Camponotus ligniperdus Gyne verstorben. Ursachenforschung

Allgemeine Fragen und Themen über europäische Ameisenarten.

Camponotus ligniperdus Gyne verstorben. Ursachenforschung

Beitragvon Abaton23 » 15. Mai 2018, 17:53

Hallo, ich bin noch ganz frisch hier im Forum und auch ein absoluter Neuling in der Ameisenhaltung. Ich grüße Euch allerseits.

ZUM THEMA
Auf die Ameisenhaltung bin ich durch zufälliges Klicken auf Youtube gekommen. Mich haben die Haltungsberichte fasziniert. Als ehemaliger Jugendangler war ich schon immer an der Natur draußen interessiert. Ich startete vor ca 6 Wochen mit meiner ersten Gyne, gekauft in einem Onlineshop.

Die Startbedingungen waren:
- Camponotus Ligniperdus, Schwarmflug 2017 ohne Arbeiterinnen (tatsächlich kam sie doch mit 1 Arbeiterin aber gänzlich ohne Brut)
- Behälter die große Godmorgonbox aus Acryl von IKEA. (Ein Aquarium 30 x 20 x 20 war in Vorbereitung)
- kein Ausbruchschutz, da geschlossener Behälterdeckel mit Stahlwolle im zentralen "Luftloch"
- Darin das Reagenz 200 x 20mm, mit aufgelegter U-förmig gebogener Alufolie abgedunkelt
- Bodengrund 70% der Fläche mit Jurasand direkt aus der Natur. (Die Steinbrüche von Solnhofen liegen bei mir vor der Türe)
- Bodengrund 30% aus Kokoshumus, wie allgemein aus der Terraristik
- Als Deko zwei Sandsteine und eine Holzwurzel. Die Wurzel wurde mit heißem Dampf desinfiziert
- Wasser kam immer noch vom Reagenz, es wurde zusätzlich in Näpfen etwas Honigwasser und Futterjelly angeboten
- in der ersten Woche war die Temperatur bei 20 - 21 Grad
- Ab der zweiten Woche wurde die Temperatur mit einer 5W-Wärmematte auf ca. 24 Grad erhöht
- Ab der dritten Woche spendierte ich ein Terrarienlicht. Dieses hob die Temperatur auf 26 - 27 Grad

Die Entwicklung:
- Die ersten 3 Wochen passierte gar nichts. Die Arbeiterin grub den Reagenzeingang zu, die Königin legte nie ein Ei. Ich kontrollierte alle 7 Tage kurz
- In der 4. Woche spazierte die Königin allein durch die Arena, sonnte sich ausgiebig auf der Dekowurzel
- 5. Woche, Arbeiterin schwer verletzt, versucht permanent am weitest vom RG entfernten Punkt die Behälterwand zu erklimmen. Stirbt nach 2 Tagen
- Ende 5. Woche, Gyne liegt tot an der Außenseite des Reagenzglases.

Ich komme nicht dahinter, ob der Fehler bei mir lag. War es die wöchentliche Kontrolle, welche die Gyne in den Tod gerissen hat? Oder war sie von Anfang an krank? Was denkt Ihr?
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Re: Camponotus Ligniperdus Gyne verstorben. Ursachenforschun

Beitragvon Maddio » 15. Mai 2018, 18:16

Erstmal willkommen im Forum und gleichzeitig mein Beileid, dass es nicht gleich geklappt hat.

Die Schilderung deines Falls klingt schon sehr merkwürdig. Wenn du die Königin vor 6 Wochen bekommen hast, muss sie ja vom Schwarmflug 2017 sein, wie du schon schreibst. Aber dann nur eine Arbeiterin, und keine Brut?? Das ist absolut ungewöhnlich.

Bei welchem Shop hast du sie denn bestellt? Gibt leider einen bei denen sich die Fälle unbgegatter C. ligniperda Königinnen traurigerweise seit Jahren häufen. Das wäre nämlich die Frage, ist die Königin überhaupt begattet gewesen, oder wurde ihr die Arbeiterin einfach untergeschoben.

Die Bedingungen sind glaube ich eher zu vernachlässigen als Todesursache, im RG sind sie ja gut aufgehoben gewesen. Wobei Camponotus ligniperda nicht zwingend erwärmt werden muss.

Keine Brut bei Ankunft und auch nach 6 Wochen nicht, dass ist jedenfalls sehr, sehr auffällig.

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Re: Camponotus Ligniperdus Gyne verstorben. Ursachenforschun

Beitragvon Abaton23 » 15. Mai 2018, 18:32

Hallo Maddio, danke für die Anfrage.

Ich hab die Gyne bei MyAnts geordert. Allerdings will ich nichts schlecht reden, vor allem, weil mir als Anfänger auch ein dummer Fehler unterlaufen sein könnte.

Noch ein Hinweis:
In den ersten drei Wochen war der Arenabereich wohl durch den Bodengrund deutlich feuchter, da die Seitenwände immer beschlugen. Deshalb hob ich den Deckel jeden Tag zum lüften für einige Minuten ab. Nach drei Wochen schnitt ich den Deckel mittig so aus, dass ein umlaufender Ausbruchrahmen mit 35mm Rand daraus wurde. Dieser Rahmen wurde mit Talkum (Babypuder) bestäubt. So war eine permanente Frischluftzufuhr und Feuchteausgleich geschaffen.
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Re: Camponotus Ligniperdus Gyne verstorben. Ursachenforschun

Beitragvon Maddio » 15. Mai 2018, 18:46

Abaton23 hat geschrieben:Ich hab die Gyne bei MyAnts geordert. Allerdings will ich nichts schlecht reden, vor allem, weil mir als Anfänger auch ein dummer Fehler unterlaufen sein könnte.


Das ist leider der Händler, bei dem es seit Ewigkeiten immer wieder zu solchen Vorfällen kommt. Hier wurde es damals schon diskutiert, ohrene ist der von myAnts:

https://www.ameisenforum.de/massen-koloniegrundung-von-camponotus-ligniperdus-t50374.html

Abaton23 hat geschrieben:Noch ein Hinweis:
In den ersten drei Wochen war der Arenabereich wohl durch den Bodengrund deutlich feuchter, da die Seitenwände immer beschlugen. Deshalb hob ich den Deckel jeden Tag zum lüften für einige Minuten ab. Nach drei Wochen schnitt ich den Deckel mittig so aus, dass ein umlaufender Ausbruchrahmen mit 35mm Rand daraus wurde. Dieser Rahmen wurde mit Talkum (Babypuder) bestäubt. So war eine permanente Frischluftzufuhr und Feuchteausgleich geschaffen.


Camponotus in der Gründungsphase täglich zu stören ist nicht grad das Beste, was man machen kann. Auch Talkum solltest du bei so großen Arten sicherheitshalber nicht verwenden. Es steht im Verdacht als feiner Staub in die vergleichsweise großen Tracheen einzudringen und die Tiere qualvoll ersticken zu lassen. Paraffinöl kann ich empfehlen.

Aber all diese Anfängerfehler ändern nichts daran, dass du eine Königin ohne jede Brut bekommen hast, die allem Anschein nach auch nicht begattet ist. Wenn du etwas recherchierst, wirst du sehen, dass diese Fälle alle paar Wochen auftreten, immer in Kombination mit dem genannten Händler.

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Re: Camponotus Ligniperdus Gyne verstorben. Ursachenforschun

Beitragvon Abaton23 » 15. Mai 2018, 19:42

Hmm, schade um die Mühe. Danke für die Antwort.

Zum Glück wurde ich heute entschädigt. Ich bin in unserem Gemeindeforst gewandert und wohl mitten in den Schwarmflug gekommen. Ich habe die letzten Wochen auf den dortigen Wanderwegen schon öfters Medias und sogar Mayore der große Rossameisen gesehen. Jedoch waren die fast komplett schwarz. Die heute gefundenen Gynen ähneln stark der Ligniperdus, haben jedoch völlig schwarze Gaster. Ich tippe auf Camponotus Herculeanus, da die Tiere stark glänzen, Vagus wäre ja wohl matter. Der Fundort ist übrigens zentrales Bayern, zwischen Augsburg und Donauwörth.

Ich habe einige in einem Marmeladendöschen gesammelt, hatte leider nix anderes bei mir. Daheim hab ich sie in Reagenzgläser getrennt. Nur habe ich nach Deiner Ausführung jetzt Angst wegen dem Talkum. Um sie trennen zu können, bepuderte ich eine gläserne Auflaufform damit. Dort hinein schüttelte ich die Gynen und schob sie dann einzeln in die Reagenzgläser. Oh-oh...

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Re: Camponotus ligniperdus Gyne verstorben. Ursachenforschun

Beitragvon Maddio » 15. Mai 2018, 22:18

Na sieh mal einer an, ausgleichende Gerechtigkeit, es gibt sie also doch!

Das freut mich ja für dich. Vermutlich ist es sinnvoll, wenn du bei Gelegenheit ein paar Fotos der Gynen hochlädst. Du schreibst sie sind schwarz und glänzen auch stark. Mit der Anmerkung, dass dies bei C. vagus nicht der Fall ist, hast du im Grunde Recht, denn die Arbeiterinnen sind sehr stark behaart und wirken dadurch nicht so glänzend. Aber die Königinnen sind vergleichsweise wenig behaart und glänzen daher deutlich mehr.

Wenn es tatsächlich C. vagus sind, könntest du überlegen ob du nicht alle bis auf eine, oder sogar komplett alle, freilässt. Camponotus vagus gilt in Deutschland als vom Aussterben bedroht. Geschützt sind sie allerdings nicht, so dass es ohnehin bei dir liegen würde. Ich glaub es würde dir auch keiner übelnehmen, wenn du zumindest eine behältst.

Ob es doch C. herculeanus sind, lässt sich aus der Ferne schwer sagen, kann genauso gut sein. Was man so hört kommen sie eher in den höheren Lagen vor. Bei mir im Münsterland gibts leider keine Camponotus, von daher kann ich da nicht viel zu sagen. Ich hoffe immer noch welche zu finden und suche immer weiter, aber bisher ohne jede Anzeichen der großen Camponotus-Arten.

LG Maddio

EDIT: Was das Talkum angeht...hol dir Paraffinöl aus der Apotheke. Meist füllen sie einem etwas aus einem großen Kanister ab. Ein 10ml Fläschchen reicht völlig für den Anfang. Damit kannst du bestimmt 10 Becken ausbruchssicher machen. Bei den großen Camponotus-Arten bist du damit wohl besser beraten und es ist mMn auch besser in der Anwendung (kein Staub auf den Scheiben).

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Re: Camponotus ligniperdus Gyne verstorben. Ursachenforschun

Beitragvon Abaton23 » 16. Mai 2018, 08:56

Hallo Maddio,

ja, Paraffinöl vom Antstore ist gerade per Post eingetroffen, als Du es hier beschreibst. Ich hab auf Youtube einen Film gesehen, wo einer PTFE-Spray für den Ausbruchrahmen benutzt. Was ist davon zu halten?

Leider habe ich noch nicht den Bogen raus, wie ich Bilder von meinem Tablet in den Mailordner bekomme. Drum krieg ich sie noch nicht hier ins Forum rein. (Mein Tech-Skill ist erbärmlich) Ich bin mir recht sicher mit der Vermutung, dass es sich um Herculeanus handelt. Seit ich mit den Ameisen anfing, habe ich diese im Gemeindewald systematisch gesucht. Alle Camponotusarbeiterinnen waren stets schwarz mit dunkelbraunen Unterseiten und stark glänzend. Ich fand viele dieser Standorte. Die matten Vagus habe ich leider nie gefunden. Ich las, Herculeanus soll in Höhenlagen über 400 Metern auftreten. Nun, Mertingen bei Donauwörth liegt ca. 100 km vor der Alpenkante und ist genau 411 Meter über dem Meeresspiegel.

Drei der Gynen sind anderen Haltern versprochen worden, eine behalte ich selbst. Diese vier sollten gut umsorgt sein. Ich sah vor Jahren in einer Doku, Rossameisen wären in der Lage, Nacktschnecken im Jungstadium einzutragen, sowie deren Gelege. So plane ich als aktiven Gartenschutz eine Kolonie vor dem Haus und eine dahinter. Als Unterschlupf sollen senkrecht gestellte Hackstöcke dienen. Ich hab einen recht ansehnlichen Garten in der Nähe eines Dorfrandes.

Ich vermute, dass 90-99 % der Gynen Fraßfeinden wie Waldameisen und Vögeln zum Opfer fallen, lange bevor sie gründen können. Deshalb sagte ich zu jeder, die gefunden wurde: "Du bist gerettet!" Jetzt liegen sie friedlich in ihren Reagenzgläsern und sollen erste Arbeiterinnen entwickeln, welche sie später versorgen und schützen können. Wenn das so weit ist, werde ich sie an guten Plätzen wieder auswildern. Falls sich aber noch andere Halter melden, es sind noch genügend übrig, die Schutz und Futter schätzen würden.

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Re: Camponotus ligniperdus Gyne verstorben. Ursachenforschun

Beitragvon Abaton23 » 24. Mai 2018, 11:55

Da ich endlich einen Weg gefunden habe, Bilder vom Android-Tablet ins Netz zu bringen, hier die Vervollständigung des Berichts:
Als Arena diente eine Godmorgonbox von IKEA. Der Deckel wurde zum Ausbruchsrahmen ausgeschnitten
Die beige Fläche ist Jurasand aus einem Steinbruch, die rotbraune Fläche ist Kokoshumus.
Das Reagenz ist mit einem Tunnel aus Alufolie abgedeckt.

Arena-1.jpg


Unter der Arena wurde nach 14 Tagen ohne Brut eine schwach eingestellte 5W-Heizmatte gelegt. Die Temperatur lag dann bei ca. 23-24 Grad.
Nach weiteren 14 Tagen ohne Brutlegung wurde eine Heizlampe von oben spendiert. Die Temperatur stieg dann auf ca. 25-26 Grad.

Arena-2.jpg


Wie beschrieben leider ohne Erfolg. Nach fünf Wochen wurde die einzige Arbeiterin stark verletzt. (kann eig. nur die Königin gewesen sein)
Die Arbeiterin starb 2 Tage später allein in einer Arenaecke. Weitere drei Tage später war die Königin auch tot, ohne je Brut entwickelt zu haben.
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