonlasius
Einiges hat sich inzwischen getan. Die Vorgänge der letzten drei Monate schildere ich hier chronologisch in Stichworten:
- Regen Problem I. Bei Regen läuft die Arena und des Schlauches voll mit Wasser. Der Deckel hilft nicht viel, er hat Löcher wo mal ein Griff war und finktioniert wie ein Trichter.
- Die nicht mehr sicher abzudichtende Farm ist eh überfüllt. Ich schließe eine neue an. Diesmal mit Glasdeckel statt Aluprofil, auf dass die neue Farm dichter ist.
- Sie lieben die alte Farm, wie nicht anders zu erwarten.
- Im nun fast stets feuchten Boden der Farm entsteht ein Zweignest. Farm zwei wird ein wenig bebuddelt, sonst nichts.
- Regen. Regen Problem I macht mir Sorgen: Das Zweignest steht 5 cm unter Wasser, in der Farm befinden sich nur die Königin, ca die Hälfte der Arbeiterinnen und Eier. Keine größeren Larven, keine Puppen.
- Zu Regen Problem I gesellt sich Regen Problem II. Die Farm mit Glasdeckel läuft voll. Trotz Deckel. Keine Ahnung warum. Kapillarkräfte?
- Regen Problem III: Die Arena ist mit Schlauch mit Farm zwei, diese über Schlauch mit Farm eins verbunden. Durch das Wasser sind Farm eins und die Arena voneinander abgeschnitten. Außer über den eigentlich verschlossenen Deckel und den Weg über den Balkon
- Wind. Nach einem Sturm, der auch mein Apfelbäumchen niederriss, befanden sich in Farm eins nur noch die Königin, Eier und vielleicht 10 Ameisen. Ohne erkennbaren Grund wird die Straße nach drinnen nicht mehr genutzt, aber seither scheint die Arena ziemlich uninteressant. Selbst angebotenes Futter wird VOR der Arena leichter gefunden, als darin.
- Zu diesem Zeitpunkt machte ich mir Sorgen, ein großer Teil der Kolonie könnte dem Regen zum Opfer gefallen sein. Ich erwog sogar die Königin in einem RG mit ein paar Arbeiterinnen rein zu holen und sozusagen von vorn zu beginnen.
- Zu meiner Überraschung fouragieren unvermindert viele Ameisen auf dem Balkon.
- Über die Zeit besuchen sie Blüten des Feigenbaums, naschen Nektar von Löwenmäulchen und - wie das letzte Bild zeigt: Sie bewirtschaften eine kleine Lausfarm auf meinem Apfelbaum. Der dieses Jahr eh nicht geblüht hat. (Bild von heute weiter unten)
- Vor einigen Tagen bis Wochen wurden Nester und Arena vollständig verlassen, es gibt aber eine fest belaufene Straße zuwischen Balkontür und Apfelbaum
- Es scheint mindestens zwei Wohnorte zu geben, einen in der Hauswand, und einen unterm oder im Apfelbaumtopf
- Der Test mit Maden letztes Wochenende bewies: Das Futter wird komplett in die Hauswand getragen
IMG-20180722-WA0011.jpeg
Hier seht ihr, wo die Ameisen innen aus der Wand kommen, wenn sie wollen. Seither finde ich immer Aushub aus Nest, Farm und Arena sowie Erde an der Fußleiste.
IMG-20180722-WA0008.jpeg

So sieht das Ganze von außen aus.
20180722_154102.jpg



Selbstkritische Bewertung
- Gefahr für das Haus sehe ich nicht wirklich bei Lasius niger, dennoch war das sicher nicht der Ausgang, den ich mir gewünscht habe.
- Sollten sie die Straße nach drinnen kultivieren, zB. weil es draußen Winter wird, muss ich von innen abdichten.
- Intraspezifische Homogenisierung? Die Damen stammen aus Münster. Das ist nicht direkt hier, aber wenigstens klimatisch auch nicht so weit weg wie Norddeutschland oder Bayern. Bewusst ausgesetzt hätte ich sie hier nicht.
- Viel Kontakt zu anderen Ameisen werden sie nicht haben. In all den Jahren habe ich selten eine Ameise her auf der dritten Etage gesehen. Dass mein Balkon der einzig bepflanzte ist, wird dazu beitragen. Ich hoffe, die Ameisen greifen nicht allzu sehr ins Ökosystem ein.
- Ich hatte die Hoffnung, die Tiere könnten ihren Winter weiter im Kühlschrank verbringen und als Traube gut in ein neues Formikarium überführt werden. In der Hauswand sind sie ganz auf sich gestellt. Ich füttere sie, ich beobachte ihre Aktivitäten, aber ich kann nicht mehr wirklich eingreifen.
- Trotz allem scheint es ihnen erstaunlich gut zu gehen: Endlich gibt es auch größere Arbeiterinnen, wie man sie in der Stadt oft antrifft.
- Wenn sie den Winter gut überstehen, erstelle ich nächstes Jahr vielleicht eine Art Protokoll, bei dem ich Temperatur, Wetter und Aktivität miteinander vergleiche.
- Sollte es durch Wachstum zu Komplikationen mit den Nachbarn geben, ist das leider das Ende der Kolonie
- Ich werde wohl nur schwer merken, ob sie umziehen, oder sterben. Bisher allerdings ist der komplette Balkon eine Arena.
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Re: Lasius niger - Farm "Ja wo laufen sie denn?"

Beitragvon Safiriel » 22. Juli 2018, 16:29

Nachtrag:
Sorry, die Bilder stammen vom Handy, hab sie wohl nicht gedreht - man sieht aber denke ich auch so was los ist.

Was ich noch überlegt habe ist, wie ich diese Situation hätte vermeiden können.
Alle Abdichtungsversuche der Farm an sich sind ja fehl geschlagen. Am ehensten hätte ich die komplette Farm in eine ameisensichere Kiste gepackt. Das klingt leichter als es ist, bei der Größe und der Tatsache, dass noch Schlauch dran hängt. Aber darin hätten sie vielleicht eine neue Farm bezogen. Ein zweiter Ansatz wäre die Zwangsumsiedelung gewesen. Ich bin froh, dass ich das nicht gemacht habe. Ich hätte sie ja irgendwie in die andere Farm gekippt, was auch nicht so dicht war, wie ich ja lernen musste.
Es klingt alles nach großem und zum Teil auch kostspieligen Aufwand. Bei meinen Messor barbarus hätte ich das gemacht, auch für jeden Exoten. Aber bei Lasius?
Nun die Frage an euch: Wie wäret ihr das Problem angegangen?
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Re: Lasius niger - Farm "Ja wo laufen sie denn?"

Beitragvon Safiriel » 28. Juli 2018, 14:50

Das ursprüngliche Setting besteht leider nicht mehr, aber ich habe die Einzelteile abgelichtet.
20180728_133925.jpg
20180728_133932.jpg
Hier seht ihr den Deckel der Arena. Im Haus nie in Verwendung, sollte er vor Regen schützen. Das tat er Dank der Löcher an der Seite nicht. Über einen Schlauch war die Arena direkt mit Farm 2 verbunden.
20180728_133840.jpg
Das ist die zweite Farm, die nie richtig bewohnt wurde. Sie lief gern mit Wasser voll. Farm zwei wiederum hing via Schlauch an Farm eins.
20180728_133749.jpg
Das ist besagte erste Farm, unbewohnt und natürlich auch nicht mehr abgedeckt. Die Kammern sind aber noch gut zu erkennen.
20180728_133808.jpg
Zwischen den beiden Aluprofilen haben sich die Ameisen immer wieder herausgequetscht.

Natürlich standen die Nester nicht direkt in der prallen Sonne, ich hatte einen Schutz aus Gartenstuhl und Tontöpfen gebaut.
Die gewünschten Bilder von Ameisen sind gerade nicht leicht zu bekommen. Zum einen gint es ja nur noch Ameisen auf Balkonpflanzen und besagte Ameisenstraße zwischen Nest und Blumentopf, zum anderen konzentriert sich die Aktivität bei der derzeitigen Hitze auf den Abend und den Morgen.

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Re: Lasius niger - Farm "Ja wo laufen sie denn?"

Beitragvon Safiriel » 29. Juli 2018, 10:23

So, gestern hat es ein paar kleinere Schauer gegeben. In Folge dessen ist es nun extrem schwül, aber auch bedeckt und noch nicht ganz so heiß. Ergo habe ich die Gelegenheit genutzt und die Damen auf ein Essen eingeladen.
20180728_154827.jpg
Kleiner Trick: Gewartet, am Tellerchen gewackelt und zugeguckt, wo sie alle hinlaufen.
20180728_154818.jpg
Anschliesend war die Straße zu den beiden Nestern so dicht belaufen, dass man sie sogar mit Handyaufnahmen erahnen kann.
20180728_154747.jpg

Klar, so viel sieht man nicht, wie auch.
Lasiusgehege.png
Ich habe eine nicht maßstabsgetreue schematische Darstellung angefertigt. Die beiden Lausfarmen und die beiden (Zweig-)Nester, sowie die belaufene Straße sind ebenfalls eingezeichnet.

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Re: Lasius niger - Farm "Ja wo laufen sie denn?"

Beitragvon Safiriel » 3. Oktober 2018, 21:21

Das Einwintern nimmt heuer sehr einfache Ausmaße an: Das Wetter erledigt das von allein. Die Ameisen leben ja draußen. Sie zeigen weit weniger Aktivität als noch vor einigen Wochen, vereinzelte Tiere kann man aber noch beobachten.
20181003_104233.jpg
Hier (Bild nicht gedreht, sorry) seht ihr meinen Apfelbaum. Dessen Läusekolonie wurde eigentlich immer fleißig belaufen. Leider wurden in meinem Urlaub alle meine Pflanzen gleich stark gegossen :andiewand: , mit entsprechenden Folgen: Gottlob ist er nicht ganz vertrocknet. Gerade begreift er nicht, dass Herbst ist und bildet neue Blätter aus. Für die Ernährung der Ameisen, immerhin ist mein Balkon der einzige bepflanzte, muss das tragisch gewesen sein. Ich füttere natürlich zur Sicherheit kleine Tropfen Honig, die auch fleißig verschwinden. Proteine habe ich seit Wochen nicht mehr gegeben.
20181003_104301.jpg

Hier seht ihr, wo sie sich dennoch bedienen: Sie pflegen Schildläuse (dabei war ich diese doch gerade erst los geworden - von wegen) auf meiner Feige. An reifen Früchten laben sie sich ebenfalls. Wer genau schaut, kann sogar eine Ameise auf dem Bild entdecken!

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Re: Lasius niger - Farm "Ja wo laufen sie denn?"

Beitragvon Safiriel » 4. Oktober 2018, 18:12

Ich wurde auf die spannende Idee gebracht, doch einmal die Laufwege der Kolonie zu vermessen: Der Balkon hat etwa 3 m x 1,30 m. Die beiden Hauptstraßen sind somit (allein am Boden) etwa 2,50 m und 1,20 m lang.
Diese Ameisen brechen ja nicht nur gern aus, sondern auch ein. Immer wieder versuchten sie meine Messor zu überfallen. Der kürzeste Weg auf dem Boden hat schon gut 10 m, die Arena auf der ich immer wieder Lasius niger fand, steht auf etwa 1,50 m Höhe. Darüber steht noch eine Efeutute, die sie auch mögen. Somit habe ich sie schon über 10 m vom Nest entfernt auf ca. 1,80 Höhe gefunden.
In wie weit sie die Hauswand entlang laufen, kann ich nicht sagen. Bisher habe ich noch keine Ameise dabei entdeckt.

Auch interessant finde ich, wie groß der Riss in der Hauswand sein muss. Ich denke eh, dass er ziemlich ausgedehnt ist, weil es im Treppenhaus auch einen gibt. Bemerkenswert ist, dass all diese Ameisen hinein passen und es kaum Aushub gab. Für mich ist das ein Zeichen dafür, dass sie den Hohlraum einfach nutzen konnten, und eben nicht viel morsche Substanz entfernen mussten.

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