Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Unterfamilie: Formicinae

Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitragvon Chris Quinn » 11. März 2018, 13:19

Eine Abschweifung
Vor einiger Zeit hatte ich den Wunsch mir ein USB-Mikroskop zu kaufen. Dann fiel mir ein, daß ich zu der Sorte Mensch gehöre, die sich gerne mit geringerem finanziellen, aber dafür um so größerem zeitlichen Aufwand, eigene technische
Lösungen erarbeitet, die dafür meist schlechtere Resultate liefern; und bei genauerer Betrachtung oftmals doch einen hohen finanziellen Aufwand mit sich bringen.

Jedenfalls: ich habe eine einfache Makro-Linse für Smartphones mit meiner RaspiCam kombiniert und folgende Bilder ablichten können. Unter Berücksichtigung, daß das Konstrukt per Hand fokussiert werden muß, indem der Abstand von Objekt zum Objektiv angepasst wird, bin ich mit dem Ergebnis nicht unzufrieden.

Die ersten beiden Bilder zeigen eine nunmehr tote Trauermücke bei 12- und 24- facher Vergrößerung. Die 24fache Vergrößerung dürfte im Alltag bei lebenden Tieren unbrauchbar sein, da das Objektiv fast auf dem Objekt aufliegt.

ausschnitt12x.jpg
Ein Vogel?

ausschnitt24x.jpg
Ein Flugzeug?


Nach dem Erfolg, wollte ich unbedingt Aufnahmen aus der Winterruhe machen. Ich habe auf eine intensivere Beleuchtung verzichtet, um die Ameisen nicht noch mehr zu stören.

nest_alt_ausschnitt1.jpg


nest_alt_ausschnitt2.jpg


nest_jung_ausschnitt1.jpg


nest_jung_ausschnitt2.jpg


Zufällig finde ich den Farbton ästhetisch sehr ansprechend, und meine, daß die Bilder sehr schön winterlich wirken. Die Nestnahaufnahmen zeigen alle 12fache Vergrößerung. Ich möchte das ganze noch technisch verbessern.

Kalendarisch neigt sich die Winterruhe endlich ihrem Ende zu, aber neue Nester habe ich natürlich noch nicht gebastelt. Das zwanghafte und heimliche beobachten ahnungsloser Ameisen wird auch langsam peinlich.

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Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitragvon Chris Quinn » 15. April 2018, 17:41

Die Winterruhe ist vorbei!

Die Kolonien sind beide wohlauf, Verluste habe ich nicht bemerkt, außer, daß eine Ameise der jüngeren Kolonie beim Anschließen des Nestes an ein vorläufiges Formikarium entflohen und das zeitliche gesegnet hat. Insbesondere die Gynen
regten sich noch.

bild_arbeiterin_ausschnitt1.jpg
Tote Arbeiterin mit abgerissener Gaster


bild_arbeiterin_ausschnitt3.jpg
Dito


Für beide Kolonien gibt es je zwei Arenen, die durch einen Schlauch verbunden sind. Da mir zur schönen Einrichtung das Talent fehlt, sind diese wieder schmucklose Plastikboxen und mit einfachen Gipsgrund.
Es war für mich erstaunlich schwierig passende Schlauchverbinder aufzutreiben: schließlich habe ich mir etwas aus Schlauchverbindungen aus dem Baumarkt zurecht gesägt.
Die Öffnungen für die Schläuche habe ich schön mit einem Lötkolben in die Boxen gekokelt - einen giftigen Geschmack hatte ich noch länger im Mund.

Zwar hatte ich während der Winterruhe ein YTONG-Nest gefertigt, mich aber dann doch dagegen entschieden. Vielmehr bleibe ich bei Reagenzglasnestern, weil sie in der Winterruhe so einfach zu handhaben sind. Bleibt zu hoffen, daß diese Nestform für die Tiere auch über längere Zeit zuträglich ist. Beiden Kolonien habe ich ein frisches RG als Zweignest beigefügt.

Die jüngere Kolonie legte gleich große Aktivität an den Tag, worüber ich mich sehr gefreut habe. Glücklicherweise konnte ich eine ihnen Spinne fangen und anbieten, die auch ohne Reste ins Nest verfrachtet wurde. Auch tagsüber waren oft mehrere Arbeiterinnen unterwegs.
Bisher war noch keine Arbeiterin in der zweiten Arenahälfte zu beobachten, aber der Verbindungsschlauch ist auch gut 1 m lang.

Die ältere Kolonie hatte 2 Wochen länger Ruhepause, weil sie auch später in die Winterruhe gegangen ist (wir erinnern uns). Die Tiere haben tatsächlich den Winter mit leerem Wassertank, aber regelmäßiger externer Befeuchtung, überlebt. Ich bin gespannt, ob die Kolonie überhaupt noch umziehen wird.
Lasius niger, soviel steht für mich fest, verträgt längere Trockenheit.
Ihr neues Formikarium besteht aus einer großen und kleineren Plastikbox, die mit einem kurzen Schlauchstück verbunden sind.
Das Umsetzen in die neue Arena gestaltete sich etwas brutal, weil die Tiere schon ziemlich aktiv waren - es war vermutlich höchste Zeit! So ist es mir leider nicht gelungen ein Strohhalmstück als Nesteingang in das Glas zu setzen. Entsprechend wuselig wurde die neue Arena inspiziert und auch noch am selben Tag die zweite angeschlossene Box. Bisher hält der Ausbruchsschutz...

Auch diese Kolonie wurde mit reichlich Wasser, Kohlenhydraten und Protein begrüßt.

Hier noch ein paar obligatorische Bilder aus dem älteren Nest, geschossen kurz vor dem Einsetzen in das neue Formikarium.

nest_einblick111.jpg


nest_einblick21.jpg


Mir ist ein Geruch am dem entfernten Watteverschluß des Nestes aufgefallen, den ich als metallisch-sauer beschreiben würde.

Sorgen macht mir die Versorgung mit Futterinsekten, wenn ich mich nicht doch überwinde eine Box Ekliges aus der Zoohandlung zu kaufen, da es hier noch zu kühl ist, um selber ausreichend zu fangen.

P.S. Idee ganz ohne Internet: Keller sind voller Spinnen. Ich bin so kluk!

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Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitragvon Chris Quinn » 22. April 2018, 18:00

Alle haben sich gut eingelebt.

Ältere Kolonie:
Zu meiner Überraschung haben die Tiere den kurzen Verbindungsschlauch zu der kleinere Box fast vollständig zugebaut (an beiden Öffnungen). Anfangs hatte ich vermutet, daß sie da hineinziehen wollten, aber das ist nicht geschehen.
Ein neugieriger Blick ins nunmehr vermutlich staubtrockene RG-Nest, das noch immer nicht verlassen wurde, zeigte, daß die Tiere es mit Sand in eine vordere und hintere Kammer aufgeteilt haben. Der Bau hat mich überrascht. Meine Prognose: sie werden das Nest niemals verlassen.
Weiters verblüffte mich, daß sie auch Sand unter ihr Reagenzglasnest transportiert haben. Dafür, daß er dort zufällig und unbeabsichtigt hingelangt sein soll, scheint mir seine Menge zu groß.

Jüngere Kolonie:
Die ersten Ameisen haben bereits die zweite Box erkundet. Ich finde es erstaunlich, immerhin sind die beiden Boxen durch einen 1 Meter langen Schlauch verbunden. Ich möchte ihnen gerne dort Futter anbieten, um sie zeitweilig etwas zu fordern.
Jedenfalls haben sich die beiden kleinen Entdeckerinnen eigenartig verhalten: sie wirkten schreckhaft, indem sie plötzlich und ohne sichtbaren zur sprinten anfingen. Auch schienen sie sich voreinander zu fürchten und nicht mehr den Rückweg zu finden. So begann ich mich fragen, ob es nicht sein könnte, daß wohl eine Arbeiterin der jüngeren Kolonie die Arena erkundet hat und dann eine Arbeiterin aus der älteren Kolonie, die über der jüngeren steht, ausgebrochen und die Box gelangt - gefallen? - sein könnte. Eine Vermutung, die zweifellos jeder Vernunft spottet, zumal ich nie einen Hinweis für einen Ausbruch bisher feststellen konnte.
Irgendwann wurde es mir zu bunt und ich habe eingegriffen: eine Arbeiterin habe ich in die Box mit dem Nest der jüngeren Kolonie umgesetzt, die andere in die Box mit dem Nest älteren Kolonie. Beide Arbeiterinnen haben sich darauf sehr ängstlich und schreckhaft verhalten. Irgendwann war der Spuk vorüber. Kein Tier scheint Schaden genommen zu haben.
Seit dieser Episode habe ich keine Ameisen mehr in der zweiten Box gesehen.

Leider gab es in der jüngeren Kolonie eine Tote, die erste überhaupt, die ich seit Gründung bemerkt habe. Die Arbeiterin ist ertrunken. In dieser Saison habe ich es mir etwas leichter mit der (Zucker-)Wasserversorgung gemacht - das habe ich davon!
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Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitragvon Chris Quinn » 6. Mai 2018, 17:25

Ältere Kolonie:
Nachdem ich mich gewundert habe, weshalb die Ameisen beide Öffnungen des Verbindungsschlauches zwischen den Arenen verbaut haben, habe ich versuchsweise ein Schlauchstück gleicher Länge, das nichts verbindet, in die Arena gelegt, um zu sehen, ob sie das auch verschließen. Ergebnis: nein, sie verschließen es nicht; ebenso bei einem Strohhalm. Keine besonders intelligente Fragestellung, zugegeben.

Während also dieser Bau rätselhaft für mich bleibt, weiß ich aber nun, weshalb sie soviel Sand unter den beiden Reagenzgläsern verteilt haben: der Spalt zwischen Glas und Gips ist neuerdings Teil des Nestes und mit dem Sand teilen sie den Raum auf. Ich konnte noch nicht sehen, ob sie auch Brut dort lagern, nehme es aber nicht an, da es dort wohl zu trocken ist. Für die Königin wird der Raum zu schmal sein.
Einerseits freut es mich, daß sie sich in ihrem Habitat einrichten, aber wenn ich an die nächste Winterruhe denke, dann sollen sie wieder schön ins Reagenzglas zurück.
Sonst gibt es eine vorwitzige Arbeiterin, die gerne die Grenzen austestet, sodaß es niemals langweilig wird.
Ein Umzug ins frische RG fand noch nicht statt.

Ich habe die Tiere nocheinmal mit Bildern durchs ganze Nest genervt, und da das Glas mittlerweile ziemlich verschmutzt ist, sind sie den Aufwand nicht wirklich wert - siehe unten. Mir ist aufgefallen, daß keine Brut außer Puppen zu sehen ist, schiebe es aber auf die Aufnahmequalität.

Jüngere Kolonie:
Ich habe nocheinmal - ein einziges Mal - eine Ameise in der zweiten Arenahälfte gesehen.

Während ich in der Anfangszeit nach Ende der Winterruhe eigentlich viele Futterinsekten, hauptsächlich Spinnen, teilweise richtig große Biester, die trotzdem vollständig vertilgt wurden, fangen konnte, gab es letztens eine ziemliche Flauten. Deshalb habe ich unkonventionellerweise Lachs angeboten, was sehr gut angenommen wurde. Beide Kolonien waren gute zwei Tag daran zu Gange. Und sie hätten wohl immer weiter daran geknabbert, wenn ich den Rest nicht entsorgt hätte. In Zukunft möchte ich also öfter Futter ausprobieren. Und im Geiste dieses Vorhabens versuche die Arena durch Moose und Flechten auszupeppen.

Im Forum tauchte einmal die Frage auf, ob Ameisen zwecks Orientierung immer eine Duftspur legen. Dazu habe ich vermutet, daß dies nicht der Fall ist. Zu diesem Thema ist meine Beobachtung, daß die Ameisen zu taumeln scheinen, wenn sie eine Spur legen. Das hat mich manchmal erschreckt, weil es schien, daß mit der Arbeiterin etwas nicht stimmte. Die rekrutierten Arbeiterinnen können der frischen Spur nicht immer leicht folgen, sondern müßen manchmal wieder zurücklaufen oder schlagen Suchkreise, bis sie sie wiedergefunden haben.

bild2_klein.jpg
Nestschau 1


bild3_klein.jpg
Nestschau 2


bild4_klein.jpg
Nestschau 3


bild5_klein.png
Nestschau 4


bild7_klein.jpg
Nestschau 5
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Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitragvon Chris Quinn » 21. Mai 2018, 17:47

Wegen anhaltender Schwierigkeiten Insekten zu fangen, habe ich meinen Lasius niger verschiedenes aus der Küche angeboten. Es zeigte sich dabei, daß Lachs sehr beliebt ist, Thunfisch aber weniger (jedenfalls, wenn er in Sonnenblumenöl
eingelegt war). Ungewürztes Rindfleisch, fand zu meinem Erstaunen nur wenig Beifall; dabei hatte ich sehr geglaubt, daß ich damit ihre Herzen erobern könnte. Ich werde es ein anderes Mal wieder versuchen.
Sehr überraschend ist für mich, daß Zwieback durchaus angenommen wird. Zwar ist es reich an Kohlenhydraten und enthält auch Proteine, doch ist es eben nichts zum Auflecken; aber für Larven geht es wohl.
Erdnußstücke wurden erwartungsgemäß nicht beachtet.

Ferner habe ich ein paar abgeblühte Zitronenbaumblüten zum Spielen ins Formikarium gelegt, die sogleich eifrig belaufen wurden. Ein Stückchen Ingwer wurde nicht beachtet.

In den Arenen ist jedenfalls immer gut Betrieb: wenn der Ausbruchsschutz nur hält!

Die ältere Kolonie ist noch doch so etwas wie umgezogen:
zweignest1.jpg


zweignest2.jpg

Ich kann keine Brut erkennen, nehme aber an, daß welche da ist.

Warum auch immer: sie haben die Erde, mit der sie die Öffnungen des Verbindungsschlauches zwischen beiden Formikarienhälften verbaut hatten, wieder entfernt und teilweise in ihre Nest eingebaut.

hauptnest1.jpg


hauptnest2.jpg


hauptnest3.jpg


Eine beängstigende Menge an Puppen. Die Nistkammer scheint vollständig verschlossen zu sein.

In der jüngeren Kolonie wird das neue Nest scheinbar noch nicht benutzt. Dafür sehe ich alle paar Tage eine Arbeiterin, die sich in den mit einem langen Schlauch verbundenen Teil des Formikariums verirrt. Ich finde sie verhalten sich dort immer eigenartig: rennen hin und her oder sitzen am Schlaucheingang. Futter habe ich sie dort noch nie nehmen sehen. Irgendwann ist dieser Arenaabschnitt dann wieder leer.

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Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitragvon Chris Quinn » 3. Juni 2018, 21:26

Ich habe schon öfter bemerkt, daß ich in Hinsicht auf meine Ameisen etwas schwer von Begriff bin. Dieses Mal war es so: ich wundert mich, wieso die Arbeiterinnen nun den Sand in die Ecken des Formikariums transportieren, weil es doch sonst eher in die entgegengesetzte Richtung ging. Nach einem zweiten Blick begann ich mich zu fragen, woher sie das Zeug hatten, denn Sand war das nicht, eher sah es wie Staubflöckchen aus.
Schuldbewusst, weil ich die Formikariumpflege meinte vernachlässigt zu haben, klaubte ich den Staub aus den Ecken. Weil die Flocken aber gar nicht nach Hausstaub aussahen, schaute ich ihn mir unter der Lupe an und dann dämmerte es. Die Puppen vom Monte Puppelino, den ich beim letzten Mal ehrfürchtig bestaunt hatte, haben angefangen zu schlüpfen, denn die Flocken waren nichts anderes als leere Kokonhüllen.
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Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitragvon Chris Quinn » 4. Juni 2018, 21:20

Übrigens noch ein Bild vom erwähnten Müll und Kokons: ja, das muss sein, denn wovon es kein Bild im Netz gibt, ist höchstwahrscheinlich Fake und existiert gar nicht.
kokons_muell.jpg

Jüngere Kolonie
Endlich konnte ich meinen Plan, den über einen längeren Schlauch verbundenen Teil des Forikariums als Futterplatz zu nutzen, umsetzten.

Ich bemerkte, daß sich zwei Arbeiterinnen in diesem Teil der Arena herumtrieben und vielleicht sogar auf Krawall gebürstet waren. Schnell legte ich ihnen ein Stück Brummer vor die Fühler.
Aufgrund von vorherigen Beobachtungen hatte ich erwartet, daß sie, wenn überhaupt, Arbeiterinnen rekrutieren werden, um das Futter an Ort und Stelle in ihre Mägen aufzunehmen. Denn von der älteren Kolonie kannte ich bereits, daß die Arbeiterinnen sich nicht die Mühe machten, Futtertiere ins Nest zu schleppen, wenn es weiter vom Nest deponiert war.
So war es hier aber nicht: die rekrutierten Arbeiterinnen schleppten das Futterstück tatsächlich durch den 1 Meter langen Schlauch zum Nest. Dabei gab es zeitweilig Uneinigkeit darüber, in welche Richtung es gehen sollte, doch schließlich war das Stück Arbeit schnell erledigt.

Zur besseren Übersicht:
Arena.jpg

Natürlich ist gerade keine Ameise zu sehen! Aber man kann sacht den Brummer im Strohhalm stecken sehen.

Dabei hat mich wieder das Orientierungsvermögen der Tiere beeindruckt: von der Futterstelle in der rechten Box aus mussten die Tiere erst nach rechts in den Schlauch laufen, also vom Nest weg. Dann laufen sie eine Schlaufe, die hinter dem Nest in den linken Teil des Formikariums führt. Alle eventuellen optischen Anhaltspunkte zur Orientierung sollten, so scheint mir, also eher verwirren.
Hätten sie nicht die Möglichkeit sich an einer Duftspur zu orientieren, müßte ich von einer überraschenden Gedächtnisleistung der kleinen Tiere ausgehen.
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Re: Haltungsbericht: Lasius niger (Sommer 2016)

Beitragvon Chris Quinn » 10. Juni 2018, 18:52

Eine eigenartige Ameisenwoche! Ich entdeckte in der Arena der älteren Kolonie einen Futterrest, der mir nach der Gaster einer Königin aussah - da war der Schreck natürlich groß.

eine_gaster.jpg
Eine Gaster? Daneben der ausgefressene Kopf einer Stubenfliege


Insbesondere der umlaufende Silberstreifen erinnerte mich sehr stark an Bilder, die ich von Lasiusgynen gesehen habe. Darüber hinaus wurde mir klar, daß ich die Gyne auch auf dem letzten Aufnahmen aus dem Nest nicht ausmachen konnte. Ich machte Aufnahmen aus dem Nest, doch waren diese von zu schlechter Qualität, als daß ich daraus Vorhandensein oder Abwesenheit der Gyne sicher ableiten wollten: das Glas des Reagenzglases war einfach zu verschmutzt. Lediglich konnte ich Futterreste vor dem Nest sehen, die mir vorher nicht aufgefallen waren.

gyne_gesucht.jpg
Hat jemand meine Königin gesehen?


gyne_verzweifelt_gesucht.jpg


Die Geschwindigkeit von Lasius niger ist wirklich beeindruckend, denn sofort hatte ich ein, zwei Arbeiterinnen auf Pinzette und Hand, als ich die Reste vorsichtig auf dem Nesteingang herausfischte. Eine tote Gyne war es nicht.

Also ließ ich mich zu extremen Maßnahmen hinreißen, weil ich es wissen wollte.
Ich verstopfte das Nest mit etwas Watte und entnahm es vorsichtig der Arena, um es besser betrachten zu können.

Es gab natürlich einen gewaltigen Aufruhr! Mindestens eine Arbeiterin ist dabei aus dem Formikarium gefallen.

Aber trotzdem konnte ich keine Königin erkennen. Der Eingriff war aber so bedeutsam, daß die Kolonie in das andere Nest umgezogen ist - das ist wenigstens ein erfreuliches Ergebnis der unschönen Maßnahme. Leider war es zu der Zeit bereits spät und mir war dann nicht klar, daß ein Umzug stattfinden sollte, denn sonst hätte ich das Geschehen noch länger beobachtet.

Bis heute weiß ich nicht, ob die Gyne lebt oder nicht. Die Größe des Futterreste spricht, nach Wiedererlangung von etwas Besonnenheit, eher gegen eine Gaster.

Ein paar Tage danach begrüßte mich eine größere Menge - etwa 10 bis 20 - an Arbeiterinnen in dem angeschlossenen kleineren Teil der Arena. Sie liefen aufgeregt umher. Glücklicherweise hatte ich den Tag zuvor das Paraffin erneuert. So ein Verhalten habe ich noch nie vorher gesehen.
Ich hatte sie am Morgen des vorherigen Tages mit Futter und Wasser versorgt, und ihnen auch eine ganze Fliege zu Fressen gegeben, die ich auch noch sehen konnte, sodaß großer Hunger meiner Einschätzung nach nicht der Grund sein konnte.

Eigentümlich erschien mir, daß sie sich an der Wand der Box zu drängen schienen, die dem Fenster zugewandt war, so, als wollten sie zum Licht.

Trotzdem, und weil mir nichts besseres einfiel, habe ich ihnen noch einen Brummer angeboten. Wie ich es auch noch nie zuvor in dieser Form bei ihnen gesehen hatte, stürzten sie sich in großer Zahl gierig(?)auf das Futter.

hunger1.jpg


hunger2.jpg


hunger3.jpg


Folglich dürften sie doch großen Hunger auf Proteine gehabt haben, obgleich ihnen dieses in Form einer Fliege zur Verfügung stand. Und selbst wenn sie die Fliege verschmäht haben sollten, weil mit ihr vielleicht etwas nicht in Ordnung gwesen sein sollte, dann bleibt mir ihr Verhalten trotzdem rätselhaft, weil sie zur Zeit kaum Mangel an Proteinfutter haben dürften, da sie fast täglich eine Fliege, Brummer o.ä erhalten.

Noch immer sammeln sich viele leere Kokons an. Darauf, und den Appetit auf Proteine, möchte ich meine Hoffnung für die Lebendigkeit der Gyne gründen.

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