Lasius brunneus - unglaublich rasante Entwicklung!

Allgemeine Fragen und Themen über europäische Ameisenarten.

Lasius brunneus - unglaublich rasante Entwicklung!

Beitragvon ReliAnt » 10. Juni 2018, 18:40

Der/die ein oder andere von euch erinnert sich möglicherweise noch:
Am 27.05.2018 habe ich eine Lasius brunneus Gyne gefangen.
(Hier ist der Fundbericht: 2-gynen-gefangen-t57965-8.html#p412458 )

Seitdem legt diese Gyne eine schier unglaubliche Gründungsgeschwindigkeit hin :eek: , die ich hier für euch kurz zusammenfassen möchte.
Ich halte sie claustral bei tagsüber ca. 30°C, nachts ca. 24°C im Reagenzglas, welches ruhig im Dachgeschoss gelagert wird.

Fragen die ich habe:
Hat jemand von euch Erfahrung mit typischen Brutentwicklungszeiten dieser Art?
Ist diese Geschwindigkeit üblich?

Nun lasse ich die Bilder sprechen!

27.05.2018 (Start): Gyne gefunden mitten auf einem Weg im Park, ~ 28°C, schwülwarm, ca. 17:00 Uhr, Ludwigshafen (RLP)
IMG_1066.JPG

29.05.2018 (Start +2 Tage): Erste Eier, ca. 15 Stück
IMG_0001.JPG

10.06.2018 (Start + 14 Tage): 23 Eier, 16 Larven, 3 Puppen!!!
IMG_0007 (2).jpg

Gefallen euch die Bilder?

Sehe ich das falsch oder ist diese Entwicklungszeit beachtlich?

Im Vergleich zu meinen Camponotus nicobarensis kommt mir das wie vom anderen Stern vor, wenngleich ich mir im Klaren darüber bin, dass Camponotus sp. durchschnittlich längere Entwicklungszeiten haben.

Hier könnt ihr übrigens meinen Haltungsbericht zu den Camponotus nicobarensis vergleichsweise finden:
haltungsbericht-camponotus-nicobarensis-von-reliant-t57695.html

Bin total begeistert und überlege nun diese Gyne zu halten.
Als potentielle Hausameise habe ich jedoch bis dato immer noch Bedenken...

Folgende Benutzer bedanken sich beim Autor ReliAnt für die Beiträge (total 6):
jeoff82User3165MaddioErneUnkerichAmeisenstarter
Benutzeravatar
ReliAnt
Einsteiger
 

Beiträge: 184
Registriert: 4. April 2018, 20:01
Auszeichnungen: 1
Mai (1)
Hat sich bedankt: 117 mal
Danke bekommen: 164 mal

Re: Lasius brunneus - unglaublich rasante Entwicklung!

Beitragvon Maddio » 10. Juni 2018, 19:43

Hi ReliAnt,

Wie es der Zufall will, war ich gerade dabei meinen Lasius brunneus-HB zu aktualisieren:
https://www.ameisenforum.de/lasius-brunneus-maddio-s-haltungserfahrungen-t57902.html#p413137

Dort findest du zwei Fotos, die den aktuellen Stand zeigen.

Ich habe die Königin bereits Mitte Mai gefunden, also etwas früher als du. Es ist in der Tat sehr interessant, wie unterschiedlich die Entwicklung vonstatten geht. Meine Königin hat eine große Zahl an Eiern und vlt auch schon ein paar Larven, aber alles noch kaum entwickelt. Deine scheint eher auf "Klasse statt Masse" zu setzen, wenige Bruteinheiten, dafür möglichst schnelle Entwicklung.

Meine Gyne lagert nur bei Zimmertemperatur, und zwar nicht im Dachgeschoss. Es dürften hier tagsüber um die 26°C sein und nachts 18°C. Da scheint der große Unterschied zu sein.

Ich hatte damals eine Königin von L. flavus (nicht meine aktuelle Kolonie) zum Gründen in unseren Heizungsraum unterm Dach aufbewahrt. Die hatte auch innerhalb kürzester Zeit erste Arbeiterinnen herangezogen.

Also ich glaube hier ist die recht hohe Temperatur die Erklärung für die rasante Entwicklung bei deiner Gyne.

ReliAnt hat geschrieben:Bin total begeistert und überlege nun diese Gyne zu halten.
Als potentielle Hausameise habe ich jedoch bis dato immer noch Bedenken...


Ich werde mir extra noch ein Becken vom Antstore bestellen für die Lasius brunneus, samt Deckel und Rahmen. So ein Becken bietet mit aufgetragenem Ausbruchschutz schon eine enorme Sicherheit. Meine C. vagus kommen bei offenem Becken z.B. selbst wenn sie aufgebracht sind nicht heraus, und da sind teilweise hunderte Arbeiterinnen im Becken, die sehr schnell laufen und sich exzellent an Glas bewegen können. Der Rahmen hält sie bereits auf, sollten sie es bis an den Beckenrand schaffen. Wenn dann noch der Deckel drauf ist, kann erst recht keine Ameise mehr raus.

Allerdings gibt es immer ein Restrisiko, egal ob in der privaten Ameisenhaltung oder im Wissenschaftsbetrieb, denn es kann immer aufgrund höherer Gewalt zu Schäden an einer Anlage kommen (Erdbeben, Unwetter, Feuer, Wohnungseinbruch usw.).

Also musst du letztendlich selbst entscheiden, ob du dieses Restrisiko eingehen willst. Ich habe mich entschlossen, den Lasius brunneus eine Chance zu geben, unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen. Wenn meine Gyne denn begattet ist...

LG Maddio

Folgende Benutzer bedanken sich beim Autor Maddio für die Beiträge (total 2):
ReliAntUser3165
Benutzeravatar
Maddio
Fortgeschrittener Halter
 

Beiträge: 1940
Registriert: 15. März 2007, 11:35
Wohnort: Bocholt
Auszeichnungen: 1
April (1)
Hat sich bedankt: 3672 mal
Danke bekommen: 2037 mal

Re: Lasius brunneus - unglaublich rasante Entwicklung!

Beitragvon Zitrone22 » 10. Juni 2018, 20:04

Keine Ahnung bezüglich des Beckens..... Habe L. niger, die ja Lasius brunneus recht ähnlich ist, und die kommen irgendwo raus. Keine Ahnung wo, aber sie tun es. Überlege ernsthaft, sie deswegen auszuwildern, da ich keine Ahnung habe, wo sie raus und auch wieder rein kommen. Habe schon 30 Ausbrecher wieder einsammeln müssen... und es sind max. 50.

Lange Rede, kurzer Sinn: wenn Antstore, dann Kombi.
Zitrone22
Halter
 

Beiträge: 222
Registriert: 16. Oktober 2017, 08:58
Hat sich bedankt: 39 mal
Danke bekommen: 36 mal

Re: Lasius brunneus - unglaublich rasante Entwicklung!

Beitragvon User3165 » 10. Juni 2018, 20:15

Wow, also meine hatte es nicht so eilig mit der Gründung... allerdings ist 30° auch um einiges wärmer als bei meinen Kolonien.
Die Fotos sind übrigens wirklich toll geworden!

Liebe Grüße,
Gabs

Folgende Benutzer bedanken sich beim Autor User3165 für den Beitrag:
ReliAnt
Benutzeravatar
User3165
Halter
 

Beiträge: 521
Bilder: 281
Registriert: 1. Juli 2017, 11:11
Wohnort: Bayern
Auszeichnungen: 2
Juli (1) August (1)
Hat sich bedankt: 884 mal
Danke bekommen: 589 mal

Re: Lasius brunneus - unglaublich rasante Entwicklung!

Beitragvon Maddio » 10. Juni 2018, 20:20

Zitrone22 hat geschrieben:Keine Ahnung bezüglich des Beckens..... Habe L. niger, die ja Lasius brunneus recht ähnlich ist, und die kommen irgendwo raus. Keine Ahnung wo, aber sie tun es. Überlege ernsthaft, sie deswegen auszuwildern, da ich keine Ahnung habe, wo sie raus und auch wieder rein kommen. Habe schon 30 Ausbrecher wieder einsammeln müssen... und es sind max. 50.

Lange Rede, kurzer Sinn: wenn Antstore dann Kombi.


Vlt ein Verarbeitungsfehler. Wende dich doch an den Kundensupport vom Antstore, die sind bei mir stets hilfsbereit. Ich habe inzwischen 4 Becken mit Deckel, manche auch mit Rahmen, alle nahtlos verarbeitet. Bei aufgelegtem Deckel kommt da sicher keine L. niger raus.

EDIT: Vlt kannst du hier auch noch die offenen Fragen beantworten, dann klärt sich möglicherweise auf, ob es wirklich am Becken liegt.
https://www.ameisenforum.de/ameisen-brechen-aus-t58082.html#p413017
Benutzeravatar
Maddio
Fortgeschrittener Halter
 

Beiträge: 1940
Registriert: 15. März 2007, 11:35
Wohnort: Bocholt
Auszeichnungen: 1
April (1)
Hat sich bedankt: 3672 mal
Danke bekommen: 2037 mal

Re: Lasius brunneus - unglaublich rasante Entwicklung!

Beitragvon ReliAnt » 10. Juni 2018, 21:32

Maddio hat geschrieben:
Wie es der Zufall will, war ich gerade dabei meinen Lasius brunneus-HB zu aktualisieren:
https://www.ameisenforum.de/lasius-brunneus-maddio-s-haltungserfahrungen-t57902.html#p413137

Dort findest du zwei Fotos, die den aktuellen Stand zeigen.


Hi Maddio,

habe Deinen HB gerade gelesen und der Eierberg ist ja enorm!
Erstaunlich, dass da der Massenerhaltungssatz noch greift :-)

Deine Gyne hat den Berg aus Eiern bemerkenswert ordentlich gestapelt (nunja, Gynen sind eben auch Weibchen :fettgrins: ) und mich würde es nicht wundern, wenn da auch Larven dazwischen sind!

Offenbar haben die Lasius brunneus Gynen aufgrund der dieses Jahr hohen Außentemperaturen bereits Ende Mai den Turbo reingehauen.
Erst die frühen Schwarmflüge, dann die (Zitat D. Bohlen) "megamäßigen" Entwicklungen... wo wenn nicht in der Übernahme der Weltherrschaft soll das bitteschön hinführen?

Die +4°C bei mir unterm Dach im Vergleich zu Deinen 26°C könnten in der Tat den Ausschlag geben, neben vermutlich "subjektiven" Aspekten unserer Individuen :)
Gewisse Arten sind ja in der Lage 0,25°C Unterschiede festzustellen und Ihre Entwicklungsgeschwindigkeit (zumindest jenen Teil, den die Gyne proaktiv beeinflussen kann) auf die Außentemperaturen zu optimieren... denke Du hast recht!

Was mir noch auffällt: Deine Watte scheint vergleichsweise langfaserig zu sein - das gefällt mir, da das glatte RG damit etwas Strutkur bekommt und sich die Larven besser anhaften lassen dürften
Benutzt Du da etwas besonderes?

Konnte übrigens gerade bei genauerem Hinsehen das erste Mal die feinen Härchen an den Larven entdecken, die einen direkten Bodenkontakt verhindern und mit dem sich die Larven stapeln und aneinanderkletten lassen. Find ich so faszinierent, das mit eigenen Augen zu sehen. Ich glaub ich brauch auch noch ein Mikroskop :p
10-06-2018 21-58-04.jpg


@ User3165: Danke! Edit: Hab Dein Video gerade gesehen - sehr schön beschrieben und gezeigt!
Ich steht auch total auf Deine RG-Abdeckungen aus Alufolie. Einfach aus dem grund, weil sie teils diese kleine Lasche haben zum Anheben!
Nutzt Du in den Rocher-Boxen noch einen Ausbruchsschutz? Ist Dein Bodengrund einfach nur Sand oder ist der irgendwie gebunden?

Hmm - ich denke die Entscheidung ist auch aufgrund der Haltungen von Dir und User3165 gefallen: Werde meiner Gyne ebenfalls ein Habitat bieten und sie beobachten.

Bei derart intensivem Einstieg würde es mir auch schwer fallen, sie als kleine Kolonie wieder auszuwildern.

Zum Start werde ich eine maximal gesicherte S-Arena (Rahmen, Deckel, Ausbruchsschutz, Lüftungsgitter mit zusätzlichem Ausbruchsschutz) und ein großes jedoch segmentiertes Ytong- oder Gips-Nest anbieten, dass ich als Opfernest eines Tages mit auswildern kann.

Mal sehen wo das hinführt :p

Viele Grüße

Folgende Benutzer bedanken sich beim Autor ReliAnt für den Beitrag:
PJay
Benutzeravatar
ReliAnt
Einsteiger
 

Beiträge: 184
Registriert: 4. April 2018, 20:01
Auszeichnungen: 1
Mai (1)
Hat sich bedankt: 117 mal
Danke bekommen: 164 mal

Re: Lasius brunneus - unglaublich rasante Entwicklung!

Beitragvon ReliAnt » 10. Juni 2018, 21:34

Maddio hat geschrieben:Vlt ein Verarbeitungsfehler. Wende dich doch an den Kundensupport vom Antstore, die sind bei mir stets hilfsbereit. Ich habe inzwischen 4 Becken mit Deckel, manche auch mit Rahmen, alle nahtlos verarbeitet. Bei aufgelegtem Deckel kommt da sicher keine L. niger raus.


Das kann ich bestätigen - als ich letztes Wochenende da war, habe ich einige 3D-Teile mitgenommen, die ich gebraucht gekauft hatte bei Ebay und bei denen der Druck nicht ganz optimal war.
Wurden vom Chef anstandslos getauscht.
Benutzeravatar
ReliAnt
Einsteiger
 

Beiträge: 184
Registriert: 4. April 2018, 20:01
Auszeichnungen: 1
Mai (1)
Hat sich bedankt: 117 mal
Danke bekommen: 164 mal

Re: Lasius brunneus - unglaublich rasante Entwicklung!

Beitragvon jeoff82 » 10. Juni 2018, 22:11

Bitte seien Sie vorsichtig, wenn Sie sie auf dem Dachboden halten, da es an sehr warmen Tagen unglaublich heiß werden kann. Ich habe meine Lasius brunneus Kolonie und einige andere Arten in der Hitze letzten Juni verloren. Es muss über 40°C warm auf dem Dachboden sein, wenn über 30°C draußen sind. Viel Glück beim Halten dieser großartigen Spezies.

Please be careful keeping them in the attic as it can get incredibly hot on very warm days. I lost my Lasius brunneus colony and some other species in the heat last June. It must be over 40°C in the loft when over 30°C are outside. Good luck keeping this great species.

Folgende Benutzer bedanken sich beim Autor jeoff82 für den Beitrag:
ReliAnt
Benutzeravatar
jeoff82
Einsteiger
 

Beiträge: 53
Registriert: 20. Mai 2017, 23:14
Wohnort: England
Hat sich bedankt: 44 mal
Danke bekommen: 56 mal

Nächste

Zurück zu Europäische Ameisenarten & Allgemeines

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder

cron