Lasius brunneus - Maddio's Haltungserfahrungen

Unterfamilie: Formicinae

Lasius brunneus - Maddio's Haltungserfahrungen

Beitragvon Maddio » 21. Mai 2018, 17:53

Hallo und Herzlich Willkommen zu meinem Haltungsbericht zu Lasius brunneus, der Braunen Wegameise.

Lasius brunneus hat einen ziemlich schlechten Ruf. Weithin bekannt und gefürchtet ist sie als sogenannte Hausameise. Lasius brunneus nistet mitunter im Gebälk, in Türrahmen oder in der Isolation eines Hauses, und die Bekämpfung gestaltet sich oft schwierig. Informationen wie man diese ungebetenen Gäste loswird, gibt es inzwischen zuhauf, Erfolgsberichte leider weniger. Stellvertretend für die Fülle an Informationen dieser wie ich finde sehr ergiebige Link:

http://www.schaedlingskunde.de/Diverse_htm/Bekaempfung-Braune-Wegameise-Lasius-brunneus.htm

Meine persönliche Meinung dazu ist, dass in vielen Fällen für eine langfristig erfolgreiche Bekämpfung ein Spezialist beauftragt werden sollte. Dabei sollte man Sorge tragen, dass der Kammerjäger sich auch mit Ameisen auskennt. Sollte ein Kammerjäger Lasius brunneus als häufige und weitverbreitete, einheimische Art nicht identifizieren können, so ist er wohl nicht der Richtige für den Job. Das nur am Rande, denn ich habe schon viele Geschichten gehört, wo Kammerjäger gleich von Pharaoameisen oder ähnlichen Exoten ausgehen, wenn "lediglich" ein Befall mit Lasius brunneus vorliegt.

Durch einen Zufall bin ich vor einer Woche (15.05.2018) Zeuge eines Schwarmflugs von Lasius brunneus in einer Wohnung (Gott sei Dank nicht meiner Wohnung) geworden, und habe eine dealate Königin eingesammelt:

Königin1.jpg


Wie ihr seht, hat sie inzwischen ein großes Eipaket gelegt, so 20-30 Eier dürften es sein. So langsam schwinden meine Zweifel, dass sie unbegattet sein könnte. Denn das hatte ich zunächst vermutet, da in der Wohnung nur ein Nest zu sein schien. Entweder sind dort doch mehrere Nester, laut Seifert ist die Art möglicherweise oligogyn, oder sie haben Inzest betrieben :eek: Gewissheit werden erst die ersten Arbeiterinnen bringen, aber mein Bauchgefühl sagt mir ganz klar, wenn die Königin unbegattet wäre, hätte ich sie nach einer Woche nun entweder tot aufgefunden oder aber nur mit ein paar vereinzelten Eiern, aus denen dann Männchen schlüpfen. Naja, abwarten.

Über Lasius brunneus gibt es indes kaum Berichte in der Haltung. Besonders hervorzuheben ist hier der Bericht von User3165, dem ich viele Infos in Bezug auf das was mich in der Gründungsphase erwartet, entnehmen konnte. Hier der Link zu seinem lesenswerten Bericht:
https://www.ameisenforum.de/lasius-brunneus-haltungsbericht-t56714.html

Mir ist klar geworden, dass ich über Lasius brunneus fast gar nichts weiß, abegesehen von ihrem Ruf als Hausameise. Also ran an die Literatur und im Seifert nachgeschlagen. Dort findet sich einiges interessantes, was mir so nicht bewusst war. Zu lesen ist, sie gründen in großer Höhe, bevorzugt auf/an/in Laubbäumen (nagt aktiv Gänge aus im Holz). Weiter zu lesen ist, sie sind arboricol, leben also auf Bäumen. Ich muss zugeben, das klingt sehr spannend. Bei der Ernährung soll der Schwerpunkt auf der Trophobiose liegen, zoophag sind sie kaum. Und vom Wesen her sollen sie scheu und fluchtbereit sein. Das widerspricht sehr dem Wesen ihrer prominenten Vettern, den Lasius niger, die ziemlich aggressiv und todesmutig sein können.

Mir schwebt jetzt schon ein schönes Holznest vor, aus einem Holz eines Laubbaumes. Dieses wird aber zwingend intern sein, denn auch ich will keine Lasius brunneus in meiner Wohnsubstanz nisten haben. Nach der Gründung im RG werden sie in ein sicheres Becken mit Rahmen und Deckel kommen, da gehe ich kein Risiko ein! Ich kann mir vorstellen sie bis zur nächsten Saison im RG zu halten, auch um sie erstmal komfortabel überwintern zu können.

Hier noch ein Bild der Königin (sie ist ganz ruhig in derselben Stellung verharrt):

Königin2.jpg


Ich erhoffe mir durch die Haltung ein eigenes, unvoreingenommenes Bild von diesen oft verhassten Ameisen zu machen und sie etwas kennen zu lernen. Wie lange ich die Kolonie neben meinen anderen Kolonien halte, dass lasse ich zunächst erstmal offen. Ach, wem mache ich was vor, ich finds einfach spannend und erfrischend, mal wieder eine neue Art am Start zu haben :D

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Re: Lasius brunneus - Maddio's Haltungserfahrungen

Beitragvon Maddio » 10. Juni 2018, 20:27

Ein erstes Update steht an.

Das Eipaket ist gewaltig gewachsen, aber ich kann immer noch keine Larven erkennen. Es kann aber durchaus sein, dass schon welche da sind. Mit bloßem Auge sind sie nicht zu erkennen, aber auch auf den Fotos erkenne ich nichts eindeutiges:

P1000378.jpg


Ich bin ja immer noch gespannt, ob die Königin überhaupt begattet ist...ihr Anblick weiß jedenfalls zu gefallen:

P1000384.jpg


LG Maddio

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