Odontomachus spec. Haltungsbericht mit Gründung von Timmey91

Unterfamilie: Ponerinae

Odontomachus spec. Haltungsbericht mit Gründung von Timmey91

Beitragvon Timmey91 » 10. Dezember 2018, 23:59

Haltungsbericht zum Gründungsversuch meiner Odontomachus Kolonie

Hallo zusammen!
Wie ihr hier lest, stelle ich nun meine Odontomachus sp. Königin vor.
Zum Start erstmal ein paar Daten:

Odontomachus sp.
* Taxonomie: Unterfamilie Ponerinae, Tribus Ponerini
* Trivialname: Schnappkieferameise
* Herkunft: Laut Angabe des Verkäufers aus dem Hochland in Guyana
* Größe: 10 - 14 mm
* Nahrung: Zucker-/ Honigwasser, kleine Insekten angefangen bei Springschwänzen
* Klima, Temperatur: tropisch feucht; 23 bis 29 Grad Celsius
* Nestbau: Erdnester, bodennahes Todholz und unter losem Laub
* Bepflanzung: Fakultativ, nur in großen Terrarien;
* Gründung: erfolgt semiclaustral (mit Fütterung) häufig in Pleometrose oder durch Adoption
* Koloniegröße: „bis 100 Tiere“
Daten zur Entwicklung liegen mir aktuell noch nicht vor, ich werde das aber beobachten.


Nun zum Zustandekommen dieses Gründungsversuches.

Wenn die Geschichte dich als Leser jetzt so gar nicht Interessiert, lade ich natürlich herzlich dazu ein, nach unten zu scrollen.
Für diejenigen die es interessiert, kommt hier in aller Ausführlichkeit der Ablauf der letzten Wochen:

Nachdem ich mich Stundenlang durch das Internet gewühlt habe und auch hier im Forum nach Informationen zu Tropischen Arten und Tipps zur Auswahl einer für mich passenden Kolonie gefragt habe, ist das etwas überraschende Ergebnis, das ich nun doch schon relativ zügig zu einem Ergebnis meiner Suche und der Umsetzung eines dafür passenden Formicariums gekommen bin.

Eigentlich wurde mir ja von einer Gründung mit der Spezies Odontomachus abgeraten... vorerst war das auch ehrlich gesagt nicht mein Ziel.
Nachdem ich dann weiter im Internet die mir vorgeschlagenen Spezies gesucht und Informationen aufgesaugt hatte, viel mir auf einer Seite dieses Angebot ins Auge.

Da wurden tatsächlich Jungköniginnen vom diesjährigen „Winterschwarmflug“ einer Odontomachus Spezies angeboten.
Und diese sogar recht erschwinglich.
Nach längerem hin und her meinerseits entschied ich mich, den Anbieter zu kontaktieren.
Gedacht hatte ich mir dabei, für den nicht allzu teuren Preis, zwei Königinnen zu erwerben und zwei Gründungen parallel zu versuchen. Das ganze mit dem Hintergrund eine nicht erfolgreiche Gründung abpuffern zu können und gegebenenfalls bei zwei erfolgreichen Gründungen eine der Kolonien hier im Forum anzubieten. Ich denke da hätte ich bestimmt den einen oder anderen Abnehmer gefunden.

Dieser Plan wurde aber recht schnell durchkreuzt:
Der Anbieter meldete sich bei mir und erklärte mir, das er nur noch eine Königin zur Abgabe hätte.
Da war meine Euphorie natürlich erstmal gedämpft. Da er aber weiter erklärte, das diese Art an sich recht unkompliziert zu halten sei und er die Tiere aber erst in der jetzt aktuellen Woche abgeben kann, weil er momentan noch unterwegs ist, machte ich mir nochmal so meine Gedanken.
Lange Rede kurzer Sinn: Ich wollte es versuchen.
Ich schrieb ihm das ich diese Königin gerne haben möchte, und fragte noch nach weiteren Informationen zum genauen Fundort und den dort herrschenden Klimatischen Verhältnissen.

Nun da ich jetzt aller Wahrscheinlichkeit ca 2 Wochen Zeit hatte, bis ich die Königin erhalten würde, startete ich damit mir Gedanken zu einem Aufzuchtformicarium zu machen.

Mein Setup stellte ich wie folgt zusammen:
- Eine große Ikea Godmorgon Box
- Humus und Sphagnum Moos als Bodengrund
- Ein Stück Korkrinde und ein RG mit Wassertank als Nestalternativen
- Tropische Springschwänze und weiße Asseln als Bodenpolizei und zugleich als Proteinquelle für die Kolonie
- Eine 7W Heizmatte um die erforderliche Temperatur zu erreichen
- Eine elektronisches Hydro- und Thermometer zur Überwachung von Luftfeuchte und Temperatur
- Ein Ausbruchschutz erschien mir vorwrst nicht notwendig da diese Art sehr schlecht bis gar nicht auf glatten Oberflächen halt findet, und der Deckel der Box überkopf wohl eine unüberwindbare Barriere daratellen wird

Alle Komponenten waren relativ schnell besorgt und ich begann, nach Ankunft der Springschwänze und Asseln sofort die Box einzurichten.
Ich habe in die Box seitlich eine 18mm Bohrung angebracht. Diese Bohrung dient zum einen zum späteren Anschluss einer anderen Arena, als auch zur Durchführung der Sensoren zur Klimaüberwachung. Mit einem festen Wattestopfen habe ich die Bohrung nach der Durchführung der Sensoren verschlossen.
Die Box habe ich etwa zur Hälfte mit feuchtem Humus gefüllt, die Korkrinde und das RG platziert, und die Ecke mit dem RG mit Sphagnum Moos ausgepolstert. Somit war das RG auch gleich abgedunkelt.
Anschließend wurden noch die Springschwänze und die Asseln in ihre neue Heimat entlassen und das ganze an dem vorgesehenen Platz auf der Heizmatte plaziert.

Das Ergebnis (die Fotos entstanden allerdings erst heute) seht ihr hier:

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Zunächst stellte ich die Box komplett auf die Heizmatte. Nach ein paar Stunden überprüfte ich die Temperatur und die Feuchtigkeit.

Leider musste ich feststellen das der Hydrosensor empfindlich auf direkten Kontakt mit Wasser reagiert und auf Grund der Kondenswassertropfen dauerhaft 99% Luftfeuchte anzeigt.
Die Temperatur in der Box betrug bereits knapp 27 Grad.

Zum testen platzierte ich die Heizmatte nun so, das nur etwa die halbe Box auf ihr stand und beobachtete die Temperatur weiterhin. Zusätzlich legte ich noch ein analoges Hydrometer in die Box um eventuell einen etwas realistischeren Ablesewert zu erhalten.

Nach weiteren Überprüfungen und Kontrollen in den nächsten Tagen hatte ich nun dauerhaft eine Höchsttemperatur von 27-28 Grad direkt über der Heizmatte und von 23-24 Grad im kühlsten Bereich der Arena. Temperaturschwankungen sind abhängig von der Zimmertemperatur. Beim ausgiebigen Lüften ist eine leichte Absenkung der Temperatur zu beobachten.
Das war für mich zufriedenstellend.
Das analoge Hydrometer zeigt mir dauerhaft eine Luftfeuchtigkeit von ca 85% an, wobei ich auch bei diesem nicht auf eine vertrauenswürdige Anzeige beharre.

Ich stellte den Asseln und Springschwänzen Futter in Form von Kartoffel- und Karottenstreifen und ein paar Haferflocken zur Verfügung und wollte die Verhältnisse und eine eventuelle Schimmelbildung oder ähnliches weiter beobachten.

Aber dann...

Der Verkäufer kontaktierte mich früher als ich es erwartet hatte.
Allem Anschein nach war er wohl schon früher zurück und er sagte mir das er die Königin bereits früher versenden würde, und so kam es dann auch.

Letzte Woche Freitag hielt ich sie dann bereits in meinen Händen!
Eine wunderschöne, etwa 10-11 mm große Odontomachus Königin in einer kleinen Kunststoffdose, versendet mit Heatpack und feuchtem Küchenpapier.

Ich war erstaunt bei dem Anblick dieser schönen Königin und zugleich mehr als erleichtert das sie den Versand scheinbar sehr gut überstanden hatte.
Irgendeine Form von Brut konnte ich nicht entdecken.

Ich legte die Dose geöffnet in die Arena und versuchte Fotos von der Gyne zu machen. Beim betrachten der Bilder viel mir dann direkt etwas auf:

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Wer hat es entdeckt? :)
Ich denke ihr habt es auch gesehen, ein Ei!
Ich hatte nicht damit gerechnet das sie bereits Eier haben könnte und deswegen freute mich das um so mehr!!

Ich konnte nun beobachten das sie relativ zügig unter dem Stück Korkrinde verschwand, dann aber genauso schnell wieder heraus kam und das Ei was ich vorher entdeckt habe zwischen ihre Mandibeln nahm und direkt wieder unter der Rinde verschwand.
Das sie sich so schnell für ihren neuen Nistplatz entschied, hätte ich auch nicht erwartet.
Ich entfernte vorsichtig das Küchenpapier aus der kleinen Dose und entdeckte zwei weitere Eier, eins davon ungewöhnlich gelblich gefärbt.
Ab diesem Moment lies ich sie in Ruhe und setzte den Deckel auf das Formicarium.

Einige Stunden später entschied ich mich ihr noch einen Tropfen Honigwasser und eine halbierte sehr kleine Waldschabe vor der Korkrinde zu plazieren. Dabei konnte ich noch feststellen das nur noch das gelbliche Ei in der Dose lag. Ich entschied mich es dabei zu belassen.

Am nächsten Morgen warf ich einen Kontrollblick in das Formicarium. Zu meinem erstaunen war eine Hälfte der Waldschabe verschwunden und der Tropfen Honigwasser wurde mit Humus bedeckt. Aber das gelbliche Ei lag immer noch in der kleinen Dose.
Ich habe die Dose mit dem Ei entnommen, da ich mir dachte, das dieses Ei wohl den Transport nicht überstanden hat und sie es deswegen zurückgelassen hat.

Ich kontrollierte das RG, welches wie erwartet leer war. Und nach langem hin und her entschied ich mich einen kurzen Blick unter die Korkrinde zu werfen um ihren Neststandort lokalisieren zu können.

Beim Anheben konnte ich sofort im mittleren Bereich der Korkrinde die halbe Waldschabe entdecken. Erfreulich zu sehen das sie bereits Futter angenommen hatte :)
Ein schnelles Foto habe ich gemacht und dann die Rinde wieder sehr behutsam abgelegt.
Was auf dem Bild zu sehen ist, erstaunte mich umso mehr:

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So wie es aussieht, hat sie über Nacht sogar bereits weitere Eier gelegt. Ich würde hier ein Eierpaket von insgesamt 4-5 Eiern vermuten.
Mich stimmt die Tatsache das sie sowohl Futter angenommen als auch bereits Eier gelegt hat sehr positiv!

Die nächsten Wochen werde ich weiterhin Futter anbieten und die Klimabedingungen kontrollieren. Ansonsten lasse ich die Gyne in Ruhe! Auch wenn sie nicht merklich Futter annehmen wird, muss ich davon ausgehen das die Springschwänze und eventuell die Asseln gejagt werden und sie sich selbst mit Proteinen versorgt.

Aktuell bin ich aber guter Dinge und hoffe das die Gründung ein Erfolg wird.

Ich hoffe ich habe es mit der Ausführlichkeit nicht zu sehr übertrieben!
Vielen Dank fürs Lesen!

Einen Diskussionsthread habe ich hier erstellt:
http://www.ameisenforum.de/post419343.html#p419343

Fragen, Anregungen und Kritk sowie Lob ;) sind wie immer erwünscht!

Liebe Grüße
Tim

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Re: Odontomachus spec. Haltungsbericht mit Gründung von Timm

Beitragvon Timmey91 » 27. Dezember 2018, 18:18

Hey allerseits,

Ich hoffe ihr hattet ein gemütliches und schmackhaftes Weinachtsfest!
Ich gebe hier mal ein kurzes Update zu meiner Gyne:

Nachdem ich im Diskussionsthreat einige Anregungen zu dem Setup der „Aufzuchtsbox“ bekommen habe, versuchte ich natürlich das Setup etwas zu verbessern.
Zum einen habe ich, um das Kondenswasser etwas zu minimieren, noch einige Löcher in den Deckel gebohrt. Dazu habe ich einen Stufenbohrer verwendet, das geht wunderbar. Mit Edelstahlgaze habe ich die Löcher dann wieder ausbruchsicher gemacht. Die Löcher befinden sich nur an der „kühleren“ Seite der Box und bewirken nun das über dem Nest der Gyne weniger bis gar kein Kondenswasser entsteht (abgängig von der Raumtemperatur im Zimmer).

Desweiteren habe ich mir eine Steuergerät besorgt um die Temperatur digital zu steuern und zu überwachen. Das funktioniert bisweilen sehr gut.

Ich habe auch versucht die Box mitsamt Heizmatte erhöht aufzustellen um Stauhitze zu vermeiden.
Das habe ich aber nach zwei Tagen wieder zurückgebaut. Durch das erhöhte aufstellen habe ich bei meinem Setup extrem lange Heizphasen der Heizmatte festgestellt, gefolgt von einer sehr schnellen Abkühlung nach Erreichen der eingestellten Temperatur. Damit herrschte im unteren Bereich der Box immer während den langen Heizphasen eine sehr hohe Temperatur.
Nachdem ich die Box wieder plan auf die darunter befindliche Ablage aus Holz stellte, pendelte sich die Steuerung so ein das die Temperatur sich viel länger hält und die Heizphasen wesentlich kürzer sind.

Das Problem der Stauhitze sehe ich damit nicht so sehr, da die Heizmatte immer nur ein paar Minuten heizt.

Die Gyne selbst habe ich seit dem Einzug nicht mehr zu Gesicht bekommen.
Ich biete täglich frisches Honig- oder Zuckerwasser an, und ebenso täglich frische Proteine in Form von frisch getöteten und manchmal zerteilten kleinen Heimchen oder kleinen Waldschaben.

Über eine Woche konnte ich keine Aktivität beobachten und ebenso keine merkliche Annahme von den Proteinen.
Ich habe mir schon etwas Sorgen gemacht, aber wie ich ja bereits erwähnt hatte kann die Gyne sich ja auch durch jagen der Springschwänze und eventuell auch der Asseln selbst versorgen.

Vor ein paar Tagen konnte ich morgens die vordere Hälfte eines zerteilten Heimchens nicht mehr finden.
Entweder hat die Gyne sich das halbe Heimchen geholt oder es war noch nicht ganz tot und ist noch irgendwo hingekrabbelt...

Gestern Abend wollte ich es dann doch genauer wissen. Ich habe mit einer Taschenlampe seitlich unter das Kork geleuchtet und so gut wie möglich versucht hineinzuschauen. Ich sah keine Anzeichen der Gyne noch eines Nestes oder ähnlichem.
Dann entschied ich mich, genauer nachzuschauen. Ich hob das Korkstück an... keine Spur von der Gyne, keine Eier, nichts...
Ich befürchtete das schlimmste :(

Doch dann sah ich ein kleines Loch im Boden, sehr unaufällig und leicht zu übersehen. Ein schnelles Foto habe ich für euch gemacht:

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Mit einer Taschenlampe habe ich in das Loch hineingeleuchtet aber zunächst nichts sehen können, aber dann ist die Königin unten in dem Loch vorbeigehuscht. Für eine Sekunde konnte ich sie sehen! Ich konnte klar erkennen das sie ein größeres Eierpaket zwischen den Mandibeln trug und tiefer in dem Bodengrund verschwand.

Scheinbar geht es ihr gut und ich entschied mich, wie auf dem Foto zu sehen, den Napf mit Zuckerwasser und ein frisch getötetes Heimchen (nicht auf dem Foto zu sehen :D) in die Nähe ihres Nesteingangs zu legen.

Den Kork legte ich wieder auf die selbe Stelle und ließ die Gyne bis heute morgen wieder in Ruhe.
Einen kleinen Kontrollblick wagte ich aber nochmal, und heute morgen war das Heimchen verschwunden.

Ob bereits Larven vorhanden sind kann ich leider nicht sagen, und ebenso wenig Überblick habe ich über die Anzahl der Eier oder der Entwicklungszeit. Aber ich schätze es läuft bis jetzt ganz gut.

Was ich aber berichten kann, ist das es den Springschwänzen wohl in dieser Box sehr gut gefällt.
Deren Anzahl ist förmlich explodiert und sie stürzen sich regelrecht auf die toten Insekten und die dünnen Kartoffelscheiben die ich ab und zu in die Box lege.
Gut ersichtlich ist das auf diesem Foto, unter dem Stück Kork wimmelt es nur so von diesen kleinen weißen Krabblern!

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Mehr gibt es aktuell nicht zu berichten! Ich werde wohl weiterhin das Futter in die Nähe des Nesteingangs legen und beobachten ob der Proteinbedarf zunimmt.
Erhöhte Annahme der Insekten wird dann wohl auf das vorhandensein von Larven schließen lassen.
Und ob ich von unten Einsicht in ihr Nest habe, traute ich mich noch nicht zu kontrollieren und will die Gyne aktuell nicht zu sehr stören.

Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch und viel Glück für das neue Jahr!
Liebe Grüße
Tim

Diskussion: http://www.ameisenforum.de/post419343.html#p419343

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Re: Odontomachus spec. Haltungsbericht mit Gründung von Timm

Beitragvon Timmey91 » 13. Januar 2019, 13:47

Hallo zusammen,

Zunächst einmal möchte ich mich für die Auszeichnung recht herzlich Bedanken.
Es ist schön zu wissen das mein Haltungsbericht auch gelesen wird und meine Texte für gut lesbar empfunden werden.
Manchmal bin ich mir unsicher, ob ich es mit den Details übertreibe und mich mehr mit den Fakten beschäftigen sollte.
Mir ist es einfach irgendwie wichtig, alle Einzelheiten zu schreiben, um dem Leser die Möglichkeit zu geben, jede meiner Entscheidungen und Maßnahmen so gut wie möglich nachzuvollziehen.

Ich möchte euch auf dem laufenden halten und muss euch ein bisschen was berichten.

Über einen Monat ist es nun her das meine Odontomachus Gyne bei mir angekommen ist.
Nach dem scheinbar gelungenen Start mit ihr habe ich sie nun eine ganze Weile in Ruhe gelassen.

Ich habe weiterhin Honig und Honigwasser, und zerteilte und komplette Futtertiere angeboten. Immer mit etwas Abwechslung, also Heimchen, Mehlkäferlarven/ -puppen und Waldschaben.
Es verschwanden immer mal wieder, aber eher so einmal die Woche einige Teile der Futtertiere. Ich vermute das bevorzugt kleine Heimchen eingetragen wurden, das könnte aber auch Zufall sein. Also das es zufällig Zeitlich vom Bedarf und dem anbieten der Heimchen gepasst haben könnte.
Ganze Mehlkäferlarven und auch eine Puppe wurden scheinbar schon ins Nest gezogen.
Somit konnte ich zumindest vermuten das die Gyne noch am Leben war.
Kontrolle was in ihrem Nest vor sich geht, hatte ich aber vorerst keine.

Vor einer Woche etwa, habe ich bei meiner Kontrolle der Box und dem heraus sammeln der alten Futtertiere festgestellt, das die Gyne auf der Rückseite der Box ihre Nestkammer nah zu der Außenwand der Box gebaut hatte.

Ich hätte euch gerne per Fotoaufnahmen daran teil haben lassen, aber leider war das wirklich unmöglich für mich, brauchbare Aufnahmen davon zu machen.
Durch an der Außenwand klebenden Substratresten war ein Einblick nur sehr erschwert möglich, aber mit Geduld und Konzentration habe ich zwischen den Substratteilen hindurch einiges erkennen können.

Zuerst konnte ich einen Teil der eingetragenen Futtertiere erkennen. Auf jeden fall konnte ich eine ganze Mehlkäferlarve erkennen in einem tieferen Bereich der Kammer.
Die Gyne konnte ich zunächst nicht sehen.
Durch das Licht meiner Taschenlampe gestört, verriet sie sich allerdings durch ihre Bewegungen. Sie lebte noch, was mich natürlich sehr beruhigte.

Dann konnte ich erkennen wie sie ein kleines Eierpaket herumtrug, wahrscheinlich um es vor mir in Sicherheit zu bringen.
Außer diesem kleinen Eierpaket konnte ich sonst aber keine Brut erkennen.

Ich machte mir so meine Gedanken...

„Hab ich nicht beim letzten mal ein wesentlich größeres Eierpaket gesehen?“

„Konnte ich keine Larven und/oder Puppen erkennen weil sie irgendwo versteckt liegen, oder sind einfach keine da?“

„Sollte keine Brutentwicklung stattgefunden haben... woran könnte es liegen?“


Ich zerbrach mir den Kopf, ich habe sogar nachts wachgelegen und mich durch das Internet und Youtube gewühlt, auf der Suche nach Berichten zur Gründung dieser Art und Entwicklungszeiten der Brut.... leider ohne großen Erfolg.
Ich konnte tatsächlich keine brauchbaren Informationen zu geglückten Gründungsversuchen und auch nicht wirklich konkrete Aussagen zur Entwicklungszeiten der Brut finden.

Was nun? Soll ich reagieren? Kann ich irgendwas ändern? Sind wirklich keine Larven oder Puppen vorhanden?

Ich haderte wirklich mit mir...

Ich stellte mir die Frage ob die Gründung in einem Reagenzglas vllt doch angebrachter wäre. Ich könnte besser kontrollieren welche Temperatur im Nest herrscht, ob Futter angenommen wird und ob Brut vorhanden ist und wie sie sich entwickelt.

Aber mache ich mit so einer extremen Störung eventuell alles kaputt? Wird der große Stress die Gyne komplett aus der Bahn werfen?

Sie jetzt auszugraben und irgendwie in ein Reagenzglas zu verfrachten könnte auch extrem schief gehen...

Wirklich eine schwere Entscheidung...

Zwei Tage lang zerbrach ich mir den Kopf um eine Endscheidung zu fällen. Nach noch mehreren Kontrollblicken bei denen ich versuchte die ganze Nestkammer abzusuchen. Ich konnte beim besten Willen nicht eine einzige Larve erkennen.
Nur dieses eine geschrumpfte Eierpaket welches die Königin immer wieder hin und her trug.

Ich entschied mich dafür es zu versuchen, auch wenn damit wirklich alles schief gehen konnte...

Also packte ich mir ein 18er Reagenzglas, baute einen Wassertank hinein und füllte etwas von dem Bodengrund in das RG.
Da diese Ameisenart schlecht bis gar nicht auf Glas laufen kann hielt ich das für angebracht damit sich die Gyne gut bewegen kann.

Mit einem kleinen Plastiklöffel, einer Feserstahlpinzette und dem Reagenzglas ausgestattet machte ich mich an die Arbeit.
Schicht für Schicht grub ich mich extrem vorsichtig zur Nestkammer durch.
Nachdem ich quasi die Decke der Nestkammer entfernt hatte kam mir die Gyne sofort mit ihrem Eierpacket zwischen den Mandibeln entgegen.
Zu meinem Glück konnte ich ihr direkt das Reagenzglas so vor die Nase halten das sie direkt hinein geflüchtet ist! Ich war erstmal beruhigt, weil das bereits besser gelaufen war als ich es mir vorgestellt hatte. Wenn ich die Gyne noch irgendwie dazu zwingen hätte müssen wäre das wahrscheinlich noch viel stressiger für sie geworden.
Ich verschloss das Reagenzglas und legte es ersteinmal auf die Seite.

Nun konnte ich in Ruhe die Nestkammer untersuchen.
Wie ich bereits durch die Scheibe gesehen habe, befanden sich dort mehrere der angebotenen Futtertiere. Von den darin liegenden Futtertiere waren aber nur noch die Chitinpanzer übrig, der Rest wurde wohl von den Springschwänzen vernichtet.
Ich konnte bei meiner Suche nach weiterer Brut noch zwei Eier finden, die ich sofort mit der Pinzette aufsammelte. Ich musste die Eier nur vorsichtig mit der Pinzette berühren und sie blieben an ihr kleben. So konnte ich sie sehr schonend aufnehmen und zu der Gyne ins RG legen.

Ich untersuchte alles sehr sorgfältig und musste leider feststellen das sich in dem gesamten Bereich der Nestkammer tatsächlich keine einzige Larve befand.

Falls ich nicht wirklich etwas übersehen habe, haben sich die Eier tatsächlich nicht entwickelt oder wurden wieder gefressen.
Ich gehe davon aus das ich sehr sorgfältig war und aufgrund dessen das ich sogar die zwei einzelnen Eier gefunden habe, denke ich das ich kleine Larven auch gesehen hätte, sollten welche vorhanden gewesen sein.

Ich legte das Reagenzglasnest verschlossen wieder in die Box, etwa zur Hälfte in das Substrat. Den Temperaturfühler vom Thermocontrol plazierte ich direkt neben das Reagenzglas und einen Temperaturfühler eines andere Thermostats in das Reagenzglas. Abgedeckt habe ich das ganze mit dem Korkstück.
Nach der 1 Tägigen Kontrolle und der Feststellung das die Temperaturen in und neben dem RG gleich hoch waren habe ich den Fühler im RG wieder entfernt.

Den Watteverschluss vorne habe ich sehr locker eingesetzt um ihn ohne große Erschütterung zu entfernen und wieder einzusetzen.

Die Temperatur im Reagenzglas habe ich jetzt auf 25 Grad eingestellt und biete der Gyne regelmäßig im vorderen Bereich des RG‘s Insekten und Honigwasser auf einem kleinen Stück Alufolie an.

Sie hat sich ziemlich schnell beruhigt und hat ihre Eier am Glas des RG‘s abgelegt.

So sieht das ganze im Moment aus:

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So und nun, einige Tage nach dieser ganzen Aktion... da gibt es etwas positives zu berichten!

Ich hatte erst etwas Angst das das Kondenswasser im RG auch zu einem Problem wird, aber dem ist scheinbar nicht so:

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Ich konnte am Glas des RG‘s ganz klar mindestens zwei Larven erkennen!
Die Gyne ist ruhig und hat ihre komplette Brut hier an der Scheibe gelagert. Futtertiere werden tiefer in das RG gezogen und bis jetzt sieht es so aus als hätte ich die richtige Entscheidung getroffen!

Ich werde das weiter beobachten und hoffe das die Larven wachsen und sich dann auch irgendwann verpuppen.

Mein Plan ist, das RG wieder zu öffnen sobald die erste Pygmäe geschlüpft ist. Ich hoffe natürlich das die kleine Kolonie dann vorerst im RG bleibt, aber das wird sich dann zeigen.

Ich weiß, das war nicht optimal, aber ich glaube ich habe mich richtig entschieden und hoffe das die Entwicklung der Brut nun ihren lauf nimmt.

Ich werde euch weiter auf dem laufenden halten.

Liebe Grüße
Tim

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Re: Odontomachus spec. Haltungsbericht mit Gründung von Timm

Beitragvon Timmey91 » 16. Januar 2019, 10:12

Kleines Zwischenupdate:

Gestern Abend, beim Anbieten von frischen Proteinen und Honig, konnte ich ganz klar erkennen das an dem Mini-Heimchen von vorgestern eine der Larven abgelegt wurde und am fressen war.
Die Larve ist auch deutlich gewachsen.

Ich vermute das Umsetzten ins Reagenzglas war wohl die richtige Entscheidung.
Das allerdings kann ich erst zu 100% sagen wenn die erste Pygmäe das Licht der Welt erblickt.

Ein aktuelles Bild habe ich nicht weil ich nicht wirklich damit gerechnet habe die Larve so weit im vorderen Bereich des RG‘s vorzufinden.

Liebe Grüße
Tim

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